Teodor Currentzis ist ein außergewöhnlicher Spitzenmann aber kein "Erlöser der Musik“

Foto: ©  Nadia Rosenberg
Wiener Konzerthaus,
25. Juni 2019
Dirigent, Teodor Currentzis

Dmitri Schostakowitsch: Symphonie Nr. 7 in C-Dur op. 60 „Leningrader“
SWR Symphonieorchester

Manchmal bietet ein Konzert auch einen Einblick in ein fast morbides soziologisches Verhalten. Da kommt ein (offenbar auch per Selbstdefinition bestimmter) Guru aufs Podium und die Leute schmeißen ihre ganze Vernunft und musikalischen Überzeugungen über Bord und pfeifen und brüllen vor Verzückung – egal, was passiert. 

von Herbert Hiess

Der gebürtige Grieche Teodor (von den meisten liebevoll Teo genannt) Currentzis ist allemal ein hochinteressanter und hochintelligenter Interpret, der tatsächlich großartig mit einem Orchester arbeiten kann. Dass er halt auch einen ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung und zum Selbstmarketing hat, ist bekannt. Soll sein, wenn die Leistungen auch tatsächlich stimmen. „Teodor Currentzis, SWR Symphonieorchester,
Wiener Konzerthaus, 25. Juni 2019“
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Hélène Grimaud scheitert an der emotionalen Tiefe der Kreisleriana

Foto: © Mat Hennek / Deutsche Grammophon

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 5. Juni 2019
Hélène Grimaud, Klavier

von Jürgen Pathy

Es gäbe diese gelungenen Konzerte, erzählt die französische Pianistin Hélène Grimaud, 49, an denen sie neben sich trete, sich selbst sehen und beim Spielen zuhören würde. Das geschähe lediglich bei dreißig bis fünfzig Prozent der Konzerte. Mittwochabend im Großen Saal des Wiener Konzerthauses dürften diese Momente rar gewesen sein. „Hélène Grimaud,
Wiener Konzerthaus, 5. Juni 2019“
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Pierre-Laurent Aimard wächst mit der Herausforderung

Foto: © Julia Wessely

Wiener Konzerthaus, 28. Mai 2019
Pierre-Laurent Aimard, Pianist
Johann Sebastian Bach, Goldberg-Variationen

von Jürgen Pathy

„Wer die enorm schweren Goldberg-Variationen spielen kann, mit seinen oftmals vertrackten Passagen, bei denen die Hände überkreuzt werden, der kann sie gar nicht schlecht spielen“, lautete einst das Resümee des verstorbenen Kritikerpapstes Joachim Kaiser. Von Bach noch schlicht und einfach als „Clavier-Übung“ notiert, den Liebhabern zur „Gemüths-Ergötzung“ dienend, liefert der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard, 61, im Mozart Saal des Wiener Konzerthauses die Bestätigung dieser These. „Pierre-Laurent Aimard,
Wiener Konzerthaus, 28. Mai 2019“
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Antonio Pappano und das Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia sorgen mit einer fulminanten Darbietung von Mahlers 6. Sinfonie für Begeisterungsstürme

Foto: Antonio Pappano © Musacchio & Ianniell
Wiener Konzerthaus
, 15. Mai 2019

Sir Antonio Pappano Dirigent
Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia
Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 6, a-moll

von Julia Lenart

Mahlers Sechste, auch die „Tragische“ genannt, ist ein wahrlich monumentales Orchesterwerk. Der Beiname passt. Schon der Laie erkennt die Schwere der Themen, die bedrohlich über dem Werk hängen. Kritiker und Theoretiker wundern sich ihrer eigentümlichen Gestaltung wegen, die zwischen Dur und Moll schwankt, in ständiger Ungewissheit, dem Schicksalspendel ausgeliefert. „Sir Antonio Pappano, Orchestra dell’Academia Nazionale di Santa Cecilia,
Wiener Konzerthaus“
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Dieses Werk gehört auf die Bühnen der Konzerthäuser: Fulminante Uraufführung im Wiener Konzerthaus

Foto: © Rupert Steiner

Wiener Konzerthaus, 10. Mai 2019

Duncan Ward Dirigent
Benjamin Schmid Violine
ORF Radio-Symphonieorchester

Dieter Kaufmann
Tolleranza 2016 (UA)

