CD/Blu-ray Besprechung:
Zingarelli
Giulietta e Romeo
Choeur et Orchestre de l’Opéra Royal
Stefan Plewniak
CVS 181
von Peter Sommeregger
Der neapolitanische Komponist Niccolò Zingarelli war ein Zeitgenosse Mozarts, allerdings war ihm ein deutlich längeres Leben vergönnt, in dessen Verlauf er etwa dreißig, zu ihrer Zeit erfolgreiche Opern komponierte.
Sein erfolgreichstes Werk war die 1796 an der Scala di Milano uraufgeführte Oper „Giulietta e Romeo“, die anderen Quellen als dem Drama Shakespeares zugrunde liegt. Während der Herrschaft Napoleons wurde das Werk häufig in Frankreich aufgeführt, es war der Überlieferung nach die Lieblingsoper des Kaisers.
Die Produktion der königlichen Oper in Versailles von 2023 nähert sich stilistisch jener Epoche an, was besonders in den prächtigen, geschmackvollen Kostümen von Christian Lacroix sichtbar wird. Die Regie von Gilles Rico ist unaufdringlich und passt sich hervorragend den Gegebenheiten und der Tradition der Bühne im einstigen Versailler Hoftheater an. So erlebt man eine stimmungsvolle Aufführung von großer Authentizität, wie sie wohl in optisch ähnlicher Form zu des Kaiser Zeiten zu erleben war.
Zingarellis Musik ist geprägt vom Stil der Neapolitanisch Schule, ist eine Opera seria, die allerdings ohne ermüdende Rezitative auskommt. Besonders gut ausgearbeitet sind die Gesangspartien, die den wenigen Protagonisten ausführlich Gelegenheit geben, ihre vokale Geläufigkeit unter Beweis zu stellen.
Allen voran die Sopranistin Adèle Charvet als Giulietta und der Countertenor Franco Fagioli, die ihre tragischen Rollen mit viel Herzblut gestalten. Das blühende Timbre Charvets und der herbere Counter Fagiolis verbinden sich auf das Schönste.
Krystian Adam gestaltet die Tenorpartie des Everardo, Giuliettas Vaters, markant und kraftvoll. Ebenfalls einem Tenor, Valentino Buzza, ist die kleine, aber dramaturgisch wichtige Rolle des Teobaldo anvertraut. Der Sopranist Nicolò Balducci singt den Gilberto mit betörenden Kantilenen, die Besetzung aller vier männlichen Rollen mit hohen Stimmlagen funktioniert durch die Individualität der einzelnen Stimmen hervorragend.
Das Sextett der Protagonisten wird durch die Sopranistin Florie Valiquette als Matilde auf gleich hohem Niveau komplettiert. Der Chor des Opernhauses trägt in kleiner, dem Werk angemessener Besetzung zum Gelingen bei.
Die musikalische Gesamtleitung des Orchestre de l’Opéra Royal liegt in den Händen von Stefan Plewniak, dem eine Präsentation aus einem Guss gelingt. Die Aufführung nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die Ära Napoleon Bonapartes.
Man muss sich wundern, dass ein Werk dieser Qualität nicht öfter zu hören ist, aber vielleicht könnte diese Aufführung ein Schritt zur Wiederentdeckung von Zingarellis Oper sein.
Peter Sommeregger, 3. März 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
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