Regents Opera, Das Rheingold © Steve Gregson
Ein einfacher, weißer Laufsteg inmitten einer sonst für Boxkämpfe genutzten, knapp ein Jahrhundert alten York Hall im Londoner Arbeiterviertel Bethnal Green – das ist der neue Schauplatz des Ring-Zyklus, den die englische „Regents Opera“ vor ausverkauften Rängen unter dem Jubel des aus ganz London herbeigeströmten Publikums bietet.
Frühere Produktionen von Wagners „Ring“ hatte die Regents Opera im imposanten Bau der Freemasons Hall inszeniert.
Richard Wagner
Rheingold
Regie: Caroline Staunton
Orchester-Manager: Alison Holford
Assistenz-Dirigenten: John Paul Jennings/Robin Whitehouse
Regents Opera, York Hall, Bethnal Green, London, 23. Februar 2025
von Dr. Charles E. Ritterband
Der totale Verzicht auf Kulissen und Requisiten verlangt eine umso kunstvollere Darstellung der Protagonisten – bewundernswert und überaus kunstvoll vor allem wie der von Wotan und Loge hereingelegte Alberich seine Verwandlung in einen riesigen Drachen und eine winzige Kröte eindrücklich und glaubhaft bewerkstelligt: Was sonst mit Riesen-Projektionen oder allenfalls Puppen auf die Bühne gebracht wird, leistete dieser großartige Alberich (Oliver Gibbs) allein durch immenses Spiel seiner gewaltigen Muskulatur.
Was für ihn galt, ließ sich auf sämtliche Darsteller beziehen: Durch ihre unmittelbare Nähe zum Publikum waren sie auf ihre mimischen Mittel beschränkt, die sie ausnahmslos hervorragend beherrschten.
Allerdings – wie stets bei Aufführungen der an sich exzellenten Regents Opera haperte es auch diesmal bei den (sparsam eingesetzten) Requisiten: Nicht völlig einleuchtend wurde im Programmheft begründet, weshalb auf besagtem Laufsteg kleine Podeste aufgestellt waren, auf denen kleine, abstrakte Kunstwerke positioniert wurden, die von den Darstellern gelegentlich abgeräumt wurden. Das war unnötig, kaum plausibel und wohl etwas zu hoch gegriffen für vermutlich fast alle Zuschauer – Programmheft-Erläuterungen hin oder her.
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Egal. Die Aufführung war, zumindest was Sängerinnen und Sänger betraf, hochkarätig und beeindruckend. Beim (den Verhältnissen entsprechend auf für Wagner’sche Verhältnisse reduzierten) Orchester war man sich schon weniger sicher: Vor allem die Streicher wirkten, insbesondere am Anfang des Stückes, ziemlich dürftig, unkoordiniert und schienen generell einen Mangel an Proben zu offenbaren. Glänzend hingegen das Blech, vor allem in den berühmten, grandiosen Passagen gegen Schluss, als Donner seine Macht spielen lässt.
Der Star des Abends war Ralf Lukas als Wotan mit seinem herrlich geschmeidigen Bariton und schauspielerisch perfekt als der von Selbstzweifeln gepeinigte Vatergott zwischen Macht und Ohnmacht (vor allem als seine stets quengelnde Göttergattin Fricka auf den Plan trat).
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Unter den Sängerinnen herausragend Mae Heydorn in ihrer Doppelrolle als muntere Floßhilde und später als unheilvoll mahnende Erda mit ihrer edel patinierten Stimme.
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Alberich (Oliver Gibbs) glänzte durch sein geradezu akrobatisches Muskelspiel als Riesendrache und mit seinem warmen, stimmenstarken Bariton.
Dr. Charles E. Ritterband, 28. Februar 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Besetzung:
Wotan: Ralf Lukas
Fricka: Ingeborg Novrup Borch
Freia: Charlotte Richardson
Alberich: Oliver Gibbs
Donner: Andrew Mayor
Froh: Calvin Lee
Mime: Holden Madagame
Flosshilde/Erda: Mae Heydorn
Woglinde: Jilian Finnamore
Wellgunde: Justine Viani
Fasolt: Henry Grant Kerswell
Fafner: Craig Lemont Walters
Richard Wagner, Siegfried Regents Opera, Grand Temple, Freemasons’ Hall, London, 7. Februar 2024
Wolfgang Amadeus Mozart, The Marriage of Figaro ENO at the London Coliseum, 22. Februar 2025