Mit Asmik Gregorian: Ein Rollenspiel gerät zum Psychotrip

Eine florentinische Tragödie: Dmitry Golovnin (Guido Bardi), Johan Reuter (Simone), Asmik Grigorian (Bianca) © Wiener Staatsoper / Marcel Urlaub

Zemlinsky und Bartók fesseln in der Wiener Staatsoper

Stellen Sie sich vor, Ihre Beziehung sei am Ende. Ein Psychologe schlägt innerhalb einer Paartherapie ein Rollenspiel vor, um zu erörtern, was falsch läuft und weshalb. Gute Idee womöglich, aber was passiert, wenn das Spiel aus dem Ruder läuft und zum blutigen Ernst wird? Regisseur Vasily Barkhatov lässt die beiden Einakter, Zemlinskys „Eine florentinische Tragödie“ und Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ an der Wiener Staatsoper in ein Hitchcock-reifes Horrordrama driften.

Wiener Staatsoper, 12. Oktober 2026

Alexander von Zemlinsky    Eine florentinische Tragödie
Bela Bartók    Herzog Blaubarts Burg

Asmik Gregorian,  Sopran
Johan Reuter,  Bassbariton
Dmitry Golovnin,  Tenor
Florian Boesch,  Bassbariton

Alain Altinoglu,  Dirigent
Orchester der Wiener Staatsoper 

Vasily Barkhatov,  Inszenierung 

von Dr. Andreas Ströbl

„Zemlinsky, Eine florentinische Tragödie/Bartók, Herzog Blaubarts Burg
Wiener Staatsoper, 12. Oktober 2026“
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Verdis „Macbeth“: Eine neue Superstimme zieht in Wien ihre Kreise

Anastasia Bartoli © Instagram

In Wien zieht eine neue Superstimme ihre Kreise. Neben Bariton Étienne Dupuis, der bei Staatsoperndirektor Bogdan Roščić zu Recht eine Dauerkarte besitzt, ragt die Stimme der Italienerin Anastasia Bartoli hervor. Ein doppelter Glücksgriff. 

Macbeth, Giuseppe Verdi
Wiener Staatsoper,
4. Oktober 2026
Francesco Ivan Ciampa, Dirigent
Barrie Kosky, Inszenierung

von Jürgen Pathy

Anastasia Bartoli: Eine Lady Macbeth mit Weltklasseformat

Anastasia Bartolis Timbre ist satt, dunkel, beinahe von einer Mezzofärbung wie jener Anna Netrebkos. Die Höhen sind klar, niemals schrill, und sie beherrscht die gesamte Tessitura wie im Schlaf. Dass sie als Lady Macbeth auch ein wenig rustikal klingen soll, hat sie ebenfalls im Repertoire. Giuseppe Verdi fordert das in seiner 1847 uraufgeführten ersten Shakespeare-Vertonung „Macbeth“ sogar ausdrücklich: Die Stimme der Lady soll herb, erstickt, düster und gerade nicht von makelloser Schönheit sein.

„Giuseppe Verdi, Macbeth
Wiener Staatsoper, 4. Oktober 2026“
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PREMIERE Wiener Staatsoper: Asmik Grigorian bringt Zemlinsky und Bartók zum Glühen

Dmitry Golovnin, Asmik Grigorian und Christopher Maltman im Bühnenbild von Zemlinskys “Eine Florentinische Tragödie” © Wiener Staatsoper/Marcel Urlaub

PREMIERE ++++ EINE FLOREN­TINISCHE TRAGÖDIE/HERZOG BLAUBARTS BURG ++++ Wiener Staatsoper, 3. Oktober 2026

Vasily Barkhatovs originelles Regiekonzept verbindet Zemlinskys „Florentinische Tragödie“ und Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ zu einem psychologischen Beziehungsdrama. Christopher Maltman, Asmik Grigorian, Dmitry Golovnin, Florian Boesch und das Orchester unter Alain Altinoglu sorgten für eine musikalisch großartige Produktion. Die Regie ist fast durchgehend schlüssig; das Ende des „Blaubarts“ überzeugte mich nicht ganz.

Wiener Staatsoper, 3. Oktober 2026 PREMIERE

Alexander Zemlinsky

Eine Florentinische Tragödie

Text:  Oscar Wilde, in der deutschen Übersetzung von Max Meyerfeld

Guido Bardi:  Dmitry Golovnin
Simone:  Christopher Maltman
Bianca:  Asmik Grigorian

Béla Bartók

Herzog Blaubarts Burg (A kékszakállú herceg vára)

Text:  Béla Balázs

Herzog Blaubart:  Florian Boesch
Judith:  Asmik Gregorian

 Orchester der Wiener Staatsoper

Musikalische Leitung:  Alain Altinoglu
Inszenierung:  Vasily Barkhatov
Bühne:  Christian Schmidt
Kostüm:  Stefanie Seitz
Licht:  Alexander Sivaev
Video:  Roland Horvath

von Dr. Rudi Frühwirth

„Eine Florentinische Tragödie/Herzog Blaubarts Burg
Wiener Staatsoper, 3. Oktober 2026 PREMIERE“
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„Don Carlo“ in Wien: Grigolo findet auch die zarten Töne

