Streams – die stillen Stars in der Krise

Top-Häuser wie die Metropolitan Opera (Met) in New York, das Royal Opera House (ROH) in London, die Opéra National de Paris, die Wiener Staatsoper, das Teatro alla Scala in Milano, die Bayerische Staatsoper und die Staatsoper Unter den Linden in Berlin machen es vor: Kostenlose Streams sind die stillen Stars in der Krise…  Zuhause rein in den Sessel und aus der fernen Welt feinste Klänge vernehmen…

Foto: © Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper

… klassik-begeistert.de-Autorin Barbara Hauter hat einen wunderbaren Beitrag aus München geschrieben – ich empfehle ihn Ihnen und Euch sehr. „Streams – die stillen Stars in der Krise,
The Metropolitan Opera, Theater an der Wien“
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Ailyn Pérez gibt eine dramatische Manon

Foto: Ailyn Pérez © Fay Fox

Wiener Staatsoper, 3. März 2020
Jules Massenet, Manon

von Kurt Vlach (onlinemerker.com)

 Bereits zum 52. Mal stand die Produktion von Andrei Serban und Peter Pabst auf dem Spielplan und hat sich recht gut gehalten – wenn man es mit den Videoaufnahmen der Premierenserie vergleicht, in der seinerzeit Anna Netrebko die Titelrolle gesungen hat. Aber auch nach über 10 Jahren muss man feststellen, dass dem Regisseur in puncto Choreographie des Chors absolut nichts eingefallen ist und diesen – immerhin war er da konsequent – in den Orchestergraben gepfercht hat. Das sinnbefreite Herumgehopse zu Beginn des ersten Aktes erzürnt mich noch immer. Ich halte aber der Produktion zu Gute, dass die Geschichte erzählt wird und die Verlagerung des Geschehens in die 1930er Jahre gut gelungen ist. „Jules Massenet, Manon,
Wiener Staatsoper, 3. März 2020“
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Christine Goerke – eine wahrhafte Naturerscheinung

Titelfoto: Christine Goerke (Elektra)
© Wiener Staatsoper / Ashley Taylor
Richard Strauss, Elektra, Wiener Staatsoper, 9. Februar 2020

 von Herbert Hiess

Hugo von Hofmannsthal war der Leib-Librettist des großartigen Richard Strauss und hat mit der „Elektra“ ein Werk der griechischen Mythologie aufgegriffen. Strauss und Hofmannsthal vertonten die brutale Tragödie von Sophokles (oder Euripides?) auf genialste Weise. Bei dem Wettstreit der „blutigsten Opern“ würde dieses Werk übrigens sogar noch vor der „Salome“ gewinnen.

Die Oper zu besetzen ist eine Herausforderung für jeden Intendanten, da die Gesangspartien für die drei Hauptdarstellerinnen auf wienerisch gesagt regelrechte „Beuschelreißer“ sind. Vor allem für die Hauptpartie aber auch für die Klytämnestra und Chrysothemis braucht es absolute Könnerinnen in ihrem Fach. Und die hat man mit den Damen Goerke, Meier und Schneider wahrhaft gefunden. „Richard Strauss, Elektra, Wiener Staatsoper, 9. Februar 2020“ weiterlesen

Elena Zhidkova sorgt für kurze magische Momente in der Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper, 2. Februar 2020
Antonín Dvořák, Rusalka

Foto: Elena Zhidkova als Die fremde Fürstin
© Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

von Anna-Maria Pudziow

Am Sonntag, den 02.02.2020 – ein Datum für Zahlenfanatiker– gelangte die Märchenoper „Rusalka“ von Antonín Dvořák zur Aufführung. In dieser Inszenierung war das Werk zum 21. Mal in der Wiener Staatsoper zu sehen.

Das Sujet der Oper kommt aus den Volksmärchen und nimmt das Publikum mit in die Welt der Elfen und Wassergeister. Eine junge Nixe namens Rusalka verliebt sich in einen menschlichen Prinzen und ist bereit, alles zu opfern, um bei ihm zu sein (dies könnte Hans-Christian-Andersen-Fans bekannt vorkommen, und auch Disney-Enthusiasten horchen jetzt wahrscheinlich auf). Gegen den Rat ihres Fürsprechers, dem Wassermann, bittet die Nixe die Hexe Ježibaba, mittels ihrer Zauberkraft ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Die Hexe, die im Grunde nur eigene Interessen verfolgt, erfüllt Rusalka ihren Wunsch, nimmt ihr aber die Fähigkeit, in Menschengestalt ihre Stimme zu verwenden. „Antonín Dvořák, Rusalka,
Wiener Staatsoper, 2. Februar 2020“
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Beethovens einzige Oper erntet ein einhelliges Buhkonzert von zuletzt selten gehörter Heftigkeit für das Regieteam

