Die Fledermaus – Niavarani, Schmeckenbecher © Wiener Staatsoper Michael Pöhn
Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE FREITAG-PRESSE – 2. JÄNNER 2026
Wien/Staatsoper
Silvester- „Fledermaus“: Lasst diesen Frosch nicht nur dirigieren, sondern auch singen! (Bezahlartikel)
Markus Poschner am Dirigentenpult und Michael Niavarani als Frosch prägten die vergnügliche, in TV wie Radio übertragene Aufführung des Jahreswechsel-Dauerbrenners von Johann Strauß – mit Steigerung von Akt zu Akt. Jonas Kaufmann und Diana Damrau fügten sich mit Selbstironie in ein taugliches Ensemble ein.
DiePresse.com
Star-Tenor Jonas Kaufmann glänzt in der Fledermaus in Wien
Diesmal drehte sich die Wiener Silvesterfledermaus um Jonas Kaufmanns szenisches Eisenstein-Debüt, welches gemeinsam mit den weiteren überzeugenden Gesangsleistungen der 191. Aufführung von Otto-Schenks Kultinszenierung einen umjubelten Erfolg bescherte. Michael Niavaranis sensationell origineller Frosch wurde zur zweiten Sensation des Abends, während Markus Poschner mit beschwingten Walzerklängen deutlich auf seine Dirigatsleistung aufmerksam machte.
Von Johannes Karl Fischer
Klassik-begeistert.de
Wien/Philharmoniker
„Spreche für Frieden“: Russe Sokhiev dirigiert das Neujahrskonzert 2027
Wie die „Krone“ bereits im Oktober vermutete, suchen sich die Wiener Philharmoniker für das Neujahrskonzert 2027 einen ihrer „Lieblinge“: Der Russe Tugan Sokhiev steht in einem Jahr am Pult des Klassikspektakels.
krone.at
Tugan Sokhiev wird das Neujahrskonzert 2027 dirigieren
Der 48-jährige Russe ist ein Anti-Currentzis und die Zeichen für die Entscheidung waren zuletzt deutlich zu vernehmen
DerStandard.at
Wien/Musikverein
Yannick Nézet-Séguin versprüht beim Neujahrskonzert wienerischen Charme und erobert die Herzen
Mehr oder minder per Zufall kam der großartige kanadische Dirigent (in weiterer Folge Yannick genannt) zu Ehren, dieses außergewöhnliche Event wienerischer (und genauso österreichischer) Geschichte leiten zu können. Und er wird seiner Aufgabe mehr als gerecht – das war ein Konzert, das man sich noch lange merken kann und muss. Bei der Pressekonferenz im Hotel Imperial erzählte Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer, wie Yannicks Engagement eigentlich zustande kam. Im Jahre 2022 hätte die Tournee des Orchesters in New York unter der Leitung von Valery Gergiev stattfinden sollen. Nun hat man nicht mit dem Verhalten der US-Veranstalter gerechnet, die den russischen Stardirigenten abgelehnt haben. Daher suchte das Orchester einen neuen Dirigenten und konnte glücklicherweise Yannick Nézet-Séguin gewinnen, der die drei Konzerte meisterhaft absolvierte. Als Dankbarkeit der Musiker klopften sie bei Yannick an, ob er sich vorstellen könne, dieses bedeutungsvolle Konzert zu leiten. Und wie man sehen kann, stürzte er sich voll Freude in dieses einmalige Abenteuer.
Von Herbert Hiess
Klassik-begeistert.de
„Habsburg-Pop“: Wie der Donauwalzer zum globalen Hit wurde
Schon zu Lebzeiten von Johann Strauss wird der Donauwalzer ein Publikumshit. Ende des 19. Jahrhunderts tanzt die ganze Welt Donauwalzer. Strauss selbst wird mit dem Stück zum Superstar und zum Markenbotschafter für Österreich. Eigentlich sei der Donauwalzer die „heimliche Nationalhymne“ Österreichs, sagt Philipp Ther. Der Historiker der Uni Wien erforscht, welche Rolle Musik im Habsburger Reich einnahm, und wie sich das Reich umgekehrt über Musik definierte. Er spricht von einer Zeit des „Habsburg-Pop“, als im 19. Jahrhundert österreichische Musik international beliebt wurde. Vor Kurzem wurden die Recherchen im Buch „Der Klang der Monarchie“ veröffentlicht.
science.orf.at
Mit zehn Jahren wollte er Dirigent werden, mit 50 leitet er das berühmteste Klassik-Event der Welt (Bezahlartikel)
Der Kanadier Yannick Nézet-Séguin debütiert beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Für diesen Job ist er erstaunlich jung
SueddeutscheZeitung.de
Berlin
Mit Herzschmerz und ausgelassenen Rhythmen ins neue Jahr
Die Berliner Philharmoniker, mit Chefdirigent Kirill Petrenko am Pult, haben ihr diesjähriges Silvesterkonzerte der Liebe gewidmet – und damit einen berührenden Akzent zum Jahresausklang gesetzt. Im Großen Saal der Philharmonie präsentierten sie eine emotionale Reise durch große Liebeszenen der Oper. In ganz Deutschland wurde das Konzert live in zahlreiche Kinos übertragen. Im Rampenlicht des Programms stand einer der derzeit gefragtesten Tenöre: Benjamin Bernheim.
BR-Klassik.de
Berlin
Drei Abende mit Star-Tenor. Bravo-Orkan für Kirill Petrenko bei Silvesterkonzert
Ein Fest, ein Rausch, ein Funkeln! Die Berliner Philharmoniker spielten das erste von drei Silvesterkonzerten, für Chefdirigent Kirill Petrenko (53) und Star-Tenor Benjamin Bernheim (40) ein Triumph. Aber auch für einige Solisten wie Solo-Flötist Emmanuel Pahud im Orchester.
bz-berlin.de
Herzschmerz und tänzerische Leichtigkeit zum Jahresende
Benjamin Bernheim, Jahrgang 1985, zählt zu den gefragtesten Tenören seiner Generation. Bei den International Opera Awards 2024 wurde er zum „Sänger des Jahres“ gekürt. Anders als einige seiner Kollegen setzt Bernheim nicht auf stimmliche Wucht, sondern auf lyrische Feinzeichnung und außergewöhnliche Textdeutlichkeit. Ob Französisch, Italienisch oder Russisch – Bernheim formt jedes Wort mit Präzision, fast schon bis zur Überdeutlichkeit.
rbb24.de
München/Isarphilharmonie
Vorzeitig verkaterter Beethoven mit den Münchner Philharmonikern
Das Orchester der Stadt enttäuscht mit einer rumpeligen Aufführung der Symphonie Nr. 9 von Ludwig van Beethoven unter Eva Ollikainen in der Isarphilarmonie
MuenchnerAbendzeitung.de
Wien/Staatsoper
Der neue Wiener Fidelio: Regie top, Musik flop!
