Die Wiener Symphoniker unter Popelka begeistern mit einer erfreulichen Alpentour

Wiener Symphoniker Dirigent Petr Popelka, Strauss Alpensinfonie  Musikverein Wien, 25. Februar 2026      

Foto: Petr Popelka conducting  (c) Werner Kmetitsch

Ein äußerst erfreuliches Konzert war im Musikverein zu hören; einerseits mit einem äußerst selten gespielten Werk von Bela Bartok und andererseits die auch nicht allzu oft gespielte „Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Das Konzert bewies, dass die Wiener Symphoniker auf

einem sehr hohen Niveau spielen

Bela Bartok: Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester, Sz 115

Richard Strauss: Eine Alpensinfonie op. 64

Lucas und Arthur Jussen, Klaviere
Thomas Schindl, Michael Vladar, Schlagzeug

Wiener Symphoniker
Dirigent Petr Popelka

Musikverein Wien, 25. Februar 2026

von Herbert Hiess

Eine interessante Begegnung gab es mit den niederländischen Klavier-Brüdern Jussen, die das technisch mehr als anspruchsvolles Werk von Bela Bartok interpretierten. Der ungarische Komponist schenkt den Künstlern absolut nichts; in dem dreisätzigen Werk springt man von einer zur nächsten fast nicht bewältigbaren Stelle.

Großartig, wie das Klavierduo das interessante Werk nicht nur bewältigt haben; sie bescherten dem Publikum ein wahres Klangerlebnis. Und großartig, wie sich die beiden Brüder, face à face an ihren Flügeln sitzend, die Phrasen nur so zuspielten. Die beiden hervorragenden Schlagwerker Thomas Schindl und Michael Vladar würzten das interessante Opus mit ihren effektvollen nicht nur „Einlagen“, sondern wohlüberlegten kompositorischen Einfällen.

Dazu muss man wissen, dass Bartok 1938 seine Sonate für zwei Klaviere und Schlagwerk zur Uraufführung brachte; die Erweiterung mit einem Symphonieorchester kam erst 1943 zur Uraufführung; Bartok ließ den Klavierpart und die Schlagwerkpartie da weitgehend unverändert.

Interessant wie sehr Bartok hier sich nicht nur selbst zitierte, sondern auch Anleihen bei anderen Komponisten holte – wie beispielsweise bei Rachmaninoff und auch Leos Janacek (aus dessen „Sinfonietta“).

Lucas und Arthur Jussen © Marco Borggreve

Ein sehr beeindruckender erster Teil des Konzertes, das mit einer Zugabe auf Klavier zu vier Händen (auf einem Klavier) endete.

Um Zitate geht es auch bei der „Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Angeblich war Strauss mit seiner Ehefrau Pauline auf einer Kurpromenade unterwegs, wo er einen Komponistenkollegen traf. Auf seine Frage zu diesem „Na, wie hat ihnen das Werk gefallen“, antwortete der Kollege sinngemäß „Eigentlich eh ganz gut; nur vor dem Gipfel haben Sie sich einen Bruch geholt“.

Was unterhaltsam klingt, ist eine Tatsache. So hat sich Richard Strauss beim Gipfelsieg frei bei Bruch bedient; vor allem bei Max Bruchs Violinkonzert in g-moll (also am langsamen Satz).

Diese Kleingkeit sei nur am Rande erwähnt; dieses Spätwerk von Strauss ist eine hervorragende Komposition – und noch dazu ein Spätwerk des Komponisten. Es dürfte kein Zufall sein, dass hier Strauss seinen eigenen Lebenszyklus vertonte. Zu Beginn vom Sonnenaufgang geht es über den Gipfelsieg (der Lebenshöhepunkt) zum Sonnenuntergang als Abschluss des Lebens.

Und phantastisch die Wiener Symphoniker unter ihrem Chef Pjotr Popelka. Das Orchester hatte in den letzten Jahren einen hohen Standard erreicht. Und unter Petr Popelka geht es Erfolgversprechend weiter.

Popelka beweist, dass man (auch) mit einer unprätentiösen Technik  größte Erfolge einfahren kann – ohne jegliche Effekthaschereien.

Ein großer Abend für die Wiener Symphoniker und Maestro Popelka. Bitte  auf diesem Niveau weitermachen!

Wiener Symphoniker, Petr Popelka, Leitung, Lukas Sternath, Klavier Alte Oper Frankfurt, 4. November 2025

125 Jahre Wiener Symphoniker Musikverein Wien, Großer Saal, 29. Oktober 2025

Wiener Symphoniker, Anna Vinnitskaya, Klavier, Petr Popelka, Dirigent Großer Saal des Wiener Konzerthauses, 18. September 2024

Wiener Symphoniker, Vladimir Jurowski, Dirigent Konzerthaus Wien, 9. Jänner 2025

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