Kommentar zum Opernspielplan 2026/27 der Hamburgischen Staatsoper

Kommentar: Opernspielplan Saison 2026/27  Hamburgische Staatsoper, 7. April 2026

Hamburgische Staatsoper Aussenansicht_Seite Nacht (c) Niklas Marc Heinecke

von Dr. Ralf Wegner

Es hat sich bewahrheitet, die Staatsoper zieht um in ein Zirkuszelt, zumindest für mehrere Monate. Euphemistisch wird die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr erwähnt: Die Haltestelle Luruper Chaussee befinde sich direkt vor der „Kuppel“. Vergessen wird, dass dieser irgendwo im Hamburger Nordwesten liegende, im allgemeinen wohl völlig unbekannte Veranstaltungsort über keinen U- oder S-Bahnanschluss, sondern nur über eine Bushaltestelle verfügt. Nun gut, für John Neumeiers Sommernachtstraum werden wir dieses Manko in Kauf nehmen.

Was bietet die Saison 2026/27 sonst noch? Vor allem Rossini: Der Türke in Italien, den Barbier von Sevilla und als Premiere Wilhelm Tell mit dem höhensicheren Lawrence Brownlee und der Spitzensopranistin Lisette Oropesa. An drei aufzuführende Werke reicht nur noch Verdi heran: Es gibt erneut die Autoscooter-Traviata, endlich eine Reaktivierung des Maskenballs und als Premiere Macbeth, den laut neuem Spielzeitbuch angeblich Tomasz Konieczny singen sollte, der aber offenbar bereits durch das Ensemblemitglied Kartal Karagedik ersetzt worden ist. Zumindest ergibt sich das aus der Onlinedarstellung der Oper. Als Lady ist Nino Machaidze vorgesehen, deren im Forte etwas zum Schrillen neigender Sopran wohl ganz gut zur Rolle passen wird.

Wenn man sämtliche Gesangsbesetzungen der neuen Saison in ein sog. „Weltstar“-Schüttelsieb gibt, bleibt wenig im Topf hängen. Weder singen die viel diskutierten jüngeren Tenöre Benjamin Bernheim, Jonathan Tetelman oder Pene Pati hier, noch die bereits arrivierten Stars Kaufmann, Vogt oder Schager. Allerdings wird Gregory Kunde wieder auftreten, kaum gefordert in dem aus der jetzigen Saison übernommen Werk Die Große Stille, aber immerhin als Canio in Leoncavallos Bajazzo. Hoffentlich hält er bis dahin durch. Und wo bleiben die Sopranstars Netrebko oder Davidsen, welche die Kassen füllen würden? Da herrscht Große Stille.

Aber immerhin, die wunderbare Elbenita Kajtazi wird an zwei Dutzend Aufführungen mitwirken, als Mimi, Nedda, Donna Anna und als Dornröschen in der gleichnamigen, zur Premiere gelangenden Oper von Engelbert Humperdinck.

In der jetzigen Saison haben die Dirigate von Omer Meir Wellber für Furore gesorgt. Hoffen wir, dass es so bleibt, er wird fast ebenso häufig am Dirigentenpult stehen wie Elbenita Kajtazi auf der Opernbühne: Don Giovanni, Carmen, Hochzeit des Figaro und, oh Wunder, Walküre; daneben dirigiert er eine Neuinszenierung von Tschaikowskys Eugen Onegin.

Richard Strauss ist vom Spielplan verschwunden, eigentlich auch Richard Wagner. Die Freude über eine Wiederaufnahme der Walküre wird erheblich getrübt vom Streichen aller anderen Werke dieses Komponisten. Zumindest die Meistersinger hätten reaktiviert werden können. Und wo bleibt eine neue Zauberflöte? Dieser Publikumsrenner hätte dringend einer Neuinszenierung bedurft.

Im Detail gibt es durchaus hörenswerte Aufführungen: Zum Beispiel die Entführung aus dem Serail mit Katarina Konradi als Konstanze und Dovlet Nurgeldeiyev als Belmonte. Nurgeldiyev wird auch Don Ottavio in Don Giovanni singen, zusammen mit, wie bereits erwähnt, Elbenita Kajtazi als Donna Anna. Unter der Leitung von Wellber wird das sicher eine herausragende Aufführung werden. Außerdem ist Nugeldiyev als Macduff im neuen Macbeth besetzt, den Banco singt Alexander Vinogradov. Und Erwin Schrott wird als Escamillo wohl auch das Publikum ins Haus ziehen.

Dr. Ralf Wegner, 8. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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