Während in der neuen Wiener Fidelio Nikolaus Habjans geniale Inszenierung mit noch genialerem Puppenspiel überzeugte, blieb der Gesang hinter den Erwartungen an diesem Haus. Auch Franz Welser-Möst konnte den Erfolg seines Auftritts im Musikverein vor Weihnachten nicht wiederholen. Einzig die beiden Baritone Don Pizarro und Don Fernando sorgten für zwei deutliche musikalische Lichtblicke.
Von Johannes Karl Fischer
Klassik-begeistert.de
Feuilleton
Er hat seinen Platz neben Schönberg verdient (Bezahlartikel)
Eine der wichtigsten Aufnahmen des Jahres: Der Wiener Komponist Oskar C. Posa wird wiederentdeckt. Eine Doppel-CD des Labels „Voilà!“ legt seine Violinsonate und seine erschütternden Soldatenlieder vor.
FrankfurterAllgemeine.net
Interview Joshua Bell:
„Ohne Geige würde mir die Seele fehlen“
Seit 2011 leitet Joshua Bell die Academy of St Martin in the Fields. Sein Violinspiel liegt in zahlreichen Aufnahmen vor – und in 20 000 digitalen Samples.
concerti.de
Links zu englischsprachigen Artikeln
Berlin
The Berliner Philharmoniker’s 2025 New Year’s Eve Concert with Kirill Petrenko and Benjamin Bernheim.
Live Digital Concert Hall webcast.
colinscolumn.com
London
The best of classical in 2026
A supernatural oratorio, a Hokusai-inspired opera and a world premiere by Radiohead’s Jonny Greenwood are among the year’s highlights
observer.co.uk
Feuilleton
The Conductor Who Carried Janáček’s Music to the Future (Subscription required)
Charles Mackerras, born 100 years ago, had a vast and versatile repertoire. But he also left an indelible mark on the legacy of at least one composer.
nytimes.com
Best of 2025: Most Read Articles on OperaWire This Year
operawire.com
Off the rim and off the wall
Ivy Lin searches for a slam dunk version of Elvira’s Mad Scene from I puritani in the latest “Perspectives on an Aria.”
parterre.com
Ballett / Tanz
Bern
Unmaskiert, unverhüllt und ungezähmt – «Carmen» der Bühnen Bern
Carmen lebt und liebt – ganz nach ihren eigenen Regeln, gänzlich so, wie es ihr beliebt. Inspiriert von der im Jahr 1845 erschienenen Novelle nach Prosper Mérimée sowie Georges Bizets gleichnamiger Oper, wird «Carmen» als ausdrucksstarke Figur und Geschichte von den Bühnen Bern erstmalig in eine tänzerische Choreografie übersetzt.
frachtwerk.ch
Hamburg
John Neumeiers Nussknacker altert nicht
Man sieht, John Neumeiers klassisch orientierte Nussknacker-Version zieht mehr junges Publikum an als modernistische Experimente, die offensichtlich eher von einem mittelalterlichen Publikum wie den Kulturredakteuren und -innen einer Hamburger Lokalzeitung goutiert werden.
Der Nussknacker des US-Amerikaners altert nicht. Die Coming of age-Geschichte eines jungen Mädchens, das seinee Träume verwirklich sieht und daran reift, ist unverändert modern und berührt Jung und Alt.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de
Best of 2025: Dance
theartsdesk.com
Rock/Pop
Musikfernsehen hat Generationen geprägt: MTV-Sender wird in Europa abgeschaltet
Ein zentrales Kapitel der Popgeschichte geht zu Ende: Der US-Sender MTV stellt am 31. Dezember 2025 seine letzten linearen Musikkanäle in Europa ein. Damit verschwindet das klassische Musikfernsehen endgültig vom Bildschirm. Betroffen sind unter anderem MTV 80s, MTV 90s und MTV Music. Die Abschaltung ist Teil einer strategischen Neuausrichtung des Paramount-Konzerns, zu dem MTV gehört. Die Marke MTV bleibt zwar bestehen, setzt künftig aber vollständig auf Reality-Formate und Entertainment – Musikvideos als Programmkern haben ausgedient. oe24.at
Medien
ORF
Stiftungsrat: Neue Regeln für die Bestellung des ORF-Generals?
Der Vorsitzende Heinz Lederer will eine Cooling-off-Phase für Bewerber aus Privatmedien und keine Ausschreibungen wie bisher üblich. Mit O-Ton-Interview.
Kurier.at
„Peinlichkeits-Oscar“
Gekürt: Dieser Politiker ist Kasperl des Jahres!
