Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse © Monika Rittershaus
„Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse“ – einst von Christine Nöstlinger aufgeschrieben, wird durch die Vertonung von Samuel Penderbayne zu einem schräg-bunt-lauten Opern-Spaß. Obwohl sich die Geschichte um ein Musterkind aus der Musterkinder-Fabrik geradezu anbietet, in unsere von „Künstlicher Intelligenz“ geprägte Zeit hinein katapultiert zu werden, widersteht man dem Gedanken und belässt das Stück in einer erfreulicheren Bühnenwelt, in der es laufend an der Tür und nur einmal am Telefon klingelt.
KONRAD ODER DAS KIND AUS DER KONSERVENBÜCHSE
Kinderoper von Samuel Penderbayne
Libretto von Susanne Lütje und Anne X. Weber
nach dem gleichnamigen Buch von Christine Nöstlinger
Inszenierung: Ruth Brauer-Kvam
Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin
Musikalische Leitung: Anne Hinrichsen
Uraufführung am 10. Oktober 2025
Komische Oper Berlin im Schillertheater, 10. November 2025
von Ralf Krüger
Meine Hochachtung gilt Hyerim Kim. Die südkoreanische Sopranistin, die in Berlin an der Universität der Künste studiert hat, spielt und singt Konrad, den 7-jährigen Titelhelden. Sie hat viel Text, viele Dialoge zu bewältigen und ihre Lieder und Arien müssen für die jungen Zuschauer verständlich sein. Ich finde, sie meistert die Anforderungen an diese Rolle mit Bravour, stellt einen Jungen dar, der mittels Sackkarre und Konservenfass in ein Leben zugestellt wird, auf das er gar nicht vorbereitet ist.
Andreja Schneider, die Komödiantin, die das Publikum der Komischen Oper aus zahlreichen Operettenproduktionen kennt, spielt Berti Bartolotti. Sie ist die unfreiwillige, aber doch liebende Mutter, die mit der Post ein Kind kriegt, was sie nicht bestellt hat. Gemeinsam mit der Nachbarstochter Kitti gibt Berti in ihrer kunterbunten Schneiderstube dem jungen Konrad ein Zuhause. Von diesem hübschen Ambiente, das bühnentechnisch in eine riesige Konservenbox eingebaut ist, entwickelt sich ein kindgerechter, komödiantischer Handlungsfaden, der schließlich in einem riesigen Klassenzimmer mündet, in dem der brave Musterknabe als Streber und Mathe-Genie von seinen Mitschülern gemobbt wird.

Konrad, der in der himmelblauen Musterkinder-Fabrik derart geimpft wurde, dass man mit Höflichkeiten und ohne eigene Meinungsbildung gut durchs Leben kommt, lernt nun auch die Schattenseiten unseres Daseins kennen. Und als sich schließlich ein regelrechtes Für und Wider um seine Person entwickelt, passiert etwas, womit niemand gerechnet hat: Der Junge soll zurück in die Fabrik, wo er herkam, denn seine Zustellung an Berti Bartolotti war ein Fehler im System, eine Fehlzustellung.

Samuel Penderbayne, der in Wien lebende australische Opernkomponist, hat eine Partitur geschrieben, die zwischen Schrill und Swing eine reichhaltige Tonpalette zu Gehör bringt. Sie umgarnt das wundervolle Libretto von Susanne Lütje und Anne X. Weber. Die jungen und (etwas) älteren Zuschauer in der ausverkauften Komischen Oper bekommen etwas geboten, was sich Freunde des Musiktheaters, ob bei Oper oder Musical, allzeit wünschen: Textverständlichkeit! Hier ist sie zu hundert Prozent gegeben.
Ruth Brauer-Kvam, die Regisseurin, hat (zu unserer Freude) keine Experimente gewagt. Ihr Tribut an das Hier und Heute beschränkt sich auf „Klicks im Internet“ und die Gefahr, dass man durch einen falschen Klick schnell mal ein Kind bestellen kann, das man gar nicht haben will.
Wie nun Konrad, das Kind aus der Konservenbüchse, vor den Häschern aus der Musterkinder-Fabrik geschützt wird, in dem man ihn in einen normalen, manchmal frechen Bengel oder Lausbuben verwandelt, ist großes Theater.

Der 3. Akt spielt in der herrlich-altmodischen Apotheke von Bertis Freund Herrn Egon. Wer sich diese Szenerie ausgedacht hat, bekommt von mir langanhaltenden Sonderapplaus für eine Köstlichkeit, die lange vorhält. Der Rest ist Show, Musical und Oper – alles in einer Schublade des guten Geschmacks vereint. Die Kinder, die Schüler und alle mit ihnen amüsieren sich wie Bolle (wie man in Berlin sagt) und das Schillertheater erlebt auf seine alten Tage einen Frohsinn ungeahnten Ausmaßes.
Das Stück läuft noch bis Weihnachten zu verschiedenen Terminen, meistens am Vormittag. Die Karten sind rar.
https://www.komische-oper-berlin.de/spielplan/a-z/konrad-oder-das-kind-aus-der-konservenbuechse/
Ralf Krüger, 11. November 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Kinderoper Die Zauberflöte, Musik Wolfgang Amadeus Mozart Wiener Staatsoper, 28. Februar 2025
„Lohengrin – für Kinder“ – die Kinderoper der Bayreuther Festspiele 2022 Bayreuth 30. Juli 2022