Auf den Punkt 68: Jede Oper ist ein Event! Aber keine Butterfahrt

Auf den Punkt 68: Jede Oper ist ein Event! Aber keine Butterfahrt  klassik-begeistert.de, 30. August 2025

Bild: streitgespraech-islieb/www.islieb.de

DISCLAIMER

Der Inhalt dieses Beitrags wurde mit Liebe zur Oper und Respekt vor meinen Kollegen erstellt. Es handelt sich indes um eine GLOSSE, d.h. der Text setzt Stilmittel wie Ironie und Übertreibung ein. Insbesondere ruft Andreas Schmidt seine Autoren nächtens nicht an. Auch war kein Duell geplant usf. Und eine Mediation haben kb-Autoren schon gar  nicht nötig. Mediator bin ich ebensowenig. Alles aus der Luft gegriffen… um zu unterhalten und für die Oper zu streiten.

von Jörn Schmidt

Andreas Schmidt, der Herausgeber von klassik-begeistert (kb), rief mich gestern Nacht an. Ihm ging nicht aus dem Kopf, dass zwei seiner Autoren einen üblen Streit vom Zaun gebrochen hatten. Es ging darum, ob Oper ein Event sein darf. Nachdem Weiterungen dieses Konfliktes zu befürchten waren, fragte er: „Du als Anwalt hast doch bestimmt das Zeug zum Mediator? Es geht um Folgendes…

Autor 1 hatte mal wieder hingelangt, in seiner Kolumne hatte er ausgeführt:

Die Kunstform Oper sollte sich davor hüten, zum Event zu verkommen. Tendenzen dazu sind da, man denke nur an die Auswüchse beim Applaus, der häufig in Fußballplatz-Manier erfolgt.“

Autor 2 fühlte sich ordentlich auf die Krawatte getreten, er verfasste eine glühende Replik. Ich zitiere:

Doch ich frage mich allen Ernstes, wieso darf eine Oper kein Event sein? Wieso darf man keinen Spaß haben, wenn man Oper hört und erlebt? Ist diese Kunstform nur für einen kleinen Kreis Interessierter gedacht, der sie auch versteht und der die Höhen und Tiefen der Sänger beurteilen kann?“

 Wie das Leben so spielt, ein Wort gab das andere. Man erwog schon, den Streit wie Lenski und Onegin zu lösen. Da das in Tschaikowskys Oper nicht gut ausging, gab ich, noch im Halbschlaf, der Bitte unseres Herausgebers nach.

Protokoll | Mediationssitzung am 29. August 2025

 Ort: Sylt

Zeit: 07:00 – 23:00 Uhr

Teilnehmende: kb-Autor 1, kb-Autor 2
Mediator: Jörn Schmidt
Verteiler: Andreas Schmidt

Für den Erfolg einer Mediation ist es von größter Bedeutung, dass man sich an einem heimeligen Ort trifft. Das löst schon mal die ersten Verkrampfungen. Daher wurde vereinbart, sich auf Sylt zu treffen.

Nachdem man sich gegenseitig vorgestellt hatte, erläuterte der Mediator das Ziel der Mediation:  Keiner verlässt die Insel, ehe nicht eine von den Konfliktparteien gemeinsam verfasste Pressemitteilung verfasst wurde.

Danach wurden gemeinsam die Gesprächsregeln festgelegt: Höflich möge es bitte zugehen. Ein jeder lasse den anderen ausreden. Sich ins Wort fallen war genauso verboten wie Beleidigungen. Außerdem verbat man sich, vom Thema abzuschweifen oder zu lamentieren.

Dann wurden Argumente ausgetauscht. Es stellt sich heraus, dass Autor 1 das Event-Verbot aus der Furcht vor einem gestörten Operngenuss ausgesprochen hatte. Wenn es im Saal zugehe wie auf dem Fußballplatz, störe das die Konzentration von Künstlern und Publikum.

So wichtige Faktoren wie Stille und Pianissimo  blieben außen vor. Autor 2 hielt entgegen, dass alles, was Spaß mache, erlaubt sein müsse. Sonst würde das nie was mit einer guten Auslastung der Hamburgischen Staatsoper.

Um seinen Standpunkt zu untermauern, verwies Autor 2 auf einen brandaktuellen Instagram-Beitrag der Hamburgischen Staatsoper vom 28. August 2025. Da stand sinngemäß: Dresscode? Egal… COME AS YOU ARE! Das sei ein hochoffizieller Freibrief, in der Oper Spaß zu haben. BE YOURSELF!

Die Fronten waren verhärtet, Stunde um Stunde ging ins Land… Als Mediator galt es nun, den eigentlichen  Gegenstand des Konfliktes offenzulegen und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen. Schnell wurde klar: Autor 1 und Autor 2 lieben beide die OPER!

Auf der Grundlage entspannte sich die Atmosphäre. Der Mediator hat Autor 1 und Autor 2 im nächsten Schritt mit verschiedenen Definitionen eines gelungenen Events konfrontiert. Laut Duden ist ein Event ein „besonderes Ereignis“.

Darunter fallen Opernbesuche ebenso wie Verkaufsveranstaltungen. Selbst Butterfahrten wären demnach ein Event. Hauptsache, die  Veranstaltung ist ein „organisiertes, zweckbestimmtes, zeitlich begrenztes Ereignis, an dem eine Gruppe von Menschen vor Ort oder medial teilnimmt“. So das Gabler Wirtschaftslexikon (online).

Da sollte doch klar sein, dass jedes Event seine Regeln haben braucht. Was auf dem Fußballplatz sozialadäquat ist, passt eben nicht 1 zu 1 in den Konzertsaal. Man denke nur an das Zünden von Pyrotechnik.

Oder erwäge Autor 2, derlei Produkte beim nächsten Parsifal mit sich zu führen? NEIN, natürlich nicht. Damit war der gordische Knoten zerschlagen und man einigte sich flugs, eine Pressemitteilung wie folgt auf den Weg zu bringen:

Sylt, 29. August 2025 – JEDE OPER IST EIN EVENT in dem Sinne, dass ein Opernbesuch glücklich macht, Zusammengehörigkeit stiftet und allabendlich eine spezifische Botschaft vermittelt. Sozialadäquates Verhalten verdoppelt den Genussfaktor Oper.

Jörn Schmidt, 30. August 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Sommereggers Klassikwelt 292: Rettet die Oper klassik-begeistert.de, 27. August 2025

Kommentar: OPER darf ein Event sein! klassik-begeistert.de, 28. August 2025

Auf den Punkt 67: Eschenbachs himmlischer tone from the top Elbphilharmonie, 18. August 2025

Auf den Punkt 65:  Delnon geht… Hamburgische Staatsoper, 3. Juli 2025

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