Neuer Starpianist debütiert spektakulär in Hamburg

Kawai-Konzertserie 2025: Hao Rao, Klavier  Alfred Schnittke Akademie Hamburg, 18. Juli 2025

© Shigeru Kawai Europa

Nach einer Serie an regelrechten musikalischen Feuerwerksleistungen setzt auch Hao Rao den pianistischen Triumphzug der Kawai-Konzertreihe in der Altonaer Villa fort. Insbesondere sein lebendiger Liszt setzte ein kräftiges Ausrufezeichen in der internationalen Klavierszene und erntete dafür furiosen Applaus!

Alfred Schnittke Akademie Hamburg, 18. Juli 2025

Im Rahmen der Kawai-Konzertserie 2025
Hao Rao, Klavier

Werke von Karol Szymanowski, Maurice Ravel, Franz Liszt/Arcadi Volodos und Frédéric Chopin

von Johannes Karl Fischer

Mit gerade einmal 17 Jahren wurde Hao Rao Finalist und Preisträger des renommierten Chopin-Wettbewerbs in Warschau. Eine Lebensleistung also schon vor dem üblichen Abi-Alter. Nun gastierte der aufstrebende Starpianist in der äußerst erfolgreichen Kawai-Konzertreihe, vor dem Anblick eines mit sommerlich blühenden Wunderbäumen geschmückten Gartens gab Herr Rao sein gefeiertes Debüt in der traditionsreichen Musikstadt und knüpfte nahtlos an die musikalischen Feuerwerksleistungen dieser Konzertreihe an!     

Mit den stürmischen Emotionen von Karol Szymanowskis L’île des Sirènes aus dessen Métopes startete er feurig in den Klavierabend. Seine makellose Technik zauberte mit ausdrucksvollem Spiel alle Tiefen dieser umschwärmenden Melodien in den Saal und ließ die Töne eifrig in der musikalischen Seele resonieren. Wie in einer Hochsee an musikalischen Meereswellen führte er das Publikum durch die Tondichtung, man fühlte die turbulenten Emotionen dieser Musik leidenschaftlich aus den Tasten emporsteigen.

© Shigeru Kawai Europa

Im Vergleich dazu wirkten Ravels schwungvolle, doch ebenso starke Valses Nobles et sentimentales wie ein wohltuender Ausgleich zu dem musikalisch sehr intensiven Szymanowski. Die rauschhaften, tanzinspirierten Melodien ließ er eindrucksvoll von den Saiten perlen, doch spürte man auch Ravels nahezu orchestrale Kraft auf ganzer Länge. An der einen oder anderen Stelle wollte man schon eine Melodie aus dem weit berühmteren La Valse des Komponisten hören, stürmisch bewegt saugte er das Publikum durch die ganzen musikalischen Höhen dieses Werks.

Zur Spitzenleistung des heutigen Klavierabends wurde allerdings
Liszts 13. Ungarische Rhapsodie in der Bearbeitung von Arcadi Volodos. Hier spielte Herr Rao alle Klangfacetten seines Shigeru Kawai Flügels voll und ganz aus, Pianist und Instrument glänzten durch die volksmusik-inspirierten Klänge und akrobatischen Liszt-Läufe in einer absoluten Sternstunde der hohen Klavierkunst. Als würde hier ein Csárdás auf einer Zither gezupft das Wiener Caféhaus-Publikum zum Tanz anstimmen! Völlig mühelos perlten die Noten von den Tasten, seine atemberaubende Virtuosität schien keine Grenzen zu kennen.

© Shigeru Kawai Europa

In der zweiten Hälfte ging es dann mit insgesamt fünf Chopin-Werken ein wenig inniger, doch kaum weniger bewegend zu. Die Es-Dur Nocturne op. 55 schwebte scheinbar schwerelos in den etwas verregneten Hamburger Sommerabend. Selbst im Chopin-Schlager „Grande Valse Brilliante“, den vermutlich fast jeder im Publikum mitsummen könnte, setzte er jeden Ton liebevoll in die Tasten und ließ den Dreivierteltakt mit packender Energie durch das Publikum fegen. In der gis-Moll Etüde op. 25 konnte noch einmal seine einzigartig brillante Klaviertechnik zu Höchstform aufsteigen lassen und die Terzparallelelen wie perlender musikalischer Champagner kunstvoll sprudeln lassen.

Mit Chopins Fantasie f-Moll op. 49 und dessen Andante spianato und Grande Polonaise brillante op. 22 standen zum Schluss nochmal zwei äußerst deftige Nummern auf dem Programm. Auch diese meisterte der preisgekrönte Pianist mit Bravour, mühelos ließ er das Publikum in Chopins wunderbar innige Klangwelt eintauchen. Die beiden äußerst facettenreichen und tiefgründigen Werke von nahezu symphonischer Dimension ließ er souverän in all ihren Klangfarben aufblühen und erntete dafür zurecht furiosen Applaus!

© Shigeru Kawai Europa

Drei Zugaben legte der Pianist nochmal einen drauf, darunter Chopins über die Tasten rasendes f-Moll-Präludium. Auch nach diesem extrem fordernden Programm spielte er wie unermüdbar schwungvoll weiter, fast könnte man meinen, er hätte noch drei, vier oder fünf weitere Zugaben im Gepäck. Nun ja, irgendwann wollen Pianist und Publikum auch mal Feierabend machen…

Johannes Karl Fischer, 20. Juli 2025 für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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