Der Vorhang zur Grand Guignol Opéra Monster’s Paradise (Foto: RW)
Eindrucksvoller gelang Georg Nigl die Interpretation des König-Präsidenten. Sein immer wieder von emotionalen Ausbrüchen unterbrochener Sprechgesang passte zur dargestellten Figur, außerdem verfügt Nigl über ein beachtliche darstellerisches Talent.
Monster’s Paradise, Grand Guignol Opéra
Kompositionsauftrag der Hamburgischen Staatsoper
Komposition: Olga Neuwirth
Libretto: Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth
Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, musikalische Leitung: Titus Engel
„Verstimmte“ Klaviere: Elisabeth Leonskaja, Alexandra Stychkina
Inszenierung: Tobias Kratzer
Bühne und Kostüme: Rainer Sellmaier
Video: Jonas Dahl, Janic Bebi
Hamburgische Staatsoper, Uraufführung, 1. Februar 2026
von Dr. Ralf Wegner
Vorsichtshalber nennt sich das Stück nicht Oper, sondern Grand Guignol Opéra, also eine Art Kasperade mit Musik. Dazu ließe sich viel, aber auch wenig sagen.
Musikalisch nimmt das Stück erst gegen Ende Fahrt auf, vor allem wenn Elisabeth Leonskaja und Alexandra Stychkina am Klavier hochemotional die Tasten bearbeiten. Auf der Videoleinwand treiben dabei die Schauspielerinnen Sylvie Rohrer und Ruth Rosenfeld, auf einem Floß an der versinkenden Elbphilharmonie vorbei einen Flügel behämmernd, auf das unendliche Meer hinaus dem Sonnenuntergang entgegen. Da passte mit einem Mal beides, der akustische und auch der visuelle Aspekt dieser Aufführung.
Im Übrigen zeigten beide Schauspielerinnen sowie die Sopranistin Sarah Defrise und die Mezzosopranistin Kristina Stanek eine der Librettistin Elfriede Jelinek sowie der Komponistin Olga Neuwirt optisch angeglichene Kostümierung. Während beide als Vampi und Bampi titulierte Schauspielerinnen, gut verständlich, auch Philosophisches vortrugen, hatten die ebenfalls als Vampi und Bampi auftretenden Sängerinnen weniger und zumeist Unverständliches zu singen.
Neuwirth gelang es nicht, den beiden Sängerinnen Harmonisches oder Empathie-auslösendes auf die Stimmbänder zu komponieren. Vielmehr hörte es sich immer so an, als ob Schauspieltext verschieden hoch rezitiert wurde. Gefühlsregungen der beiden Sängerinnen ließen sich so nicht transportieren; eigentlich hätten gute Schauspielstimmen für das Stück gereicht.

Eindrucksvoller gelang Georg Nigl seine Interpretation des König-Präsidenten. Sein immer wieder von emotionalen Ausbrüchen unterbrochener Sprechgesang passte zur dargestellten Figur, außerdem verfügte Nigl über ein beachtliche darstellerisches Talent. Er war die Figur, in die man sich noch am ehesten hineinversetzen konnte. Wenngleich das von der Komponistin oder der Regie (Tobias Kratzer) so wohl nicht beabsichtigt war.
Wovon handelt das Stück: Ein gewählter Präsident liebäugelt mit der Königswürde, die ihm von dem Urweltmonster Gorgonzilla (Anna Clementi mit rauchig verfremdeter Stimme) allerdings geraubt wird. Schließlich verfällt auch das „gute“ Monster dem Machtrausch, besinnt sich, nachdem die Erde in Trümmern liegt, allerdings seiner Herkunft und kehrt, wie in japanischen Godzilla-Filmen üblich, in sein nasses Element zurück.
Nebenbei wird, das darf offenbar bei einer modernen „Oper“ nicht fehlen, der Klimawandel zitiert, der in einer Sintflut endet und die Erdenbewohner ertränkt. Wie Noah und die Seinen überleben nur Vampi und Bampi. Beide finden sich am Ende in der Unendlichkeit des Ozeans wieder, einem ungewissen Schicksal entgegen sehend. Dabei klimpert das Klavier schließlich auch ohne sie weiter. Will sagen, die Kunst überlebt Tyrannei und Apokalypse.
Dr. Ralf Wegner, 2. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at
DVD-Rezension: Olga Neuwirth, Orlando, klassik-begeistert.de
Olga Neuwirth, Orlando, Uraufführung Wiener Staatsoper, 8. Dezember 2019
https://klassik-begeistert.de/?s=Hamburgische+Staatsoper+Monster
Georg Nigl ist top und prädestiniert für bestimmte Rollen!
Jürgen Pathy