Sonya Yoncheva (Iolanta), Ensemble © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn
IOLANTA (Piotr I. Tschaikowski)
Lyrische Oper in einem Akt
Text Modest Tschaikowski
Orchester der Wiener Staatsoper
Chor der Wiener Staatsoper
Komparserie der Wiener Staatsoper
Dirigent Tugan Sokhiev
Wiener Staatsoper, 4. April 2025
von Herbert Hiess
Diese einaktige Märchenerzählung ist übrigens ein Familienwerk, denn niemand anderer als Tschaikowskis Bruder Modest schuf das Libretto zu dieser märchenhaften Erzählung, die auf einem Schauspiel des dänischen Dichters Henrik Hertz basiert.
Die Handlung ist recht einfach; sie erzählt von der blinden Königstochter Iolanta, deren Vater, der König René, ihr unbedingt verheimlichen will, dass sie blind sei. Deswegen wohnt sie abgeschirmt von der Außenwelt im Kreise ihrer Amme Marta und ihren Freundinnen im Schloss in der Provence.
Durch Zufall kommt Graf Vaudémont in das Schloss (trotz Verbotstafeln) – und trifft im Garten auf die schlafende Iolanta. Er ist von ihrem Anblick wie hypnotisiert. Im weiteren Verlauf klärt Vaudémont Iolanta über ihre Blindheit auf. Beide haben sich bereits unsterblich ineinander verliebt und Iolanta möchte auch sehen können.
Der von König René herbeigerufene Arzt Ibn-Hakia verspricht ihr nur dann Heilung, wenn sich Iolanta ihrer Blindheit bewusst ist und ihre Heilung ernsthaft herbeisehnt.
Und es kommt, wie es kommen muss. Die verliebte Iolanta wird geheilt und heiratet ihren Vaudémont und alle preisen Gott und das Wunder der Heilung.

Der Regisseur Evgeny Titov setzte Tschaikowskis Spätwerk in wunderschöne Bilder; ein grüner Hügel mit vielen Blumen dominiert die Bühne. Schon außergewöhnlich, wenn man durch eine konventionelle Regie mehr als positiv überrascht wird, wo keine unpassendes Regietheater von der Musik ablenkt.
Von Anfang an bis zum Schluss war dieses großartige Werk interessant aufgebaut und erzählt; Regisseur Titov hielt sich an eine subtile und schlüssige Personenführung, die beeindruckend choreographiert war – so wie am Beginn mit Iolanta und ihren Freundinnen.
Äußerst beeindruckend am Schluss, wo Iolanta sehend wurde, war, wie plötzlich im Hintergrund ein Vorhang fiel und dahinter eine Szenerie der Zerstörung sichtbar wurde. Sie musste erkennen, dass sie eben nicht nur die schönen Dinge sehen kann.

Musikalisch war die Produktion mehr als erstklassig; großartig Ivo Stanchev als René, der strahlende Tenor Dmytro Popov als Vaudémont – aber allen voran Sonya Yoncheva als Iolanta. Der bulgarische Sopran ist die Primadonna schlechthin. Von Anfang bis zum Schluss begeisterte sie mit ihrer Ausstrahlung, ihrer Stimmkraft mit dem satten Timbre, den strahlenden Höhen und vor allem einer unvergleichlichen Musikalität und Ausdruckskraft. Keine Note, die sie sang, war ohne Bedeutung.

Gemeinsam mit dem russischen Dirigenten Tugan Sokhiev machten sie aus dem zirka 90minütigen Werk ein totales Klangfest. Mit Sokhiev hatte das Staatsopernorchester (vulgo Wiener Philharmoniker) einen Dirigenten vor sich, der dem Niveau der Musiker entspricht.
Von Beginn an, der leise in moll begann (mit Fagott und Englischhorn) brillierte das Orchester schon mit einer langen Bläserpassage; die erste Hälfte war durchaus sehr lyrisch. Ab dem großen Duett Iolanta – Vaudémont begann die große Leidenschaft, die sich bis zum strahlenden Schluss durchzog.
Sokhiev machte aus diesem Einakter ein wahrhaftes Klangfest; hier konnte man wieder erkennen, was für ein großartiges Orchester das Haus hat.
Es wäre wünschenswert, wenn man solche Dirigenten viel öfters im Haus am Ring hören und sehen könnte.
Herbert Hiess, 5. April 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
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