Wiener Staatsoper, mon amour 5: Der Wiener fühlt sich nur in einem Theatersessel richtig wohl

70-jähriges Jubiläum Wiener Staatsoper V  Wiener Staatsoper, 26. November 2025

Wiener Staatsoper © Christian Öser

Frauen und Männer gibt es viele. Wiener Staatsoper nur eine. Erbaut von Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg, thront sie seit 150 Jahren am Wiener Ring, der Prachtstraße der k.u.k. Monarchie.  Vor 70 Jahren hat man sie wieder eröffnet, am 5. November 1955.
Mit „Fidelio“ – eh klar, was würde besser passen als Beethovens „Freiheitsoper“ nach Jahren des Kriegs und der Zerstörung. Doch selbst US-Bomber konnten sie nicht dahinraffen. Am 18. März 1945, unabsichtlich soll es gewesen sein, der Bombenabwurf direkt über der Wiener Staatsoper. Bis auf die Grundmauern brannte sie nieder. Nur der Fronttrakt, die Feststiege, der Teesalon des Kaisers blieben erhalten. Klassik-begeistert-Autoren berichten über ihre Liebe zum Haus am Ring.

von Lothar und Sylvia Schweitzer

Meine Rheinländer Kusine will es nicht wahrhaben, wenn wir sagen: „Die Wienerin, der Wiener fühlt sich nur in einem Theater- oder Konzertsaalsessel so richtig wohl.“ Jedes Mal, wenn Sylvia und ich mit der „Bim“ (Straßenbahn) an der Oper vorbeifahren, freuen wir uns auf die nächste, meist bald bevorstehende Aufführung. Für uns in Wien unvorstellbar in einer Stadt zu leben, wo keine Opernabende das Leben bereichern. In einer fremden Stadt ist daher unsere Suche nach einem Opernhaus.

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Szenen aus Aufführungen unsrer Wiener Oper am Ring nahmen wir in nächtliche Träume mit, wie „Wotans Abschied und Feuerzauber“. Es geschehen Offenbarungen wie der erste Richard Wagner mit „Parsifal“. Für mich als Sechzehnjährigen war Gurnemanz die reinste Verkörperung von Reife und Besonnenheit.

Genaue Daten haben sich im Gedächtnis eingeprägt: 5. Januar 1961, Elisabeth Schwarzkopf und die neue Erfahrung, was eine Strauss-Sängerin ist, 6. Januar 1962, Debussy und Impressionismus bei der Premiere von „Pélleas et Mélisande“. Leidenschaft bei Debussy: Ein kurzes Aufbäumen der Musik, dann die Stille, das Unausgesprochene.

Es gibt Partien, die anscheinend auf ewig mit einer Sängerin, einem Sänger verbunden bleiben. Arabella Lisa Della Casa, Violetta Ileana Cotrubaş, Echo (Ariadne auf Naxos) Anny Felbermayer, die Einspringerin Lydia Marimpietri als Mimì, Lulu Agneta Eichenholz, Komponist (Ariadne auf Naxos) Sophie Koch, Hans Hotter als Wotan und König Marke, Juri Masurok als Scarpia, Otto von Rohr als Gurnemanz.

Heilung und Schmerzfreiheit durch Musik in der Wiener Staatsoper erlebt: Nach kurzer Zeit in einer „Norma“ durch Federica Lombardi in der Titelpartie. Aber auch in der Pause nach der modernen Oper „Das verratene Meer“ des Komponisten Hans Werner Henze der unerwartet aufrechte, unauffällige Gang trotz akuten Fußleidens.

Es geschehen also in den heiligen Hallen Ereignisse, die in uns ein Leben lang nachwirken. Um uns nicht zu wiederholen, empfehlen wir die Lektüre oder eine Re-Lektüre von Schweitzers Klassikwelt Nr. 49 „Das Bühnentürl“ und Nr. 37 „Tumult in der Oper“.

Lothar und Sylvia Schweitzer, 26. November 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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