Mady Christians, Willy Fritsch © Deutsches Filminstitut Filmmuseum Frankfurt
Ein Walzertraum
Deutsch-österreichische Filmkomödie von 1925
Regie: Ludwig Berger
Nach der gleichnamigen Operette von Oscar Straus
und der Novelle „Nux, der Prinzgemahl“ von Hans Müller
Restaurierung: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Neue Musikfassung von Diego Ramos Rodríguez
Eingespielt vom Philharmonischen Staatsorchester Mainz,
Leitung: Gabriel Venzago
Erstausstrahlung bei Arte am 15. Dezember 2025
In der Arte-Mediathek verfügbar bis 14. März 2026
von Ralf Krüger
Wer Park und Schloss Schönbrunn vor hundert Jahren in bewegten Bildern erleben will, der sei hier herzlich willkommen. In diesem Ensemble beginnt die Geschichte um eine Prinzessin, die endlich heiraten soll – vorzugsweise einen Prinzen. Der aber will nicht und schickt dafür seinen Adjutanten ins Feld der Liebelei. Nach einer Kutschfahrt durch den 1. Wiener Bezirk und einem Abstecher zum Heurigen, küsst doch tatsächlich dieser schneidige Adjutant die schöne Prinzessin – und muss sie heiraten!
So streng sind die Gesetze im Herzogtum Flausenthurn, der Heimat der Prinzessin. Da müssen Hunderte von Paragraphen, Abläufe und Protokolle eingehalten werden, bevor man sich zur Hochzeitsnacht versammelt. (Achtung: der Film wurde damals mit einem „Jugendverbot“ belegt, schreibt filmportal.de). Doch zu dieser kommt es nicht. Die Prinzessin will nicht. Der Adjutant wartet auf ihr „Herein“ ins Schlafgemach und tröstet sich schließlich mit ordentlich Flüssigem ganz menschlich im Biergarten.
Die Musik kommt… ist ein Hit aus der Feder von Oscar Straus, der die ersten Szenen des Filmes musikalisch garniert. Zu den Bildern der Sichtachsen und Alleen im Park von Schönbrunn, zu den Szenen auf einem Balkon des Schlosses und einer Parkbank kommen (glücklicherweise) kammermusikalische Takte des ursprünglichen Militärmarsches zu Gehör.
Diego Ramos Rodríguez, der spanische Komponist und Violinist, hatte die Aufgabe, einen zweistündigen Film zu vertonen. Es geht aus dem Abspann nicht hervor, dass sein Soundtrack auf alten Noten basiert, somit wird die gesamte Partitur neu erdacht und arrangiert worden sein. Aber genauso wie sein „Vorgänger“ im Jahre 1925, der Ungar Ernö Rapée, entwickelte Rodríguez einen bunten Mix aus den Operettenmelodien von Oscar Straus und baute populäre Lieder mit ein.
Wien, Wien, nur du allein, die unsterbliche Weise von Rudolf Sieczyński, ist genauso zu hören, wie zwei Klassiker von Johann Strauss Sohn: Wiener Blut und G’schichten aus dem Wienerwald.

Fritzi Massary, gefeierter Berliner Operettenstar, wird zweimal via Schellack „zugeschaltet“ und den Abschluss bildet ein Hit, der nun wirklich aus dem Walzertraum stammt: Leise, ganz leise klingt’s durch den Raum.
Dem Spiel des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz zwei Stunden lang zuzuhören, macht großen Spaß. Manchmal denke ich, sie imitieren Vogelstimmen – so frisch und naturverbunden klingen die Melodien. Doch sie bleiben stets nur die Begleitung der stummen Bilder, treten aus ihrem Schatten nicht heraus. Denn die wirklichen Stars sind die Schauspielerinnen und Schauspieler, die Charaktere des Films. Ihr Gesichtsausdruck, ihre Mimik, ihr Bemühen, uns Zuschauern das zu sagen, was sie im Stummfilm nicht sagen können, begeistert mich ungemein.

Mady Christians ist die Prinzessin Alix, die Wagners Walküren-Ritt auf dem Klavier spielt, aber später einsieht, dass Wiener Walzer doch die bessere Musik ist. Sie spielt eine Frau, die zwar keck, aber trotzdem Traditionen verbunden ist und aus der eine moderne Ehefrau wird, die kurze Kleider und Bubikopf trägt.

Willy Fritsch ist der Adjutant mit dem Kosenamen Nux, der entweder Uniform oder Anzug trägt und seine Gefühle einzig durch die Augen zum Ausdruck bringt. Von Herzschmerz, Frohsinn bis zur sinnlichen Begierde ist alles dabei.
Und dann wäre da noch Julius Falkenstein zu würdigen, der Oberhofmarschall in Flausenthurn, ein wahrer Komödiant, einer, der solche Filme wirklich prägt und sie zum Kunstwerk macht.
Der Film Ein Walzertraum feierte im Dezember 1925 im großen Ufa-Palast am Zoo in Berlin seine Uraufführung. Die restaurierte Fassung lief bei Arte im Nachtprogramm um 23:55 Uhr. Ich kann nur hoffen, dass der Film dank der Mediathek wenigstens ein kleines Publikum erreicht. Alle Menschen, die dafür sorgten, dass er jetzt per Klick oder Play-Taste abspielbar ist, hätten es sich verdient.
Ralf Krüger, 18. Dezember 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Danke für den Hinweis, lieber Herr Krüger!
Jürgen Gauert