Helmut Deutsch und Jonas Kaufmann © Wiener Konzerthaus Andrea Humer
Wie könnte man den 80. Geburtstag von Helmut Deutsch besser feiern als mit einem Liederabend. Im Wiener Konzerthaus gab es für den renommierten Liedbegleiter Blumen – und: kein Ständchen, aber einen beeindruckenden Liedgesang von Startenor Jonas Kaufmann.
Liederabend mit Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch
Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 12. Januar 2026
von Jürgen Pathy
Das Publikum an diesem Abend ist „speziell“. Dass dies auch an den Kartenpreisen liegt, ist naheliegend: 223 Euro in der teuersten Kategorie, 60 Euro kosten die günstigsten Karten. Damit schließt man schon im Vorfeld viele aus. Vorwerfen kann man das niemandem. Der Große Saal im Wiener Konzerthaus ist dennoch so gut wie ausverkauft.
Größe im Pianissimo
Kein Wunder, wenn der „weltberühmteste Tenor“ einen seiner seltenen Liederabende gibt. Dass er bei lauten Spitzentönen schon einmal forciert, verzeiht man ihm bereits nach wenigen Liedern aus Robert Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“. Sechzehn Lieder, vertont nach Gedichten von Heinrich Heine, mit denen Schumann sich selbst ein Denkmal gesetzt hat.
Ganz so weit ist es bei Jonas Kaufmann noch nicht, aber in den leisen Momenten ist der deutsche Startenor ganz groß. Wenn er bei Lied Nr. 4 sanft zum „ich liebe dich“ ansetzt oder bei Lied Nr. 10 seinen ganzen Ausdruck hineinlegt, dann ist man dem nahe, wovon Heine poetisch spricht: „Dort löst sich auf in Tränen mein übergroßes Weh.“
Liedbegleitung auf höchstem Niveau
Helmut Deutsch serviert ihm dabei alles auf dem Silbertablett. Liedbegleitung bei Robert Schumann heißt: nicht nur dekorieren, der Pianist muss erzählen. Jeder Einsatz, jedes Zögern ist psychologisch fein durchdacht. Der Anschlag ist innig, der Ton träumerisch und klar, und alle Vor- und Nachspiele, die in der „Dichterliebe“ so viel Bedeutung haben, gewinnen bei Deutsch noch mehr Tiefgang.
Dass es am Ende keine Standing Ovations gibt, mag für manche seltsam wirken, passt jedoch zur Atmosphäre des Abends: ruhig und gediegen. Dabei findet das Publikum erst in der zweiten Hälfte richtig zur Ruhe. Als nach den Petrarca-Sonetten von Liszt kurz Opernatmosphäre herrscht, verstummt auch der letzte Hustenanfall, und man staunt nur über eines: die stillen Momente, mit denen Jonas Kaufmann alle um den Finger wickelt. Vor allem mit den deutschsprachigen Liedern. Mit klarer Aussprache, keiner Überbetonung der Konsonanten und enorm viel Ausdruck.
Jürgen Pathy (klassikpunk.de), 13. Januar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Johann Strauß, Die Fledermaus, Jonas Kaufmann Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025
Festspiel-Liederabend Jonas Kaufmann Nationaltheater München, 24. Juli 2025
Cavalleria rusticana / Pagliacci, Jonas Kaufmann Nationaltheater, München, 22. Mai 2025 PREMIERE
„Kein Wunder, wenn der „weltberühmteste Tenor“ einen seiner seltenen Liederabende gibt. …“
Das kann nicht Ihr Ernst sein! Wenn man den Kalender von JK im letzten Jahr anschaut, kommen folgende gemeinsame Auftritte mit Liederabenden, zum Teil mit Diana Damrau, zutage:
1.3.2025 Taiwan, 4.3.2025 Seul, 10.3.2025 Shanghai, 27.3.2025 Essen (mit DD), 29.3.2025 Prag (mit DD), 1.4.2025 München (mit DD), 4.4.2025 Wien (mit DD), 6.4.2025 Budapest (mit DD), 8.4.2025 Barcelona (mit DD), 18.6.2025 Luxemburg (mit DD), 20.6.2025 Baden Baden (mit DD), 23.6.2025 Paris (mit DD), 25.6.2025 Linz (mit DD), 28.6.2025 Evian (mit DD), 30.6.2025 Berlin (mit DD), 17.7.2025 Aix (mit DD), 23.7.2025 München (Opernfestspiele), 30.7.2025 Salzburger Festspiele (mit DD), 30.9.2025 Bad Wörishofen.
Wer singt mehr Liederabende in einem Jahr?
DI Waltraud Becker