Don Carlo, Grigolo-Stikhina © Wiener Staatsoper/Marcel Urlaub

Wiener Staatsoper, 10. September 2026

Giuseppe Verdi, Don Carlo

Kirill Serebrennikov lenkt in Verdis „Don Carlo“ oft vom Wesentlichen ab. Umso stärker treffen Günther Groissböck, Elena Stikhina, Étienne Dupuis und das Staatsopernorchester ins Mark. Vittorio Grigolo krönt den Abend an der Wiener Staatsoper mit Spinto-Glanz und jener Mischung aus Ego und Charisma, die polarisiert.

von Jürgen Pathy

Der erste Besuch in der Wiener Staatsoper in einer neuen Saison ist immer etwas Besonderes. Dass dieser mit Verdis „Don Carlo“ zusammentrifft, ist bis auf eine Ausnahme noch erfreulicher. Kirill Serebrennikovs Inszenierung wird mit Fortdauer auch nicht besser. Dass sie modern und sozialkritisch ist, stimmt schon. Die Verlagerung in ein Kostüminstitut ist nachvollziehbar, die offensichtliche Kapitalismus- und Umweltkritik ebenso. In Summe ist sie aber eines: Ablenkung pur. Denn bei der Umsetzung lenken viele Nebenschauplätze die Aufmerksamkeit auf Requisiten und Komparserie. Das Wichtigste verliert der russische Regisseur dabei fast aus den Augen: die Hauptdarsteller und die Musik. „Giuseppe Verdi, Don Carlo
Wiener Staatsoper, 10. September 2026“
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Staatsopern-Auftakt: Stiller Protest gegen einen exzellenten Don Carlo

Don Carlo – Stikhina, Grigolo, Dupuis © Wiener Staatsoper / Marcel Urlaub

Kaum sind die Salzburger Festspiele vorbei, blickt die Wiener Opernszene mit Spannung auf Kirill Serebrennikovs Don Carlo zum Staatsopern-Saisonauftakt. Ein mutiger Schachzug, so reichten die Missfallensäußerungen bei der Premiere doch bis in den Graben. Diesmal waren die Skeptiker still, die musikalische Bilanz ebenso glanzvoll wie diese geniale, gesellschaftskritische Regie! 

Don Carlo
Musik von Giuseppe Verdi

Libretto von Achille de Lauzières, Camille du Locle und Angelo Zanardini nach Joseph Méry und Camile du Locle

Philipp II.:  Günther Groissböck
Don Carlo:  Vittorio Grigolo
Rodrigo, Marquis von Posa:  Étienne Dupuis
Der Großinquisitor:  Ain Anger
Ein Mönch:  Dan Paul Dumitrescu
Elisabetta:  Elena Stikhina
Eboli:  Eve-Maud Hubeaux
Tebaldo:  Ilia Staple
Graf von Lerma/Herold:  Hiroshi Amako
Stimme vom Himmel:  Florina Ilie

Musikalische Leitung:  Pier Giorgio Morandi
Regie, Bühne, Kostüme:  Kirill Serebrennikov
Ko-Kostümbildnerin:  Galya Solodovnikova
Choreografie und Regieassistenz:  Evgeny Kulagin

Wiener Staatsoper, 4. September 2026

von Johannes Karl Fischer

„Giuseppe Verdi, Don Carlo, Kirill Serebrennikov, Regie
Wiener Staatsoper, 4. September 2026“
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In Wien setzt Bogdan Roščić weiter auf die alte Operngarde

Bogdan Roscic © Lalo Jodlbauer

Vor drei Tagen startete die Wiener Staatsoper mit Verdis Dauerbrenner Don Carlo in die neue Spielzeit. Das Haus am Ring lässt auch in dieser Saison mit den gewohnten Opernklassikern wie La Traviata, Tristan und Isolde oder Der Rosenkavalier wenig anbrennen, doch setzt Direktor Bogdan Roščić neben der alten Operngarde weiterhin mächtig auf Regietheater-Inszenierungen. Ein Überblick der kommenden Spielzeit.

von Johannes Karl Fischer

Die Premieren

An den meisten Opernhäusern sind zeitgenössische Werke inzwischen Pflichtteil des jährlichen Premierenprogramms, und mit Animal Farm hatte die Wiener Staatsoper sich in der vergangenen Saison diesem Trend angeschlossen.

Nicht so in der Spielzeit 26/27: Mit Ariadne auf Naxos, Un ballo in maschera und Pique Dame klappert Bogdan Roščić dieses Mal auch bei den Premieren die Opernklassiker ab.

