Andrés Orozco-Estrada © Martin Sigmund
Silvesterkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden
Andrés Orozco-Estrada, musikalische Leitung
Sächsiche Staatskapelle Dresden
Pretty Yende, Sopran
Benjamin Appl, Bariton
Gautier Capuçon, Violoncello
Semperoper Dresden, 31. Dezember 2025
von Henriette Müller
Silvester ist vorbei. Erinnerungen bleiben. Erinnerungen und Eindrücke an ein Silvesterkonzert, die die Autorin vor dem heimischen Fernseher gewinnen konnte. Vielen Zuschauern wird es ebenso ergangen sein.
Maestro Estrada wählte die Ouvertüre zu „La gazza ladra“, in Deutschland besser als „Die diebische Elster“ bekannt, zum Programmstart. Spritzig und leicht vorgetragen, blieb trotzdem noch ein wenig Luft nach oben.
Benjamin Appl, auch bekannt als letzter Schüler des großen Baritons Dietrich Fischer-Dieskau, schlüpfte nun in die Rolle des Doktor Malatesta aus Don Pasquale. Appl entfaltet viel Spiellaune und besitzt eine hohe Darstellungskraft. Diese beiden Tugenden hat er sich wohl von seinem berühmten Lehrer abgeschaut. Seine lyrische Stimme ist auch im deutschen Repertoire sehr gut denkbar.

Es nahte der „Star-Cellist“ Gautier Capuçon und mit ihm der erste Höhepunkt des Abends. Mit dem Haydn-Konzert präsentierte sich Capuçon nicht nur als genialer Techniker. Er schien mit seinem Instrument verwachsen zu sein.
In Anlehnung an „Teufelsgeiger“ Paganini erscheint es mir nicht vermessen, ihn als „Teufels-Cellisten“ zu feiern.

Till Eulenspiegels lustigen Streichen fehlte es manchmal etwas am „Schalk im Nacken“. Vielleicht hätte Till ab und zu etwas spritziger und übermütiger rüber kommen können. Jedoch: Vielleicht hatte der Bursche auch gerade einen ruhigeren Tag durchlebt?
Ein Genuss war es dem Traviata-Vorspiel zu lauschen. Estrada und die Sächsische Staatskapelle Dresden tauchten tief in die Welt der Violetta Valéry ein. In diesem berührenden Vorspiel ist das traurige Schicksal Violettas bereits zu erahnen.
Die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende singt nicht nur die Violetta. Sie ist Violetta! Ihre „Sempre libera“ und „Dite alla giovine“ treffen tief ins Herz. Es scheint unmöglich, sich ihrer lyrisch-dramatischen Stimme und ihrer Darstellungskraft zu entziehen.

Auch in Bernsteins Candide zeigt diese Sängerin, was in ihr steckt. Die anspruchsvolle Arie „Glitter and be gay“ meistert sie völlig mühelos und überzeugend.
Die Bühne gehörte wieder Benjamin Appl mit dem Evergreen „On the street“ aus My fair Lady. Der junge Bariton schien hierbei ganz in seinem Element zu sein. Es war eine Freude, ihn mit dieser Melodie nicht nur zu hören, sondern ihn auch beim Spielen zuzusehen.
Nach dem Hit „Singin’ in the Rain“ konnte sich das Publikum über die außergewöhnlich ergreifende Interpretation von “Send in the Clowns“ freuen. Diese populäre Melodie umrahmte Capuçon mit seinem gefühlvollen Cello-Solo. Solistin war die beeindruckende Pretty Yende.
Danke an die Staatskapelle Dresden mit Maestro Estrada für diesen gelungenen Silvesterabend!
Henriette Müller, 2. Januar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
Programm:
Gioachino Rossini, Ouvertüre zu La gazza ladra
Gaetano Donizetti, „Bella siccome un angelo“ aus Don Pasquale
Joseph Haydn, Violoncellokonzert C-DurHob.VIIb.1
Giuseppe Verdi, Vorspiel 1. Akt La traviata
„Sempre libera“ und „Dite alla giovine“ aus La traviata
Richard Strauss, Till Eulenspiegels lustige Streiche, op.28
Leonard Bernstein, „Glitter and be gay“ aus Candide
Frederick Loewe, „On the street where you live“ aus My fair Lady
Nacio Herb Brown, „Singin’ in the Rain“
Stephen Sondheim, „Send in the Clowns“ aus A LittleNight Music
Arturo Marquez, Danzon No. 2
Silvesterkonzert mit Kirill Petrenko und Benjamin Bernheim Philharmonie Berlin, 29. Dezember 2025
Johann Strauß, Die Fledermaus, Jonas Kaufmann Wiener Staatsoper, 31. Dezember 2025