Tschaikowski molto elegante in Hamburg

So, dann verabschiede ich mich mal für ein Weilchen von der Elbphilharmonie. So sehr ich davon überzeugt bin, dass Klassikkonzerte nicht wesentlich zur Ausbreitung des Coronavirus beitragen, so sehr halte ich die neuesten Maßnahmen für absolut notwendig, eigentlich völlig unzureichend. Hoffentlich bis bald, liebe Elphi!

Foto: © Thies Rätzke

Elbphilharmonie Hamburg, 29. Oktober 2020

Julian Rachlin, Violine
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Jérémie Rhorer, Dirigent

Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Streicherserenade op. 48 und Violinkonzert op. 35

von Johannes Karl Fischer

Zwei der genialsten Werke Tschaikowskis an einem Abend. Noch ein Mal schöne Musik vor dem Lockdown. Und in neun Monaten dreimal dasselbe Stück hören; in welchem Konzertsaal ist das schon möglich? „Julian Rachlin, Jérémie Rhorer, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen,
Elbphilharmonie Hamburg, 29. Oktober 2020“
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"Leonore" in der Elbphilharmonie: René Jacobs reanimiert Beethovens "Fidelio"-Urfassung

Foto: © Daniel Dittus

Elbphilharmonie Hamburg, 14. Oktober 2020

Ludwig van Beethoven: „Leonore“ oder „Der Triumph der ehelichen Liebe“
Oper in drei Aufzügen op. 72 (1. Fassung)

Konzertante Aufführung in deutscher Sprache (gekürzt)

von Dr. Holger Voigt

Der 1946 im belgischen Gent geborene Dirigent, Countertenor und musikologische Quellenforscher René Jacobs stieß bei seinen Studien auf die fast vergessene Erstfassung des späteren „Fidelio“ Ludwig van Beethovens und war von dieser originären Fassung wegen ihrer musikalischen Leuchtkraft fasziniert. Er entschloss sich deshalb, diese Fassung eingehend zu überarbeiten (inklusive Libretto) und konzertant auf die Bühne zu bringen. Deren Erstaufführung in Paris im letzten Jahr war ein riesiger Erfolg, ebenso deren CD-Einspielung. „Ludwig van Beethoven, Leonore
Elbphilharmonie, 14. Oktober 2020“
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Verzweiflung, Einsamkeit und Wehmut: Ein grandioser Rudolf Buchbinder spielt Ludwig van Beethoven in der Elbphilharmonie

Elbphilharmonie Hamburg, 13. Oktober 2020

Konzertreihe „Die Meisterpianisten Extra“
Rudolf Buchbinder: Ludwig van Beethoven – Klaviersonaten

von Dr. Holger Voigt (Text und Foto)

Was für ein Konzertabend in der ausverkauften, jedoch Pandemie-bedingt nur teilweise besetzten Elbphilharmonie! Der erste Blick für das Publikum: Ein einsamer Klavierflügel in der Mitte des weiten Podiums – eine geradezu programmatische Ansage für das bevorstehende Konzert. Drei der bedeutendsten Klaviersonaten Ludwig van Beethovens, aufs Intimste verknüpt in einem Seelenkosmos von Verzweiflung, Einsamkeit und Wehmut. Niemand konnte sich ihm entziehen. Dieses Konzert war eine wahre Sternstunde!

Früher oder später stellt sich für jeden talentierten, hervorragend ausgebildeten und ambitionierten Pianisten die Frage, ob und wann er/sie das kompositorische Werk Beethovenscher Klaviersonaten in Angriff  nehmen solle. In heutigen Zeiten können die Zuhörer aus einer unüberschaubaren Vielzahl unterschiedlichster Werkseinspielungen auswählen und sich auf eine akribische Entdeckungsreise begeben, die nicht einmal vor der Vergangenheit Halt macht. Die Möglichkeiten des Vergleiches unterschiedlicher Interpretationen sind nahezu unbegrenzt. Was auf Tonträgern gebannt wurde, steht allen Generationen quasi auf Knopfdruck zur Verfügung. „Rudolf Buchbinder: Ludwig van Beethoven – Klaviersonaten,
 Elbphilharmonie Hamburg, 13. Oktober 2020“
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Die zwei besten Orchester der Welt brillieren gemeinsam in Hamburgs Elphi

Was für ein Glück, dass dieses Konzert doch noch nachgeholt werden konnte! Eines der schönsten Stücke für Streichorchester überhaupt, gespielt von Mitgliedern der zwei besten Orchester der Welt. Weniger überzeugend: David Fray und Bach. Unerfreulich: Ein Teil des Elphi-Publikums zeigt einmal wieder, dass er nicht konzerttauglich ist und klatscht zwischen den Sätzen. Der Pianist ist davon so genervt, dass er auf die geplante Zugabe verzichtet. Lösung: Das teils unkundige Publikum in Hamburg muss vorab per Lautsprecher auf ein angemessenes Verhalten hingewiesen werden: „Klatschen Sie bitte nicht zwischen den Sätzen!“

