Diese Referenzaufnahme ist eine Entdeckung

CD-Besprechung:

Für alle jene, die neugierig auf abseitigeres Repertoire sind: Jakub Hrůša und die Bamberger Symphoniker haben alle Sinfonien des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů eingespielt. Großartige Musik auf drei CDs!

Bohuslav Martinů (1890-1959) – Sinfonien Nr. 1-6

Bamberger Symphoniker
Jakub Hrůša, Dirigent

Deutsche Grammophon, DG 486 7810

von Brian Cooper

Der tschechische Dirigent Jakub Hrůša, Jahrgang 1981, ist Music Director am Royal Opera House, designierter Chefdirigent und Musikdirektor der Tschechischen Philharmonie (ab der Spielzeit 2028/29), und auch seit nunmehr zehn Jahren Chefdirigent der Bamberger Symphoniker.

Mit diesem Orchester hat er nun für die Deutsche Grammophon alle sechs Sinfonien seines Landmanns Bohuslav Martinů eingespielt, allesamt im wunderbaren Joseph-Keilberth-Saal der Bamberger Konzerthalle. Hrůša ist bekannt dafür, immer wieder selten gespielte Werke tschechischer Komponisten wie Antonín Dvořák und eben Martinů aufs Programm zu setzen, und das völlig zu Recht: Es gibt eben mehr als nur Dvořáks Neunte, so schön sie auch ist. Jakub Hrůša ist allein deshalb zu danken, dass er uns auch mit abseitigerem Repertoire konfrontiert und beglückt. „ Bohuslav Martinů, Sinfonien Nr. 1-6, Jakub Hrůša, Dirigent
klassik-begeistert.de, 9. Juni 2026“
weiterlesen

Ukrainischer Wahlwiener wirbelt in romantischen Ekstasen

 

CD-Besprechung:

Choni hat das gewisse Etwas an Drängen und Wagen, das sofort fesselt und einen nicht mehr loslässt.

DMYTRO CHONI „Heartlands“

mit Werken von Robert Schumann, Johannes Brahms und Mykola Lysenko

naïve records

von Dr. Ingobert Waltenberger

Während der ebenso begabte und junge Alexander Malofeev mit fein ziselierten Tönen und feenhaft schlankem Spiel Furore macht, ist der in der Ukraine geborene, in Wien lebende Dmytro Choni ein höchst leidenschaftlicher, ja das romantische Sehnsuchtsstreben auf die Spitze treibender Tastenpoet.

Hören Sie sich etwa den ersten Satz der Klaviersonate Nr. 2 in g-Moll, op. 22 von Robert Schumann an, mit dem das Album startet. Er befolgt nicht nur die Tempoangabe „so rasch wie möglich“ sportlich intensiv, sondern scheint mit seinem Spiel eine Membran zu durchbohren, die das Jetzt von der Vergangenheit trennt, die Mythisches und Verborgenes widerspiegelnd offenbart. „Dmytro Choni, „Heartlands“
klassik-begeistert.de, 9. Juni 2026“
weiterlesen

Barrie Kosky beschert der Wiener Staatsoper eine Neuinszenierung von Mozarts Da Ponte-Trilogie

Barrie Kosky © Jürgen Pathy

Blu-ray/CD-Besprechung:

Das vielleicht Wichtigste bei Mozart gelingt: Stimmtypen und -Farben passen gut zusammen und das führt in den Ensembles zu wohlklingender Harmonie. Philippe Jordan kennt seinen Mozart und sorgt für gut koordinierte Abläufe.

Wolfgang Amadeus Mozart
Le nozze di Figaro
Don Giovanni
Così fan tutte

Chor und Orchester der Wiener Staatsoper

Philippe Jordan  Dirigent
Barrie Kosky  Regie

Unitel 769904, 770604,771004

von Peter Sommeregger

Mozarts Figaro ist seit seiner Wiener Uraufführung im Jahr 1786 eine der erfolgreichsten Opern der Geschichte. Die zahllosen Inszenierungen, die das Werk hier erlebt hat, werden nun von einer aktuellen Neuproduktion in der Regie von Barrie Kosky abgelöst.

