Die Wiener Philharmoniker sind mit Andris Nelsons schon im Reisefieber

Wiener Philharmoniker, Dirigent Andris Nelsons  Wiener Konzerthaus, 19. Februar 2026

190226 WPHIL Nelsons © Andrea Humer

Wie schon in meinem letzten Beitrag erwähnt, kommt das Wiener Publikum in den Genuss, das musikalische Reisegepäck für die USA-Tournee der Wiener Philharmoniker vorgestellt zu bekommen. Auch hier wieder Orchester und Dirigent in Bestform. Der Maestro und das Orchester brillierten hier aufs Feinste; wohl hätte Nelsons die Musiker etwas freier spielen lassen sollen.

Györgi Kurtág: Petite musique solennelle en hommage à Pierre Boulez 90

Richard Strauss: Also sprach Zarathustra. Tondichtung frei nach Friedrich Nietzsche op. 30

Jean Sibelius: Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 43

Wiener Philharmoniker
Dirigent: Andris Nelsons

Wiener Konzerthaus, 19. Februar 2026

von Herbert Hiess

Genau am 19. Februar 2026 beging man den 100. Geburtstag des ungarischen Komponisten Györgi Kurtág. Was liegt da näher als für diesen Komponisten eine musikalische Ehrung vorzunehmen. Die Wiener Philharmoniker spielten aus diesem Anlass das knapp 8 Minuten dauernde Werk, das der Komponist zum 90. Geburtstag von Pierre Boulez verfasste; dieses Werk wurde 2015 beim Luzerner Festival uraufgeführt.

Mit unüblichen Instrumenten (das in Ungarn gern gespielte Cimbal) vertonte Kurtág eine Art Klagegesang für Pierre Boulez. Das Oeuvre ist mehr oder minder ein Wehgesang für den damals bereits schwer erkrankten Komponisten, der der Uraufführung nicht beiwohnen konnte.

Ein interessantes Werk, das emotionell schwer zugänglich ist; es ist ein bisschen zu konstruktiv. Aber großartig, mit welcher Klangpracht das Orchester und der Dirigent das Stück zelebrierten – ein exzellentes Geburtstagsgeschenk für den Komponisten Kurtág.

Eine wunderbare Klangpracht zeigte das Orchester bei zwei Monumentalwerken der Konzertliteratur; nämlich Richard Strauss „Also sprach Zarathustra“ und danach Jean Sibelius’ phantastische zweite Symphonie; ein Werk, dass leider allzu selten gespielt wird.

190226 WPHIL Nelsons © Andrea Humer

Zuerst zu Richard Strauss’ Meisterwerk. Schon allein die Eingangsfanfare wurde durch Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ weltberühmt. Da konnten die Philharmoniker unter Nelsons schon brillieren. Der einzige Wermutstropfen war die Pauke; zwar hervorragend gespielt – der Klang jedoch passte nicht zum gesamten Orchesterklang; hier hätte man sich einen runderen und volleren Klang gewünscht. Insgesamt war es zu trocken und manchmal substanzlos. Bei der C-Dur Fanfare am Beginn war die G-Pauke; es war zwar richtig gestimmt. Der Klang jedoch war extrem eigenartig und passte absolut nicht zur C-Pauke.

Ansonsten spielten die Wiener Philharmoniker wieder unvergleichlich. Höhepunkte waren die „Hinterweltler“ und das „Tanzlied“.

Außerst berührend die kammermusikalische Passage der Solostreichder, die unter Anleitung des Konzertmeisters Volkhard Steude eine Lehrstunde für exzellente Kammermusik bot. Die Blech- und Holzbläser, vor allem das Oboensolo beim „Tanzlied“ bewies hohes Können.

Insgesamt machten Nelsons und die Wiener Philharmoniker mit dem triumphalen Orgelklang eine Klangorgie daraus.

190226 WPHIL Nelsons © Andrea Humer

Bei Strauss und Sibelius kamen bezüglich Pauke wehmütige Erinnerungen an den leider allzu früh verstorbenen Solopaukisten Bruno Hartl hoch. Mit seinem speziellen und super-perfekten (und leider niemals wieder erreichten) Klang zeigte er, wie das Paukenspiel klingen muss.

Erinnerungen bei Sibelius’ Symphonie deswegen, weil Hartl dieses Werk einst formidabel unter Leonard Bernstein geradezu zelebrierte.

Sämtliche Instrumente(ngruppen) waren unvergleichlich; das massive Blech, die immer wieder begeisternden Streicher und nicht zuletzt die Holzbläser – allen voran die Oboe beim dritten Satz der Sibelius-Symphonie (im „Lento e soave“).

190226 WPHIL Nelsons © Andrea Humer

Andris Nelsons war hier wieder in Höchstform, wobei es manchmal allzu kontrolliert wirkte. Ein freies Spiel der Musiker war kaum möglich. Etwas mehr Legato bei den gesanglichen Passagen der Holzbläser hätte nicht geschadet.

Dennoch, das triumphale Finale machte alles wieder wett. Es war ein Konzert, an das man sich noch lange erinnern wird und das dem Orchester und dem Dirigenten in den USA  großen Erfolg bescheren wird.

Herbert Hiess, 20. Februar 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Wiener Philharmoniker, Andris Nelsons Musikverein, 14. Februar 2026

Wiener Philharmoniker, Albena Danailova, Violine, Karina Canellakis, Dirigat Tiroler Festspiele Erl, 25. Januar 2026

Wiener Philharmoniker, Daniel Harding, Dirigent Elbphilharmonie, Hamburg, 20. Januar 2026

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