Pablo Luna entzündet mit seiner Zarzuela spanisches Feuer

Pablo Luna, Benamor  Musiktheater an der Wien, 1. Februar 2026

Benamor © Monika Rittershaus

Wie man Österreich als Operettenstaat bezeichnet, so kann man getrost Spanien als Zarzuela-Staat bezeichnen. Die Form der spanischen Operette und des Singspiels hörte man in Wien in einer hervorragenden Aufführung. Die Zarzuela „Benamor“ vermittelte in der nebeligen Stadt Wien spanisches Temperament. Leider ließen sich gewisse Schwächen in der Partitur Lunas nicht verbergen.

BENAMOR
Pablo Luna

Opereta in drei Akten
Libretto von Antonio Paso und Ricardo González del Toro
Österreichische Erstaufführung

Mit Marina Monzó, Federico Fiorio, Milagros Martín, David Alegret, David Oller usw.

Arnold Schoenberg Chor
ORF Radio-Symphonieorchester Wien

Dirigent: José Miguel Pérez-Sierra

Regie: Christof Loy

Musiktheater an der Wien, 1. Februar 2026

von Herbert Hiess

Was in unserem Sprachgebrauch die Operette ist, ist die Zarzuela eine auf der Commedia dell’arte basierende Weiterentwicklung dieser Kunstform. Eigentlich wurde sie zur Unterhaltung sowohl für das spanische Königshaus (damals noch die Habsburger) als auch für die Bevölkerung gedacht.

So finden sich hier gesprochene Dialoge und eigene Kompositionen kombiniert mit populären Schlagern und Volksliedern. Übrigens stammt die Bezeichnung „Zarzuela“ (Zarza bedeutet Brombeergebüsch) vom „Palacio de la Zarzuela“, den sich die spanischen Monarchen nördlich von Madrid errichten haben lassen; dieser ist bis heute Sommersitz des spanischen Adels.

Und der 1879 geborene Pablo Luna komponierte dieses spanische Singspiel „Benamor“, das man in Wien in einer hervorragenden Aufführung erleben konnte.

Diese Operette in 3 Akten wurde brillant aufgeführt; zeigte jedoch im ersten Akt einige kompositorische Schwächen. Immer professionell instrumentiert und aufgeführt vermisste man sehr eine dramaturgische Weiterentwicklung; ein Hauptthema wurde ständig wiederholt, es stellte sich bald eine gewisse Art Langeweile ein – da suchte man vergeblich spanischen Flair und Feuer. Auch wenn großartig gespielt und gesungen wurde; man hatte das Gefühl, dass man musikalisch auf der Stelle trat.

Benamor © Monika Rittershaus

Ab dem zweiten Akt war alles wie ausgewechselt. Da hörte man plötzlich begeisternde und berückende spanische Klänge, die mit dem grandiosen Orchester und dem ebensolchen Chor und den Solisten mehr als kurzweilige Klänge brachten.

Mit Maestro Pérez-Sierra, dem Leiter des Madrider Teatro de la Zarzuela, konnte man keinen Besseren für diese Aufführung gewinnen. Und bewundernswert das hervorragende ORF-Orchester, das diese schwierige Partitur meisterhaft erklingen ließ. Die spanische Musik besteht aus unzähligen Rubati, Akzenten und vieles mehr, die für Chor, Orchester und letztlich natürlich auch für den Dirigenten eine gewaltige Herausforderung sind. Besser kann man es nicht erklingen lassen.

Und in Akt zwei und vor allem in Akt drei hörte man plötzlich, was für musikalische Qualität in Pablo Luna steckte. Neben feurigen Tänzen, Chören und Arien erklang alles, was in Akt eins fehlte. Und in Akt drei war eines der schönsten lyrischen Duette zu hören – jenes mit Marina Monzó (Benamor) und David Oller (Don Juan). Unvergleichlich von beiden gesungen; es war eine Freude anzusehen, wie sie in diesen Melodien schwelgten.

Neben Marina Monzó und Federico Fiorio bewiesen Solisten und alle Mitwirkenden sowie der großartige Arnold Schoenberg Chor ihr Können in der musikalischen Heimat.

Benamor © Monika Rittershaus

Regisseur Christof Loy zauberte in allen drei Akten ein szenisches Spektakel. Alles war in steter Bewegung. In dem Verwirrspiel aus Persien, wo die Geschwister Benamor und Dario ihre Geschlechter tauschen mussten, um nicht ob der Geburtsreihenfolge enthauptet zu werden, merkte man des Regisseurs Handschrift. Mit bissigem Humor konnte man seine Interpretation genießen; mit Ironie erzählte er das orientalische Märchen, das er exzellent auf die Bühne brachte, ohne Lunas Komposition zu zerstören. Etwas irritierend war dann doch, dass er die Geschichte mit dem Geschlechtertausch der Geschwister allzu überpointiert in die „queere“ Welt transportierte.

Benamor © Monika Rittershaus

Insgesamt war dieser Abend ein großer Erfolg für das  Musiktheater an der Wien; Wien kann sich freuen, dieses Werk in solch einer erfrischenden Aufführung erleben zu können.

Und es zeigte sich die Absurdität, eine Auflösung des exzellenten ORF-Orchesters überhaupt anzudenken – dieses vielseitige Ensemble ist eine wichtige kulturelle Stütze der Wiener Orchesterszene. Und soll es auch für immer bleiben!

Herbert Hiess, 2. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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