Ewa Plonka als Floria Tosca an der Hamburgischen Staatsoper; Foto Patrik Klein
Vom Gästedienst im KomponistenQuartier Hamburg in die Elbphilharmonie und in die Hamburgische Staatsoper kann der Weg manchmal so kurz sein – Zufälle gibt es, die keine Zufälle sein können – oder?
von Patrik Klein
Aber ganz langsam und von Anfang an: Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Adolf Hasse, Fanny Hensel, Felix Mendelssohn, Johannes Brahms und Gustav Mahler sind Hamburgs Berühmtheiten, die die Musik der Stadt maßgeblich geprägt haben. Sie sind in Hamburg geboren oder haben hier jahrelang musikalisch gewirkt – oder beides.
In der Peterstrasse steht ein aufregendes Museum, das KomponistenQuartier Hamburg, das das musikalische Erbe der Komponisten in höchst spannender, interaktiver Präsentationsweise seit mehr als 10 Jahren pflegt.
Viele interessierte Besucher aus aller Welt, Touristen, Musiker, manchmal sogar Top Künstler aus der Elbphilharmonie, die mal kurz zwischen Probe und Konzert vorbeischauen, sind begeistert von der Bandbreite der Informationen, aber auch den vielen interaktiven Möglichkeiten, sich der Musik dieser bedeutenden Komponisten und deren Umfeld zu nähern. Da kann man Musikbeispiele hören, Briefe lesen, sich in computeranimierten Menüs durchklicken, Originale der damaligen Zeit studieren und Instrumente nicht nur anschauen, sondern sogar spielen.

Über 50 ehrenamtliche Museumshelfer begrüßen, begleiten und führen die Besucher durch die Räume. Hinter den Kulissen sorgen weitere Menschen für reibungslose Organisation und die Umsetzung neuer Projekte.
Viele Sonderausstellungen und thematische Führungen können gezielt besucht werden. Das KomponistenQuartier vereint sechs der sieben in Hamburg ansässigen Komponisten-Gesellschaften, die für den Inhalt verantwortlich sind. Kurzum: ein hanseatisches Juwel präsentiert sich inmitten von Hamburgs Neustadt.
Meine Frau und ich gehören nun seit zwei Jahren zu diesen ehrenamtlichen Helfern, die die Gäste begrüßen und bei ihren Museumsbesuchen begleiten, Überblick oder Tipps geben, sich mit der Musik auseinandersetzen und sich mit den Besuchern in Diskussionen begeben. Dabei entstehen oft neue Erkenntnisse und man lernt höchstinteressante Leute kennen.
Es geschah also an einem Freitag, nicht dem dreizehnten, sondern an einem ganz beliebigen, wo wir Dienst hatten und abends ins Konzert mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester Hamburg wollten.
Es war wenig los im KQ, vielleicht waren die vielen Gäste, die sonst kommen auf den Weihnachtsmärkten dieser Stadt emsig tätig oder hatten einfach keine Lust, bei dem Wetter sich vom wärmenden Sofa loszureißen.

Wie der Zufall es wollte, kamen im Laufe der nachmittäglichen Dienstzeit zwei ganz besondere Besucher ins Museum, die wir kannten. Andris Poga, lettischer Chefdirigent des Stavanger Symphony Orchestra war derzeit in Hamburg als Gastdirigent verpflichtet und hatte am Abend ein Konzert in der Elbphilharmonie zu dirigieren.
Und wir hatten Karten!
Wenig später traute ich meinen Augen nicht so recht, als Ewa Plonka, die amerikanisch-polnische Sopranistin, derzeit in Hamburg als Tosca engagiert, unsere Stätte in der Peterstrasse betrat.
Und wir hatten Tickets für die Vorstellung am Samstag!

Natürlich bekamen die beiden Gäste eine private Führung von mir und staunten über die wunderbaren Möglichkeiten unseres Museums nicht schlecht. Man kam auch ganz schnell ins fachliche Gespräch, tauschte Standpunkte aus, lernte auf beiden Seiten dazu und genoss einfach die Gelegenheit über Hamburgs großen Stellenwert in der Musikgeschichte zu plaudern.
Tja, Zufall oder nicht könnte man jetzt einstreuen?
Und man muss gestehen, dass man nach solchen Begegnungen mit ganz anderen Antennen in die Abende ging, an denen die beiden maßgeblich mitwirkten.
Manchmal ist die Welt der Musik halt klein und fein wie ein Bonsai.
Patrik Klein, 30. November 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Programm:
Elbphilharmonie Hamburg, 28. November 2025
NDR Elbphilharmonie Orchester
Konstantin Krimmel, Bariton
Dirigent: Andris Poga
Arthur Honegger Sinfonie Nr. 3 »Liturgique«
Ralph Vaughan Williams Songs of Travel
Richard Strauss Tod und Verklärung / Tondichtung für großes Orchester op. 24
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Hamburgische Staatsoper, 29. November 2025
Dirigent: Giampaolo Bisanti
Chor und Orchester der Hamburgischen Staatsoper
Tosca: Ewa Plonka
Cavaradossi: Joseph Calleja
Scarpia: Gabriele Viviani
Angelotti: Tigran Martirossian
Sagrestano: William Desbiens
Spoletta: Peter Galliard
Sciarrone: Keith Klein
Un Carceriere: Leo Yeun-Ku CHU

Der klassik-begeistert-Autor Patrik Klein ist ein leidenschaftlicher Konzert- und Opernfreak, der bereits über 300 Konzerte (Eröffnungskonzert inklusive) in der Elbphilharmonie Hamburg verbrachte, hunderte Male in Opern- und Konzerthäusern in Europa verweilte und ein großes Kommunikationsnetz zu vielen Künstlern pflegt. Meist lauscht und schaut er privat, zwanglos und mit offenen Augen und Ohren. Die daraus entstehenden meist emotional noch hoch aufgeladenen Posts in den Sozialen Medien folgen hier nun auch regelmäßig bei klassik-begeistert – voller Leidenschaft, ohne Anspruch auf Vollständigkeit… aber immer mit großem Herzen!
Giacomo Puccini, Tosca, Melodramma in drei Akten (1900) Hamburgische Staatsoper, 29. November 2025
Klein beleuchtet kurz 64: Wenn der Pfau tanzt… Elbphilharmonie, 12. Oktober 2025