Foto: Katrin Röver als Leonore – die Schauspielerin, Jennifer Davis als Leonore, Falk Struckmann als Rocco © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 1. Februar 2020
Ludwig van Beethoven, FIDELIO (Urfassung), PREMIERE 

von Heinrich Schramm-Schiessl (onlinemerker.com)

„Fidelio“ gilt als das „Schmerzenswerk“ von Beethoven. Lange hat er darum gerungen, bis ihm eine erfolgreiche Version gelungen ist. Die erste Version hatte im Jahr 1805 ihre Uraufführung und war ein Misserfolg. Bereits 1806 legte er eine neue Fassung, diesmal unter dem Titel „Leonore“, vor …. und auch diese brachte nicht den gewünschten Erfolg. Erst 1814 wurde jene Fassung erstmals aufgeführt, die schließlich zu einem Standardwerk in den Spielplänen aller Opernhäuser wurde.

Aus Anlass des Beethoven-Jahres hat man sich in der Wiener Staatsoper nun entschlossen, die Urfassung von 1805 der im Repertoire befindlichen Fassung von 1814 gegenüber zu stellen. „Ludwig van Beethoven, FIDELIO (Urfassung), PREMIERE,
Wiener Staatsoper, 1. Februar 2020“
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"Lohengrin" in Wien: Cornelia Beskow – eine Stimme, die man sich merken sollte

Wiener Staatsoper, 9. Januar 2020
Richard Wagner, Lohengrin

Foto: Klaus Florian Vogt in der Titelpartie und Cornelia Beskow als Elsa Wiener Staatsoper / Michael Pöhn ©

von Manfred A. Schmid (www.onlinemerker.com)

Der in ehrenrettender Mission nach Brabant entsandte Gralsritter war nicht per Schwan angereist. Klaus Florian Vogt, Einspringer für den kurzfristig erkrankten Piotr Beczala, kam per Auto von München nach Wien, weil das Flugzeug wegen Nebels nicht starten konnte. Offenbar traf er aber gerade noch rechtzeitig ein, denn als Staatsoperndirektor Meyer vor dem Vorhang tritt, um die Umbesetzung anzukünden, bittet er das Publikum um Geduld: Valery Gergiev, der Dirigent des Abends, habe mit dem Sänger der Titelpartie unbedingt noch „zwei Minuten lang sprechen“ wollen, bevor die Oper beginnen würde. Diese zwei Minuten genügen dann tatsächlich, um sich abzustimmen. Denn was folgt, ist eine weitgehend gelungene Vorstellung mit zwei bemerkenswerten Rollendebüts und einer neuen Stimme, die man sich wohl merken sollte.

Vogt, der mit den Gegebenheiten der ärgerlich krachledernen, irgendwo zwischen Musikantenstadl und Oktoberfest angesiedelten Inszenierung von Andreas Homoki als Titelheld der Premiere 2014 bestens vertraut ist, erweist sich gesanglich wie auch darstellerisch wiederum als hervorragende Besetzung. Kein Wunder, gilt er doch seit Jahren als Bayreuther „Lohengrin vom Dienst“ und verfügt über eine helle, nie zum Forcieren genötigten Stimme. Diese ist freilich mit einer Eigenart ausgestattet, die nicht jedem gefallen muss: Sein Tenor klingt geradezu entmaterialisiert, ätherisch, fast körperlos. Das mag in diesem Fall gut zum geheimnisvollen Charakter Lohengrins passen, der gewissermaßen ja auch nicht von dieser gewöhnlichen Welt ist, sondern aus der abgehobenen Sphäre der Gralsritter kommt (wunderbar eingefangen in den entrückten Geigenklängen des Vorspiels) , lässt aber auch den Wunsch nach einem etwas kernigeren Tenor aufkommen. Wenn Beczala zurückkehrt und sein Wiener Debüt als Lohengrin abliefern wird, könnte er das ideale missing link zwischen dem ungestümen, eher an die Jugendjahre seines Vaters Parsifal erinnernden Andreas Schager (im Herbst 2018) und dem an die zauberhafte Ausstrahlung  von Sängerknabenstimmen erinnernden Klaus Florian Vogt sein.

