Mit Verve und Emphase spielt eines der besten Orchester der Welt den Jahrtausendkomponisten

Foto: © Matthias Creutziger
Christian Thielemann setzte mit der Sächsischen Staatskapelle seinen Beethoven-Zyklus fort.

Semperoper Dresden, 12./13./14.Januar 2020
Sächsische Staatskapelle Dresden

Christian Thielemann
Ludwig van Beethoven
Sinfonien 4 und 5

von Kirsten Liese

Sie hätte das lange nicht gehört, hörte ich eine begeisterte Zuhörerin neben mir zu ihrer Sitznachbarin sagen. Bezog sich das auf die vierte Sinfonie von Beethoven an sich oder auf die vollendete Wiedergabe der Sächsischen Staatskapelle unter der Leitung von Christian Thielemann? Es könnte auch beides gemeint gewesen sein, womit bereits gesagt ist, dass sich der Beethoven-Zyklus der Kapelle ebenso fulminant fortsetzte wie er vor wenigen Wochen mit den ersten drei Sinfonien eröffnete.

Das drückte sich nicht nur in Perfektion und unzähligen dynamischen, klanglichen und atmosphärischen Details aus, sondern vor allem auch in der besonderen Hingabe und Leidenschaft, mit der hier musiziert wurde. „Sächsische Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann, Ludwig van Beethoven,
Semperoper Dresden, 12./13./14.Januar 2020“
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Zur Travestie verkommen: Die Dresdner »Fledermaus« begeistert allein musikalisch

Foto: © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden, 11. Januar 2020

Johann Strauß, Die Fledermaus

von Pauline Lehmann

Spätestens im dritten Akt als der Gefängnisaufseher Frosch (Wolfgang Stumph) ein Fenster sowie den Ikea-Kleiderhaken für den Hut des Direktors Frank mit Kreide skizziert, lässt einen der wohlige Gedanke an eine konzertante Aufführung nicht mehr los. Die Sächsische Staatskapelle unter der Leitung von John Fiore und der Sächsische Staatsopernchor (Choreinstudierung: Jan Hoffmann) bieten musikalisch einen Abend der Weltklasse, doch die Inszenierung bleibt dahinter zurück. „Johann Strauß, Die Fledermaus,
Semperoper Dresden, 11. Januar 2020“
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Traumfaszinosum im Märchenwald der Gebrüder Grimm: "Hänsel und Gretel" in der Semperoper Dresden

Foto: © Klaus Gigga

Semperoper Dresden, 21. Dezember 2019

Engelbert Humperdinck, Hänsel und Gretel

von Pauline Lehmann

Regisseurin Katharina Thalbach vermag es, Groß und Klein in den Bann des Traumhaften und Wundersamen zu ziehen, wobei sie hin und wieder die Pfade einer biederen Inszenierung verlässt. So stößt man sich an grotesken, skurrilen Details, die sich nicht immer erschließen lassen. Doch die Klänge, die während der zwei Stunden aus dem Orchestergraben strömen, sind ein musikalischer Genuss und bereiten eine vorweihnachtliche Freude. „Engelbert Humperdinck, Hänsel und Gretel,
Semperoper Dresden, 21. Dezember 2019“
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So und nicht anders soll es sein! Christian Thielemann eröffnet in Dresden seinen Beethovenzyklus

Foto: © Matthias Creutziger

In den Grundfesten ist Thielemanns Beethoven unumstößlich vollkommen. Mag sein, dass der Finalsatz in der „Eroica“ mit zunehmendem Alter bei ihm noch eine Spur langsamer werden könnte, aber ansonsten drängt es sich einem auf: So und nicht anders soll es sein!

Semperoper Dresden, 16.12.2019

Sächsische Staatskapelle Dresden
Leitung: Christian Thielemann

Ludwig van Beethoven
Sinfonien 1 bis 3

von Kirsten Liese

Man will es gar nicht glauben, aber Christian Thielemanns letzter grandioser Beethovenzyklus mit den Wiener Philharmonikern liegt schon wieder zehn Jahre zurück.

