"Hochwertige Unterhaltung" – ein zufälliges "Double Feature"an der Wien

Foto: (c) Peter M. Mayr

Wolfgang Amadeus Mozart, „La Finta Giardiniera“ konzertant im Theater an der Wien (19. November 2019)

Gaspare Spontini, „La Vestale“ szenisch im Theater an der Wien (20. November 2019)

von Herbert Hiess

Nach den 2,5 Stunden konzertantem Mozart sagte eine Dame an der Garderobe zu ihrem Mann: „Es war wirklich eine nette Unterhaltung.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Das war es wirklich; auch wenn Mozart und William Christie draufsteht, kann man sich nicht immer die größten Erlebnisse erwarten. „Wolfgang Amadeus Mozart, La Finta Giardiniera, Gaspare Spontini, La Vestale,
Theater an der Wien, 19. / 20. November 2019“
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„La clemeza di Tito" im Theater an der Wien: Nicole Chevalier wird den hohen Erwartungen gerecht!

Foto: Nicole Chevalier (Vitellia), David Hansen (Sesto),
Arnold Schoenberg Chor © Werner Kmetitsch
Wolfgang Amadeus Mozart, La clemenza di Tito
Theater an der Wien, 19. Oktober 2019

von Jürgen Pathy

Ein Sylvester-Feuerwerk der Extraklasse hätte es werden können: „La clemenza di Tito, Mozarts letzte Oper und Rückkehr zur damals bereits aus der Mode geratenen opera seria im Theater an der Wien. Mit seinen elf Arien und ebenso vielen Ensemble-Nummern bietet dieses 1791 uraufgeführte Meisterwerk mehr als genügend Zündstoff. Vom Duett der beiden Protagonisten Sesto und Vitellia gleich zu Beginn über die feurigen Bekundungen des Titus bis hin zu den herrlichen Arien des Sesto, ein Mozart‘ scher Erguss schöner als der andere. „Wolfgang Amadeus Mozart, La clemenza di Tito Theater an der Wien, 19. Oktober 2019“ weiterlesen

Eine lautstarke Höllenfahrt im Theater an der Wien

Foto: (c) 2019 Erwin Schrott

Theater an der Wien, 24. September 2019
Wolfgang Amadeus Mozart, Don Giovanni (konzertant)

von Herbert Hiess

Die ersten Takte der d-Moll-Ouvertüre von Mozarts „Dramma Giocoso“ nehmen eigentlich den Verlauf (und damit das tragische Ende) der Geschichte voraus. Es ist aber auch so, dass mit diesen Takten in der Requiem-Tonart auch die Qualität der Aufführung spürbar ist.

Genauso war es in dieser konzertanten Produktion im Theater an der Wien, die nach der Besetzungsliste eine Sternstunde versprochen hat. Letztlich wurde es nur eine gute bis sehr gute Aufführung; vom Außergewöhnlichen war es weit entfernt. Das an sich exzellente Basler Kammerorchester spielte, wie heute üblich, „historisch informiert“. Dieses Schlagwort mündete letztlich in einen etwas substanzlosen und bassarmen Klang. Gerade Mozarts Drama um den Verführer „Don Giovanni“ braucht viel mehr einen profunden Klangteppich, der hier oft gefehlt hat. Insofern schade, da die diversen Instrumente mehr als hervorragend gespielt wurden. So vor allem die Holzbläser, die hervorragende Pauke, das Blech und ganz phantastisch das Solocello in Zerlinas Arie „Batti, batti“. „Don Giovanni konzertant,
Theater an der Wien, 24. September 2019“
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"Rusalka" in Wien: Das Lied an den Mond treibt dem Publikum Tränen in die Augen