Eine weitgehend noch unbekannte junge Sängerin, Cornelia Beskow, wird für die Partie der Elsa von Brabant aufgeboten. Die mutige Entscheidung des Besetzungsbüros lohnt sich. Die aus Schweden stammende, bisher vor allem an mittleren skandinavischen Häusern – u.a. als Senta und Weilgunde – auftretende Sopranistin erweist sich als vorzügliche Gestalterin. Ihre Elsa ist eine selbstbewusste junge Frau mit eigenem Willen, die aber gegenüber Ortruds gefährlicher Überredungskunst letztlich machtlos ist, nachgibt und Treuebruch begeht. Ihr etwas abgedunkelter Sopran ist fein geführt, das Timbre ansprechend. Zunächst etwas verhalten, wird ihre gesangliche Leistung zunehmend souveräner. Im letzten Akt, in exponierter Lage, zuweilen freilich auch etwas schrill. Jedenfalls ein eindrucksvolles Welt-Debüt. Und die Hoffnung, dass diese fordernde Rolle der Elsa für sie nicht zu früh gekommen ist und Beskow nicht zu den vielen Blütenträumen gehören wird, die nicht reiften.

Egil Silins als Telramund und LInda Watson als Ortrud. Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Viel lernen in puncto Wagner kann Cornelia Beskow von der bewährten Linda Watson, die spätestens seit ihrem Bayreuther Kundry-Debüt 1998 zur ersten Garde der Wagner-Heroinen zählt und insbesondere als Brünhilde weltweit in Erscheinung getreten ist. Diesmal, bei ihrem Rollendebüt als Ortrud, bewegt sich die dramatische Sopranistin allerdings in stimmlich tieferen Regionen. Für diese Partie werden – nicht ohne Grund – oft auch Mezzo-Soprane eingesetzt. Watson singt intensiv, geht an ihre stimmlichen Grenzen und liefert das imponierende Porträt einer verletzten, nach Rache dürstenden Zauberin und Verführerin, die der alten heidnischen Weltordnung und ihren Göttern nachtrauert und diese wieder errichten will. Ihre Beziehung zu ihrem Mann Telramund ähnelt anfangs der zwischen Macbeth und Lady Macbeth, doch anders als bei Shakespeare gelingt es Telramund nicht, sich von seiner bestimmenden Frau zu emanzipieren. Egils Silins ist bei seinem Wiener Rollendebüt ein ehrgeiziger Erfüllungsgehilfe in einem mit Leidenschaft und Perfidie ausgetragenen Machtkampf und überzeugt vor allem im 2. Aufzug, wo er sich nach der schmählichen Niederlage wieder sammelt und ein Comeback anvisiert.

Ain Angers mächtiger Bass hat inzwischen einiges an Strahlkraft eingebüßt. Dass sein Heinrich der Vogler königliche Ausstrahlung ziemlich vermissen lässt, liegt aber in erster Linie an der unsäglich dümmlichen Inszenierung, die als Einheitsbühnenbild (Ausstattung Wolfgang Gussmann) eine meist unaufgeräumte alpenländische Gaststube vorsieht. Wer hier seines Amtes waltet, ist höchstens ein Oberförster – oder ein Aufsichtsjäger wie Boaz Daniel als verlässlicher Heerrufer.

Valery Gergiev kennt die Wiener Philharmoniker gut, und umgekehrt gilt das ebenfalls. Auch das Staatsopernorchester weiß daher die flirrende Bewegung der Finger seiner rechten Hand richtig umzusetzen. Eindrucksvoll fallen nicht nur die ausgefeilten Vorspiele vor jedem Aufzug aus, sondern auch das Zusammenwirken mit den Akteuren und dem blendend eingestellten Chor auf der Bühne. Dass Gergiev manche Passagen etwas langsamer angeht als gewohnt, was vor allem im Vorspiel zum 1. Aufzug auffällt, ist eine legitime Lesart und zwingt ebenso zu einem aufmerksamen Hinhören wie die stürmischen, vorwärtstreibenden, jubelnden Klangballungen, die den 3. Aufzug einbegleiten. Ein großer Hörgenuss schließlich die düster drohenden Celli und Fagotte in der Telramund-Ortrud-Szene am Beginn des 2. Aufzugs.

Viel Beifall und auch Jubel – insbesondere für den Einspringer Vogt, die junge Debütantin Beskow und den Dirigenten Gergiev: Das ist der Lohn für einen anregenden Opernabend.

