DIE SONNTAG-PRESSE – 15. FEBRUAR 2026

DIE SONNTAG-PRESSE – 15. FEBRUAR 2026

Händel, Giulio Cesare, Francesco Corti © Sophie Wolter

Für Sie und Euch in den Zeitungen gefunden
DIE SONNTAG-PRESSE – 15. FEBRUAR 2026

Hamburg/Elbphilharmonie
Ein musikalischer Hochgenuss auf allerhöchstem Niveau macht demütig und süchtig
Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) – Giulio Cesare in Egitto. Konzertante Aufführung in italienischer Sprache. Was für ein Abend! Das Publikum in der ausverkauften Elbphilharmonie habe ich selten so mucksmäuschenstill erlebt. Am Ende gab es tosenden Applaus und Bravorufe. Die Gelegenheit, mit der reinen Musik zu verschmelzen ist in dieser konzertanten Form ohne Bühnenbild, Kostüme und Regie und vor allem in diesem Raum sensationell.
Von Iris Röckrath
Klassik-begeistert.de

Hamburg/Elbphilharmonie
„und ich steh’ da und seh’ dich endlich sterben!“ – Strauss’ „Elektra“ bestürzt in Hamburg
Wozu braucht man eine Inszenierung mit durchdachtem Bühnenbild und einfallsreichen Kostümen, wenn man antiken Familien-Horror so unmittelbar und erschütternd erleben kann, wie die „Elektra“ von Richard Strauss im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie? Die halbkonzertante Aufführung in der szenischen Einrichtung von Charlotte Schetelich am 13. Februar 2026 ließ einem mehrfach das Blut in den Adern gefrieren.
Von Dr. Andreas Ströbl
Klassik-begeistert.de

Hamburg/Elbphilharmonie
Erst mit dem Auftritt von Karita Mattila als Klytämnestra erreicht die Spannung ihren Höhepunkt
Wir waren seit längerem nicht mehr in der Elbphilharmonie. Die Optik des große Saals fasziniert immer noch. Und als der Dirigent Alan Gilbert das NDR-Elbphilharmonie Orchester von den Ketten ließ, wohnten wir einem grandiosen Konzertereignis bei. Aber wo blieben die Sänger? Hinter dem Orchester war Raum für deren Auftritt. Zunächst überzeugten die fünf Mägde (Marie Henriette Reinhold, Ida Aldrian, Marie-Luise Dressen, Olivia Boehn, Chelsea Zurflüh) und die Aufseherin (Layla Claire) mit überraschend strahlkräftigen, sicher über dem Orchester liegenden Stimmen (jedenfalls von unserem Platz aus im Block D), die klanglich allerdings merkwürdig steril blieben. Das galt auch für die wie beiläufig auftretende Ingela Brimberg, der es zufiel (ohne schützendes Bühnenbild) das Zuschauerinteresse weg vom Orchester zu Elektra zu lenken. Anfangs ließ Brimberg, vermutlich der Nervosität geschuldet, ein stärkeres Vibrato vernehmen. Nachdem sie sich frei gesungen hatte, beeindruckten ihre große Strahlkraft und die im Forte aufblühende Stimme. Das war ihre Domäne und ihr Erfolg beim Publikum: Über das Orchester hinweg ihren Sopran zum Leuchten zu bringen.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de

Hamburg/Elbphilharmonie
Zwei Stunden am Rande des Wahnsinns
Chefdirigent Alan Gilbert, das NDR Elbphilharmonie Orchester und das NDR Vokalensemble präsentieren mit starken Solisten die Oper „Elektra“ von Richard Strauss konzertant in der Elbphilharmonie
DieWelt.de

Wien/Konzerthaus
Sitkovetsky Trio im Konzerthaus: Es müssen nicht immer nur Stars sein (Bezahlartikel)
Mit dem Sitkovetsky Trio war am Freitag ein Kammermusikensemble zu Besuch in Wien, das ausnahmsweise mal nicht aus zusammengewürfelten Stars bestand und überzeugte besonders mit Cécile Chaminade.
DiePresse.com

Gelsenkirchen
Uraufführung: „Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert“ von Svealena Kutsche
Musiktheater im Revier Gelsenkirchen. Premiere Sonntag, 15. Februar 2026, 18.00 Uhr. Es sind ganz alltägliche Konflikte, die in Svealena Kutschkes Stück Fußnoten aus dem späten 21. Jahrhundert das Salz in der faden Suppe des Büroalltages zwischen Abheften, Tackern und Kopieren darstellen. Gruber, Noll, Weber, Kessler und „Das paranormale Phänomen“ arbeiten im Großraumbüro einer Behörde. Den Zweck ihres Tuns beschreiben sie so: „Aber unsere Aufgabe ist ja nicht das Lösen der, ähm, Probleme. Wir sind dafür zuständig, die, ähm, Probleme zu verwalten.“
Theaterkompass.de

Wien/Volksoper
Sa., 14. Februar 2026: Richard Strauss, Der Rosenkavalier
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei, und so war der heutige Volksopern-„Rosenkavalier“ klar die beste der drei von mir besuchten Aufführungen der aktuellen Serie, alle schienen mir heute noch besser aufeinander eingespielt und zueinander gefunden: In besonderem Maße gilt das für das (heute nochmals bessere) Volksopernorchester unter Alexander Joel, das heute eine ganz wunderbare Leistung brachte und – man höre und staune – in der heutigen Verfassung mit dem Staatsopernorchester mithalten kann; und auch die Sängerleistungen waren überwiegend sehr erfreulich…
forumconbrio.com