Elbphilharmonie Hamburg, 2. Oktober 2020, 21 Uhr
Foto: © Dr. Holger Voigt

Kammerorchester Wien-Berlin (Zusammensetzung aus Mitgliedern der Wiener und Berliner Philharmoniker)
Rainer Honeck, Leitung
David Fray, Klavier

Werke von Johann Sebastian Bach und Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

von Johannes Karl Fischer

Der Streicherserenade von Tschaikowski: Eigentlich sollte sie auf dem Programm einer internationalen Konzertreise meines Orchesters in Juni stehen. Mit diesem Konzert in der Elbphilharmonie wollte ich mich sozusagen auf die Proben „vorbereiten.“ Im März habe ich mir das Stück bereits mit den Metamorphosen Berlin angehört. Im kleinen Saal der Elphi. Am Ende alles umsonst: kein einziges Mal kamen wir zum Proben. Ist ja auch verständlich. „Kammerorchester Wien-Berlin, Rainer Honeck, David Fray
Elbphilharmonie Hamburg, 2. Oktober 2020, 21 Uhr“
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Mit Glanz und Gloria: Alisa Weilerstein und Alan Gilbert spielen Tschaikowskys Cello-Variationen und Beethovens Eroica

Alisa Weilerstein. Foto: © Decca / Harald Hoffmann

Elbphilharmonie Hamburg, 27. September 2020

Alisa Weilerstein, Violoncello

NDR Elbphilharmonie Orchester
Dirigent: Alan Gilbert

Piotr I. Tschaikowsky:
Variationen über ein Rokoko-Thema A-Dur op. 33 für Violoncello und Orchester

Ludwig van Beethoven:
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“

von Dr. Holger Voigt

Es erscheint etwas schwierig, Tschaikowskys am 30. November 1877 in Moskau uraufgeführte Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester im Zusammenhang mit seinem Musikschaffen zu verorten. Sollte diese nur knapp 20 Minuten umfassende Komposition ein eigenständiges Cellokonzert sein oder erst werden, in welchem Virtuosität und Ausdruck um die Wette eifern? Ein angedachtes Cello-Konzert, das dann später nie zustande kam? Oder handelt es sich um eine freundschaftliche Reverenz an den seinerzeitigen Cello-Virtuosen Wilhelm Fitzenhagen, der an der Komposition beteiligt war und die Uraufführung spielte? Fitzenhagen, der – wie sich herausstellte – die Komposition zum Ärger Tschaikowskys ausgiebig und höchst eigenwillig bearbeitete und eine eigene Reihung der verschiedenen Variationen erstellte – vielleicht auch in der wachsenden Annahme, die Komposition sei seine eigene? Vielleicht trugen all diese persönlichen Dissonanzen dazu bei, dass das höchstschwierige Werk heute nur relativ selten gespielt wird. „Alisa Weilerstein, Alan Gilbert, NDR Elbphilharmonie Orchester,
Elbphilharmonie Hamburg, 27. September 2020“
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HOPE and APPRECIATION in der Elbphilharmonie Hamburg

Foto: Elbphilharmonie Rolltreppe © Michael Zapf

Schleswig-Holstein Musik Festival,
Elbphilharmonie, Hamburg, 
29. August 2020

Xavier de Maistre Harfe
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Sarah Christian Konzertmeisterin und Leitung

Francois-Adrien Boieldieu (1775-1834)
Konzert für Harfe und Orchester C-Dur
(Fassung für Streicher, Arrangement von Arthur Lilienthal)

Peter Tschaikowsky (1840-1893)
Streichsextett d-Moll op. 70 Souvenir de Florence (Fassung für Streichorchester)

von Elzbieta Rydz

Das erste Mal im jungen Leben der Elbphilharmonie erlebe ich das Phänomen der Stille vor dem Konzert: kein Husten, kein Summen, kein Flüstern.

Es liegt eine Spannung in der Luft, für jeden einzelnen im Publikum bedeutet Musik viel, diese Bedeutung erfüllt den Raum mit anhaltender Intensität. Ein andächtiges Innehalten während des gesamten einstündigen Konzertes, lediglich das Klatschen zwischen einzelnen Sätzen der Werke stört.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen ist seit Eröffnung 2017 eines der Residenzorchester der Elbphilharmonie Hamburg. Die Musiker spüren den Raum, sie nehmen ihn mit ihrer Präsenz ein, ihr expressives Zusammenspiel ist einmalig, berauschend, es beglückt. „Xavier de Maistre, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Sarah Christian, Elbphilharmonie Hamburg, Schleswig-Holstein Musik Festival, Resümée,
Elbphilharmonie Hamburg, 29. August 2020“
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Elbphilharmonie: Ein sommerlicher Brahms-Prokofjew-Zyklus in Hamburg

Hier wurden nicht vier Symphonien gespielt, hier wurde ein Symphonie-Zyklus gespielt. So soll das sein. Mehr Zyklen bitte!