Jede Woche ernennen wir eine Person zum Kasperl der Woche! Da kommt im Laufe des Jahres schon einiges zusammen. Und wer hat heuer die meisten Auszeichnungen erhalten? Ein satirischer Jahresrückblick von „Krone“-Wien-Chef Michael Pommer – mit vielen, nennen wir sie, „Gewinnern“.
krone.at
Politik
Immobilien-Krimi in Wien: Zwangsversteigerung in Österreich – Russland wehrt sich
Russland will gegen die geplante Zwangsversteigerung mehrerer Immobilien in Österreich vorgehen. Betroffen sind 18 Liegenschaften und Vermögenswerte. Russland geht in Wien rechtlich gegen die geplante Zwangsversteigerung mehrerer Immobilien in Österreich vor – darunter Wohngebäude in besten Lagen. Wie eine Sprecherin des Bezirksgerichts Innere Stadt gegenüber der APA mitteilte, brachte Russland am 22. Dezember einen Rekurs gegen den Versteigerungsbeschluss vom 9. Juli 2025 ein. Der Rekurs sei inzwischen zugestellt worden, hieß es am Mittwoch.
heute.at
Energie der Sterne. Jänner 2026: Ihr Monatshoroskop von Star-Astrologin Gerda Rogers
Star-Astrologin Gerda Rogers gewährt Ihnen einen exklusiven Blick in die Sterne. Erfahren Sie, was im Jänner auf Ihr Sternzeichen zukommt.
oe24.at
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Unter’m Strich
Schweiz
Tragödie im Kanton Wallis: Dutzende Tote nach Feuer in einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana
In einer Bar im Schweizer Skiort Crans-Montana ist in der Silvesternacht ein Feuer ausgebrochen. Dabei wurden Dutzende Menschen getötet, mindestens 100 Menschen wurden verletzt. Es gibt keine Hinweise auf einen Anschlag. Der Vorfall ereignete sich gegen 1.30 Uhr Ortszeit in der Constellation Bar. Laut Polizei kam es dort zu einer Rauchentwicklung und dem Ausbruch eines Feuers. Am Morgen war von einer Explosion die Rede gewesen, davon spricht die Polizei nun nicht mehr. Es habe keine Explosion gegeben, sondern ein schnell um sich greifendes Feuer. In der Bar waren demnach zum Zeitpunkt des Vorfalls mehr als 100 Menschen, die dort den Beginn des neuen Jahres feierten.
DerSpiegel.de
Brandtragödie in der Schweiz: Kantonsregierung nennt »Flashover« als möglichen Grund für hohe Opferzahl
Weshalb starben so viele Menschen in der Schweizer Bar in Crans-Montana und konnten nicht flüchten? Medien und die Kantonsregierung des Wallis vermuten einen »Flashover«, mit einem Temperaturanstieg auf bis 1200 Grad. Über die Brandursache bei der Silvesterparty-Tragödie in Crans-Montana in der Schweiz gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse. Das Feuer ist wohl nicht durch eine Sprengsatz-Explosion verursacht worden. Der Brand habe eine Verpuffung ausgelöst, sagte der für Sicherheit zuständige Staatsrat im Kanton Wallis, Stéphane Ganzer. Anwohner hatten von einer Explosion berichtet.
DerSpiegel.de.
Bonn
Spektakulärer Gold-Klau in Sparkasse: Es geht um Millionen
Nach dem Millionendiebstahl im deutschen Gelsenkirchen sorgt nun ein weiterer Vorfall bei der Sparkasse für Aufsehen. In Bonn soll Gold aus Schließfächern verschwunden sein. Aus dem Schließfachbereich einer Sparkassen-Filiale in Bonn fehlt offenbar eine erhebliche Menge Gold. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht ein Mitarbeiter des Geldinstituts, der verdächtigt wird, sich unberechtigt Zugang zu zwei Schließfächern verschafft und den Inhalt entwendet zu haben.
oe24.at
INFOS DES TAGES (FREITAG, 2. JÄNNER 2026)
INFOS DES TAGES (FREITAG, 2. JÄNNER 2026)
Quelle: onlinemerker.com
Taktgeber einer neuen Generation
Yannick Nézet-Séguin
53:47 Min.Reportagen & Dokus
Yannick Nézet-Séguin, 1975 in Montréal geboren, studierte Klavier, Dirigieren, Komposition und Kammermusik in Québec und wurde bereits mit 25 Jahren Musikdirektor des Orchestre Métropolitain. Von 2008 bis 2018 war er Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Rotterdam und wechselte danach als Musikdirektor an die MET in New York, wo er bis heute wirkt. Seine Interpretationen sind für Subtilität, Energie und große Ausdruckskraft bekannt und machten ihn bei führenden Orchestern weltweit beliebt. Seit Jahren ist er eng mit den Wiener und Berliner Philharmonikern verbunden und wird am 1. Jänner 2026 erstmals das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren. Ein Film von Christiaan van Schermbeek zeichnet ein persönliches und lebendiges Porträt des international gefeierten Dirigenten.
Bildquelle: ORF/EuroArts/Moois Media

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Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker
Friede, Freude – und Musik
Wien hat am Vormittag des 1. Jänner 2026 (Lokalzeit) für die ganze Welt Harmonia Mundi ausgerufen, mit Hilfe von Johann Strauß und den Wiener Philharmonikern. Und Yannick Nézet-Séguin hatte keinen geringen Anteil daran.
Das Kopfschütteln war meinerseits, als ich bei der Ankündigung des Dirigenten des heurigen Neujahrskonzerts doch tatsächlich die Frage las, wer denn das eigentlich sei. Nézet-Séguin? Nie gehört. Ich und Tausende und Abertausende Besucher der Met im Kino kannten ihn jedoch längst. Als #metoo James Levine in den Tod trieb und der ach so korrekte Met-Direktor den Mann, der den Betrieb jahrzehntelang auf hohem Niveau aufrecht gehalten hatte, fallen ließ wie eine heiße Kartoffel, war Not am Mann. Wer konnte, wie „Jimmy“ einst, einfach alles? Wer war bereit, die Met-Last zu schultern?
Nun, Yannick Nézet-Séguin hat die Funktion eines Musikdirektors der Met übernommen und sogar bis 2030 verlängert, was bedeutet, dass er fast rund um die Uhr für die Produktionen des Hauses zuständig ist, von denen er zahlreiche selbst dirigiert, Premieren und Repertoire, und dabei eine ähnliche Repertoire-Breite beweist wie einst Levine. Ohne diesen als Person „ersetzen“ zu wollen, das ginge gar nicht. Aber wenn man sich den Betrieb von außen ansieht (man kann das durch Kinoübertragungen und Presseberichte), ist die Met bei Nézet-Séguin in guten Händen.
