So klang Oper am Hamburger Gänsemarkt 1707

CD/Blu-ray Besprechung: Reinhard Keiser Der Carneval von Venedig  klassik-begeistert.de, 31. Januar 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Ein Geheimtipp für die Liebhaber der Barockmusik!

Reinhard Keiser
Der Carneval von Venedig

barockwerk Hamburg

Ira Hochman

cpo 555 581-2

von Peter Sommeregger

Diese ambitionierte CD-Produktion taucht tief in die Geschichte der Oper in Hamburg ein. Die Stadt verfügte ab 1678 über das damals größte bürgerlich-städtische Theater im deutschen Sprachraum. Die „Oper am Gänsemarkt“ soll bis zu 2000 Zuschauern Platz geboten haben, und war für sich schon eine Attraktion.

Den Annalen kann man entnehmen, dass Reinhard Keisers Oper „Der angenehme Betrug oder der Carneval von Venedig“ ab 1707 wahre Triumphe am Haus feierte, und auch in späteren Spielzeiten immer wieder mit Erfolg aufgeführt wurde.

Vieles über die Entstehungsgeschichte der dreiaktigen Oper liegt im Dunkeln. Bekannt ist, dass 1705 am Hoftheater von Weißenfels, dem Reinhard Keiser verbunden war, eine Oper „Der Karneval in Venedig“ aufgeführt wurde, deren Musik aber möglicherweise von Johann David Heinichen stammt. Librettist war auch hier Johann August Meister, der den Text nach einer französischen Vorlage schrieb. Mehrfache Vertonungen von Libretti waren in dieser Zeit durchaus üblich, also bleibt die Frage ungeklärt, ob es sich in Weißenfels und Hamburg um das gleiche Werk handelte. Tatsächlich hat Christoph Graupner für Hamburg einige Arien dazu komponiert, es wurden auch Texte in Plattdeutsch hinzugefügt.

Das Werk ist ein Pasticcio, wie es in dieser Zeit gebräuchlich war, die Urheberschaft einzelner Werkteile ist nicht mehr zu eruieren, selbst die Texte einzelner Arien sind in französischer und italienischer Sprache verfasst. Originell ist die Verwendung von Plattdeutsch in einigen Passagen.

Die Herstellung einer rekonstruierten Partitur war unter diesen Umständen eine musikhistorische Leistung. Verschollene Passagen wurden aus anderen Werken Keisers ergänzt, die Rezitative durch Felicia Brembeck erneuert. Das Ensemble barockwerk Hamburg unter der Leitung von Ira Hochman, einer Expertin für historische Aufführungspraxis, die das Ensemble 2007 begründet hat, sorgt für eine stilreine Realisierung.

Die Einspielung des Werkes, das eine heitere Verwechslungskomödie, nicht unähnlich Mozarts „Cosi fan tutte“ vor dem Hintergrund des Carnevals in Venedig ist, gelingt ausgezeichnet. Ein stilsicheres Septett von Sängern verbindet sich zu einer authentischen Wiedergabe der seinerzeitigen Erfolgsoper. Die Sopranistinnen Hanna Zumsande, Fanie Antonelou und Anna Herbst, sowie Mezzosopranistin Geneviève Tschumi, Tenor Mirko Ludwig und die Baritone Andreas Heinemeyer und Matthias Vieweg bringen ihre barock-erfahrenen Stimmen ein, die sich zu einer geglückten Aufführung verbinden.

Ein Geheimtipp für die Liebhaber der Barockmusik!

Peter Sommeregger, 31. Januar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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