Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier / © Bundesregierung /
Selim Jasmin. „Weihnachten erinnert uns daran, wie wichtig es ist, zusammenzukommen und zusammenzuhalten, im Großen wie im Kleinen“, sagte Bundespräsident Steinmeier bei einem Adventskonzert mit dem Komponisten Philipp Schiepek, Musikern des Ensembles Quadro Nuevo und Autorin Leah Weigand im Schloss Bellevue.
Die Lieblingsmusik 2025 der klassik-begeistert-AutorInnen
Die Autorinnen und Autoren von klassik-begeistert.de besuchen mehr als 1000 Konzerte und Opern im Jahr. Europaweit! Als Klassik-Reporter sind sie ganz nah dran am Geschehen. Sie schreiben nicht über alte Kamellen, sondern bieten den Leserinnen und Lesern Stoffe aus den besten Opern- und Konzerthäusern der Welt. Was haben sie gehört, gespürt, gesehen, gefühlt, gerochen?
Ich danke allen Klassik-Reportern von klassik-begeistert für die Begeisterung, mit der sie ihrem Handwerk nachgehen. Nur durch Euer Engagement, Euer Wissen, Euer Gehör und vor allem durch Eure Schreibkunst ist klassik-begeistert.de zum größten deutschsprachigen Klassik-Blog in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgestiegen. Und das ohne Pause seit 2018.
Ich wünsche allen Autorinnen und Autoren sowie allen Leserinnen und Lesern ein geschmeidiges Gleiten ins hoffentlich friedvollere Jahr 2026.
Herzlich,
Andreas Schmidt, Herausgeber
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Musikerlebnis in 2025
Danke, Herr Bundespräsident

Meine Damen und Herren: Der Bundespräsident. Und alle erheben sich, fraglos. Frank-Walter Steinmeiers freundlicher Aufforderung, bitte Platz zu behalten, konnte da keiner mehr folgen. Und das wollte wohl auch niemand, aus Respekt vor Amt und Person.
Für mich war dieses Jahr die Freude, an der Adventssoirée des Bundespräsidenten teilhaben zu dürfen, mein Gänsehaut-Erlebnis mit dem Zeug zum Weitererzählen an meine Enkelkinder (sollte ich eines Tages welche haben). Die Worte Steinmeiers, nachzulesen auf https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2025/12/251215-Advents-Soiree-Schloss-Bellevue.html, die das Gemeinsame in der Welt hervorhoben, wurden von den Interpretationen klassischer Advents- und anderer Lieder durch das Quadro Nuevo und die Texte Leah Weigands verstärkt und unterstrichen.
Beides auf höchstem Niveau – und wer das Ensemble und die Autorin zuvor nicht kannte, setzte prompt letzte Ergänzungen auf seine Weihnachtswunschliste. Es berührten gleichermaßen die Interpretationen von „Maria durch den Dornwald ging“ wie von Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, die so vielschichtig und behutsam mit den altbekannten Melodien umgingen, dass wir mit den Musikern auf eine so aufregende Entdeckungsreise gingen, als beträten wir völliges Neuland.
Auch Leah Weigand nahm mit Texten gefangen, durch die sie die Welt fragend erkundet. Besser hätte dieser Abend nicht gestaltet werden können als auf diese Weise vorweihnachtliche Besinnlichkeit und das Nachdenken über die Schmerzen unserer Zeit zu verbinden. Danke, Herr Bundespräsident.
Sandra Grohmann, Berlin
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Bayreuth ist ein magischer Ort

Bayreuth, nein Danke – habe ich immer gesagt. Allein schon dieser Mischklang, der den Sound des Orchesters der Bayreuther Festspiele sträflich vernebelt. Das ist nichts mehr für mich. Und dann dieses Promi-Schaulaufen zur Eröffnung. Keine 10 Pferde kriegen mich da hin.
Den Wagner-Musik-Enthusiasten Andreas Schmidt wegen schwerer Krankheit auch nicht… Ich habe es dieses Jahr dennoch mannhaft auf mich genommen, dorthin zu fahren. Was tut man nicht alles für seine Leser…
Dann aber, ich hatte gerade erst einen Fuß auf den Grünen Hügel gesetzt, wurde mir klar: Ja, da hatte ich wohl einen ziemlichen Dünkel – die Eröffnung der Bayreuther Festspiele mit der Premiere von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ war mein Schönstes Musikerlebnis 2025. Nicht nur dank Daniele Gatti und Georg Zeppenfeld. Schon gar nicht wegen der Regie von Matthias Davids.
Sondern weil Bayreuth eben ein magischer Ort ist.
Sich gemeinsam von Musik berühren lassen
2025 war ein so ereignisreiches Musikjahr! Wo bloß beginnen?

