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St. Marien, Flensburg, 3. April 2026
Johann Sebastian Bach, Matthäus-Passion
Flensburger Bach-Chor
Elbipolis Barockorchester Hamburg
Leitung: Matthias Janz
von Carsten Ingwersen
Die Aufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach am Karfreitag in St. Marien zu Flensburg geriet zu einem der raren Konzerte, die einem den Atem und ein wenig die Sprache rauben.
Der Chor sang in allen Stimmgruppen präzise und homogen. Die große Emotionalität des Werkes mit seinen sanften Chorälen des innigen Glaubens bis hin zu den Turbachören, in denen der Chor den Aufruhr im Volk ausdrückt und besonders das dynamische Wogen zwischen den Stimmgruppen im komplexen Chor „Sind Blitze, sind Donner“ wurden so souverän gebracht, dass man nicht anders konnte, als sich vollkommen ergriffen zu fühlen. Auch sprachlich sangen Chor und Solisten mit einer Präzision, die ein Mitlesen im Programmheft überflüssig machte.
Das Ensemble der Gesangssolisten mit Magdalena Harer (Sopran), Juliane Sandberger (Alt), Georg Poplutz (Tenor), Sönke Tams Freier (Bass) sowie Johann Kristinsson (Bass) war klug ausgewählt. Alle Stimmen passten wunderbar zum Sound des auf historischen Instrumenten hervorragend musizierenden Barockensembles Elbipolis aus Hamburg und zum Flensburger Bach-Chor unter der Leitung von Professor Matthias Janz. So wurde eine Stimmigkeit und Homogenität des Gesamtklangs geschaffen, die ihresgleichen sucht und die wirkte, als hätten die Musizierenden bereits eine ganze Tour mit der Matthäuspassion als Erfahrungshintergrund im Gepäck.
Hört Aufnahmen der Matthäuspassion, so findet man immer einen Part, der nicht ganz überzeugt. Manchmal ist es eine Stimme im Ensemble der Gesangssolisten, die zu kraftvoll gerät oder im Falle nicht- muttersprachlicher Solisten etwas schwer verständlich ist. Manchmal ist es nur die Aufnahmetechnik, die das Klangerleben an den Lautsprechern etwas verzerrt. Die perfekte Aufnahme zu finden, die alle Aspekte dieses vielschichtigen Werkes adäquat darstellt ist wohl unmöglich.
Das war im Livesetting anders, hier gab es nichts, aber auch gar nichts zu bemängeln. Es war eine Aufführung, die die Zuhörenden – auch noch im hinteren Kirchenschiff unter der Orgelempore – mit ihrer Intensität ohne Übertreibungen vollkommen in ihren Bann schlug. Diese dankten es den Aktiven, indem sie schon nach dem Ende des ersten Teils der Passion applaudierten.
Sehr erfreulich war, dass das Publikum ein recht geringes Durchschnittsalter hatte. Viele Menschen jüngeren und mittleren Alters hatten den Weg in die Marienkirche gefunden und wurden mit einem Musikerlebnis belohnt, das jeder Musikmetropole gerecht würde.
Herzlichen Dank für die schöne Musik!
Carsten Ingwersen, 7. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at