Zubin Mehta © Monika Rittershaus
So traurig der Titel klingt – wenn man jedoch den Auf- und Abtritt des geschätzten Maestros Zubin Mehta, bald 90 Jahre alt, am Sonntag in Wien beobachten konnte, leidete man unwillkürlich an den Qualen mit, denen der liebenswürdige Stardirigent ausgesetzt ist. Dieser Konzertabend war ungleich berührend, zumal das Orchester locker mit den sogenannten Meisterorchestern mithalten kann.
Musikverein Wien, 22. Februar 2026
Richard Wagner: Ouvertüre zur Oper Rienzi
Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 8 in F-Dur, op. 93
Peter Iljitsch Tschaikowskij: Symphonie Nr. 4 in f-moll, op. 36
West-Eastern Divan Orchestra
Zubin Mehta, Dirigent
von Herbert Hiess
Was die Politik nicht zusammenbringt; das soll ein Orchester lösen, was man eigentlich nicht für möglich hält. 1999 wurde dieses Orchester unter anderem von Daniel Barenboim und Edward Said gegründet, das zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Mitgliedern besteht.
Der Name wurde von Goethes West-Östlichen Divan abgeleitet, einer Gedichtesammlung vom persischen Dichter Hafis und dessen Gedichtesammlung „Diwan“.
Nun bewies das Ensemble, dass diese politisch wahnsinnigen Differenzen zweier Volksgruppen durch die Musik einfach in Nichts aufgelöst werden können.
Und an diesem Abend wurde das mehr als eindrucksvoll bewiesen; in allen Instrumenten perfekt, spielten die genialen jungen Leute auf Weltklasseniveau allererster Güte.
Dabei bestand das Programm ausschließlich aus Klassikern; es liegt auf der Hand, dass das Publikum ohne Weiteres die Qualität des Spielens vergleichen konnte.
Und Zubin Mehta kann aufgrund seiner lebenslangen Erfahrung beweisen, dass er mit diesen jungen Leuten einen musikalischen Höhepunkt nach dem anderen servierte.

Angefangen mit der „Rienzi“- Ouvertüre von Richard Wagner. Dieses Werk, dass man leider allzu selten hört, zeigte schon, was in den Musikern des West-Eastern Divan Orchestras steckt. Eingeleitet von der großartigen Solotrompete hörte man das Hauptmotiv (das Gebet des Rienzi) selten so ausdrucksstark wie hier bei Zubin Mehta. Das Holz, das massive Blech (Kontrabasstuba!) und das hervorragende Schlagwerk zeigten, wie das Werk eigentlich klingen soll.
Nach dem Bravourstück zu Beginn, kam Beethovens Symphonie Nr. 8 zum Erklingen. Der gebrechliche Mehta ließ alle (!) Wiederholungen spielen und in allen vier Sätzen gelang ein musikalischer Höhepunkt nach dem anderen. Vielleicht verwunderten anfangs die getragenen Tempi; schlussendlich überzeugte, dass man (leider nur selten) solche Details genau heraus hören konnte. Singulär war im dritten Satz das Trio – unvergessen hier der Dialog der beiden Hörner mit der Klarinette.
Und zuletzt als „Reißer“ Tschaikowskijs vierte Symphonie; ein Applausreißer erster Ordnung. Auch hier bevorzugte Mehta eine eher getragene Gangart, die wie bei Beethoven voll mit Spannung erfüllt war. Hervorzuheben vom großartigen Orchester war der erste Oboist im zweiten Satz (Andante in modo di canzone). Selten noch hat man diese Passage so von Trauer, Elegie und Sentimentalität gehört.
Es war ein wunderbares und unvergessliches Konzert, das zeigte, wie die Musik die Last des hohen Alters überwinden kann.
Und dankbar nimmt man an, dass dieses Projekt West-Eastern Divan Orchestra zeigt, dass hier „im Kleinen“ möglich ist, was die verrückte „große“ Politik nicht im Stande zu leisten ist. Vielleicht können sich die verantwortlichen Politiker dieses Projekt zu Herzen nehmen und sich an dieser Friedensbotschaft orientieren!
Herbert Hiess, 23. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
HHH 4: West-Eastern Divan Orchestra, Zubin Mehta Dirigent Wiener Konzerthaus, 8. März 2025