Kosky greift zu einem geschickten Trick, um Liebhabern traditioneller Regie und solchen, die es etwas moderner mögen, gleichermaßen gerecht zu werden. Die Bühnenbilder zeigen tatsächlich die barocke Welt des Adels, während die Kostüme zeitgenössisch, zum Teil auch mit historischen Anklängen gehalten sind. So führt er moderne Menschen in historischem Ambiente vor und versöhnt damit die Epochen. Lediglich im vierten Akt löst er das Problem der handlungstechnischen Unübersichtlichkeit durch Klappen im Gartenboden, aus dem und in den die Protagonisten auf originelle Weise abtauchen. „Wolfgang Amadeus Mozart, Le nozze di Figaro / Don Giovanni / Così fan tutte
klassik-begeistert.de, 7. Juni 2026“
weiterlesen

Daniel Barenboims Jahre in Chicago werden mit dieser Edition wieder lebendig

CD-Besprechung:

Was an der Zusammenstellung besticht, ist die unglaubliche Vielseitigkeit Barenboims, der in dieser Edition quer durch alle erdenklichen Stile navigiert und sich als musikalischer Weltbürger erweist. Sie dokumentiert auch die Hinwendung des bedeutenden Pianisten zum souveränen Dirigenten, die in dieser Form wohl einmalig ist.

Barenboim
Chicago Symphony Orchestra

The Warner Classic Edition

Complete Teldec, Erato & EMI Classics Recordings

Warner 5021732980724   37 CDs

von Peter Sommeregger

Daniel Barenboims Arbeit mit dem Chicago Symphony Orchestra begann 1969 mit einem Auftritt als Pianist, seine Zeit als Musikdirektor dieses Spitzenorchesters währte von 1991 bis 2006, mit diesen 15 Jahren steht er an der dritten Stelle der längsten Amtsträger. „Barenboim, Chicago Symphony Orchestra, The Warner Classic Edition
klassik-begeistert.de, 5. Juni 2026“
weiterlesen

Das Alla Maniera Italiana Quartet begeistert mit rätselhaftem Beethoven

CD-Besprechung:

Presumed Beethoven
Six String Quartets Anh. 2

Quartetto Alla Maniera Italiana

Arcana, A591

von Dirk Schauß

Man lege einem eingefleischten Beethoven-Kenner ein unbekanntes Streichquartett vor und flüstere nur ein Wort: „Beethoven“. Der Zuhörer schmilzt dahin. Streiche man denselben Satz den Namen – und plötzlich treten handwerkliche Schwächen und mangelnde Tiefe zutage. Genau dieses psychologische Experiment liefert das Alla Maniera Italiana Quartet auf dem Label Arcana (A591). Das Ergebnis ist höchst verunsichernd. „Presumed Beethoven, Six String Quartets Anh. 2
klassik-begeistert.de, 2. Juni 2026“
weiterlesen

Die Edition der Lieder Donizettis wird mit dem achten Album vollendet

CD-Besprechung:

Donizetti
Songs Vol.8

Nicola Alaimo  Bass-Bariton
Carlo Rizzi  Piano

ORP 261

von Peter Sommeregger

Das engagierte Plattenlabel Opera Rara hat in einem aufwändigen Forschungsprojekt über mehrere Jahre den Manuskripten und Druckausgaben von Liedern Donizettis für Singstimme und Klavier nachgespürt und insgesamt etwa dreihundert Lieder identifiziert. Ein großer Teil davon wurde nun, aufgeteilt auf mehrere Sänger unterschiedlicher Stimmlagen, systematisch eingespielt – vorgesehen waren acht CDs, von denen nun die letzte als 8. erschienen ist. „Donizetti, Songs Vol.8, Nicola Alaimo Bass-Bariton, Carlo Rizzi Piano
klassik-begeistert.de, 1. Juni 2026“
weiterlesen

La Tempête trägt Kaiser Karl V. zu Grabe – in der Imagination!

