Quatuor Dutilleux: Wenn der Funke überspringt

CD/Blu-ray Besprechung: Triptyque Beethoven Vol. 1, Quatuor Dutilleux  klassik-begeistert.de, 4. März 2026

CD/Blu-ray Besprechung:

Diese CD ist ein kurzweiliger und intelligenter Musikgenuss für alle, die das Streichquartett nicht als museale Form, sondern als lebendigen Dialog verstehen. Ein vielversprechender Auftakt zu einer Trilogie, die Beethoven nicht auf den Sockel hebt, sondern ihn dort abholt, wo er damals stand: hungrig, mutig und bereit, die Welt aus den Angeln zu heben.

Triptyque Beethoven Vol. 1
Quatuor Dutilleux

b-records, LBM086

von Dirk Schauß

Als Ludwig van Beethoven nach Wien aufbrach, gab ihm sein Gönner Graf Waldstein mit auf den Weg, er solle „Mozarts Geist aus Haydns Händen“ empfangen. Genau an diesem entscheidenden Wendepunkt der Musikgeschichte setzt das Quatuor Dutilleux an. Mit Triptyque Beethoven Vol. 1 (erschienen bei b-records) eröffnen die Musiker eine Trilogie, die weit mehr ist als eine bloße Werkschau – es ist eine packende Charakterstudie des jungen Beethoven und seiner Idole.

Der Einstieg ist alles andere als zimperlich. Mozarts monumentales Adagio und Fuge KV 546 fungiert hier wie die „Statue des Komturs“: streng, unerbittlich und einer frappierenden Modernität. Das Quatuor Dutilleux wählt einen sehr direkten Ansatz. Die Artikulation ist erstaunlich ruppig, fast ein wenig ungehobelt, was dem Werk jegliche Perücken-Eleganz austreibt und stattdessen seine archaische Wucht betont. Ein Wachmacher, der klarmacht: Hier wird nicht gemütlich musiziert, hier wird gerungen.

Den Übergang bildet Joseph Haydns letztes vollendetes Streichquartett (op. 77 Nr. 2). Es ist der Moment der Stabübergabe. Die Musiker werfen sich in die Sätze mit einer furiosen Spielfreude. Besonders das Menuett besticht durch seinen energischen Zugriff, während das Andante durch die direkte Interaktion der einzelnen Stimmen wie ein lebhaftes Gespräch wirkt. Man hört förmlich, wie die vier Instrumente zu einem atmenden Kollektiv verschmelzen. Das Finale ist dann Lebensfreude pur – ein spritziges Vergnügen, das zeigt, wie viel Feuer in Haydns Spätwerk noch brennt.

Dann betritt der junge Löwe die Bühne: Beethovens erstes Quartett (op. 18 Nr. 1). Das Quatuor Dutilleux findet hier genau die richtige Mischung aus jugendlichem Übermut und tiefem Ernst. Der erste Satz kommt energisch und seelenvoll daher, doch im berühmten langsamen Satz schalten die Musiker in einen tiefgründigen Erzählmodus um. Die schwere Tongebung verleiht der Musik eine opernhafte Tragik. Dass das Ensemble im Scherzo wieder keck und im Finale unbeschwert freudig aufspielt, zeigt ihre enorme emotionale Bandbreite.

Was diese Aufnahme besonders auszeichnet, ist die Klangregie von b-records. Der Sound ist extrem nah dran an den Instrumenten. Man hört das Greifen auf den Saiten, das Atmen des Ensembles – eine Unmittelbarkeit, die optimal zur rohen Energie dieser Jugendwerke passt. Alles klingt wichtig, jede Nebenstimme hat Gewicht.

Diese CD ist ein kurzweiliger und intelligenter Musikgenuss für alle, die das Streichquartett nicht als museale Form, sondern als lebendigen Dialog verstehen. Ein vielversprechender Auftakt zu einer Trilogie, die Beethoven nicht auf den Sockel hebt, sondern ihn dort abholt, wo er damals stand: hungrig, mutig und bereit, die Welt aus den Angeln zu heben.

Dirk Schauß, 4. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Wolfgang Amadeus Mozart
Adagio und Fuge c-moll KV 546

Joseph Haydn
Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 77

Ludwig van Beethoven
Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18

BELCEA QUARTET, Streichquartette von Beethoven und Julien Anderson Elbphilharmonie, 16. Februar 2024

Kammermusik-Lunchkonzerte „Dunkelheit und Licht“, Haydn und Schostakowitsch Tonhalle Zürich, 20. Juni 2024

BELCEA QUARTET, Streichquartette von Beethoven und Julien Anderson Elbphilharmonie, 16. Februar 2024

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