Paavo Järvi navigiert stilsicher durch Mahlers Siebte

CD/Blu-ray Besprechung:

Mahlers siebte Sinfonie gilt unter Dirigenten als einer der anspruchsvollsten Gipfel im sinfonischen Achttausender-Himalaya – ein Werk, das sich weder leicht besteigen noch besonders gemütlich anhören lässt. Zwischen nächtlichem Gruseln, Kuhglocken-Alarm, Mandolinen-Serenade und einem Finale, das in strahlendem C-Dur plötzlich den Optimismus ausrufen will (ob ernst gemeint oder mit Augenzwinkern, darüber streiten die Mahler-Forscher bis heute). Paavo Järvi und das Tonhalle-Orchester Zürich haben sich in ihrer fortlaufenden Mahler-Reihe genau diesem sperrigen Koloss gestellt.

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 7 e-moll

Tonhalle-Orchester Zürich
Paavo Järvi, musikalische Leitung

Alpha Classics, ALPHA1206

von Dirk Schauß

Wer Järvi kennt, erwartet keine verträumte Schwelgerei. Er dirigiert wie ein Architekt mit Pulsmesser: präzise, zielgerichtet, emotional pointiert – ohne je ins Sentimentale abzurutschen. Das Ergebnis ist eine Aufnahme, die Mahler nicht als ewigen Melancholiker, sondern als scharfsinnigen, modernen Denker zeigt, der 1904/05 am Wörthersee eine Klangwelt entworfen hat, in der die Natur nicht nur summt, sondern – um Mahler selbst zu zitieren – tatsächlich brüllt. „CD/Blu-ray Besprechung: Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 7 e-moll, Paavo Järvi, musikalische Leitung
klassik-begeistert.de 24. März 2026“
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Die Stars dieser „Elektra“ sind das Orchester und der Dirigent

CD/Blu-ray:

Richard Strauss
Elektra

Bergen Philharmonic Orchestra and Chorus
Edward Gardner

Chandos CHSA 5375(2)

von Peter Sommeregger

Diese Neueinspielung von Strauss’ Elektra geht auf eine konzertante Aufführung im norwegischen Bergen vom Dezember 2023 zurück. Der aufstrebende Dirigent Edward Gardner beendete in dieser Saison seine langjährige Chefposition mit dem Bergen Philharmonic Orchestra, dem er aber weiterhin als Gastdirigent verbunden ist. „CD/Blu-ray: Strauss, Elektra, Edward Gardner Dirigent
klassik-begeistert.de, 24. März 2026“
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Tarmo Peltokoski durchbricht die Wagner-Tradition

CD/Blu-ray Besprechung:

Für Fachpublikum und Wagner-Freunde ein Muss: interpretatorisch frisch, handwerklich makellos und Zeugnis einer der spannendsten Dirigenten-Orchester-Verbindungen der Gegenwart. Peltokoski beweist, dass Wagner keine Frage des Alters, sondern geistiger Durchdringung ist – und alles deutet darauf hin, dass er diesen radikal-ehrfürchtigen Weg konsequent weitergehen wird.

Richard Wagner
Der Ring des Nibelungen

An Orchestral Adventure (Arr. Henk de Vlieger)

Hong Kong Philharmonic
Tarmo Peltokoski, musikalische Leitung

Deutsche Grammophon, digitales Album

von Dirk Schauß

Während manche Dirigentenkarrieren über Jahrzehnte wie eine Belagerung Stein auf Stein schichten, bis ein Monument der Autorität steht, tritt Tarmo Peltokoski mit 25 Jahren anders auf.

Sein Debütalbum für Deutsche Grammophon mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra ist kein vorsichtiges Anklopfen, sondern ein orchestraler Paukenschlag: Eine siebzigminütige Orchestrierung von Wagners „Ring“ – Henk de Vliegers geschickte Komprimierung der Tetralogie zum „Orchestral Adventure“. Wer hier nur ein „Best-of“ für Eilige vermutet, unterschätzt die intellektuelle und dramatische Durchdringung, mit der Peltokoski diesen symphonischen Riesen angeht.

Die Aufnahme packt, schüttelt und entlässt den Hörer erst nach dem letzten Ton der „Opfertat“ in die Realität. „Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen, Tarmo Peltokoski
klassik-begeistert.de, 22. März 2026“
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Mehr Walton wagen!