Erich Wolfgang Korngold
Konzert für Violine und Orchester in D-Dur, op. 35

Rodion Schtschedrin
Carmen-Suite für Schlagzeug und Streicher

von Julia Lenart

Das Programm verspricht einen Abend voller Höhepunkte: eine Uraufführung, Korngolds Violinkonzert interpretiert vom Stargeiger Benjamin Schmid und Schtschedrins fulminante Carmen-Suite für Schlagwerk und Streichorchester. Langeweile ist nicht zu erwarten, nicht zuletzt dank des energischen Dirigates von Duncan Ward – ein mehr als würdiger Ersatz für den verhinderten Cristian Măcelaru, der dieses Konzert eigentlich hätte dirigieren sollen. „Duncan Ward, Benjamin Schmid, ORF Radio-Symphonieorchester,
Wiener Konzerthaus, 10. Mai 2019“
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Das Hagen-Quartett begeistert und verwirrt im Wiener Konzerthaus

Foto: ©Harald Hoffmann; Lukas Hagen, Rainer Schmidt, Veronika Hagen, Clemens Hagen (f.l.t.r)
Wiener Konzerthaus, Mozart Saal, 
2. Mai 2019
Hagen Quartett

Lukas Hagen,Violine
Rainer Schmidt,Violine
Veronika Hagen,Viola
Clemens Hagen,Violoncello

von Jürgen Pathy

Drei Kammermusikwerke, alle in Moll, lassen den Besucher des Wiener Konzerthauses zwar ein emotionales, aber in Anbetracht der Weltklasse-Musiker kein künstlerisches Trauerspiel erwarten. Seit beinahe vierzig Jahren, seit der offiziellen Geburtsstunde 1981, zieht das renommierte Hagen-Quartett durch die Konzertsäle dieser Welt. „Hagen Quartett,
Wiener Konzerthaus, Mozart Saal, 2. Mai 2019“
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Susanna Mälkki sorgt für ein Klangbeben im Wiener Konzerthaus

Foto: Susanna Mälkki. (c) Simon Fowler

Wiener Konzerthaus, 25. April 2019

Andreas Haefliger, Klavier
Susanna Mälkki, Dirigentin
Wiener Symphoniker

Richard Wagner
Karfreitagszauber (aus Parsifal)

Belá Bartók
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3, Sz. 119

Richard Strauss
Also sprach Zarathustra. Tondichtung frei nach Friedrich Nietzsche, op. 30

von Julia Lenart

Mit großer Besetzung zeigen die Wiener Symphoniker unter der Leitung der finnischen Dirigentin Susanna Mälkki, welches Volumen ein Orchester entfalten kann, ohne dabei brachial zu klingen. Der Schweizer Pianist Andreas Haefliger begeistert mit Bartóks höchst anspruchsvollem dritten Klavierkonzert.

Das Programm des Abends fügt sich thematisch passend zusammen. Wagner, Strauss, Bartók: Diese drei Komponisten haben sich gegenseitig stark beeinflusst. Um es kurz zu sagen: Ohne Wagner kein Strauss und ohne Strauss kein Bartók. Alle drei stützen sich nicht nur musikalisch, sondern auch philosophisch auf ähnliche Denkrichtungen, die (mehr oder weniger stark) in Richtung Nationalismus und Volkskultur tendieren. „Susanna Mälkki, Andreas Haefliger, Wiener Symphoniker,
Wiener Konzerthaus, 25. April 2019“
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Selbst der Himmel über Wien verneigt sich: Teodor Currentzis im Wiener Konzerthaus

Foto: © Olga Rumyova

„Er, den sie alle nur liebevoll „Teo“ nennen, ist das Epizentrum einer unbeschreiblichen Energie, Kraft und Spiritualität, die er voller Hingabe an die Hundertschaft seiner Musiker weiterzugeben vermag.“

Giuseppe Verdi, Messa da Requiem
Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 5. April 2019

Teodor Currentzis, Dirigent
Zarina Abaeva, Sopran
Varduhi Abrahamyan, Mezzosopran
René Barbera, Tenor
Tareq Nazmi, Bass
musicAeterna orchestra of Perm Opera
musicAeterna chorus of Perm Opera

von Jürgen Pathy

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Teodor Currentzis, 47, gebürtiger Grieche mit russischem Pass, zieht nicht erst seit seinen umjubelten Auftritten bei den Salzburger Festspielen 2017 die Musikwelt in seinen Bann. Bereits die Jahre zuvor hat der exzentrische Pultstar, dessen radikale Tempi und Klangexperimente teils Kopfschütteln hervorrufen, zumindest keinen kalt gelassen.