Kann er Johann Strauß? Die Frage stellt sich a priori ja nicht nur für ihn, sondern für viele Weltklasse-Dirigenten, die jeweils die Ehre hatten (und es ist eine Ehre), für die Leitung des Neujahrs-Konzerts eingeladen zu werden, das immerhin per Bild und Ton in rund 150 Länder der Welt gesendet wird. (Ich weiß noch, mit welcher Rührung ich einst in Singapur im Hotelzimmer saß und mir mit meinem Mann auf unserer Ostasien-Reise Neujahrsgrüße aus Wien holte.)
Zahllose, meist ältere Herren von Weltruf, stellten sich hin und gaben zumindest vor, mit Johann Strauß zu swingen, manche taten es sicher auch ehrlich. Yannick Nézet-Séguin habe ich es auch geglaubt. Wobei ich ehrlich sage, dass mich das Programm dieses Vormittags nicht eben vom Sessel gerissen hat.
Und mir ist es als in der Wolle gefärbten Feministin auch gänzlich egal, ob man Stücke von Frauen ins Programm gezwungen hat. Unsere eifrigen Feministinnen diverser Couleurs sollten lieber ihre energische Stimme gegen die Zwangsehen von jungen Mädchen, halben Kindern erheben, die hierzulande in Moscheen an ältere Männer verheiratet werden, statt Protestgeschrei zu erheben, dass „keine Stücke von Frauen gespielt“ werden.
Nein, um das Programm ging es nicht. Es ging um die ehrliche Freude an Musik, die Yannick Nézet-Séguin ausstrahlte, und das schon, bevor er beim Radetzky-Marsch klatschend durch den Zuschauerraum tanzte und das Publikum mit seinem Zusatz-Applaus zu den Vater-Strauß-Klängen „dirigierte“. Der Mann meint es ernst. Für ihn ist Musik eine heilige Kunst, und in diesem Fall auch eine beglückende und fröhliche.
Und ihm glaube ich die Friedensbotschaft, die er – der gebürtige Franko-Kanadier – erst auf Französisch, dann kurz auf Englisch verkündete. Dass Musik die Menschen verbindet. Sie könnte, Daniel Barenboim hat es mit seinen Versuchen bewiesen, vielleicht tatsächlich Frieden stiften. Wie übrgens auch die andere nonverbale „Kunst“, der Sport.
Setze einen Palästinenser und einen Juden, einen Ukrainer und einen Russen nebeneinander in ein Orchester, und wenn sie gute Musiker sind, werden sie sich als solche erkennen und gemeinsam optimal musizieren. Stelle einen Palästinenser und einen Juden, einen Ukrainer und einen Russen nebeneinander auf einen Fußballplatz, und wenn sie in dem anderen die Qualität erkennen, werden sie gemeinsam um den Sieg ihrer Mannschaft laufen.
Darf ich zum Abschluß noch einer meiner Lieblings-Jüdischen-Witze erzählen?
Ein russisches Orchester. Der russische Dirigent stellt sich vor die riesengroße Mannschaft. Er fixiert zwei Musiker und spricht sie an. „Also, Juri, Andrej – spielen wir mit den Juden.“
Machen wir miteinander Musik. Mag der Frieden auf diese Art auch Utopie sein – man wird sich doch etwas wünschen dürfen? Soll es nicht Zeiten gegeben haben, als das Wünschen noch geholfen hat? Oder ist das nur der Titel eines Buches von Peter Handke?
In diesem Sinn, auch im Namen des Online Merkers: Friede, Freude – und Musik für 2026. Wir werden weiterhin darüber berichten.
Renate Wagner
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Von der Werkstatt auf die Bühne: Kostüm, Kulisse und Dekor
Dokumentation 44:36 Min.Kultur

Der Dokumentarfilm von Christian Papke blickt hinter die Kulissen der Wiener Theater- und Opernhäuser und rückt jene Menschen in den Mittelpunkt, die abseits der Bühne den Betrieb am Laufen halten und beinahe Unmögliches vollbringen. Das Kamerateam besucht unter anderem die Bühnen-Schlosserei, den Maler-Saal, die Kostümwerkstätten und den Fundus und begleitet die Vorbereitungen am Tag einer großen Ballett-Premiere an der Wiener Staatsoper. Dabei zeigen Bühnen-Handwerkerinnen und Handwerker ihr großes Können, erzählen manch unterhaltsame Anekdote aus ihrem abwechslungsreichen Alltag sowie von ihrer großen Passion für die Bühne.
Bildquelle: ORF/Clever Contents Filmproduktion
ZUM VIDEO
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Oper Graz: Die nächste Premiere: RIGOLETTO

»La Divina Comedia«
Premiere: Samstag, 17. Jänner 2026 um 19:30 Uhr
Das Grazer Opernhaus wird zum riesigen menschlichen Körper, dessen »Eingeweide«, geleitet von Dante und der Musik von Philip Glass und Arvo Pärt, die Tänzer:innen von Ballett Graz erkunden. Auf ihrer Reise durch Hölle und Fegefeuer bis ins Paradies bespielt die aus Chile stammende Choreographin Estefania Miranda nicht nur den Bühnenraum, sondern sämtliche Foyers des Opernhauses.
SEHENSWERT:
Giuseppe Verdis
»Rigoletto«
Ein Opernklassiker mit packender Dramatik und einer der wohl schönsten und bekanntesten Opernarien: La donna è mobile!
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Wien: Der Jänner im Leopold-Museum

Das Leopold Museum feiert 2026 das 25-jährige Bestehen des Museums. Auch im Jubiläumsjahr erwartet Sie wieder ein abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm. Im Jänner enden unsere aktuellen Sonderausstellungen, am 18.02.2026 dürfen Sie sich mit GUSTAVE COURBET. REALIST UND REBELL auf die erste Ausstellungseröffnung im neuen Jahr freuen.
Besonders freuen dürfen sich auch unsere Jahreskarten-Besitzerinnen und Besitzer: Mit 01.01.2026 sind unsere Audiotouren bei Verwendung des eigenen Smartphones kostenlos. Weitere Informationen finden Sie am Ende dieses Newsletters.
