Schlussapplaus © Frank Heublein
Joel Frederiksen überträgt äußerst gewandt durch seine Stimme Stimmungslagen auf mich. Dazu der raue zugleich weiche und direkte Klang Lukas Sehrs am historischen Hammerklavier. Ein beglückender Abend.
Zwischen Mars und Venus XVIII: Aufenthalt
Dithyrambe, D801, 1826
Schwanengesang, D957, 1828 (Auswahl)
Klaviersonate B-Dur, D960, 1828
Drei Gesänge für Bass und Klavier, D902, 1827 (Auswahl)
Zugabe: Ständchen, D957, 1826
Ensemble Phoenix Munich
Joel Frederiksen, Bass
Lukas Sehr, Klavier
Bayerisches Nationalmuseum, München, 5. Februar 2026
von Frank Heublein
An diesem Donnerstagabend präsentiert Bassist Joel Frederiksen zusammen mit Pianist Lukas Sehr, der auf einem historischen von Louis Dulcken um 1815 in München gebauten Pianoforte spielt, Kammermusik Franz Schuberts überwiegend aus dem postum vom Verleger Schuberts zusammengestellten Schwanengesang im Mars-Venus-Saal des Bayerischen Nationalmuseums in München.
Eröffnet wird der Abend mit einem „ekstatischen Chorhymnos zu Ehren des Gottes Dionysos“: einer Dithyrambe. Temporeich huldigt Frederiksens Stimme und Sehrs Klavierspiel dem Gott des Weines und der Freude.
Lieblich sanft. Würdevoll-dramatisch. Forsch aufgeweckt energisch. Drohend dunkel. Verzehrend. Genussvoll. Blümerant. Drängend entschlossen. So fühlen sich in mir die ausgewählten Lieder an, die Frederiksen für mich singt und damit beweist, wie gewandt seine Stimme Stimmungslagen auf mich überträgt. Die beiden Künstler funktionieren geschmeidig miteinander. Lukas Sehrs Hammerklavierspiel unterfüttert wunderbar Frederiksens soliden kräftigen Bass.

Zwischen den ausgewählten Liedern spielt Lukas Sehr jeweils einen der drei Sätze der Klaviersonate B-Dur, D960. Wie beschreibe ich meine Faszination dieses Hammerklaviers im Vergleich zu einem modernen Konzertflügel? Der Klang der einzelnen angeschlagenen Töne ist roh, nicht volumig rund wie beim Flügel. Doch zugleich weich und direkt. Der erste Satz voller Spannung, die im Hintergrund lauert. Es dauert bis sie offensichtlich wird. Der zweite erweckt in mir zärtliches Innehalten, ein In-sich-hinein-Versinken-und-Umherwandern. Blubbernd sprudelnd heiter fühlt sich in mir der dritte Satz an.

Zwei der Drei Gesänge für Bass und Klavier, D902 zeigen mir ein für mich neues Bild Schuberts. Heitere Eleganz im ersten Lied. Im zweiten, Il modo di prender moglie, erkenne ich Schubert als Nachfolger Mozarts und Inspiration Rossinis. Keck und spielerisch leicht.
Das sehr bekannte Ständchen singt Frederiksen als Zugabe. Die beiden Worte zum Schluss „Beglücke mich“ treffen zu auf Joel Frederiksen und Lukas Sehr. Genau das tun die beiden: mich beglücken mit einem Schubert’schen kammermusikalischem Bouquet feiner Qualität.
Frank Heublein, 6. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Programm
Zwischen Mars und Venus XVIII: Aufenthalt
Franz Schubert
Dithyrambe (Friedrich von Schiller), D801, 1826
Schwanengesang, D957, 1828
- Liebesbotschaft (Ludwig Reilstab)
- Ihr Bild (Heinrich Heine)
- Frühlingssehnsucht (Ludwig Reilstab)
Klaviersonate B-Dur, D960, 1828 I. Satz Molto moderato
Schwanengesang, D957, 1828
- Aufenthalt (Ludwig Rellstab)
- In der Ferne (Ludwig Rellstab)
Klaviersonate B-Dur, D960, 1828 II. Satz Andante sostenuto
Schwanengesang, D957, 1828
- Der Doppelgänger (Heinrich Heine)
- Die Stadt (Heinrich Heine)
- Der Atlas (Heinrich Heine)
Klaviersonate B-Dur, DI6O, 1828 III. Satz Scherzo. Allegro vivace con delicatezza
Drei Gesänge für Bass und Klavier, D902, 1827
- L’incanto degli occhi (Pietro Metastasio)
- Il modo di prender moglie (Pietro Metastasio)
Ständchen, D957, 1826 (Zugabe)
Ensemble Phoenix Munich, A Place Of Green Bayerisches Nationalmuseum, München, 9. November 2025
The Woods so Wild, Ensemble Phoenix Munich Bayerisches Nationalmuseum, München, 15. Mai 2025
Ensemble Phoenix Munich Bayerisches Nationalmuseum, München, 30. März 2025