Graz/Oper
„Wozzeck“: Der arme Teufel und die Dämonen
Kritik. Evgeny Titov entkleidet Alban Bergs „Wozzeck“ seines sozialen Kontextes und erzählt eine anti-realistische Passionsgeschichte in 15 Bildern. Der Saisonhöhepunkt der Grazer Oper. Am Anfang sind alle seine Quälgeister versammelt: Der Doktor, der Hauptmann, der Tambourmajor und natürlich auch Marie. Von einem kleinen Hügel aus schauen sie auf den völlig nackten Franz Wozzeck herab. Zwei Engelsfiguren rahmen die erste der 15 Stationen auf dem Passionsweg des „armen Teufels“, der immer tiefer in Verzweiflung und Schmerz versinkt. Beim Regisseur Evgeny Titov geht es grundsätzlich ans Eingemachte, das war bei seiner Grazer „Tannhäuser“-Inszenierung so, auch bei „Iolanta“ an der Wiener Staatsoper, den „Drei Schwestern“ bei den Salzburger Festspielen und nicht zuletzt bei der exzessiven, kopflosen „Salome“ in der Komischen Oper Berlin…
KleineZeitung.at

Berlin
„Selemo“ an der Neuköllner Oper: Eine gewaltige Beschwörung des Frühlings
Das Opernfestival „Schall & Rausch“, erstmals in der Neuköllner Oper zu Gast, startet mit der Frühlingsoper „Selemo“. Nicht nur der dekoloniale Ansatz bekommt stehenden Applaus.
Tagesspiegel.de

Lang Lang und die Berliner Philharmoniker: Musik von einem anderen Stern
Unter Parvo Järvi zelebrieren die Berliner Philharmoniker und der Pianist Lang Lang Musik wie man sie so noch nie gehört hat.
BerlinerZeitung.de

Die Ehrfurcht eines Weltstars: Lang Lang bei den Berliner Philharmonikern (Bezahlartikel)
Gerade noch bei Olympia, jetzt in der Philharmonie: Lang Lang spielt Ravels Klavierkonzert – und verzaubert seine Fans mit einer hingehauchten Zugabe.
Tagesspiegel.de

Klage gegen Berliner Kultursenatorin wegen Theater-Sparplänen
Beschäftigte der landeseigenen Theater sorgen sich um ihre Arbeitsbedingungen. Warum der Personalrat des Landes nun den Rechtsweg wählt.
NeueMusikzeitung/nmz.de

München
Opernprogramm in München: Wenn Männer leiden auf den Opernbühnen
Ist „Fürst Igor“ noch zu retten am Gärtnerplatz? Keiner stirbt schöner als „Faust“ Jonathan Tetelman an der Bayerischen Staatsoper, wo erste Infos zur neuen Spielzeit durchsickern.
sueddeutsche.de

Wuppertal
„Griselda“ im Wuppertaler Opernhaus
Musik: oha! Regie: na ja… Drum präsentiert sich die Wuppertaler „Griselda“, die Mathilda du Tillieul McNicol (fast nur mit Gästen) fürs Opernhaus inszeniert hat, in Sachen Kostüme und Ausstattung ganz modern. König Gualtiero beispielsweise ist hier der Chef eines Tech-Unternehmens, Griselda keine Schäferin, sondern ein früheres Nachtclub-Tanzgirl. Und so weiter.
WuppertalerRundschau.de

Feuilleton
Da habe ich gemerkt: Elsa, du musst noch viel lernen!“
Elsa Dreisig hört und kommentiert Aufnahmen von Kollegen, ohne dass sie weiß, wer singt.
concerti.de

Wie Wagners Walkürenritt zum Soundtrack des Krieges wurde
Die Walküren reiten ein – und es klingt nach Angriff. Was hat sich Richard Wagner dabei gedacht? Teil 9 der Reihe „Taktlos to go“ über die großen Melodien der Klassikwelt – und die Geschichten dahinter.
DiePresse.com

Tonträger
CD-Besprechung: Bedřich Smetana: „Zwei Witwen“
Wie seltsam. Da ist der Opernkomponist Bedřich Smetana weltweit für seine „Verkaufte Braut“ als eines der Musterstücke einer herzwärmenden komischen Oper mit dem im 19. Jahrhundert so beliebten nationalfolkloristischen Kolorit berühmt. Doch die beiden anderen Titel unter seinen immerhin acht Bühnenwerken, welchen man ab und an begegnet, das sind schwerblütige historische Stücke mit blutigem Ausgang, nämlich „Libuše“ und „Dalibor“. Wer aber hat schon mal von den zugegeben harmlos-leichten „Zwei Witwen“ („Dvě vdovy“) gehört?
rondomagazin.de

CD/ Blu-ray-Besprechung
Die CD „Eisnacht“ versammelt Lieder von ins Exil getriebenen Komponisten
Die sechs hier vertretenen Komponisten und Komponistinnen haben Eines gemeinsam: nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933, in Österreich 1938, mussten sie wegen ihrer jüdischen Abstammung ihre Heimat verlassen, und ihre künstlerische Tätigkeit, bzw. ihr Studium unterbrechen. Im Fall von Viktor Ullmann gab es kein Entrinnen, er wurde deportiert, später ermordet. Auffällig ist, dass ein Teil der Kompositionen erst relativ spät im Leben der Komponisten entstanden, so der „Wildunger Liederzyklus“ von Ruth Schonthal in den 1990er Jahren, Walter Arlens „Five Songs of Love and Yearning“ 1986. Auch Felix Wolfes’ drei Lieder, darunter das der CD den Titel gebende „Eisnacht“ wurden  erst in den 1950ern komponiert.
Von Peter Sommeregger
Klassik-begeistert.de

Milano, Teatro Dal Verme – Marina di Umberto Giordano (prima assoluta) – Connessi all’Opera
Kann auch in deutsche Sprache übersetzt werden
connessiallopera.it

Teatro Dal Verme
https://de.wikipedia.org/wiki/Teatro_Dal_Verme

Links zu englischsprachigen Artikeln

Wien
Gender? I hardly know her!
Christof Loy’s production of Pablo Luna’s gender-bending Orientalist farce Benamor proves to be irresistible.
parterre.com