ÖFFNUNGSZEITEN NEUJAHR 2026
Damit Sie optimal ins neue Jahr rutschen, haben wir unsere Öffnungszeiten zum Jahresbeginn erweitert:
Bis So, 11.01.2026: Täglich von 10-18 Uhr
Ab Mo, 12.01.2026: Täglich außer Dienstag von 10-18 Uhr
AUSSTELLUNGEN
Dauerpräsentation:
WIEN 1900
AUFBRUCH IN DIE MODERNE
Bis 25.01.2026:
WEGE ZUR WIRKLICHKEIT
VON WALDMÜLLER BIS ROMAKO
Sonderausstellungen:
Bis 18.01.2026:
VERBORGENE MODERNE
FASZINATION DES OKKULTEN UM 1900
Bis 25.01.2026:
KOWANZ. ORTNER. SCHLEGEL
Ab 19.02.2026:
GUSTAVE COURBET
REALIST UND REBELL
Genießen Sie den Jahresstart mit Kunst und Kultur im Leopold Museum. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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ORF / Erlebnis Bühne
Dienstag, 6. Jänner 2026
TV-PREMIERE IN ORF III: „ANDRÉ HELLERS REMASSURI“!
20.15 Uhr
ANDRÉ HELLERS REMASSURI
Mit André Heller, Ernst Molden,
Ursula Strauss u.v.m.
stadtTheater Walfischgasse, Wien 2025
Remassuri – auf gut Wienerisch bedeutet das ein großes, lustiges Durcheinander! Für seine Reise durch die Wiener Musik, die im „stadtTheater Walfischgasse“ im ersten Bezirk Wiens stattgefunden hat, haben sich André Heller, Ernst Molden und Ursula Strauss zusammengetan und ein Wiener-Lied-Programm für Jung und Alt auf die Bühne gestellt!
Mit dabei: die großartigen Neuen Wiener Concert Schrammeln, die die legendäre Altwiener Musiktradition lebendig halten und ins Heute führen, die Geiger Peter Uhler, Nikolai Tunkowitsch und Johannes Fleischmann sowie Helmut Thomas Stippich mit der Knopfharmonika und Peter Havlicek an der Kontra-Gitarre. Garantiert mit dabei sind auch Schauspiel, Pantomime und
Schattenspiele – ein Abend der Überraschungen!
Das Konzert wird außerdem um ein Gespräch zwischen Peter Fässlacher und André Heller erweitert.
21.50 Uhr
ANDRÉ HELLER: MEIN HAUSKONZERT
Mit André Heller, Ernst Molden,
Voodoo Jürgens, Nino aus Wien, u.v.m.
Wien 2021
In André Hellers Wohnung finden im
Rahmen der Sendereihe „André Hellers Hauskonzerte“ in der Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts Hauskonzerte statt, wie sie heutzutage kaum mehr zu erleben sind. Weltstars wie Günther Groissböck, Camilla Nylund, Rudolf Buchbinder beehrten bereit diese intime Konzertbühne…
Nun lädt Heller die Künstler Ernst Molden, Nino aus Wien, Ursula Strauss, Voodoo Jürgens und andere ein, mit ihm gemeinsam zu musizieren. Zu hören sein werden seine größten Hits wie „Für immer Jung“, „Wie mei Herzschlag“ oder „Kumma mit kane Ausreden mehr“…
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Manuela Miebach: Beethoven-Biographie und Auszug daraus (Henriette Sontag zum 200. Geburtstag (am 3.1.)

Nachdem sich von der Sontag geb. am 3. Januar 1806 der 220. Geburtstag jährt, hier einen Auszug aus meiner neuen Beethovenbiografie (über 400 Seiten).
Veröffentlichung Herbst/Winter 2026/2027 – Verlag wird noch bekanntgegeben.
Henriette Sontag zum 220. Geburtstag
Der Zauber der böhmischen Nachtigall
Das Beethoven schon in jungen Jahren ein Faible für junge fesche Sängerinnen hatte wurde uns immer wieder durch Schindler und seinem engsten Freundeskreis überliefert. Bekannt war aber auch, dass er selbst noch im reiferen Alter bei seinen gewohnten Spaziergängen durch Grinzing und Heiligenstadt, sich nach besonders hübschen jungen Damen umdrehte und nicht selten süffisante Bemerkungen über die eine oder andere Grazie machte. Das Beethoven außerdem der Sängerin Caroline Unger den Hof machte und sie auch wegen ihrer außergewöhnlichen Mezzo Sopranstimme bewunderte und verehrte, schien für den Komponisten keine Seltenheit. Denn erinnern wir uns nur an Amalie Sebald, die zu den weiteren Favoritinnen zählte und der er schon 1811 den Hof machte, sie aber umgekehrt ihm zwar freundschaftlich begegnete, aber offenbar weder an einer Liaison noch an einer engeren Beziehung mit Beethoven interessiert war. Im Kreise von Sängerinnen fühlte sich Beethoven wohl, waren es doch nicht nur die Anmut und der Liebreiz und die schönen Stimmen dieser jungen Künstlerinnen, die hier den Komponisten faszinierten, sondern es verband einen die selbigen Interessen, die der schönsten Künste und des Gesangs. Beethovens großartige Liedkompositionen sind ein Beweis dafür, dass er durchaus fähig war für den lyrischen Sopran zu schreiben. Umgekehrt aber hier mit der Oper „Fidelio“, mit der „Missa Solemnis“ und aber auch mit der Neunten Symphonie sehr hohe Stimmanforderungen an die jungen Sängerinnen gestellt wurden.