Ein so großer Abstand erweist sich freilich als vorteilhaft, weil – ganz unabhängig davon, dass Beethovens Sinfonien viel seltener gespielt werden als manche gefühlt annehmen mögen – Routine dann nicht so ohne Weiteres aufkommen kann. Abgesehen davon, dass Thielemann bei seinem jüngsten Beethoven-Zyklus, den er mit den frühen Sinfonien 1 bis 3 eröffnete, die Sächsische Staatskapelle dirigiert. „Christian Thielemann, Sächsische Staatskapelle Dresden,
Semperoper Dresden, 16.12.2019“
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Die Dresdner Erstaufführung von Rossinis »Il viaggio a Reims« glänzt als Farce auf das politische Europa der Gegenwart

Semperoper mit Theaterplatz © Klaus Gigga
Semperoper Dresden,
25. Oktober 2019
Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims / Die Reise nach Reims

von Pauline Lehmann

Die erste Premiere in der neuen Spielzeit lässt das politische Musiktheater hochleben. In ihrem Regiedebüt an der Semperoper Dresden updatet Laura Scozzi Gioachino Rossinis »Il viaggio a Reims / Die Reise nach Reims« in eine tagespolitisch aktuelle Version und bringt das einaktige Dramma giocoso als hochbrisante Politsatire im Europäischen Parlament in Brüssel. Zugleich wird die Inszenierung zum Sprachrohr einer politischen Message und übermittelt ein klares Ja zu Europa. „Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims / Die Reise nach Reims,
Semperoper Dresden, 25. Oktober 2019“
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Ein Psychogramm der Zeitgeschichte: Christine Mielitzʼ »Fidelio« in der Semperoper Dresden

Foto: © Klaus Gigga
Ludwig van Beethoven, Fidelio,
Semperoper Dresden, 11. Oktober 2019

von Pauline Lehmann

Vom spanischen Staatsgefängnis bei Sevilla im 18. Jahrhundert holt Christine Mielitz das Bühnengeschehen unvermittelt in die Gegenwart. Erstmals am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, aufgeführt, gleicht der Dresdner »Fidelio« einem gesellschaftspolitischen Psychogramm des Herbstes 1989.

Die 138. Vorstellung steht im Gestus der Erinnerungskultur »30 Jahre Friedliche Revolution«. In seiner Festrede fokussiert Bundespräsident a. D. Joachim Gauck »Demokratie, Herrschaft des Rechts, Vielfalt und Toleranz« und verweist überdies auf das emanzipatorische Erbe und auf die Pflicht aller, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. „Ludwig van Beethoven, Fidelio, Semperoper Dresden, 11. Oktober 2019“ weiterlesen

Achim Freyers "Zauberflöte" in Dresden: ein kindlich naiver Klamauk

Foto: © Matthias Creutziger

Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte
Semperoper Dresden, 19. April 2019

Musikalische Leitung: Christoph Gedschold
Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme: Achim Freyer

Sarastro: Tilmann Rönnebeck
Tamino: Joseph Dennis
Königin der Nacht: Antonina Vesenina
Pamina: Magdalena Risberg
Erste Dame: Ute Selbig
Zweite Dame: Angela Liebold
Dritte Dame: Sabrina Kögel
Papageno: Sebastian Wartig
Papagena: Tania Lorenzo
Monostatos: Simeon Esper

Sächsische Staatskapelle Dresden
Sächsischer Staatsopernchor Dresden

von Pauline Lehmann

Mozarts letzte Oper – uraufgeführt am 30. September 1791 im Freihaustheater auf der Wieden in Wien, neun Wochen vor seinem Tod – enthält ins Wunderbare und Fantastische entrückte Lehren darüber, was den Menschen ausmacht. Regisseur Achim Freyer agiert auf der Ebene des kindlich Naiven und Märchenhaften und spürt dem Unterhaltungsgestus des Schikanederschen Vorstadttheaters nach. Ohne diese seichte Ebene zu verlassen, bewirkt die Inszenierung aber dennoch eine Reflexion über moralisch richtiges Handeln. „Wolfgang Amadeus Mozart, Die Zauberflöte,
Semperoper Dresden, 19. April 2019“
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Kindergeburtstag mit Rameau in der Semperoper – Rolando Villazon reduziert „Platee“ auf Pappnasen-Klamauk