Kazuki Yamada, William Walton, Symphonies 1, 2; Orb and Sceptre

CD/Blu-ray Besprechung:

Kazuki Yamada legt für sein DG-Debüt eine souverän musizierte Walton-CD mit dem CBSO vor.

Deutsche Grammophon, DG 486 8227

William Walton (1902-1983) – Sinfonien 1 & 2; Orb and Sceptre

City of Birmingham Symphony Orchestra
Kazuki Yamada, Dirigent

von Brian Cooper, Bonn

Haben wir ein Walton-Jahr? Tatsächlich nein, aber es scheint, als würde dieser Tage allenthalben, allmählich, mehr von diesem spannenden englischen Komponisten gespielt.

Klaus Mäkelä bringt in seiner kommenden ersten Europa-Tournee mit dem Chicago Symphony Orchestra im Januar 2027 sogar Belshazzar’s Feast auf die Bühne, mit dem grandiosen Solisten Thomas Hampson, der das Werk bereits 1997 mit Simon Rattle und dem City of Birmingham Symphony Orchestra aufnahm. „CD/Blu-ray Besprechung: William Walton, Sinfonien 1 & 2; Orb and Sceptre, Kazuki Yamada
klassik-begeistert.de, 20. März 2026“
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Elsa Dreisig versucht sich in einem vielschichtigen Repertoire

CD/Blu-ray Besprechung:

Dankbar kann man dieses Album als Bereicherung durch selten Gehörtes begrüßen, Elsa Dreisigs weitere Entwicklung wird man aufmerksam begleiten.

Elsa Dreisig
Invocation

Orchestra & Coro dell’Opera Carlo Felice Genova
Massimo Zanetti

Erato 5026854093710

von Peter Sommeregger

Die Sopranistin Elsa Dreisig begann ihre Karriere mit Partien des lyrischen Sopranfaches, inzwischen ist ihre Stimme gereift, und sie hat auch dramatische Rollen in ihr Repertoire aufgenommen. „CD/Blu-ray Besprechung: Elsa Dreisig, Invocation
klassik-begeistert.de, 20. März 2026“
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Erneut entreißt Palazzetto Bru Zane eine Oper der Vergessenheit

CD/Blu-ray Besprechung:

Clémence de Grandval
Mazeppa

Münchner Rundfunkorchester

Chor des Bayerischen Rundfunks
Mihhail Gerts

Palazzetto Bru Zane 46

von Peter Sommeregger

Die französische Komponistin Clémence de Grandval ist heute fast vollständig vergessen, obwohl sie zu Lebzeiten mit ihren Kompositionen verschiedener Gattungen höchst erfolgreich war.

Geboren 1828 in eine adelige Offiziersfamilie, heiratete sie später auch einen Grafen, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlaubten es ihr, ohne Unterstützung ihre musikalischen Studien und später ihre Arbeit als Komponistin zu realisieren. Unterricht erhielt sie, um einige zu nennen, von Friedrich von Flotow und Camille Saint-Saëns. Neben geistlicher und Kammermusik schrieb sie auch mehrere Opern. „CD: Clémence de Grandval, Mazeppa, Mihhail Gerts Dirigent
klassik-begeistert.de, 17. März 2026“
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Der traurige Schleier einer unerfüllten Liebe legt sich auf die märchenhafte Handlung 

CD/Blu-ray Besprechung:

Joseph Beer
Der Prinz von Schiras
Operette in 3 Akten
Libretto von Fritz Löhner-Beda und Ludwig Herzer

Aufnahme der Inszenierung des Theaters Regensburg vom Dezember 2023

Erschienen als Doppel-CD beim Label CPO im Februar 2026

cpo 555 670-2

von Ralf Krüger

Zuvorkommend, ganz “oldschool”, werden wir als Ladies and Gentleman begrüßt. Auf dem Luxusdampfer kündigt sich eine Hochzeit an. Der Chef-Steward, eigentlich der Spross eines superreichen Amerikaners und hier inkognito unterwegs, ehelicht die Gesellschafterin von Miss Violet. Diese, eine junge, attraktive Frau, wird gleich von drei Herren an Bord begehrt: von ihrem Verlobten, von einem ehemaligen französischen Diplomaten und vom titelgebenden Prinzen von Schiras. Als das Schiff in den Strudel kriegerischer Auseinandersetzungen gerät und die Gefangennahme einiger Passagiere droht, gibt der Prinz die junge Miss Violet als seine Frau aus. Als Prinzessin von Schiras in spe gelangt sie in sein märchenhaftes Reich, dorthin, wo der Kammerdiener Hassan eine Frau und des Kammerdieners Ehefrau ein Mann ist. „CD/Blu-ray Besprechung: Joseph Beer, Der Prinz von Schiras
klassik-begeistert.de, 16. März 2026“
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Véronique Gens krönt die Leidenschaft