Doch neben der Verehrung für Caroline Unger zeigte Beethoven ein ganz besonderes Interesse für die damals 18.-jährige Sängerin Henriette Sontag. Viel hatte er schon über sie gehört, über das liebreizende, ausgesprochen schöne junge Mädchen, die mit ihrer außergewöhnlichen Stimme das Publikum in den Bann zog. Schon als Elfjährige wurde Henriette Sontag im „goldenen Prag“ am Musikkonservatorium aufgenommen, wo Prinz Karl von Preußen der das Kunstinstitut besuchte, von der jungen Elevin mit den überwältigenden gesanglichen Fähigkeiten derart überzeugt war, sodass er der kleinen Henriette als Dankesgeschenk zwanzig Friedrichsdors übersenden ließ. Die heranwachsende junge Dame, deren Anmut und Grazie sich in eine vollendete Blüte verwandelte, begeisterte Ihr Publikum nicht nur durch ihre göttliche Stimme, sondern auch ihre Schönheit und ihr bezauberndes Wesen, brachte ihr weitere Beliebtheit bei Theater-intendanten und Opernliebhabern ein. Schon bald übernahm sie die großen Partien der Primadonnen. Sang die Rosina in „Barbier von Sevilla“, die Julia in Zingarellis „Romeo und Julia“, die Zerline im „Don Juan“ und die Agathe im „Freischütz“. Man bezeichnete sie in Prag als die „Böhmische Nachtigall“, und schon längst war Henriettes Ruf bis nach Wien vorgedrungen, wo der damalige italienische Impresario Domenico Barbaja auf die Sontag aufmerksam geworden, sie nach Wien holte um sie für einige Gastspielabende an das Theater an der Wien zu verpflichten. Dieses von Schikaneder erbaute größte Theater Wiens war bis auf den letzten Platz gefüllt, als „die Sontag“ auftrat, und selbst die gefürchtete Theaterzeitung Wiens lobte Henriettes Sangeskünste und rein klingende Sopranstimme in höchsten Tönen. Die ganze Stadt wollte den aufgehenden Stern am Opernhimmel sehen, immer wieder, und wenn die Sontag auf der Bühne erschien, wurde sie mit frenetischem Beifall bejubelt. Als sie am 4. April 1823 die Donna Anna im „Don Juan“ sang, was ebenso ein schwieriges Unterfangen war, weil bereits die damals berühmte Wilhelmine Schröder in dieser Partie wahre Triumphe feierte, so war es umso überraschender mit welcher Vollkommenheit „die Sontag“ diese so schwere Partie gemeistert hatte, und ebenso wie ihre Vorgängerin mit überwältigendem Beifall belohnt wurde. Aber auch im neuen italienischen Repertoire zog die angehende „Prima Donna Assoluta“ alle Register – und welch ein Triumph, als sie alle Vorurteile zu Boden geschmettert hatte mit der Elena in Rossinis „Donna del Lago“.
Impresarios und Opernkomponisten rissen sich um die junge Sontag, und auch Karl Maria von Weber war von der Sontag allerliebsten und jugendlichen Frische, als auch von ihrer großartigen Stimme so entzückt, sodass er sie kurzerhand für die Titelpartie seiner neuen Oper „Euryanthe“ engagierte. Als die romantische Oper als Galavorstellung am 25. Oktober 1823 im Kärntnertortheater zur Aufführung gelangte, begrüßte man „die Sontag“ als sie die Bühne betrat mit minutenlangem Applaus, bevor sie überhaupt einen Ton gesungen hatte. Doch nach ihrer gesanglichen Glanzleistung wurde sie von einem unvorstellbaren Beifallssturm umjubelt, wobei aber Webers selbst neuartiges Opernwerk den Kritikern eher missfiel, und somit die Oper nach zwanzigmaliger Aufführung wieder abgesetzt wurde.
Doch das die Popularität des Singvögelchen mit dem kometenhaften Aufstieg, auch von Beethoven mit Wohlwollen und großer Bewunderung beobachtet wurde, ist nicht auszuschließen, und so äußerte er eines Tages den Wunsch Weber gegenüber, mit Henriette persönlich bekannt zu werden. Die Sängerin Caroline Unger versprach dem Altmeister ein Treffen mit der Sontag zu arrangieren. Doch es bedurfte noch einige Monate, als endlich am 8. März 1824, die beiden Sängerinnen an seiner Wohnung in der Ungargasse den „durch seine Hand geheiligten Klingelzug“ zogen. Das Beethoven durch die Anmut und den Liebreiz von Henriette vom ersten Tag an verzaubert war, ist nicht auszuschließen, denn sie die vom Publikum und von vielen männlichen Bewunderern verehrt, warum sollte nicht auch Beethoven für sie geschwärmt haben, wo er doch auch immer schon eine Vorliebe für das schöne weibliche Geschlecht hatte. In einem Brief an seinen Bruder Karl beschreibt er beide Sängerinnen als „schöne Hexen“, und was immer er damit gemeint haben mag, so steht doch außer Frage, dass Henriette einen großen Eindruck auf Beethoven gemacht haben muss. Da er sie auch gegenüber Schindler immer wieder im positiven Sinne erwähnt hatte.

Die böhmische Nachtigall Henriette Sontag
In Beethovens Wohnung fanden die Vorproben zu der Missa solemnis in D-Dur und zu der einzigartigen neunten Symphonie statt. Anfangs gab es musikalische Schwierigkeiten, weil des Meisters Werke zu hohen stimmlichen Anforderungen an die Unger und an die Sontag stellte. Letztendlich mussten die Sängerinnen die „unbequemen Noten“ und die Satztempi resignierend in Kauf nehmen. Denn Beethoven als Tyrann aller Singorgane ließ sich trotz aller Schönheit und weiblichen Charmes nicht erweichen, und was seine Arbeit betraf, so blieb er doch unerbittlich, und äußerte Karoline gegenüber: „Lern’s nur! Wird schon kommen, die Note“. In seiner Arbeit kannte der Meister keine Galanterie, und selbst bei seinen früheren Klavierschülerinnen, so die Überlieferung, soll Beethoven eine gewisse Strenge hat walten lassen, welches einige Schüler und Schülerinnen oft zur Verzweiflung gebracht haben soll. Abgesehen davon das es Beethoven überhaupt hasste zu unterrichten. Mit Mittelmäßigkeit gab er sich nicht zufrieden. Wenn dann, waren es die wirklich Hochbegabten denen er seine Gunst schenkte, hier dann auch seine ganze Bewunderung aussprach. Ähnlich muss es auch bei Henriette gewesen sein, die bereits nach drei musikalischen Einstudierungsproben alle gesanglichen Schwierigkeiten überwand und des Meisters Lob erntete. Nach weiteren drei musikalischen Proben mit dem Orchester konnte Beethovens musikalisches Monumentalwerk endlich am 7. Mai 1824 am Kärntnertortheater uraufgeführt werden.