„Spielzeitvorschau Wiener Staatsoper 2026/27
klassik-begeistert.de, 8. September 2026“
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Der RING nach der Götterdammerung in Wien: Dies ist ein eindrucksvolles Gesamterlebnis

© Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Die Götterdämmerung in Wien: Der letzte Tag der Götter

Von Kathrin Schuhmann

Am Ende des Siegfried schien für einen kurzen Moment alles möglich. Der Held hatte die Feuerwand durchschritten, Brünnhilde erweckt und die Liebe entdeckt. Doch wer glaubte, Wagner würde seinen Figuren ein Happy End gönnen, wurde in der Götterdämmerung eines Besseren belehrt. Was im Rheingold mit einem gestohlenen Goldschatz begann, fand nun seinen unausweichlichen Abschluss. „Richard Wagner, Götterdämmerung, Wiener Staatsoper
klassik-begeistert, 15. Juni 2026“
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Siegfried in Wien: Der Held, der keine Angst kennt

Andreas Schager © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Richard Wagner
Siegfried (1876)

Wiener Staatsoper, 10. Juni 2026

von Kathrin Schuhmann

Nach Goldraub, Götterkrisen und tragischen Liebesgeschichten betritt nun ein junger Mann die Bühne, der von all dem erstaunlich wenig weiß. Siegfried kennt weder die komplizierten Machtspiele Walhalls noch die Verträge seines Großvaters Wotan. Er hat keine politischen Ambitionen, keine philosophischen Zweifel und vor allem keine Angst. Genau das macht ihn zur vielleicht ungewöhnlichsten Figur in Wagners Ring des Nibelungen – und zum Hoffnungsträger einer Welt, die sich längst auf den Untergang zubewegt. „Richard Wagner, Siegfried (1876)
Wiener Staatsoper, 10. Juni 2026“
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Die Walküre in Wien: Liebe im Schatten des Untergangs

Die Walküre, Camilla Nylund © Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Kaum haben die Götter Walhall bezogen, beginnt ihr schönes neues Zuhause bereits zu bröckeln. Was im Rheingold als Streit um Gold, Macht und Verträge seinen Anfang nahm, wird in der Walküre zur Familienkrise von kosmischen Ausmaßen.

Richard Wagner, Die Walküre
Erster Tag des Bühnenfestspiels »Der Ring des Nibelungen«

Wiener Staatsoper,
7. Juni 2026

von Kathrin Schuhmann

Die Wiener Staatsoper setzte ihren aktuellen Ring des Nibelungen mit einem Abend fort, der die Qualitäten des Rheingold nicht nur bestätigte, sondern in vielerlei Hinsicht noch übertraf. Wo der Vorabend vor allem die Welt des Ringes errichtete, schenkt die Walküre seinen Figuren Herz, Blut und Emotionen. Das Ergebnis war ein Abend großen Musiktheaters, der das Publikum über mehr als vier Stunden hinweg in seinen Bann zog.

„Richard Wagner, Die Walküre
Wiener Staatsoper, 7. Juni 2026“
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Heras-Casados „Ring“‐Dirigat vollzieht eine spannende Wendung

Pablo Heras-Casado © Fernando Sancho

Der 1. Ring-Durchgang von Pablo Heras-Casado an der Wiener Staatsoper ist Geschichte. Im Gegensatz zu anderen Meinungen sehe ich eine klare positive Entwicklung. Seit dem „Rheingold“ hat Heras-Casados Zugriff auf die Partitur eine stärkere musikalische Ausdruckskraft gefunden. Der erste Akt der „Götterdämmerung“ ist beim Spanier eines: ein Epos mit Sog, das als cineastisches Pendant mit Klassikern wie „Jenseits von Afrika“ oder „Apocalypse Now“ gleichzusetzen ist. Bislang hatte kein Dirigent der letzten Jahre es geschafft, mich zwei Stunden lang an diese Musik zu fesseln. Heras-Casado gelingt genau das.

Richard Wagner, Götterdämmerung

Wiener Staatsoper, 4. Juni 2026

von Jürgen Pathy

Warum manche eine negative Entwicklung ausmachen wollen, kann nur an einem liegen: Sie sehen Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ zu stark von der Theaterseite. Das heißt, sie stellen Text und Libretto in den Mittelpunkt. Anders ist nicht zu erklären, dass das „Rheingold“ hochgejubelt wurde, während man bereits in der „Walküre“ und im „Siegfried“ eine negative Entwicklung verspürt. Durch die Dehnung der Partitur hatte Heras-Casado die Sänger im „Rheingold“ dazu gezwungen, so zu singen, wie es vor 50 Jahren noch üblich war. Der musikalischen Kraft der Partitur war das keine Hilfe, weil vieles dadurch zerfallen war. Statt Spannung hat Heras-Casado damit das Gegenteil erreicht.

„Richard Wagner, Götterdämmerung
Wiener Staatsoper, 4. Juni 2026“
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