Foto: Kirill Petrenko (c) Chris Christodoulou
Dieses Ensemble der Spitzenklasse, und die von Petrenko entfaltete orchestrale Pracht rissen das Publikum für den Schlussapplaus förmlich von den Stühlen. Zwanzig Minuten standing ovations dankten für einen Abend, der in die Annalen des Orchesters eingehen wird.
Richard Wagner
Das Rheingold
Christian Gerhaher Bariton (Wotan)
Gihoon Kim Bariton (Donner)
Thomas Atkins Tenor (Froh)
Brenton Ryan Tenor (Loge)
Leigh Melrose Bariton (Alberich)
Thomas Cilluffo Tenor (Mime)
Patrick Guetti Bass (Fafner)
Le Bu Bassbariton (Fasolt)
Catriona Morison Mezzosopran (Fricka)
Sarah Brady Sopran (Freia)
Jasmin White Alt (Erda)
Louise Foor Sopran (Woglinde)
Yajie Zhang Mezzosopran (Wellgunde)
Jess Dandy Alt (Floßhilde)
Kirill Petrenko Dirigent
Konzertante Aufführung
Berliner Philharmoniker
Philharmonie Berlin, 10. April 2026
von Peter Sommeregger
Beginnend mit der „Walküre“ schmiedete Herbert von Karajan ab 1967 mit den Berliner Philharmonikern einen kompletten „Ring des Nibelungen“, damit begründete er die Salzburger Osterfestspiele, und machte die Berliner Philharmoniker zum Opernorchester.
Als Karajans (dritter) Nachfolger als Chef dieses Spitzenorchesters sieht sich Kirill Petrenko in dieser Tradition und kann dabei auf eigene Erfahrungen mit dem Mammutwerk zurückgreifen. In Meiningen hatte der noch nicht Dreißigjährige damit seinerzeit den Grundstein für seine internationale Karriere gelegt.
Nun also nach den Salzburger Aufführungen das „Rheingold“ in der Berliner Philharmonie. Die von der Kritik überwiegend negativ bewertete Inszenierung Kirill Serebrennikovs blieb dem Berliner Publikum erspart, und ermöglichte den Sängern volle Konzentration auf den Gesang.
Unter diesen Umständen entfaltete sich eine Realisierung von Wagners Partitur, die sich an Transparenz des Orchesterklanges und der Textdeutlichkeit der Sänger auf höchstem Niveau bewegte. Von den zarten Anfängen am Grunde des Rheins bis zum triumphalen Einzug der Götter nach Walhall entlockte Petrenko „seinem“ Orchester wahre Zaubertöne. Einmal mehr konnte man feststellen, dass bei diesem Orchester an jedem Platz Musiker mit Solistenqualitäten sitzen.
Die große Überraschung waren aber die Sänger, die fast ausnahmslos textdeutlich sangen, obwohl mit Ausnahme des Wotan keiner Muttersprachler war.
Diesen verkörperte Christian Gerhaher mit dem Facettenreichtum eines Liedersängers. Er knüpft damit an den Rheingold-Wotan seines Lehrmeisters Fischer-Dieskau an, der sich bei Karajans Ring in dieser Partie versuchte. Als sein Gegenspieler Alberich konnte sich Leigh Melrose mit markanter Phrasierung profilieren. Der Rest des hervorragenden Ensembles war weitgehend unbekannt, was sich nach deren Spitzenleistungen schnell ändern wird. Wagner-Besetzungen gleichen sich inzwischen international wie ein Ei dem anderen. Petrenko setzte dagegen auf neue Namen, und gewann auf der ganzen Linie.
Catriona Morisons Fricka widersprach dem Klischee der keifenden Gattin mit warmen, fraulichen Tönen, die Rheintöchter Louise Foor, Yajie Zhang und Jess Dandy Alt harmonierten auf hohem vokalen Niveau, Sarah Brady überzeugte als Fricka mit klarem, mädchenhaften Sopran. Eine kleine Sensation war der kurze Auftritt von Jasmin White als Erda, deren Orgeltöne man gerne auch in größeren Rollen hören würde.
Unter den Männern überraschte Brenton Ryan als Loge mit ironisch-zynisch gefärbtem Tenor, die Götter Donner und Froh von Gihoon Kim und Thomas Atkins überzeugten ebenso wie der Mime Thomas Cilluffos. Mit vollen, markanten Bässen beeindruckten Patrick Guetti und Le Bu als Fafner und Fasolt.
Dieses Ensemble der Spitzenklasse, und die von Petrenko entfaltete orchestrale Pracht rissen das Publikum für den Schlussapplaus förmlich von den Stühlen. Zwanzig Minuten standing ovations dankten für einen Abend, der in die Annalen des Orchesters eingehen wird.
Peter Sommeregger, 11. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Johannes Brahms, Ein deutsches Requiem, Christian Thielemann Philharmonie Berlin, 27. Januar 2026