Hamburg: Pianistische Nachwuchselite begeistert zum Jahresauftakt

Neujahrskonzert der Stiftung Flügel-Fundus  Elbphilharmonie, Hamburg, 4. Januar 2026

© Shigeru Kawai Europa

Neujahrskonzert der Stiftung Flügel-Fundus

Neues Jahr, neue musikalische Freude: Mittlerweile unter der Schirmherrschaft der gefeierten Pianistin Anna Vinnitskaya stehend präsentierte die Hamburger Stiftung Flügel-Fundus ihre derzeitigen Stipendiaten und Stipendiatinnen in der Elbphilharmonie. Die allesamt auf höchstem Niveau spielenden Musiker sorgten auch an diesem verschneiten Sonntagmorgen für viel feurigen Applaus! 

Julius Egensperger, Klavier
Louisa Sophia Jefferson, Klavier
Sergey Tanin, Klavier
Andrey Denisenko, Klavier
Emiliano Ramniceanu, Klavier

Daniel Arias, Violoncello

Werke von Ludwig van Beethoven, Igor Strawinsky, Joseph Nicolas Pancrace Royer, Felix Mendelssohn Bartholdy, Morris Wolf, Wolfgang Amadeus Mozart, Astor Piazzolla und Vittorio Monti

Elbphilharmonie, Hamburg, 4. Januar 2026

von Johannes Karl Fischer

Mozart über Strawinsky bis Piazzolla: Vor ausverkauftem Kleinen Saal der Elbphilharmonie beschenkten die insgesamt 6 Musiker und Musikerinnen das Publikum mit quasi allem, was die klassische Klavierliteratur zu bieten hat.
Zum Auftakt meisterte Julius Egensperger Beethovens A-Dur-Klaviersonate op. 101 und ließ die Melodien mit viel Liebe und Eleganz aus den Tasten gleiten. Freudig spazierte er auch durch den an zweiter Stelle stehenden Marsch wie inmitten einer schneebedeckten Hafenstadt. Der gerade einmal 19-jährige Pianist lieferte eine durchdachte Aufführung eines der meisterhaftesten Werke Beethovens, völlig mühelos füllte der energetische Kontrapunkt im Schlusssatz den Saal. Nächster Halt Hammerklavier?

Louisa Sophia Jefferson beeindruckte bereits im letztjährigen Stiftungskonzert mit einem meisterhaft gespielten Chopin-Scherzo. Diesmal brachte sie Strawinskys kaum weniger fordernde Drei Petruschkasätze mit – von einem Meisterkurs bei Lang Lang. Der Starpianist hätte ihrer Darbietung nichts hinzuzufügen gehabt, verkündete Stiftungsbeirat Matthias Maschlanka in seiner Einführungsrede. Zu Recht: Völlig furchtlos stürzte Frau Jefferson sich in das pianistische Himalaya. An den mehroktavigen Sprüngen und über die Klaviatur sausenden Läufen schien sie sogar sehr viel Spaß zu haben…

© Shigeru Kawai Europa
Zwei Neulinge im Stiftungsprogramm

Neu im Programm war neben Herrn Egensperger der Pianist Sergey Tanin. Mit einem breit aufgestellten Programm aus zwei eleganten Barocktänzen des weitgehend unbekannten Komponisten Joseph Royer und Mendelssohns virtuosen Variations sérieuses reihte er sich in die Spitze der pianistischen Nachwuchselite ein. Insbesondere die Uraufführung einer feurigen Toccata seines Kommilitonen Morris Wolf machte mit viel musikalischer Frische auf seine Kunst aufmerksam… das verspricht noch viele begeisternde Konzertmoment in der Klassik!

Mozart-Klassiker glänzen

Zum musikalischen Highlight des Konzertmorgens wurde allerdings Andrey Denisenkos Darbietung von Mozarts B-Dur-Klaviersonate KV 333. Als wohltuende Abwechslung zu der klanglich teils sehr intensiven ersten Hälfte flossen die Noten wunderbar sanft aus den Saiten, das war nichts anders als eine erstklassige Aufführung der allerfeinsten Mozartliga. Besonders inmitten dieser musikalisch intimen Melodien glänzte auch der insgesamt sehr weiche Klang des Shigeru Kawai Flügels, mittlerweile Stamminstrument der Flügelstiftung. Zu Recht: Die sehr unterschiedlichen musikalischen Werke des Morgens klangen auf diesem Instrument besonders liebevoll und ließen nicht nur Mozarts Musik von der Bühne strahlen.

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Stiftungsalumni mit tänzerischem Piazzolla zum Abschuss

Zum krönenden Abschluss gab es einen Auftritt des Stiftungsalumnus Emiliano Ramniceanu gemeinsam im Duo mit dem Cellisten Daniel Arias. Mit einem stimmigen, tanzlustigen Programm aus Piazzolla und dem guten alten Monti-Csárdás schickten die beiden das Publikum mehr als gut gelaunt in den schneeigen Hamburger Sonntagsmorgen. Die Zugabe? Na klar, Libertango – bei diesem Programm fast schon obligatorisch. Nach fast drei Stunden Musik füllte eine feurige Applausstimmung völlig verdient den Kleinen Saal der Elbphilharmonie.

© Shigeru Kawai Europa

Musikalisch stand dieser sonntägliche Musikmorgen den teils deutlich namenhafteren Künstlern, welche die Programme dieses Saals schon gefüllt haben, um nichts nach. Man blickt mit viel Freude auf die musikalische Zukunft der klassischen Klavierwelt!

Johannes Karl Fischer, 6. Januar 2026 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Teatime-Classics Mikhail Kambarov, Klavier Laeiszhalle Hamburg, Kleiner Saal, 13. Dezember 2025

Yungyung Guo, Klavier Alfred Schnittke Akademie Hamburg, 30. November 2025

NPH Marco Parisotto, Alexey Chernov, Klavier Elbphilharmonie Hamburg, 8. Oktober 2025

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