Salomons „Médée et Jason“ ist stilistisch zwischen Lully und Rameau einzuordnen

CD/Blu ray Besprechung: Salomon, Médée et Jason  klassik-begeistert.de, 24. Februar 2026

CD/Blu ray Besprechung:

Diese 1713 uraufgeführte Tragédie en musique reihte sich in eine lange Reihe von Vertonungen des antiken Medea-Stoffes ein.

Salomon
Médée et Jason

Choeur de Chambre de Namur

A nocte temporis
Reinoud Van Mechelen

CVS 189

von Peter Sommeregger

Joseph François Salomons Oper in fünf Akten und einem umfangreichen Prolog entstand auf ein Libretto von Simon Joseph Pellegrin. Auffällig an seiner Version der Tragödie ist die ungewöhnlich umfangreiche Rolle der Créuse, die in anderen Versionen des Stoffes bedeutend kleiner angelegt ist, und damit die Dominanz der Figur der Medea relativiert.

Bereits der Prolog ist mit Pauke und Trompeten prunkvoll angelegt und leitet in Form einer Allegorie zur fünfaktigen Handlung über. Die detailreiche Instrumentierung erzeugt trotz des relativ kleinen Ensembles von a nocte temporis ein üppiges Klangbild von erstaunlichem Volumen.

Begründer und Leiter  des a nocte temporis ist Reinoud Van Mechelen, der in dieser Produktion nicht nur das Orchester leitet, sondern mit seiner kraftvollen Tenorstimme gleichzeitig die Hauptfigur des Jason übernimmt. Seine Partner, die teilweise mehrere Rollen verkörpern, hat er klug nach Stimmfarben ausgewählt. Créuse, gesungen von Mélissa Petit mit klarem, hellem Sopran unterscheidet sich im Timbre stark von der Médée Marie-Andrée Bouchard-Lesieurs, die einen wohlklingenden dramatischen Mezzosopran gekonnt einsetzt. In der vierten Hauptrolle des Créon lässt Cyril Costanzo einen sonoren Bass hören, zusätzlich ist er auch als Apollon zu hören. Das Ensemble wird in kleineren Rollen ergänzt durch Lore Binon, Annelies Van Gramberen und Virginie Thomas.

Der Komponist Salomon war bereits 52 Jahre alt, als er mit diesem Werk seine erste von insgesamt nur zwei Opern schuf. Nach der erfolgreichen Uraufführung an der Académie royale de musique 1713 erlebte Médée et Jason in den folgenden Jahrzehnten nicht weniger als fünf Wiederaufführungen.

Allen Beteiligten ist eine äußerst homogene Interpretation der umfangreichen Partitur zu danken. Instrumentalisten wie Gesangssolisten verbinden sich zu einem engagierten Ensemble, das bei der Einspielung im Juli 2025 in der Grand Manège in Namur eine großartige Aufführung kreierten. Die Ausstattung der CD-Box entspricht abermals dem hohen Standard des Labels CVS, das auch dem Auge Freude bereitet.

Peter Sommeregger, 24. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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