Berlin
Christof Loy Brings Modernity and Simplicity to Schreker’s Mediaeval Folktale Der Schatzgräber
operatoday.com

Uncovered gems
Despite some complications, the Deutsche Oper exhumes buried treasure in Franz Schreker’s Der Schatzgräber.
parterre.com

Hamburg
Reincarnation of Baroque ecstasy: Giulio Cesare at the Elbphilharmonie
bachtrack.com/de

Rom
Michele Mariotti Named Principal Conductor of Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai
operawire.com

London
Seong-Jin Cho is the undoubted star of the show with the LSO and conductor Gianandrea Noseda
seenandheard-international.com

Glasgow
The Great Wave review – Hokusai opera sounds and looks beautiful but skimps on drama
TheGuardian.com

East meets West in Dai Fujikura’s The Great Wave at Scottish Opera
bachtrack.com/de

Chicago
A mixed bag of musical results as van Zweden returns to CSO
chicagoclassicalreview.com

Washington
Washington National Cathedral 2026 Review: Angels & Demons
The King’s Singers, a celebrated a cappella ensemble, were a singular factor in the revival of unaccompanied vocal music.
operawire.com

The King’s Singers: Angels and Demons at Washington National Cathedral
operatoday.com

Recordings
Christopher Tin, Christine Goerke, Clay Hilley, Julie Roset & Gunther Groissboeck Lead new CD/DVD Releases
operawire.com

Handel: Sosarme album review – Marco Angioloni makes the case for this little-known work
TheGuardian.com

Ensemble Intercontemporain: Unsuk Chin album review – rich and strange music of kaleidoscopic colours
TheGuardian.com

Ballett / Tanz

Frida
Ballett von Annabelle López Ochoa, Musik von Peter Salem
omm.de

Dutch National Ballet’s mixed programme brings some much needed heat to this winter season
bachtrack.com/de

Sprechtheater

Wien/Volkstheater
Volkstheater Bezirke: Szenen einer Ehe mit hohem Wiedererkennungswert
Im Volkstheater sind die Bezirke wieder Chefsache. Direktor Jan Philipp Gloger schickt seine kurzweilig-pointierte Inszenierung des Beziehungsstückes „State of the Union“ mit Johanna Wokalek und Tjark Bernau auf Wien-Tournee. Die bejubelte Premiere fand am Freitag in der Brigittenau statt.
krone.at

Hornbys feine Eheberatungskomödie tingelt durch die Wiener Außenbezirke
DerStandard.at

Ein „Reigen“ (fast) ohne Sex: „State of the Union“ im Volkstheater (Bezahlartikel)
DiePresse.com

Verbale Schläge unter die Gürtellinie, um die Ehe zu retten
Volkstheater: Jan Philipp Gloger inszenierte „State of the Union“ hinreißend für die Tournee durch die Bezirke
Kurier.at

Wien/Theater Scala
„Die Katze auf dem heißen Blechdach“ und die Hölle auf Erden (Bezahlartikel) Wie Tennessee Williams Abgründe freilegt, zeigt Felix Metzner im Theater Scala in seiner auf den Text fokussierten Inszenierung
Kurier.at

Rock/Pop/Song-Contest

Paukenschlag: Song Contest Show muss abgesagt werden!
Neues Song Contest Drama. Im Mai rockt der 70. Song Contest die Wiener Stadthalle. Doch jetzt fällt eine der größten Feiern zum 70. ESC-Geburtstag aus. Neuer Song Contest Wirbel. Nachdem wegen Israel ja schon fünf Länder, u.a. auch der Big Five Fixstarter Spanien, ihre Teilnahme beim 70. Song Contest in Wien abgesagt haben, gibt’s jetzt das nächsten ESC-Beben. Den nächsten Tiefschlag. Wie die Schweizer Zeitschrift „Blick“ berichtet fällt nämlich nun wohl die größte Jubiläumsfeier zum 70er des Wettsingens aus: Die allererste Song Contest Tournee.
oe24.at

Politik

Österreich
Kehrt jetzt Ruhe ein? Babler bleibt einziger Vorschlag für SPÖ-Vorsitz
Seit Mittwoch ist klar, dass SPÖ-Chef Andreas Babler beim Parteitag am 7. März wohl keinen ernst zu nehmenden Gegenkandidaten bekommen wird. Nachdem neben Alt-Kanzler Christian Kern auch einige Landesvorsitzende kundgetan hatten, am Parteitag nicht mehr für Spitzengremien zu kandidieren, gab SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim am Freitagnachmittag nach Sitzungen der Parteigremien bekannt, dass Babler der einzige Wahlvorschlag als für den Parteivorsitz bleibt.
krone.at

Pilnacek: Todesursache klar
Pilnacek-Tod: Jetzt ist das große Gutachten da. Nach dem immer noch viele Fragen aufwerfenden Tod des Ex-Justizsektionschefs bringt ein umfangreiches Gutachten jetzt Licht ins Dunkel. Dieses liegt nun vor und umfasst stolze 110 Seiten. Dabei werden die Einschätzungen mehrerer hochrangiger Experten diskutiert. Instituts-Direktorin Univ.-Prof Dr. Elke Doberentz kommt dabei zu folgendem Schluss: „Die Todesursache des Mag. Pilnacek ist ein Ertrinken. […] Konkurrierende Todesursachen, weder aus innerer krankhafter Ursache noch anderweitige traumatische Todesursachen, konnten nicht festgestellt werden.“

heute.at

Weltpolitik
Schluss mit „Daddy Trump“: Der Strategie-Wechsel der Europäer ist überfällig
Schmeicheleien ziehen beim US-Präsidenten nur bedingt. Er nutzt vermeintliche Schwäche immer aus. Das haben Teile von Europas Politik anscheinend endlich begriffen. Die vergangenen Wochen brachten für „Bulldozer“ Donald Trump einige harte Rückschläge. Ein paar republikanische US-Kongressabgeordnete haben ausnahmsweise Besonnenheit walten lassen und gegen die irrsinnigen Zölle gegen Kanada gestimmt. In Minnesota hat der Straßenprotest nach den Tötungen auf offener Straße zum Abzug der ICE-Beamten geführt. Nach seinen rassistischen Verunglimpfungen der Obamas musste er rasch zurückrudern. Mittelmächte aus aller Welt schließen fast wöchentlich neue Handelsabkommen. Und nicht zuletzt haben die Europäer klargemacht, dass die USA mit den Annexionsfantasien bezüglich Grönland den Bogen mehr als überspannen.
DerStandard.at