Foto: Herwig Prammer (c)
Theater an der Wien
, 19. September 2019
Antonin Dvorák, Rusalka

von Anna Ploch

Zwei geschlossene Garagentore führen in ein Schwimmbad. Über dem Eingang steht „Pozor!“, was mit „Achtung!“ übersetzt werden kann. Das Bühnenbild ist in schlichtem Weiß gehalten. Ebenso schlicht weiß die Kostüme der drei Nymphen und Rusalkas mit roten Strumpfhosen. Die Dienerschaft des Prinzen in metallig, silbernen Mänteln. Ein überdimensionaler Luster wird von der Bühne herabgelassen bei Szenen, die im Schloss spielen. Das knöcheltiefe Wasser ist stets vorhanden, dient einmal als Teich, einmal als Putzkübel für die Dienerschaft. Kein märchenhafter Kitsch ist vorhanden in dieser Inszenierung von Amélie Niermeyer. Und warum auch? Rusalka behandelt als Märchen durchaus reale Themen: Menschlichkeit, Sterblichkeit, Verzweiflung, Betrug.  „Antonin Dvorák: Rusalka,
Theater an der Wien, 19. September 2019“
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Wiener Festwochen wieder im Aufwind

Foto: Theater an der Wien © Rupert Steiner
Wiener Festwochen, 10. Mai – 16. Juni 2019

Nach einigen Jahren der selbstauferlegten Abstinenz (dank des Intendanten-Desasters) machen zwei hervorragende Produktionen wieder Hoffnung, dass die Wiener Festwochen ihr ursprüngliches Niveau zurückfinden. Da waren sowohl der gewaltige und unvergessliche Monolog der grandiosen Isabelle Huppert als auch das Tanzensemble von Anne Teresa de Keersmaeker ein deutliches Indiz dafür, dass sich das Wiener Festival wieder erholt. „Wiener Festwochen, 10. Mai – 16. Juni 2019
klassik-begeistert.de“
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Theater an der Wien: Weber-Revue im Versuchslabor

Foto: © Werner Kmetitsch
Carl Maria von Weber, Oberon
Theater an der Wien, 19. Mai 2019

von Herbert Hiess

Der Puppenspieler Nikolaus Habjan ließ bei der Elfenoper regiemäßig keinen Stein auf dem anderen. Trotzdem gelang ihm eine hervorragende und vor allem hochmusikalische Inszenierung. Weniger inspirierend waren das Orchester, dessen Leiter Thomas Guggeis und manche der Sänger. Insgesamt konnte man aber froh sein, die Koproduktion mit der Bayerischen Staatsoper miterleben zu dürfen.

Carl Maria Webers Märchenoper „Oberon“ spielt eigentlich im Elfenreich, wo der titelgebende Feenkönig ein perfides Experiment startet, um die Treue zweier Paare zu testen. Diese Paare findet er mit Hüon/Rezia und Fatime/Scherasmin in Arabien. „Carl Maria von Weber, Oberon,
Theater an der Wien, 19. Mai 2019“
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Skurril und zauberhaft: "Oberon" im Theater an der Wien

Foto: © Werner Kmetitsch

Carl Maria von Weber, Oberon
Theater an der Wien, 17. Mai 2019

Thomas Guggeis, Musikalische Leitung
Nikolaus Habjan, Regie
Jakob Brossmann, Bühne
Denise Heschl, Kostüme
Michael Bauer, Licht

Mauro Peter, Oberon
Juliette Mars, Titiana, seine Gemahlin
Annette Dasch, Rezia, des Kalifen Tochter
Natalia Kawałek, Fatime, deren Vertraute
Vincent Wolfsteiner, Hüon von Bordeaux
Daniel Schmutzhard, Scherasmin, sein Knappe
Manuela Linshalm, Erster Puck
Daniel-Frantisek Kamen, Zweiter Puck
Sebastian Mock, Dritter Puck
Jenna Siladie, Meermädchen

von Jürgen Pathy

Liebe und Treue auf dem Prüfstand in einem Labor. Das alles in einer revuehaft-wechselnden Welt zwischen Rittern, Feen und Orient. So könnte man den „Oberon“, eine romantische Feenoper in drei Aufzügen, in der skurrilen Inszenierung des Regisseurs Nikolaus Habjan, 31, im Theater an der Wien kurz zusammenfassen.