Kammermusikalische Highlights waren ganz sicher die Schostakowitsch-Quartettzyklen mit dem Quatuor Danel in Leipzig und dem Jerusalem Quartet beim Beethovenfest, der Kölner Abschied des Hagen Quartetts, die Rückkehr ins irische Bantry zum Abschluss des West Cork Chamber Music Festival sowie ein Rezital von Janine Jansen und Denis Kozhukhin im April in Köln.
Sinfonische Höhepunkte waren definitiv die Konzerte des Boston Symphony Orchestra und des Gewandhausorchesters im Mai – mein allererster Besuch in der Kulturstadt Leipzig.
Das Ravel-Festival in Ciboure und Saint-Jean-de-Luz sowie hochkarätige Klavierabende (Avdeeva, Cho, Hamelin, Kissin, Trifonov, Uchida) zählen ebenso zu einem an Höhepunkten überreichen Musikjahr 2025 wie der Besuch von Robert Carsens Tosca in Hamburg, zu der mich meine dort lebende Freundin spontan begleitete. „Du weinst bei Puccini?“, fragte sie noch zur Pause, nach dem Te Deum, zugleich amüsiert und hingerissen – und weinte am Ende selbst, als Cavaradossi erlegt war. Es war ihr erster Opernbesuch seit 30 Jahren.
Es gibt wenig Schöneres, als sich gemeinsam von großer Musik berühren zu lassen. Eine wortlose, lange Umarmung meines wunderbaren Lebensmenschen nach einer grandiosen Darbietung von Bartóks Konzert für Orchester mit dem Concertgebouworkest unter Klaus Mäkelä zur Saisoneröffnung 2025/26 in der Kölner Philharmonie dürfte das singuläre Highlight meines Musikjahrs 2025 sein.
Brian Cooper, Bonn
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Der Crooner Lucio Gallo singt Hits von “The Voice”

Viele schöne Opernabende durfte ich 2025 wieder erleben. Ein ganz spezieller Genuss war für mich allerdings der Auftritt des international gefeierten Bariton Lucio Gallo zusammen mit dem Claudio Chiara Quintett mit ihrem “Tribute to Frank Sinatra” im Rahmen der Wiesbadener Maifestspiele.
Nicht immer klappt der Spagat, den klassische Sänger mit U-Musik versuchen. Bei Lucio Gallo klingen die Sinatra-Schlager ganz natürlich, ohne opernhaftes Getue. Man hört, dass er diese Musik liebt und kennt, hat er ja selbst in jungen Jahren vor seinem Gesangstudium in einer Jazzband gespielt. Nicht nur stimmlich, auch mit seinen Qualitäten als Entertainer weiß er das Publikum in seinen Bann zu ziehen.
Zusammen mit den fünf hervorragenden Musikern des italienischen Claudio Chiara Quintett bot Gallo tolle Unterhaltung mit den großen Hits von Frank Sinatra, wie zum Beispiel “Strangers in the night” oder “My way”, aber auch mit weniger bekannten Melodien von “The Voice”.
Jean-Nico Schambourg, Luxembourg
Ein Crooner ist ein Sänger (meist männlich), der einen sanften, hauchigen Gesangsstil pflegt, oft sentimental und gefühlvoll, populär in den 1930er- bis 1950er-Jahren, ermöglicht durch Mikrofone, mit berühmten Vertretern wie Frank Sinatra, Bing Crosby und Perry Como, und der Stil ist vom „Crooning“ abgeleitet – leise, melancholisch singen.
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“Fülle des Wohllauts” – eine literarische Operngala entzückt nach Thomas Mann
Ein Kapitel aus dem Roman „Der Zauberberg“ von Thomas Mann (6. Juni 1875 – 12. August 1955)
Laeiszhalle Hamburg, 6. November 2025

Schon wieder ist ein Jahr geradezu hindurchgerauscht, doch die Schönheit und Kraft der Musik ist zeitlos und bleibt unantastbar. Was für eine wichtige Konstante in unser aller Leben!
Schon zum dritten Mal in Folge haben in meiner persönlichen Wertschätzung die Symphoniker Hamburg den Spitzenrang erklommen.
Nach Beethoven/Rachmaninow (Violinkonzert/Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27, 2023) und Berlioz (Roméo et Juliette, 2024) war es in diesem Jahr die am
6. November stattgefundene Operngala “Fülle des Wohllauts“ nach Rezitationen aus Thomas Manns „Zauberberg“ zur Ehrung des 150. Geburtstages des großen Schriftstellers. Es handelte sich dabei um einen einzigen Konzertabend, der nicht nur Literatur mit Oper verknüpfte, sondern auch brillante Solisten auf die Bühne brachte, die exzeptionelle Spitzenleistungen wie in einem Feuerwerk aufeinander folgen ließen: Der unvergleichliche Baritenor Michael Spyres, die betörende Sopranistin Jacquelyn Wagner und die ausdrucksstarke Mezzosopranistin Diana Haller.
Dazu die glänzend aufgelegten Symphoniker Hamburg unter der Leitung von Sylvain Cambreling und der hintergründige Rezitator Hans-Jürgen Schatz. All dieses verschmolz zu einem ereignisreichen Konzertabend der Spitzenklasse. Man wünschte sich, derartige Höherpunkte häufiger erleben zu können. Und natürlich besseres Wetter auf der An- und Rückfahrt.
Dr. Holger Voigt, Kaltenkirchen bei Hamburg
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Den zweiten Teil unserer Serie „Meine Lieblingsmusik“ lesen Sie
am Sonntag, 28. Dezember 2025, hier auf klassik-begeistert.de
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