Trump-Minister warnt Europa: USA wollen keine schwachen Verbündeten
US-Außenminister Marco Rubio hat sich zu einer engen Partnerschaft seines Landes mit Europa bekannt.
oe24.at

Sport

Olympische Winterspiele
Braathen holt 1. Winter-Olympia-Gold für Brasilien. Pleite für ÖSV
Auch im Riesentorlauf gibt es für unsere Ski-Herren nichts zu jubeln. Stefan Brennsteiner landet als unser Bester auf Platz 8. Gold geht sensationell an Lucas Pinheiro Braathen, der damit zum ersten Mal eine olympische Medaille für Südamerika bei Winterspielen holt.
oe24.at

Kein Pariasek, kein Braathen – Olympia-Sieger ignoriert den ORF
Gold-Sensation für Lucas Pinheiro Braathen! Der Brasilianer sorgte nach seinem Olympiasieg für einen Aufreger beim ORF. Kein Pariasek, kein Braathen! Nach dem historischen Gold im Riesentorlauf stapfte der Brasilianer einfach beim ORF vorbei.
oe24.at

Skeleton: Flock krönt Karriere mit Olympia-Gold
Viertes Olympia-Gold in Milano/Cortina für Österreich: Janine Flock triumphiert im Skeleton.
Kurier.at

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Unter’m Strich

Wien/Opernball
Wirbel in Österreich: Dorothee Bär unterläuft Fauxpas beim Wiener Opernball
…Für mächtig Wirbel sorgt im Nachhinein nämlich der Auftritt von Dorothee Bär. Die CSU-Politikerin und Forschungsministerin im Kabinett von Friedrich Merz war als Gast von Alexander Pröll, Staatssekretär im Bundeskanzleramt der aktuellen österreichischen Regierung beim Event zugegen. Der Blick einiger Österreicherinnen und Österreicher fiel aber auf ein kleines Accessoire, das Bär vor ihrem Besuch nicht ablegte: ihre Uhr. Die CSU-Ministerin trug eine auffällige Smartwatch am Handgelenk, mutmaßlich von Apple, mit einem weißen Band. Und das ist ein echter Fauxpas. Denn Tradition ist in Wien beim Opernball heilig. Und für den Opernball gelten strenge Regeln. Und mit der Uhr am Handgelenk hat Dorothee Bär eine solche offenbar gebrochen. Neben einem strengen Dresscode – Frack für die Herren, Abendkleid für die Damen – gelten auch an derartigen Bällen strenge Regeln für den Schmuck, über den viele österreichische Medien berichten. Bei derart eleganten Anlässen seien etwa „nur Schmuckuhren erlaubt“, schreibt etwa Vienna.at. Dies seien entweder Uhren mit verstecktem Ziffernblatt, die nicht als Gegenstand zum Ablesen der Zeit zu erkennen sind oder edelsteinbesetzte Uhren. Beides traf bei Bärs Smartwatch nicht zu. Auch für Männer gilt aus alter Tradition, eine Armbanduhr zum Frack ist ein No-Go.
muenchner.merkur.de

Das große Interview: Was haben Sie bloß mit Sharon Stone gemacht?
Tränen, Flucht und Champagner: Sein Stargast aus Hollywood hielt Karl Guschlbauer (62) beim 68. Wiener Opernball ganz schön auf Trab. Mit Conny Bischofberger spricht der „Schaumrollenkönig“ aus dem Innviertel über Sharon Stones Emotionen, Ähnlichkeiten mit Richard Lugner und seine zuckerlrosa Welt.
krone.at

Österreich
Frauen attackiert: Bauer wollte Amtstierärztinnen mit Kabelbinder fesseln

Eine Überprüfung der Katzenhaltung auf einem Bauernhof endete am Donnerstag in einem handfesten Zwischenfall: Zwei Amtstierärztinnen wurden attackiert.Wie das Büro von Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP) gegenüber dem ORF erklärte, sollte kontrolliert werden, ob die Tiere ordnungsgemäß gehalten werden und ob die vorgeschriebene Kastrationspflicht eingehalten wird. Doch dazu kam es nicht: Wie die Polizei berichtet, verweigerte eine 83-jährige Bäuerin den Beamtinnen den Zutritt zu den Stallungen. Zwischen den drei Frauen entwickelte sich daraufhin eine hitzige Diskussion. In der Folge mischte sich der 52-jährige Sohn der Bäuerin ein – und die Situation eskalierte. Er soll die beiden Amtstierärztinnen attackiert und versucht haben, sie mit Kabelbindern zu fesseln. Später erklärte er gegenüber der Polizei, er habe die Frauen lediglich vom Grundstück verweisen wollen.                      heute.at