Quelle: http://rolandovillazon.com / Centre Stage Artist Management
Semperoper Dresden, 6. April 2019
Jean-Philippe Rameau, Platee

Platee  Philippe Talbot
Jupiter  Andreas Wolf
Junon  Ute Selbig
La Folie  Inga Kalna
Dirigent  Paul Agnew
Inszenierung  Rolando Villazon
Choreographie Philippe Giraudeau

von Peter Sommeregger

Mit Spannung wurde in Dresden die Premiere von Jean-Philippe Rameaus Ballett-Oper „Platee“ erwartet. Zeichnete doch Rolando Villazon für die Regie verantwortlich. Villazon, einst gefeierter Star-Tenor, versucht sich seit seinem stimmlichen Absturz in den verschiedensten Berufen: vom Bariton zum Romanautor, vom Moderator zum Werbespot-Clown, und schließlich zum Opernregisseur. Dilettant nannte man so etwas früher, heute sagt man Allrounder. „Jean-Philippe Rameau, Platee,
Semperoper Dresden, 6. April 2019“
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Wagners Musik berauscht, die Inszenierung schafft beklommene Gefühle

Foto: © Matthias Creutziger
Semperoper Dresden,
22. Februar 2019
Richard Wagner, Der fliegende Holländer

von Pauline Lehmann

Es ist nicht das Schicksal des Holländers, das im Mittelpunkt der Dresdner Inszenierung steht. Bei Regisseurin Florentine Klepper hat Richard Wagners Idee von der Erlösung des Ruhelosen durch die selbstaufopfernde Treue einer Frau keinen Platz mehr. Vielmehr kehrt die Regisseurin Wagners Erlösungsidee um, macht Senta zur Hauptfigur und den Holländer zum Traumgespinst, mit dessen Hilfe sich Senta aus den starren häuslichen Konventionen befreit.

Der fliegende Holländer wird zum Rückblick Sentas auf ihre traumatische Kindheit. Dafür bekommt die Oper eine Rahmenhandlung und eine zweite, eine kleine Senta. Zur Beerdigung ihres Vaters, des Seefahrers Daland, kehrt die erwachsene Senta vorübergehend in ihren Heimatort zurück. Woher sie kommt und vor allem wie sie in der Zwischenzeit gelebt hat – diese Fragen bleiben unbeantwortet. In den folgenden zweieinhalb  Stunden durchlebt man gemeinsam mit Senta bruchstückhafte Erinnerungen an die Kindheit. Eingeengt von der Umgebung klammert sich das rotgelockte Mädchen an den Fremden, findet Schutz unter seinem schwarzen Flügelarm. „Richard Wagner, Der fliegende Holländer, Semperoper Dresden, 22. Februar 2019“ weiterlesen

Virtuose Eleganz und flirrender Klangkosmos: Frank Peter Zimmermann, Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle begeistern mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy und Anton Bruckner

Foto: © Matthias Creutziger
Semperoper Dresden, 
26. Januar 2019
Symphoniekonzert der Staatskapelle Dresden
Christian Thielemann, Dirigent
Frank Peter Zimmermann, Violine
Sächsische Staatskapelle Dresden

Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinkonzert e-Moll op. 64
Anton Bruckner: Symphonie Nr. 2 c-Moll WAB 102

von Pauline Lehmann

Mit viel Bravour und Beifall erklingt in der ersten Konzerthälfte das Violinkonzert in e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Capell-Virtuose Frank Peter Zimmermann lässt das zweite Violinkonzert – das Mendelssohn für den Geiger und Freund Ferdinand David komponierte – mit einer bewundernswerten Eleganz erstrahlen. Lyrische Phrasen gelingen galant und leichtfüßig, das Pulsierende drängt und kleinste Details sind akzentuiert. Alles wirkt mühelos. „Christian Thielemann, Frank Peter Zimmermann, Sächsische Staatskapelle Dresden, Mendelssohn Bartholdy, Bruckner, Semperoper Dresden, 26. Januar 2019“ weiterlesen