Manfred A. Schmid, 10. Januar 2020

 

So geht der musikalische Jahreswechsel: Die Wiener Staatsoper und das Wiener Konzerthaus zeigen, wo der Hammer hängt

Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2019
Johann Strauß (Sohn), Die Fledermaus
Wiener Konzerthaus
, 1. Jänner 2020
Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 9 d-moll op. 125

Foto: © Lukas Beck, Wiener Konzerthaus

von Andreas Schmidt

Wien, diese wunderbare Stadt im Herzen Europas, bietet sich hervorragend für einen Jahreswechsel für klassik-begeisterte Menschen an. Die Donaumetropole bot Silvester eine ganz wunderbare Operette:  „Die Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn) in der Wiener Staatsoper, erbaut von 1861 bis 1869 unter Kaiser Franz Joseph I. Und am Abend des Neujahrstages die 9. Symphonie – dieses Götterwerk des Ludwig van Beethoven im wunderschönen Wiener Konzerthaus, erbaut von 1911 bis 1913 unter eben jenem Kaiser Franz Joseph I.

Allein diese beiden Aufführungen waren eine Reise nach Wien wert!

Genau 25 Stunden nach der „Fledermaus“ erklang am Neujahrsabend die Musik des Jahrtausend-Genies Ludwig van Beethoven im Wiener Konzerthaus. Mit den Wiener Symphonikern an ihrer musikalischen Wirkungsstätte, der Wiener Singakademie und einem blendend aufgelegten Dirigenten Gianandrea Noseda. „Johann Strauß (Sohn), Die Fledermaus, Ludwig van Beethoven, Symphonie Nr. 9 d-moll
Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2019 / Wiener Konzerthaus, 1. Jänner 2020“
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Ein zweifaches Fest in der Musikhauptstadt der Welt

Foto: © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2019
Johann Strauß, Die Fledermaus

von Lothar und Sylvia Schweitzer

An diesem beginnenden Abend um 17 Uhr trafen sich „die Merker“ im Teesalon der Wiener Staatsoper, um den 80. Geburtstag von Frau Dr. Sieglinde Pfabigan, der Chefin und Mutter der Zeitschrift „Der neue Merker“, würdig zu feiern. Das Fachblatt bringt elfmal jährlich Interessantes aus der Welt der Oper, aber auch des Balletts und der Konzerte, wobei es ein besonderes Anliegen von Frau Dr. Pfabigan ist, dass in der Wiener Staatsoper allabendlich eine Mitarbeiterin / ein Mitarbeiter  zugegen ist, damit bei den Folgevorstellungen Zweitbesetzungen die Chance einer Beachtung finden. „Johann Strauß, Die Fledermaus,
Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2019“
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Olga Neuwirths "Orlando" ist eine emanzipatorische Oper, die die Gattung aus den Fugen hebt

Foto: Kate Lindsey als Orlando © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Wiener Staatsoper, 11. Dezember 2019

Olga Neuwirth, Orlando, eine fiktive musikalische Biografie in 19 Bildern

Nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf

von Julia Lenart

Fluide Klänge, Feminismus, Transgender-Aktivisten und Kapitalismuskritik. Unglaublich, aber wahr: All das kann man derzeit an der Wiener Staatsoper erleben. Olga Neuwirths Orlando bricht mit allen Konventionen, die die Institution Oper in ihrer langen Entstehungsgeschichte hervorgebracht hat – und sie trifft damit ins Schwarze. „Olga Neuwirth, Orlando,
Wiener Staatsoper, 11. Dezember 2019“
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Olga Neuwirths „Orlando“ an der Wiener Staatsoper: eine Novität der Superlative

Foto: © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Am Ende dominiert in der bis zum letzten Stehplatz ausverkauften Wiener Staatsoper die Zustimmung für dieses beeindruckende Werk, das man eher als Performance bezeichnen könnte, den Rahmen einer konventionellen Oper sprengt es allemal. Aber wer hätte von Olga Neuwirth anderes erwartet?

Uraufführung an der Wiener Staatsoper am 8. Dezember 2019

Olga Neuwirth, Orlando

Catherine Filloux und Olga Neuwirth: Libretto

von Peter Sommeregger

Die ehrwürdige Wiener Staatsoper hat sich während der Direktion Dominique Meyers nicht unbedingt den Ruf einer besonders kreativen Bühne erworben. Aber nun, wenige Monate vor dem Ende seiner Amtszeit, bringt Meyer die von ihm an Olga Neuwirth in Auftrag gegebene Oper Orlando zur Uraufführung. Das erfordert einen Kraftakt, der wohl sämtliche technischen und künstlerischen Ressourcen des Hauses an seine Grenzen stoßen lässt. „Olga Neuwirth, Orlando, Uraufführung
Wiener Staatsoper, 8. Dezember 2019“
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