Rampenschau: Gil Ofarim entschuldigt sich doch noch, Ralf Schumacher heiratet seinen Partner
Promis der Woche: Prinz Marcus von Anhalt versetzt Simone Lugner, Steffi Graf wirbt für Discounter, Olivia Colman fühlt sich mehr wie ein Mann, Bill Kaulitz macht Lärm… Läuft da was? Diese Frage wurde auch Simone Lugner, der Witwe des legendären, 2024 verstorbenen Baumeisters Richard „Mörtel“ Lugner in den vergangenen Wochen immer wieder gestellt. Lugner nämlich hat den deutschen (adoptierten) Prinzen Marcus von Anhalt kennengelernt und fand ihn offensichtlich nicht unsympathisch. Der 59-Jährige legte sich dabei schwer ins Zeug und überreichte der sechsten Ehefrau von Richard Lugner am Wiener Stephansplatz einen großen Strauß roter Rosen. Man verabredete sich dann auch zum IAEA Staff Association Ball in der Hofburg, Lugner buchte einen Friseurtermin und suchte ein Kleid aus. Doch dann folgte keine rauschende Ballnacht, denn der Prinz meldete sich nicht mehr. „Ist wohl der falsche Zeitpunkt“, sagte Lugner zu oe24 und meinte auch noch: “Es kommt, wie es kommen soll und wenn der Zeitpunkt der richtige ist. Und wenn nicht, dann eben nicht.“Aber wohin war Marcus von Anhalt verschwunden? Die Bild-Zeitung kannte die Antwort: In Dubai. Denn, so der Prinz: „Meine Tochter hatte Geburtstag. Die ist wichtiger.“
DerStandard.at

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 15. FEBRUAR 2026)

INFOS DES TAGES (SONNTAG, 15. FEBRUAR 2026)

Quelle: onlinemerker.com

WIEN/Ehrbar-Saal

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Innen, die Außerirdischen!

Verzeihen Sie, ich muss Sie mit einer Anekdote, die ein bisschen ins Persönliche (meines Redakteurs) reicht, behelligen.
(Ich mein’, bitt’schön, erlau’m S’ mir das!)

Der damals junge Mann hat ein paar Stunden Musikwissenschaft in seinem Wahlfach (eines anderen „Orchideenfachs“) belegt und bei der Gelegenheit den großartigen Musikethnologen Gerhard Kubik als Lehrenden kennengelernt. Africa and the Blues war der Titel der Lehrveranstaltung (das gleichnamige Buch gibt es immer noch zu kaufen). Prüfungen durfte man in ca. zwölf Sprachen, inklusive ein paar originär afrikanischer und Latein, ablegen. Und einmal hieß es: „Heute kommen die Außerirdischen.“ Wer kam? Ein ORF-Filmteam. Mit Kameras, Leuchten und Tonangeln.
— Gerhard Kubik wusste selbst, was es bedeutet, ein Außerirdischer zu sein: Diese außergewöhnliche Aufnahme aus Malawi von 1967 etwa (YouTube-Link) hat er angefertigt. —

Letzte Woche in mir: „Außerirdische“!
Sie haben sich entwickelt!
Arbeiten jetzt für Google.
Haben andere Kameras, arbeiten mit anderen Optiken, mit Fotogrammetrie und KI. Und, was kommt ’raus?

Tadaa! Ein Porträt von mir. Innen. Weil, außen bin ich ja nicht.

Wollen Sie sehen? Ja? Hier, bitteschön (Triggerwarnung: sehr rot!):
Ich, Ihr Ehrbar Saal … in 3D (Link)

Wie schade, dass sie schon wieder weg sind, die Außerirdischen!
Die wissen ja gar nicht, was für wunderschöne Konzerte sie verpassen.

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STADTTHEATER BADEN: THE SOUND OF MUSIC von Rogers & Hammerstein am 11.2.2026

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Foto: Robert Quitta

 Von den drei Produktionen, die Neo-Intendant Andreas Gergen in Baden selbst inszeniert hat, ist. The Sound of Music (nach Wicked und Matilda) wohl die rundum gelungenste.

Und das liegt natürlich auch in erster Linie am Stück. Sound of Music ist – allen jahrzehntelangen anti-amerikanischen Ressentiments (kitschig, schnulzig, nicht realistisch, war gar nicht so) – ein absolutes Meisterwerk. Ein geniales Buch (mit von Anfang bis zum Ende schlüssig gestalteten Motiven – wie z.B. den Bergen), witzige Dialoge, in den weltweiten Wortschatz eingegangene Liedtexte und die schon fast gemeingefährliche Ohrwurmhaftigkeit der Songs von Richard Rogers.

Der tieferliegende Grund für den bis heute anhaltenden globalen, Milliarden von Menschen bewegenden, Erfolg scheint mir aber zu sein, dass The Sound of Music eine überwältigende Hymne auf die Kraft der Musik ist: auf ihren Triumph über die pathologische Trauer, das Unglück, das Verbrechen, das Böse und sogar den Tod.

The Sound of Music ? The Sound of Life !

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© Bühne Baden/ Christian Husar

Musikalisch und darstellerisch ist diese Aufführung ein Fest. Katherina Gorgi ist eine vor Lebenslust, Naturverbundenheit und allumfassender Liebe nur so strotzende glockenhelle Maria, Lukas Perman überzeugt als ernster und gefasster Baron von Trapp, Maya Hakvoort als gestrenge, aber mitfühlende Mutter Oberin. Und die sieben Kinder sind überhaupt ein Wahnsinn, vor allem auch die zwei jüngsten, kaum erst geschlüpften. In der Sprechrolle der Haushälterin überrascht ÖBB-Stimme Chris Lohner äußerst positiv. Hervorragend auch die Choreographie vom Kim Duddy und die musikalische Leitung von Michael Zehetner.

Leichte Einschränkung betreffen vor allem das Bühnenbild von Court Watson. Der von Statisten hereingeschobene Plastikgrashügel ist einfach nur lächerlich und abtörnend.

Und der Ansatz, aus dem Film bekannte Kulissen (Treppe im Herrenhaus, ein halber Pavillon etc.) mit weitaus geringeren Mitteln ein bissl nachzubauen, kein glücklicher.

Da hätte man einen eigenen optischen Weg gehen müssen.