Als die Solisten ins Orchester traten, wurden sie nicht wie sonst mit Applaus begrüßt, denn das gut gebildete und kunstsinnige Publikum wusste sehr wohl, dass diesmal nur dem Ehrfurchtgebietenden Tonschöpfer alle Anerkennung zu gelten hatte.
Die Unger und die Sontag postierten sich neben dem Kapellmeister Umlauf. Die schönen Grazien in ihren feierlichen seidenen Fest-kleidern waren eine ausgesprochene Augenweide für das Publikum. An der rechten Seite des Dirigentenpultes stand Beethoven in seinem alten, arg abgetragenen grünen Frack, da er keinen Schwarzen besaß. Nach der Ouvertüre „Zur Weihe des Hauses“ folgten die Sätze aus der hohen Musikmesse mit dem Soloquartett. Es ist wohl das Höchste, womit so gewaltiger Stimme noch kein Sterblicher zu seinem Gott gesprochen hat, mit der Last unaussprechlichen Leides, das Beethoven immer widerfahren, und dass er in seiner gewaltigen Musik mit sich und der Welt in Einklang gebracht hat. Beethoven taktierte wohl diese gottbegnadete, höchste Offenbarung seiner Kunst, die als Gehörbild vor seiner Titanenseele stand stumm mit, aber nichts von dem musikalischen Wunderwerk, vermochte sein Ohr aufgrund seiner Taubheit wahrzunehmen. Als auch der letzte Ton des letzten Satzes der neunten Symphonie verklang, vernahm man zunächst eine atemlose Stille. Doch plötzlich als der rauschende Beifallssturm losbrach, und die Unger den in Gedanken versunken dastehenden Tonschöpfer zum Publikum umdrehte, erst in diesem Moment vernahm er den großen Sieg als Missionar deutscher Musik. Doch bloß 420 Gulden hatte die Wiedergabe der einzigartigen, so bedeutenden Werke dem unvergleichbaren Schöpfer eingebracht, und war es umgekehrt nicht aber sogar eine Missachtung Beethovens gegenüber, der zu Lebzeiten so wie Mozart die größten musikalischen Werke geschaffen, und ihm doch am Ende mit so wenig Lohn für seine Leistung gedankt wurde? Wie wenige Genies gab es auch zu dieser Zeit die von ihrer Kunst kaum leben konnten, wenn wir hier Franz Schubert nur als Beispiel nehmen. Die Wiener wollten zwar immer Kunst, aber so gut wie gar nichts oder nur wenig dafür bezahlen. Leider hat sich seit dieser Zeit nicht viel verändert.
Als dankbarer Freund und Verehrer bedankte sich Beethoven bei seinen so ausgezeichneten Interpretinnen Caroline Unger und Henriette Sontag für die Mitwirkung an seinem so heroischen Werk, und obwohl seine Begeisterung und Verehrung für Henriette besonders groß war, so hat er sie nach dieser Begegnung und Zusammenarbeit in Wien nie mehr wieder gesehen. Nicht einmal Korrespondenzen zwischen Beethoven und der Sontag sind uns bekannt. Henriette mag wohl dieses Erlebnis in stolzer Erinnerung geblieben sein, aber auch hier finden sich keinerlei Korrespondenzen über die so erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem Meister und Henriette.
Aufgrund von neidischen älteren Rivalinnen, die ständig gestichelt und gegen die so junge erfolgreiche Sängerin intrigiert hatten, verlor Henriette außerdem die Freude weiterhin in Wiener Konzertsälen und Theatern aufzutreten. Denn die rheinländische Frohnatur Henriettes ließ sich wohl kaum mit dem Wiener Neid und Hass in Einklang bringen. Auch Henriettes Mutter Franziska, die selbst Sängerin, und bereits mit 12 Jahren als Opernsoubrette auf der Bühne stand, wollte ihre Tochter nicht weiterhin den Schikanen der Wiener Kollegen und Kolleginnen ausgeliefert wissen, und so bemühte sie sich bereits um Engagements im deutschen Reich. Noch einmal sang Henriette am 17. April 1825 in einem ausverkauften Abschiedskonzert im Redouten-saal und verließ dann für immer Wien.
Doch ihre Karriere die hier so kometenhaft begonnen, überschlug alle Erwartungen die Henriette in Berlin erwartete. Auf die Nachricht, dass Henriette Sontag aufgrund vieler Intrigen die Wiener Oper verlassen habe, meldeten sich auch schon viele Berliner Theaterunternehmer zu Wort, denn sie alle waren begierig, diesen Star endlich für sich zu gewinnen. Karl von Holtei gelang es letztendlich alle drei Damen, denn auch die jüngere Schwester Anna war ebenso ein ausgesprochenes Stimmwunder, an das Königstädtische Theater am Alexanderplatz in Berlin zu engagieren. Mit der geschäftstüchtigen Mutter Franziska wurde nach wochenlangen Verhandlungen ein für die Zeit außergewöhnlicher Vertrag abgeschlossen. 5000 Taler für die 19.-jährige Henriette, 2000 Taler für die Mutter Franziska, und für die jüngere Schwester Anna eine Gage von 500 Taler. Bedenke man das 5000 Taler umgerechnet dem eines Jahreseinkommens von 10.000 Gulden entsprachen, so wären das nach heutiger Berechnung ungefähr 153.600 EURO gewesen, das immerhin auch den Wert eines heutigen Opernstars entspricht. Somit lebte die Sontag mit einer Gage von über 12.000 Euro im Monat gar nicht schlecht, wenn man umgekehrt bedenkt das Beethoven für sein phänomenales Werk wie die Neunte, nach dem heutigen Wert, gerade einmal lächerliche 6.451, – EURO erhielt, wo als weiteres Beispiel selbst Goethe 6000 Gulden (etwas über 92.000 EURO) zur damaligen Zeit im Jahr verdiente.