Elbphilharmonie Hamburg, 2. & 4. September 2020, 18:30 & 21:00 Uhr
Alan Gilbert & NDR Elbphilharmonie Orchester

Lisa Batiashvili, Violine (02.09.2020)
Leonidas Kavakos, Violine (04.09.2020)

Werke von Johannes Brahms und Sergej Prokofjew

von Johannes K. Fischer

Ein äußerst gelungener Saisonauftakt in der Elbphilharmonie! Vier Brahms-Symphonien und zwei Prokofjew-Violinkonzerte: Wann bekommt man das schon an zwei Abenden zu hören? So kann diese Spielzeit gerne weitergehen.

Die neue Spielzeit des NDR Elbphilharmonie Orchesters beginnt also mit einem ganzen Zyklus der Brahms-Symphonien,verteilt auf insgesamt sieben Konzerte. Nur die Erste wird nur einmal gespielt (warum eigentlich?). Dazu jeweils eines der beiden Violinkonzerte von Prokofjew. Lisa Batiashvili spielt das Erste, Leonidas Kavakos das Zweite. „Alan Gilbert & NDR Elbphilharmonie Orchester, Lisa Batiashvili, Leonidas Kavakos,
Elbphilharmonie Hamburg, 2. & 4. September 2020, 18:30 & 21:00 Uhr“
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Die Schöne ist erwacht

Foto: André Josselin: Lisa Batiashvili
Elbphilharmonie, 2. September 2020
NDR Elbphilharmonie Orchester
Lisa Batiashvili Violine
Dirigent Alan Gilbert

Sergej Prokofjew Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

von Harald N. Stazol

Wenn die Nachbarin, die Grande Dame des Hauses, ganz aufgeregt schon um 8 Uhr morgens atemlos fragt: „Wie war es denn gestern in der Elbphilharmonie?“ – kann man treppauf nur ebenso atemlos antworten: „Epochal! Ravissant! Incredible!“ – und ganz gegen landläufige Meinung neigt der Rezensent gewöhnlich nicht zur Übertreibung. Denn was man hier, am Abend der Wiedererweckung unserer Schönheit an der Elbe, hören konnte, nein, durfte, war phantastisch. „NDR Elbphilharmonie Orchester, Lisa Batiashvili Violine, Dirigent Alan Gilbert
Elbphilharmonie Hamburg, 2. September 2020“
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Mutmachende Saisoneröffnung in der Elbphilharmonie: Lisa Batiashvili und Alan Gilbert begeistern mit Prokofjew und Brahms

Foto: Elbphilharmonie Hamburg, Dr. Holger Voigt (c)

Saisoneröffnung: Eröffnungskonzert
Elbphilharmonie Hamburg, 1. September 2020

NDR Elbphilharmonie Orchester, Leitung: Alan Gilbert
Lisa Batiashvili, Violine

Sergej Prokofjew: Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19
Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 2  D-Dur op. 73

von Dr. Holger Voigt

Da ist dem Intendanten der Elbphilharmonie Hamburg, Christoph Lieben-Seutter, ein riesiger Felsbrocken von der Seele gefallen!

Da war er endlich – der große Tag des Wiederbeginns, und alles lief gut bis bestens! Die Erleichterung war ihm im Gesicht abzulesen, und sie mischte sich kontinuierlich mehr mit Begeisterung. So lange hatte man geplant, alle möglichen Sicherheitsauflagen studiert, durchforstet, angepasst und Zug um Zug reale Umsetzungspläne geschmiedet, wohl wissend und genauso fürchtend, dass urplötzlich alles wieder Makulatur sein könnte, wenn sich der Drive der Pandemie wieder verstärken sollte. Und die MusikerInnen erst! Immer in der Hoffnung, endlich – endlich! – wieder spielen zu dürfen und vor einem leibhaftigen Publikum auftreten zu können. Große Erwartungsspannung schwebte über dem neuen Wahrzeichen Hamburgs und harrte der Manifestation. „NDR Elbphilharmonie Orchester, Alan Gilbert, Lisa Batiashvili, Violine
Elbphilharmonie Hamburg, 1. September 2020“
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Xavier de Maistre und Martina Gedeck auf der Suche nach Innigkeit und Intimität

Foto: © Maxim Schulz

Elbphilharmonie Hamburg, Großer Saal, 29. August 2020

Xavier de Maistre, Harfe
Martina Gedeck, Rezitation

Intimität und Ekstase, die knisternde Spannung eines vollen Saals: Wie viel davon lässt sich herüberretten in die kühle Vernunft der luftigen Distanz bei knapp einem Drittel Platz-Auslastung? Es sind mit Sicherheit nicht nur und vielleicht noch nicht einmal vorrangig künstlerische Maßstäbe, an denen ein solcher Abend gemessen werden sollte.

von Guido Marquardt

Das Schleswig-Holstein Musik Festival SHMF ist seit mehr als 30 Jahren eine Institution im Norden. Beeindruckend, wie sich Jahr für Jahr die wechselnden großen Themenklammern, die Liebe zum Detail und die Bespielung von Orten fern der üblichen hochkulturellen Zentren zu einem stimmigen Ganzen fügen. „Xavier de Maistre und Martina Gedeck auf der Suche nach Innigkeit und Intimität
Elbphilharmonie Hamburg, 29. August 2020“
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