Überflüssig bis ärgerlich auch die „zeitgeschichtlichen“ Ergänzungen, auf die Struppeck/Gergen so stolz sind wie z.B. die hinzugefügte Anfangsszene, in der halbbegabte Statisten hinter einem Gaze-Vorhang GIs mimen, die mit Maschinengewehrattrappen 1945 Salzburg einnehmen. Liebe Freunde aus dem Norden, sogar wir Ösis haben mittlerweile kapiert, dass die Nazis keine Guten waren. Aber tanzende SA-ler, braune Hemden, Hakenkreuzarmbinden und ein bühnenfüllendes Hakenkreuz fallen ästethisch gesehen nicht unter Aufklärung, sondern unter Wiederbetätigung. Dieses musikalische Meisterwerk trägt das alles ganz allein auch ohne !

Wie man sehr gut auch bei dem hingezügten Schluss-Schluss sehen konnte: denn nach dem tosenden Applaus und den begeisterten Standing Ovations kommt das riesige Ensemble noch einmal auf die Bühne, und Lukas Perman fordert uns Zuschauer auf, gemeinsam mit ihnen Edelweiss zu singen. Was man zuerst für einen populistischen Gag à la Radetzkymarschmitklatschen hält, wird zum abschliessend bewegendsten Moment des ganzen Abends. Das geniale Lied drückt auf subtilste Weise genau das aus, was vorher die Antifa-Mätzchen vergeblich versucht haben zu erreichen. Die Tränen flossen in Strömen. Dieses Finale widmete ihnen Kleenex.

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© Bühne Baden/ Christian Husar

 PS: Es gibt ja die verbürgte Anekdote, dass Rudolf Sallinger, als er bei einem Staatsbesuch Präsident Reagan einen Lipizzaner schenkte, von der anwesenden Militärkapelle mit „Edelweiss“ begrüsst wurde, weil man das für die Österreichische Nationalhymne hielt. Nachdem sich Andy Herzog gerade wieder einmal wortreich darüber beklagt hat, dass wir mit unserer derzeitigen langweiligen keinerlei Chance gegenüber den fetzigeren Hymnen anderer Länder haben, sollte man doch vielleicht ernsthaft überlegen, Edelweiss auch offiziell zur Nationalhymne zu erheben. Unterschreibt das diesbezügliche Volksbegehren!

Robert Quitta, Baden bei Wien

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Sonaten für Geige und Klavier von Beethoven bei Ars

Ludwig van Beethoven  (1770-1827) :         rey1

 –  Sonaten Für Violine und Klavier vol.1 : Sonate Für Violine und Klavier in D-Dur Opus 12 Nummer 1  ; Sonate Für Violine und Klavier in A-Dur Opus 12 Nummer 2; Sonate Für Violine und Klavier in Es-Dur Opus 12 Nummer, Sonate Für Violine und Klavier in G -Dur Opus 30 Nummer 3 . Nora Chastain, Geige; Friedemann Rieger, Klavier. 2006. Büchlein in Deutsch und English. 72:53. ARS 38 441. 

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Sonaten Für Violine und Klavier vol.2 : Sonate Für Violine und Klavier in A-Moll Opus 23; Sonate Für Violine und Klavier in F-Dur Opus 24 genannt Frühlingsonate; Sonate Für Violine und Klavier A-Dur Opus 47 genannt Kreutzer-Sonate, Nora Chastain, Geige; Friedemann Rieger, Klavier. 31.12.2005. Büchlein in Deutsch und English. 74:18. ARS 38 443

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Sonaten Für Violine und Klavier vol.3 : Sonate Für Geige und Klavier in A-Dur Opus 30 Nummer 1 ; Sonate Für Geige und Klavier in C-Moll opus 30 Nummer 2; Sonate Für Geige und Klavier in G-Dur Opus 96 Nora Chastain, Geige ; Friedemann Rieger, Klavier. 31.12.2005. Büchlein in Deutsch und English. 74:18. ARS 38 443. 

 Das Plattenlabel Ars veröffentlichte zwischen 2005 und 2006 die Gesamtaufnahme der Sonaten für Violine und Klavier von Beethoven mit der Geigerin Nora Chastain und dem Pianisten Friedemann Rieger. Der größte Vorzug dieser drei CDs ist, dass beide Instrumentalisten gleichberechtigt aufgenommen wurden, sodass man sie ohne Hervorhebung des einen oder anderen hören und sich ganz auf das von Beethoven beabsichtigte harmonische Geflecht konzentrieren kann.

Beethoven komponierte seine Sonaten in seinen Dreißigern, also in relativ jungen Jahren. Der Zuhörer spürt hier deutlich seine Leidenschaft, die zu Virtuosität tendiert, obwohl sich bereits eine gewisse Behaglichkeit abzeichnet, eine Atmosphäre von Brahms’ Kammermusik avant la lettre, insbesondere in den Sonaten des Opus 12. Dieser Anspruch an Virtuosität, der nach und nach nicht mehr nur glänzt, sondern brennt, entsteht durch die Arbeit an Tempi, Harmonien und Phrasierungen in einem Spiel von einer Mozart würdigen Feinheit.

Es ist nicht allzu gewagt, in der Spielweise der Instrumentalisten zu erkennen, dass sie zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen ungefähr im gleichen Alter wie der Komponist waren.  Das erklärt eine gewisse Eile in den Tempi von Opus 12, deren Schnelligkeit fast die Atmosphäre zwischen Intimität und Extimität vermissen lässt, eine Leidenschaftlichkeit, die sie dieser Beruhigung im Dialog wie in der Frühlingssonate oder den Sonaten von Opus 30 nahekommen lässt. Sie stört auch ein wenig die Kreutzersonate, die nur durch dieses Gleichgewicht einer diskreten Virtuosität wirklich glänzt.

