Maximilian Haberstock, Junges Philharmonisches Orchester München © Maximilian Haberstock
Nun haben bereits zwei Kollegen in den höchsten Tönen von Maximilian Haberstock berichtet. Nach dem Konzert im Münchner Herkulessaal schließe ich nahtlos an diese begeisterten Stimmen an. Beethovens Fünfte, wie man sie selten zu hören bekommt.
Herkulessaal, München, 19. März 2026
Maximilian Haberstock, Dirigent
Maxim Lando, Pianist
Junges Philharmonisches Orchester München
von Jürgen Pathy
Dass man Beethovens Fünfte mit fast 100 Musikern spielt, Oboen doppelt besetzt, das heißt: vier Stück – so etwas hat man seit hundert Jahren nicht mehr erlebt. Es ist bekannt, dass der junge Münchner, 21 ist Haberstock gerade, an die große deutsche Schule der Altmeister anknüpft. Dieser Zugang könnte manchen als opulent, zu kraftvoll angelegt erscheinen, hat jedoch seine völlige Berechtigung.
Statt in der gleichen Kerbe zu verharren wie so viele, stellt Haberstock seinen USP ganz klar in den Mittelpunkt: groß, mächtig, satt und voll ist der Klang, den sein eigens gegründetes Junges Philharmonisches Orchester München beeindruckend sauber in die Auslage stellt. Das ist „erfrischend“ anachronistisch, muss man sagen, weil es dem Zeitgeist widerspricht. Gerade deswegen ist es so beeindruckend, was da entsteht und füllt genau die Lücke, die in der heutigen Interpretationspraxis fehlt.
Beethovens Fünfte groß gedacht
Seine Interpretation selbst ist subjektiv eine schlüssige Lesart. Vor allem, wenn man es auf das berühmte Anfangsmotiv herunterbricht: „Ta-ta-ta-taaaaa“ – drei Achtel, eine punktierte Viertel. Klingt einfach, kann aber derart unterschiedlich interpretiert, zerstückelt, zerhackt oder in die Länge gezogen werden, dass es an Wirkung verliert. Bei Haberstock hat das Biss und Kraft. Es klingt wie bei Christian Thielemann: Fleisch mit Sauce, so nennt dieser selbst seine Art, Beethoven zu spielen.
Dass das beim Münchner VIP-Publikum auf Anklang trifft, wundert nicht. Es passt zur Stadt, die schon anders ist als Wien. Von Alessandra Prinzessin und Philipp Prinz von Thurn und Taxis bis zur Oktoberfest-Wirtin Franziska Kohlpaintner hat sich vieles versammelt, was in München Rang und Namen hat.
Müsste man einen Punkt wählen, der bei diesem kolossalen Klang, den Haberstock auf die Beine stellt, stärker zur Geltung kommen könnte, dann ist es die Subtilität. Aber das ist Programm. Ansonsten wählt er die Tempi überraschenderweise im Normbereich. Dass er im Kopfsatz vor der Reprise abbremst, gibt dem Ganzen eine Aha-Note. Das Andante hingegen bleibt ein Andante – im Schritttempo. Während er letztes Jahr den langsamen Satz der Siebten noch in Richtung Adagio gedrosselt hatte. Passend dazu ist dieses Allegretto doch ein „Trauermarsch“.
Maxim Lando auf den Spuren des „letzten Romantikers“
Nicht von traurigen Eltern ist Pianist Maxim Lando. Man glaubt gar nicht, woher Haberstock diese jungen Talente hervorholt. Bereits Eva Gevorgyan erwies sich letztes Jahr als Klangmagierin. Die Russin noch mit packendem Zugriff, der junge US-Amerikaner hingegen mit einem leichteren Zugang und fließenderem Klangbild. Ein Anschlag, der ebenfalls in die Nische des „letzten Romantikers“ schlägt. Vladimir Horowitz hatte eine ähnliche Anschlagskultur, gepaart mit enormer Virtuosität.

Die ist auch vonnöten, bedenkt man das Stück: Liszts Klavierkonzert Nr. 2. Zumindest steht es als solches auf dem Programm. Letzten Endes ist es eine Art symphonisches Werk in einem Satz, das im Konzertleben kaum Fuß fassen konnte. Als zweite Zugabe wählt er eine Interpretation eines Led-Zeppelin-Songs, der beim Münchner Publikum auf viel Anklang trifft: „Stairway to Heaven“. Hier kann Lando all seine pianistischen Fähigkeiten noch einmal zur Schau stellen. Liszt hatte das Werk eher als Showstück konzipiert. Technik steht im Mittelpunkt.
Eine solche hat Haberstock als junger Kapellmeister ebenfalls schon. Blutjung, aber mit enormer Präsenz, Ruhe und klarer Taktgebung. Brust raus, Schultern runter, strammer Stand, im klassischen Frack. Ein Bild, das vor allem eines symbolhaft widergibt: Klasse und Stil – und zwar nicht nur musikalisch, sondern im gesamten Erscheinungsbild.
Jürgen Pathy, 20. März 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
JPOM, Maximilian Haberstock, Leitung, Maxim Lando, Klavier Alte Oper, 18. März 2026
JPOM, Maximilian Haberstock, Dirigent, Maxim Lando, Klavier Alte Oper Frankfurt, 18. März 2026
FOM, Maxim Lando, Klavier, Cornelius Meister, Dirigent Alte Oper Frankfurt, 29. September 2025