Als Henriette am 3. August 1825 zum ersten Mal in der Rolle als Isabella in Rossinis „Italienerin in Algier“ vor dem Berliner Publikum auftrat, brach ein so genannter Sontag – Fieber aus. Mit Jubel wurde sie gefeiert, überschüttet mit Blumen und Kränzen. „Vivat! Vivat! Vivat!“ schmetterten die wie noch nie begeisterten Spree-Athener im Chor. Ein Jubel der kein Ende nehmen wollte, und das allabendlich, an denen man sich bereits an der Kasse des Königsstädter Theaters um die Eintrittskarten schlug, nur um die göttliche Henriette auf der Bühne zu erleben.
Die Königin aller Nachtigallen war auch bald der Mittelpunkt des regen und fröhlichen Gesellschaftslebens von Berlin. An theaterfreien Tagen veranstalteten die Freunde für Henriette Land – und Wasserpartien, und es wurde überliefert, dass sie außerdem eine ausgezeichnete und kühne Reiterin war. „Sie singt wie ein Engel und reitet wie der Teufel“ hieß es von ihr, wo Henriette meistens auch immer von einem Regiment von mehr oder minder netten Anbetern begleitet war. König Friedrich Wilhelm III, dem sogar nachgesagt wurde, in die wunderschöne Henriette verliebt gewesen zu sein, ernannte sie im Mai 1826 zur preußischen Kammersängerin. Doch Paris wartete bereits auf die stimmliche Göttin des Olymps – und viele Berliner bangten natürlich um ihre „joldige Jette“ so wie sie Henriette verehrungswürdig nannten. Doch trotz des großen Erfolges auch an der Pariser Oper kehrte die Sontag immer wieder nach Berlin zurück. Sie war inzwischen zu einer Weltberühmtheit geworden – die europäische Nachtigall. Am 11. September 1826 trat die Sontag wieder in Berlin auf. Die Königin aller Nachtigallen feierte weitere Erfolge an der Hofoper Berlin, wo sie am 29. September 1827 als Donna Anna auftrat und wahre Triumphe feierte.
Einige Monate vorher am 26. März verstarb Beethoven in Wien, wo ihm in den letzten Monaten seiner schweren Krankheit, die großen Erfolge der Sontag aber immer wieder von Freunde und Schindler übermittelt wurden. Wie von Stolz muss seine Brust erfüllt gewesen sein, dass die so unkomplizierte und herzensgute Henriette mit der begnadeten Stimme so triumphale Erfolge in Berlin feierte. Doch mit Wehmut erfüllte ihn auch die Erinnerung an die Zeit, als er selbst 1796 für längere Zeit sich in Berlin aufhielt, um sich hier um eine Stelle bei Hof zu bemühen. Dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. der als Musikliebhaber und Cellospieler bekannt, widmete Beethoven, die seinerzeit in Berlin entstandenen zwei Sonaten für Klavier und Violoncello (F-Dur und G-Moll op. 5). Doch offenbar aussichtslos erschien es für den damaligen jungen Beethoven eine feste Anstellung am preußischen Hofe zu bekommen, sodass er nach wenigen Monaten wieder abreiste um nach Wien zurückzukehren.
Die Primadonna die einst in der „Missa Solemnis“ und in der neunten Symphonie die Sopranstimme gesungen hatte, sie war schon lang in aller Munde, und genoss Ruhm und Anerkennung. Sie wurde ebenso in London, Petersburg, New York und in anderen nord-amerikanischen Großstädten gefeiert, und sie wurde zur Legende auch in der amerikanischen Operngeschichte. Doch bei ihren letzten Auftritten in Mexiko erkrankt der „unvergleichbare Stern am Opernhimmel“ an Cholera wo sie nach zwei Tagen des Leidens am Samstag, den 17. Juni 1854 um 3:00 Uhr nachmittags verstarb. Erst nach 12 Monaten wurde ihr Leichnam in ihre Heimat überführt wo sie im Stift Marienthal in der Lausitz ihre ewige Ruhe fand.
Doch um den Tod von Henriette Sontag ranken sich auch andere Gerüchte, dass sie nicht an Cholera verstorben, sondern von ihrem Gatten dem Grafen Rossi aus Eifersucht vergiftet worden sei. Denn es wurde der 48jährigen Sängerin nachgesagt, mit dem 26jährigen Vollblutitaliener Pozzolini, dem feurigen Tenor ihrer Truppe, schon seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis unterhalten zu haben. War es also wirklich ein Racheakt des eifersüchtigen Gatten – oder nur ein von Gott gelenktes Schicksal? Denn Tatsache ist, dass der Sänger Pozzolini und Henriette zur gleichen Zeit erkrankten und verstarben. Ob beide wirklich an einen Cholera – Typhus erkrankt und verstorben sind lässt sich nur schwer nachzuvollziehen. So ließen doch die sehr widersprüchlichen Aussagen des Grafen Rossi, der aus einem verarmten sardinischen Adel abstammend, und durch sein Laster des Roulette – und Kartenspiels, bereits Henriettes gesamtes Vermögen verspielt hatte, einige Bedenken aufkommen. Man könnte diesen Gerüchten durchaus Glauben schenken, da Rossi Henriettes Leiche nicht sezieren und einbalsamieren ließ, und bereits zwei Tage später eine provisorische Beisetzung in San Fernando erfolgte. Was natürlich in so wärmeren Ländern nichts Ungewöhnlichen war, aber doch so manches Misstrauen dadurch genährt wurde. Allerdings bestätigen Briefe, das Rossi seine Henriette über alles geliebt haben soll, und im größten Schmerz und Trauer seine Rückreise nach Deutschland antrat. Wie es wirklich um Henriettes Liebesleben bestellt war, dieses Geheimnis mag wohl die so Göttliche des Gesangs mit ins Grab genommen haben.
Goethe bezeichnete sie einst als Helena, die Tochter des Zeus, als „schönstes Weib der Welt“. Was für eine Faszination muss sie auf Beethoven ausgeübt haben allein mit ihrer „gewaltigen Stimmkraft“. Henriette Sontag wurde ebenso zu einer Legende so wie Beethoven als Komponist. Um Beide ranken sich immer wieder neue Gerüchte – doch die so Göttliche mit der unvergleichbaren Stimme, hatte nach ihrem Verlassen aus Wien nie mehr Kontakt zu eines der größten deutschen Tondichter.

Manuela Miebach