Klein beleuchtet kurz 51: Mit einem Doppelwumms kommt Klaus Mäkelä zurück in die Elbphilharmonie

Klein beleuchtet kurz 51: Klaus Mäkelä in der  Elphi  Elbphilharmonie, klassik-begeistert.de, 27. Februar 2025

Orchestre de Paris, Klaus Mäkelä Dirigent; Foto Patrik Klein

Zuletzt war er in Hamburg mit Mahler und den Wiener Philharmonikern –  eine herbe Enttäuschung. An zwei Abenden ist Klaus Mäkelä nun mit seinem Orchestre de Paris zurück in Hamburgs Prachtsaal und kann auf voller Linie überzeugen – ja, sogar das brave Hamburger Publikum zu wahren Beifallsorgien verleiten

von Patrik Klein

Jung ist er und bereits so erfolgreich wie kein anderer Dirigent seiner Generation. Die Welt der klassischen sinfonischen Musik liegt ihm zu Füßen und Traumjob nach Traumjob hat er auf der Habenseite. Paris, Amsterdam und bald das wohl beste Orchester der Welt, das Chicago Symphony Orchestra werden unter seiner Leitung als Chefdirigent stehen. Die Erwartungen sind riesig. Kann Klaus Mäkelä sie eigentlich erfüllen?

Für die beiden Abende suchte sich der junge Mann aus Finnland zwei Werke nach der jeweiligen Pause aus, die seinerzeit polarisierten oder bereits begeisterten.

Strawinskys „Le sacre du printemps“ löste einen der berühmtesten Aufführungsskandale der klassischen Musik aus. Die Zeit war noch nicht reif für seine neuen Rhythmen und scharfen Klänge, mit denen er ein heidnisches Opferritual musikalisch darstellte.

Modest Mussorgskis Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ wurde weltberühmt durch die schillernde Orchesterfassung von Maurice Ravel. Mit einem phantastischen Gefühl für ein Klangfarbenspektrum wurde aus dem Klavierzyklus ein orchestrales Wunderwerk.

Man konnte sich als Zuhörer dem Bann dieser beiden Werke nicht entziehen. Bei Strawinsky war ich ja sozusagen zu Hause, denn das Stück hörte ich viele Male im Kontext zu Pina Bauschs Inszenierung, bei der sich ein ausgewähltes Tanzcompagniemitglied quasi auf einer mit Torf bedeckten Bühne zu Tode tanzen musste.

In beiden Hauptwerken der zwei restlos ausverkauften Konzertabende gelang es dem Dirigenten, sein Instrument bestehend aus über 80 Musikern in den schillerndsten Farben, mit den zutiefst berührenden Rhythmen und einer unfassbar präzisen Dynamik zum Klingen zu bringen.

Orchestre de Paris, Klaus Mäkelä Dirigent; Foto Patrik Klein

Aber es gab ja noch viel mehr zu hören an den beiden Abenden im großen Saal der Elbphilharmonie. Bei seinem zuletzt an diesem Ort geleiteten Konzert von Mahlers 5ter Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern hatte ich noch bemängelt, wie er mit brachialer Gewalt die Musiker durch die Manege hetzte. Davon war dieses Mal keine Spur zu vernehmen. Zarteste, feinste, gelegentlich kaum hörbare Klänge umschmeichelten in präziser Manier die Gehörgänge bei Ravel, Debussy und Strawinskys Petruschka. Man spürte förmlich, dass sich Orchester und Orchesterchef blendend verstanden. Die Gesichtsausdrücke der Musiker beim Schlussapplaus drückten da eine klare Zufriedenheit aus.

Ich war es auch und schloss mich dem rhythmischen Beifall und Fußgetrampel à la Bayreuther Festspiele mit Vergnügen an. Tief berührt stolzierte man in den kühlen Hamburger Abend.

 

Patrik Klein, 27. Februar 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Programm:

Orchestre de Paris – Philharmonie
Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien

Dirigent Klaus Mäkelä

Programm am 25. Februar 2025

Maurice Ravel
Le tombeau de Couperin (Fassung für Orchester)

Claude Debussy
Nocturnes / Sinfonisches Triptychon für Orchester und Frauenchor

Igor Strawinsky
Le sacre du printemps / Bilder aus dem heidnischen Russland

Programm am 26. Februar 2025

Maurice Ravel
Ma mère l’oye / Suite für Orchester

Igor Strawinsky
Petruschka / Burleske in vier Szenen (Erstfassung)

Modest Mussorgsky / Maurice Ravel
Bilder einer Ausstellung

(c) Patrik Klein

Der klassik-begeistert-Autor Patrik Klein ist ein leidenschaftlicher Konzert- und Opernfreak, der bereits über 300 Konzerte (Eröffnungskonzert inklusive) in der Elbphilharmonie Hamburg verbrachte, hunderte Male in Opern- und Konzerthäusern in Europa verweilte und ein großes Kommunikationsnetz zu vielen Künstlern pflegt. Meist lauscht und schaut er privat, zwanglos und mit offenen Augen und Ohren. Die daraus entstehenden meist emotional noch hoch aufgeladenen Posts in den Sozialen Medien folgen hier nun auch regelmäßig bei klassik-begeistert – voller Leidenschaft, ohne Anspruch auf Vollständigkeit… aber immer mit großem Herzen!

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