Die Virtuosität, die sie jedoch bei der Aufführung dieses erfrischenden und schwungvollen Sonatenzyklus an den Tag legen, garantiert dem Zuhörer ein unvergessliches Hörerlebnis. Er wird das klare, kristalline und frische Spiel des Pianisten und die fröhliche Beweglichkeit der Geigerin zu schätzen wissen. Ebenso wird er ihren Dialog wie ein Kinderspiel genießen, das zunächst verspielt ist, dann in der Jugend reift und schließlich fast das Erwachsenenalter erreicht, indem es sich einer häuslichen Glückseligkeit nähert, die Brahms in seinen eigenen Sonaten für Violine und Klavier wieder aufgreift. Wie die Versionen von Oïstrakh mit Orborin oder von Clara Haskil mit Arthur Grumieux, in deren Fußstapfen sie stehen, machen sie jede seiner Sonaten zu einem eigenständigen Universum und umgeben sie gleichzeitig mit ihrem Ensemble. Der Zuhörer taucht also mit jedem Hören mit neuer Freude in diese drei CDs ein. Vielleicht werden sie in einigen Jahren, wenn ihre Hände reifer geworden sind, den Wunsch verspüren, diese Sonaten wieder aufzunehmen, um das gelobte Land zu erreichen.

Andreas Rey

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WIEN/Theater Nestroyhof Hamakom: Loulou Omer mit „HiStorieS – Angelus Novus“

07.02.2026 | Ballett/Performance

WIEN/ Theater Nestroyhof Hamakom: Loulou Omer mit „HiStorieS – Angelus Novus“

Halbtransparente Vorhänge verlegen Gewesenes und ferne Orte hinter einen Schleier. Die israelisch-österreichische Choreografin, Tänzerin, Pianistin, Komponistin, Sängerin und Lyrikerin Loulou Omer schaut in dieser so persönlichen Solo-Arbeit auf das, was sie prägte, erzählt ihre Geschichten und schreibt damit Geschichte. Der Aufführungsort, das Wiener Theater Nestroyhof Hamakom mitten im jüdisch geprägten Zweiten Wiener Gemeindebezirk, verführt die Zuschauenden zu schuldgefärbtem Tunnelblick. Doch weit gefehlt.

Die Projektion des 1920 von Paul Klee gezeichneten „Angelus Novus“, einem „jungen Engel, der erst noch werden muss“, eröffnet einen Reigen aus multidisziplinären, ineinander verschränkten, überlagerten und dramaturgisch klug gesetzten künstlerischen Beiträgen. Klaviermusik, auch zwei Stücke ihres Großvaters, eigene Kompositionen und solche ihrer Söhne sowie von Henry Purcell erklingen, wie ihr Gesang mal live präsentiert und mal eingespielt (Sound: Gustavo Petek, Yasir Ipek).

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 Loulou Omer: „HiStorieS – Angelus Novus“ © Hanna Fasching

Wir sehen Foto- und Video-Projektionen (Scenographie: Loulou Omer mit Sophie Baumgartner und Bartek Kubiak, von diesem auch Licht, Video und Bühnentechnik)  mit Motiven aus ihrer Kindheit, von kargen Landschaften (Tal Omer) und von Aufnahmen der vor den Nazis nach Israel geflüchteten und dort zu einer bedeutenden Tänzerin und Choreografin avancierten österreichisch-jüdischen Künstlerin Gertrud Kraus. Für Kostüm und Make-up ließ sich Sophie Baumgartner offensichtlich von dieser inspirieren, so wie Loulou Omer von deren Tanzsprache. Lyrik, eigene und ein Gedicht ihres Vaters, des israelischen Dichters Ayin Hillel, wird projiziert und rezitiert.

Mit „HiStorieS – Angelus Novus“ webt Loulou Omer einen performativen Teppich aus eigenen Erinnerungen, Reminiszenzen an Vater, Urgroßvater, Gertrud Kraus und ihre Mutter, deren Schülerin und später Tänzerin in deren Kompanie, an ihre Ausbildung zur Pianistin, an ihre parallelen Karrieren als Lyrikerin und als Tänzerin und Choreografin. Das Material rekrutiert sie aus einer Fülle von Kunstformen, Sprachen und Ästhetiken.

Gefügt in ein mehrdimensionales Bühnenbild schafft Omer einen Raum für Assoziationen, vollgepackt mit direkten und metaphorischen Verweisen. Ein viel zu großer Tisch hinter dem Vorhang zum Beispiel wird zum Symbol für physische und psychische Realitäten in der Kindheit. Später dann, als Tanz-Plattform, für Wachstums-, Reifungs- und Erkenntnis-Prozesse.

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Loulou Omer: „HiStorieS – Angelus Novus“ © Hanna Fasching

Gerahmt allerdings wird, auf einer Meta-Ebene, alles von der mehrfachen Auseinandersetzung des deutsch-jüdischen Kultur-Philosophen Walter Benjamin mit der Zeichnung Klees, die er 1921 auch käuflich erwarb. Benjamin, der 1940 im Alter von 48 Jahren auf der Flucht vor den Nazis Selbstmord beging, deutet darin diesen Engel als Engel der Geschichte, der die vielen Katastrophen in der Geschichte der Menschheit als eine einzige begreift. Die Trümmerhaufen hinter sich zurück lassend treibt sich der Mensch mit dem, was er Fortschritt nennt, immer weiter weg vom Paradies.

Unter diese poetisch-philosophische Deutung subsummiert Omer ihre so komplexe Arbeit und verleiht dem Individuellen damit eine universelle, ja spirituelle Bedeutung. Über die gegenseitige Durchdringung einer Fülle von akustisch-visuellen Abbildern und Wirklichkeiten generiert Omer ein integratives, die Deutung Benjamins fortentwickelndes Geschichtsbild, das die von der Geschichte vorgeschlagenen Reparaturleistungen der Gegenwart und ihren Menschen überantwortet. Womit sie deren Zukunft meint.