Deshalb verwundert es kaum, dass der Große Saal des Wiener Konzerthauses, der mit zusätzlicher Bestuhlung ausgestattet wurde, zum Bersten gefüllt ist. Ebenso wenig überraschend: Die Kritiken der letzten Tage. Seit der Guru seine Jünger aus dem Uralvorland wieder um sich gescharrt hat und mit Verdis „Messa da Requiem“ durch Europa zieht, können sich die Gazetten mit überschwänglichen Rezensionen kaum zurückhalten.
„Giuseppe Verdi, Messa da Requiem,
Wiener Konzerthaus, 5. April 2019“
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Ein fulminanter Konzertabend mit Jakub Hrůša, Narek Hakhnazaryan und den Wiener Symphonikern

Foto:  Narek Hakhnazaryan – Quelle: www.bbc.co.uk 

Wiener Konzerthaus, 10. März 2019
Wiener Symphoniker
Narek Hakhnazaryan, Violoncello
Jakub Hrůša, Dirigent

Ludwig van Beethoven, 1. Symphonie C-Dur, op. 21
Edward Elgar, Konzert für Violoncello e-moll, op. 85
Dmitri Schostakowitsch, Symphonie Nr. 9 Es-Dur, op. 70

von Julia Lenart

Mit der Förderreihe „Great Talent“ bietet das Wiener Konzerthaus wieder einmal ein Konzert von höchstem Niveau. Der Cellist Narek Hakhnazaryan, der bereits 2011 beim Internationalen Tschaikowsky Wettbewerb brillant den ersten Preis abräumte, zeigt sich von seiner besten Seite. Jakub Hrůša, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, führt die Wiener Symphoniker mit viel Elan und Feingefühl durch den Abend. „Wiener Symphoniker Narek Hakhnazaryan, Jakub Hrůša,
Wiener Konzerthaus, 10 März 2019“
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Trotz vieler Ausfälle: Intensives musikalisches Engagement und Emotionen bei allen Künstlern in Wien

Foto vom Schlussapplaus im Wiener Konzerthaus © Klaus Billand

Wiener Konzerthaus, 16. Februar 2019
Hector Berlioz, LA DAMNATION DE FAUST

Philippe Jordan mit den Wiener Symphonikern, 16. Februar 2019

von Klaus Billand (onlinemerker.com)

Die Wiener Konzerthaus-Gesellschaft war wirklich nicht zu beneiden angesichts der Absage-Kaskaden bei den beiden konzertanten Aufführungen der „La Damnation de Faust“ von Hector Berlioz Freitag- und Samstagabend, am Samstag bei ausverkauftem Haus. Ein Sprecher des Hauses trat vor das Publikum und informierte über die jüngsten Entwicklungen. Nachdem Ildebrando D‘Arcangelo schon zuvor aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, war der Einspringer Nahuel Di Pierro am Samstagmorgen ebenfalls erkrankt, sogar mit Fieber. So konnte man Alexander Vinogradov äußerst kurzfristig aus Paris einfliegen lassen, um die Partie des Mephistophélès zu singen. Für den ebenfalls indisponierten Florian Boesch übernahm Edwin Crossley-Mercer die Rolle des Brander. Einzig Kate Aldrich als Marguerite und Saimir Pirgu als Faust konnten beide Abende antreten. Es wurde betont, wie professionell der Dirigent der Aufführung und kommende Chefdirigent der Wiener Staatsoper, Philippe Jordan, die vielen Änderungen mit den Neulingen über die Runden brachte. Der Abend hing offenbar am berühmten seidenen Faden. Ein Lob der Konzerthaus-Gesellschaft, wie sie das so schnell und kompetent gemeistert hat! „Hector Berlioz, LA DAMNATION DE FAUST,
Wiener Konzerthaus, 16. Februar 2019“
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