 

CD-Besprechung:

Bomba Flamenca – Les Funerailles imaginaires de Charles Quint

La Tempête/Simon Pierre Bestion

CD erschienen 2026 bei Alpha Classics, Bestellnummer: 3701624512166

von Dr. Andreas Ströbl

Dass Kaiser Karl V. seine eigene Begräbnisfeier penibel bis hin zu einer Durchlaufprobe geplant hatte, ist belegt. Möglicherweise ins Reich der Legende gehört allerdings das kaiserliche Probeliegen im Sarg, wenngleich die Berührungsängste der Menschen aus vergangenen Jahrhunderten gegenüber der eigenen Vergänglichkeit weitaus geringer ausgebildet waren, als es heute üblich ist. „Bomba Flamenca – Les Funerailles imaginaires de Charles Quint
klassik-begeistert.de, 30. Mai 2026“
weiterlesen

Rudolf Buchbinder spielt mit „Treasures“ ein bemerkenswertes Album ein

CD-Besprechung:

Schuberts Melancholie wird auf zwei CDs „en miniature“ erspürt

Rudolf Buchbinder
Schubert: Treasures

Franz Schubert (1797-1828) – 36 „Erste Walzer“ D 365; 16 Deutsche Tänze & 2 Ecossaises D 783; 12 Walzer, 17 Ländler & 9 Ecossaises D 145; Galop & 8 Ecossaises D 735; Valses sentimentales D 779; 16 Ländler („Wiener Damen-Ländler“) & 2 Ecossaises D 734; Valses nobles D 969; 12 Grazer Walzer D 924

Rudolf Buchbinder, Klavier

Deutsche Grammophon, DG 486 8826

von Brian Cooper

160 Tracks auf zwei CDs, wie ist das möglich? Nun, die meisten dieser „Treasures“ (so der Name des zwei CDs umfassenden Albums) von Franz Schubert – größtenteils Walzer, Ecossaises, Tänze und Ländler – dauern nicht viel länger als eine halbe Minute oder haben allenfalls eine Spieldauer von unter einer Minute. Ein Novum in meiner CD-Sammlung, und vermutlich auch in Ihrer. Miniaturen eben.

„Rudolf Buchbinder spielt Schubert: Treasures
klassik-begeistert.de, 29. Mai 2026“
weiterlesen

Telemann glänzt als europäischer Innovator: norddeutsche Polyphonie, italienische Bravour und Pariser Nonchalance

CD-Besprechung:

GEORG PHILIPP TELEMANN
„PARIS QUARTETS“

Ensemble BAROCKIN’
Raumklang

3 CD-Box

von Dr. Ingobert Waltenberger

Das vorliegende Album enthält die Quadri à violino, flauto traverso, viola di gamba o violoncello e fondamento (Hamburg 1730) sowie die Nouveaux Quatuors en six suites à une flûte traversière, un violon, une basse de viole, ou violoncel, et basse continue (Paris 1738).

Wie schon an den Sprachen der originalen Titel erkennbar wird, sind die beiden Zyklen unterschiedlichen Ursprungs und ihrem Wesen nach auch verschiedenen Umfangs. Die „echten“ Pariser sind fast doppelt so lange (CD 2 und 3). Bis auf das siebensätzige dritte Quartett hat sie Telemann – fünf davon sechssätzig – als Suiten gestaltet. Die Nouveaux Quatuors bestehen aus typisch französischen Tanzrhythmen wie Gigue, Bourrée, Gavotte oder Polonaise. „CD-Besprechung: Georg Philipp Telemann, „Paris Quartets“
klassik-begeistert.de, 25. Mai 2026“
weiterlesen

Jakub Hrůša legt die definitive Einspielung aller Martinů-Symphonien vor

CD-Besprechung:

Bohuslav Martinů
Symphonien Nr. 1 bis 6

Jakub Hrůša
Bamberger Symphoniker

Deutsche Grammophon

von Dr. Ingobert Waltenberger

Spektakuläre Klangbildräume und -träume 

Es ist ja nicht so, dass Bohuslav Martinůs sechs im gereiften Alter in den USA geschriebene Symphonien Neuland für die Musikwelt wären.

Dank guter Gesamtpräsentationen auf Tonträgern wie von Václav Neumann mit der Tschechischen Philharmonie (Supraphon), Jiří Bělohlávek mit dem BBC Symphony Orchestra (Onyx), Vladimír Válek mit dem Prager Symphony Orchestra (Supraphon) oder Cornelius Meister mit dem ORF Radio Symphonieorchester Wien (Capriccio) sind diese Spitzenschöpfungen der sinfonischen Kunst kein Geheimtipp mehr. „Bohuslav Martinů, Symphonien Nr. 1 bis 6, Jakub Hrůša Dirigent
klassik-begeistert.de, 19. Mai 2026“
weiterlesen