„HiStorieS – Angelus Novus“ ist, dem Augenscheine nach, eine sehr persönliche Geschichte. Dieses Stück ist jedoch ein zutiefst emphatischer, liebevoller Blick auf das Menschsein im Allgemeinen. Obwohl ihre eigene Geschichte auch Resultat gewaltvoller Ereignisse ist, formuliert Loulou Omer eine Botschaft für den Frieden. Sie schlägt Projektion vor, eine, die diesen psychologischen Mechanismus auf eine höhere, die bewusste Ebene hebt und damit die Trennung zwischen dem Einzelnen und den Anderen überwindet. Aus einem Einzelschicksal wird kollektive Erfahrung, aus Nabelschau wird Empathie.

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Loulou Omer: „HiStorieS – Angelus Novus“ © Hanna Fasching

Das Stück ist wie eine melancholische Blaupause, die man über alle durch Krieg, Gewalt und Vertreibung verwundeten Kulturen, Vergangenheiten und individuellen Leben legen kann. Die viele Jahrhunderte währende leidvolle Geschichte der Juden, hier zeitlich konzentriert auf die letzten einhundert Jahre und heruntergebrochen auf Loulou Omers Geschichte und die ihrer Familie, ist konkret und Metapher zugleich.

Den jüngsten Ereignissen in Palästina, in lyrischer und Liedform thematisiert, der Gewalt autoritärer Regime, ob islamistisch, kommunistisch oder alternativ-fundamentalistisch gerechtfertigt, vor allem aber der patriarchal induzierten Diskriminierung von Frauen gibt diese Performance Namen und Gesichter. Das Ausmaß der Traumatisierungen ist immens, die Bewältigung dieser eine riesige gesellschaftliche und individuelle Aufgabe.

Loulou Omer schnürt hierzu ein Paket von künstlerischen, geistigen und emotionalen Werkzeugen.

Multidisziplinär, multilingual, multikulturell und, bei allem so persönlichen Bezug, das metaphorische Potential jeder der vielen Begebnisse, Anekdoten und Geschichten hebend. Und daraus wird Geschichte, geschrieben von einer, die sich ungefragt und doch aufgefordert von ihrem Gewissen und ihrer Empathie korrigierend einmischt in die Erzählungen der Mächtigen und Sieger.

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Loulou Omer: „HiStorieS – Angelus Novus“ © Hanna Fasching

Deren Vergessen und Verdrängen stellt sie ein individuelles, mithin kollektives Nicht-Vergessen und Nicht-Verdrängen als Antithese gegenüber. Der künstlerische Prozess wird zu einem heilenden. Er macht nichts ungeschehen, er integriert und wendet das Erlittene in Hingenommenes. Ohne Groll. Aus Ablehnung und innerem Widerstand wird konstruktive, schöpferische Kraft, aus lähmender Nostalgie wird bewusst gemachte Identität, aus Vergangenheit wird Wurzelwerk. Aus verbrannter Erde sprießt frisches Leben.

Sie weist zudem auf die Gefahren hin, die unverarbeitete Traumata heraufbeschwören. Einstige Opfer werden selbst zu Tätern, die ihren Schmerz versuchen zu betäuben mit hingenommenem respektive aktiv zugefügtem fremdem Leid. Und sie formuliert Mahnung und Warnung. Sie kehrt uns am Ende den Rücken zu, Bilder ihrer Vergangenheit betrachtend. Benjamins Deutung des „Angelus Novus“ wird hier physische Realität.

Sie schließt den Kreis. Am Anfang zeigt sie uns das Bild vom Engel. Am Ende zeigt sie dessen Geist. Dazwischen häuft sie Stück um Stück, aus Splittern nur, jenen emotionalen Trümmerhaufen, jene manifesten Katastrophen, die der Engel der Geschichte, seinen Rücken der Zukunft zugewandt, nur zu gern reparieren würde. Doch der Sturm des Fortschritts reißt ihn mit sich, fort von dem Ort, der Heilung noch erlaubte. Was bleibt, sind die Narben in Seelen und Geschichte, sind (ihre) Trauer, Schuld, Scham und Wut.

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Loulou Omer: „HiStorieS – Angelus Novus“ © Hanna Fasching

Sie tanzt zwischen projizierten Flügeln. Sie durchbricht den Schleier. Sie überwindet die Trennung zwischen Gestern und Heute, zwischen dort und hier und zwischen Du und Ich. Sie selbst wird zum Engel der Geschichte. „HiStorieS – Angelus Novus“ ist die Geschichte einer Bewusstwerdung, einer Integration, einer Selbstermächtigung und Emanzipation. Sie erkennt, dass es möglich ist und sie tut es: Im Sinne der Benjaminschen Kritik an der messianischen Hoffnung auf Erlösung übernimmt sie Verantwortung, für ihre individuelle Geschichte und für die von uns allen. Sie baut aus Trümmern ein neues, ein anderes Haus. Für sich und für uns alle, mit all unseren Geschichten. Und sie lädt uns ein in jenes neue Heim. Sie lädt uns ein, so reich zu sein wie sie.

Das handwerklich exzellent umgesetzte Stück voller poetisch-metaphorischer Kraft ist mehr als Wissen. Es geht viel tiefer. Es erzählt uns von den Ur-Sehnsüchten nach Frieden und Miteinander und von der Erfahrung, von ihrer und unserer. Es dringt einem in die Eingeweide, wühlt auf, macht Mut. Dazu nämlich, dass wir, wenigstens und endlich einmal wir, unserer Verantwortung für uns und unsere Zukunft gerecht werden. Indem wir unsere Geschichte schreiben, erlöst von allen ideologisch-religiösen Fesseln. Das ist ihre Hoffnung. Mehr noch: ihre Gewissheit. Weil wir es sind und wir es können.

Loulou Omer mit „HiStorieS – Angelus Novus“ am 05.02.2026 im Theater Nestroyhof Hamakom Wien.

Rando Hannemann

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