CD/Blu-ray Besprechung:

REINES

Véronique Gens, Soprano

Ensemble Les Surprises
Louis-Noël Bestion de Camboulas, musikalische Leitung

Alpha Classics, ALPHA 1205

von Dirk Schauß

Mit ihrem neuen Album „Reines“ setzt Véronique Gens ihre Erkundung der französischen Barockmusik fort, nach dem erfolgreichen Vorgänger „Passion“.

Wieder arbeitet sie mit dem Ensemble Les Surprises unter der Leitung von Louis-Noël Bestion de Camboulas zusammen; als beratender Partner fungierte das Centre de musique baroque de Versailles. Das Programm widmet sich den Königinnenfiguren der Tragédie lyrique – komplexen Frauenrollen, die zwischen Staatsräson, Pflicht und leidenschaftlichen inneren Konflikten stehen. Komponisten wie Rameau, Dauvergne, Francœur, Salomon, Destouches, Royer, Rebel, Desmarest und Stuck sind vertreten; neben bekannten Namen finden sich auch selten aufgeführte Werke. „CD/Blu-ray Besprechung: „Reines“, Véronique Gens, Soprano
klassik-begeistert.de, 16. März 2026“
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Kristina Reiko Cooper bricht das Schweigen der Geschichte

CD/Blu-ray Besprechung:

In der Welt der Violoncello-Literatur gibt es Werke, die wie Monolithen über allem thronen. Doch abseits der vielbefahrenen Repertoire-Straßen existieren Schätze, die erst jetzt, Jahrzehnte nach ihrer Entstehung, ihre volle Leuchtkraft entfalten. Die amerikanische Cellistin Kristina Reiko Cooper widmet sich auf ihrem neuesten Album beim Label Delos zwei solchen Schicksalskomponisten: Mieczysław Weinberg und Erich Wolfgang Korngold.

Hidden Legacies

Weinberg und Korngold

Kristina Reiko Cooper, Cello
Kaunas City Symphony Orchestra
Constantine Orbelian, musikalische Leitung

Delos, DE3616

von Dirk Schauß

Zwischen Melancholie und Widerstand

Was diese Aufnahme so dringlich macht, ist die biografische Schwere, die über den Noten schwebt. Cooper nähert sich Weinbergs Cellokonzert op. 43 nicht als bloßem Exponat der Musikgeschichte, sondern als lebendigem Zeugnis menschlicher Widerstandskraft. „CD/Blu-ray Besprechung: Hidden Legacies, Weinberg und Korngold
klassik-begeistert.de, 15. März 2026“
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Telemanns rekonstruierter „Sieg der Schönheit“ ist reiner Hörgenuss

CD/Blu-ray Besprechung:

Das renommierte Orchester der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Michael Hofstetter beweist erneut höchste Kompetenz und Stilsicherheit. Im Zusammenwirken mit der vorzüglichen Sängerbesetzung  gelang so eine Aufführung, die absolut hörenswert ist, und echte musikalische Freude bereitet.

Georg Philipp Telemann
Sieg der Schönheit

Akademie für Alte Musik Berlin

Michael Hofstetter

cpo 555 693-2

von Peter Sommeregger

Georg Philipp Telemanns Verpflichtung als Kapellmeister der Hamburger Oper am Gänsemarkt ging einher mit einer Neuausrichtung des Hauses. Als Auftakt komponierte der Meister unter dem Titel „Sieg der Schönheit“ auf ein bereits vorhandenes Libretto des erfolgreichen Operndichters Christian Heinrich Postel ein so umfangreiches Werk, dass bereits für die Uraufführung am 13. Juli 1722 einige Kürzungen vorgenommen werden mussten. „CD/Blu-ray Besprechung: Georg Philipp Telemann, Sieg der Schönheit
klassik-begeistert.de, 13. März 2026“
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