Sir Gardiner zelebriert eine Lehrstunde in barocker Musik

Sir John Eliot Gardiner, The Constellation Orchestra und Choir  Wiener Konzerthaus, 8. April 2026 

 

Zu Ostern werden immer wieder die gängigen sakralen Werke wie  „Matthäus-Passion“ oder „Johannes-Passion“ aufgeführt. Aber an diesem Konzertabend wurde abseits dieser Standardpfade – zusätzlich zwei österliche Kantaten – das „Osteroratorium“ aufgeführt. Diese drei Werke führten das Constellation Ensemble mit unvergleichlicher Brillanz auf, die ihresgleichen sucht. Ein denkwürdiges Ostergeschenk!

 Johann Sebastian Bach

„Der Himmel lacht, die Erde jubiliert“, BWV 31
„Bleib bei uns, denn es will Abend werden“ BWV 6
„Kommt, eilt und laufet“ BWV 249 „Oster-Oratorium“

The Constellation Orchestra
The Constellation Choir

Hilary Cronin, Sopran
Eline Welle, Alt
Jonathan Hanley, Tenor
Jack Comerford, Bass

Sir John Eliot Gardiner, Dirigent

Wiener Konzerthaus, 8. April 2026

von Herbert Hiess

Was sich im September 2025 schon abgezeichnet hat (https://klassik-begeistert.de/the-constellaton-choir-orchestra-wiener-konzerthaus-14-september-2025/), wurde mit diesem Konzert endgültig bestätigt. Das im September 2024 von Maestro Gardiner gegründete Ensemble spezialisiert sich auf den „historisch informierten“ Originalklang. Das bedeutet in etwa, dass man sich durch nachgebaute Instrumente in die Zeit der Komposition zurückversetzt fühlt.

Wenn das dann durch Musiker wie dem Constellation Orchestra passiert, weiß man, was man an diesem Ensemble und an Gardiner hat; er ist eigentlich heutzutage DIE Institution für Barockmusik; wobei er für Musik aus anderen Epochen genauso singulär ist.

Man hat indirekt dem 1978 von Gardiner gegründete Ensemble „English Baroque Soloists“ zu verdanken, dass es zur Gründung von Constellation gekommen ist. Der wenig elegant gemobbte Maestro baute in kürzester Zeit dieses Weltklasseensemble auf. Mit einiger Schadenfreude kann man sagen, dass sich die Baroque Soloists (mit dem Monteverdi Choir) damit keinen Gefallen getan haben.  Man bemerkt auch deutlich, wie sehr dem „English Baroque Soloists“  der Maestro fehlt.

© Wiener Konzerthaus / Andrea Humer

Nun hatte das Constellation-Ensemble im Rahmen einer kleinen Europatournee  in Wien Halt gemacht und dem Publikum vorgeführt, wie Bach klingen kann oder sogar muss.

Die beiden Kantaten vor der Pause waren ein richtiges Kontrastprogramm. Während die erste Kantate „Der Himmel lacht…“ nur so von feierlicher Musik strotzte, war die Stimmung in der zweiten Kantate eher sehr verhalten. Hier war die Todesstimmung zum Karfreitag deutlich hörbar.

Großartig, wie sich die Musiker durch diese kostbare Partitur gearbeitet haben; das merkte man vor allem an den strahlenden Klängen in der „Osterkantate“.

Da muss man auch die exzellenten Instrumentalisten erwähnen; allen voran die prächtigen Holz- und Blechbläser (inklusive Pauken).

Und eine absolute Wucht ist der Constellation Choir. Jede Stimme von denen zeigt das hohe Niveau; und klingt besser als die großen Wiener Laienchöre, obgleich diese auf demselben (wenn nicht höherem) Niveau wie der Monteverdi Chor singen. Und diese Wiener Chöre könnten da neidvoll auf die britischen Sänger aufschauen.

© Wiener Konzerthaus / Andrea Humer

Exzellent die drei aus dem Chor stammenden Solisten mit den edelsten Stimmen, wobei da der Bass noch der „schwächste“ von allen anderen Leuten war.

Die Solisten brillierten bei allen drei Kantaten und sangen ganz ausgezeichnet – da und dort hätte man sich etwas mehr Wortdeutlichkeit gewünscht; auch bei den Solisten.

© Wiener Konzerthaus / Andrea Humer

Alles in allem eine Sternstunde der Barockmusik; Johann Sebastian Bach hätte sich da darüber nur gefreut!

Herbert Hiess, 9. April 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

The Constellation Orchestra, The Constellation Choir Elbphilharmonie, Großer Saal, 7. Dezember 2024

The Constellaton Choir & Orchestra Wiener Konzerthaus, 14. September 2025                    

Portrait: Sir John Eliot Gardiner klassik-begeistert.de, 29. August 2023

 

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