Ein Singspiel, dessen Nähe zur „Zauberflöte“ kaum jemand bestreiten können wird und das laut der Meinung des österreichischen Regisseurs „viel zu selten in Szene gesetzt wird“. Um das zu ändern, wurde Habjan, der 2012 mit dem österreichischen Theaterpreis „Nestroy“ ausgezeichnet wurde, zum ersten Mal am Theater an der Wien engagiert. „Carl Maria von Weber, Oberon,
Theater an der Wien, 17. Mai 2019“
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Szenisch überfrachteter aber stimmlich herausragender „Orlando“ überzeugt im Theater an der Wien

Foto: © Monika Rittershaus
Theater an der Wien
, 26. April 2019

Georg Friedrich Händel, Orlando. Dramma per musica in drei Akten Libretto nach Ludovico Ariostos Epos Orlando Furioso

von Charles E. Ritterband

Das Theater an der Wien, das immer wieder mit kühnen, originellen und musikalische Massstäbe setzenden Inszenierungen brilliert, hat sich an Händels „Orlando“ gewagt – und beim Publikum Jubel, aber auch Zwiespalt hinterlassen. Situiert hat der Regisseur Claus Guth Händels „Dramma per musica“, das nicht ganz eine Oper und ganz gewiss kein Oratorium ist, in einem (schon ziemlich heruntergekommenen) mexikanischen Luxus-Wohnblock. Samt Garage mit MG-Sportwagen, Snack-Buffet in einem alten Wohnwagen, diversen Palmen, suggestivem, riesigem Urlaubs-Werbeplakat, auf dem das Meer raffiniert Wellen schlug und, als harter Kontrast gleich daneben, einer tristen Busstation.

Giulia Semenzato (Dorinda), Florian Boesch (Zoroastro) © Monika Rittershaus

„Georg Friedrich Händel, Orlando,
Theater an der Wien, 26. April 2019“
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"Orlando" im Theater an der Wien:
Eine wahre Freude für Aug und Ohr

Antoninis Wunderwerk bei Händels „Orlando“

Foto: Monika Rittershaus ©
Theater an der Wien, 16. April 2019
Georg Friedrich Händel, Orlando
Dramma per musica in drei Akten (1733)

Il Giardino Armonico/Giovanni Antonini
Regie: Claus Guth
Solisten: Christophe Dumaux, Florian Boesch, Anna Prohaska, Giulia Semenzato, Raffaele Pe

von Herbert Hiess

Es ist keinerlei Übertreibung, wenn man sagt, dass der Deutsch-Brite Georg Friedrich Händel ein musikalischer „Vielschreiber“ war – wenn auch auf musikalisch höchstem Niveau. Genau das ist schon ab seiner mittleren Schaffensperiode zu bemerken, in die auch die Komposition seiner Oper „Orlando“ fällt.

Das merkt man spätestens ab dem zweiten Akt, in dem er in das recht starre Schema seiner „da capo“-Arien fällt. Was für ihn als Komponist gut ist, zerstört sehr oft den dramatischen Fluss, was viele Regisseure auf eine harte Probe stellt und was letztlich für das Publikum einen gewaltigen Anspruch an seine Aufmerksamkeit stellt. „Georg Friedrich Händel, Orlando,
Theater an der Wien, 16. April 2019“
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Lena Belkina singt eine „Jungfrau von Orleans“ vom Allerfeinsten

Foto: © Werner Kmetitsch
Theater an der Wien, 25. März 2019
Peter Iljitsch Tschaikowski, Die Jungfrau von Orleans

Regie: Lotte de Beer
Musikalische Leitung: Oksana Lyniv
Besetzung: Lena Belkina, Willard White, Raymond Very, Dmitry Golovnin, Simona Mihai, Martin Winkler, Kristján Jóhannesson, Daniel Schmutzhard u.a.
Arnold Schoenberg Chor, Kinderballett Dancearts
Wiener Symphoniker

von Herbert Hiess

Wenn die Niederländerin Lotte de Beer anfängt zu inszenieren, kann man auf alle Fälle eine Aufführung abseits von Konventionen erwarten. So wurde man diesbezüglich auch bei der allzu selten gespielten Tschaikowski-Oper Die Jungfrau von Orleans nicht enttäuscht.

Die Regisseurin sieht die Schillersche Tragödie (angeblich nach einer wahren Begebenheit) als Traum eines widerspenstigen, pubertierenden und nach Verständnis bei ihrem Vater suchenden Mädchens. Großartig, wie keine Sekunde Langeweile auch nur im Ansatz aufkeimen konnte und wie Lotte de Beer die schwierige Handlung sozusagen „mundgerecht“ aufbereitete. „Die Jungfrau von Orleans,
Theater an der Wien, 25. März 2019“
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