Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen aus Dallas begeistert

Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen  klassik-begeistert.de, 17. Mai 2026

Richard Wagner
Der Ring des Nibelungen

Dallas Symphony Orchestra
Fabio Luisi

Outhere 13 CDs

von Peter Sommeregger

Richard Wagners monumentale Tetralogie gehört auch in den Vereinigten Staaten von Amerika zu den großen Herausforderungen für Opernhäuser und bleibt zumeist den Traditionshäusern in New York, Chicago und San Francisco vorbehalten.

Dass eines der amerikanischen Symphonieorchester eine komplette konzertante Aufführung dieses Mammutwerkes zustande bringt, ist wohl ein historisches Ereignis. Der Italiener Fabio Luisi, in ganz Europa geschätzt und in verschiedenen Positionen tätig, hat diese Pioniertat mit dem von ihm seit 2020 geleiteten Dallas Symphony Orchestra gewagt. Über das Jahr 2024 verteilt, brachte er die vier Werke im Morton H. Meyerson Symphony Center zur Aufführung, deren Mitschnitt nun in einer 13 CDs umfassenden Box vorliegt.

Größtes logistisches Problem bildet beim Ring jeweils die Suche nach einer Besetzung der zahlreichen Rollen, deren Interpreten nicht gerade dicht gesät sind. Luisi, bestens vernetzt, setzte zum großen Teil auf bereits erfahrene, reife Künstler.  Dass sich manche davon bereits im Spätherbst ihrer Karrieren befanden, erwies sich in einzelnen Fällen aber als problematisch.

Der Wotan wurde durchgängig mit Mark Delavan besetzt, der für den jugendlichen Rheingold-Wotan ein wenig zu alt wirkt. Gleiches gilt für den Alberich von Tómas Tómasson, dessen starkes Tremolo hier, wie auch im „Siegfried“ und in der „Götterdämmerung“, störend wirkt.

Einen starken Eindruck hinterlässt Stefan Margita als Loge, ebenfalls sehr markant ist der Mime von Michael Laurenz, eindrucksvoll die Erda von Tamara Mumford. Die restlichen Partien sind mit jüngeren Kräften besetzt, mit dem Froh von Jamez McCorkle befindet sich sogar ein aktueller Shooting-Star in der Besetzung. Gut und stimmig besetzt auch die Rheintöchter.

In der „Walküre“ punktet Christopher Ventris als Siegmund mit Erfahrung und soliden Reserven. Sara Jakubiak ist eine jugendfrische Sieglinde, der man noch öfter zu begegnen hofft. Stephen Millings schwarzer Bass verleiht dem Hunding die verlangte Gefährlichkeit. Mark Delavan schneidet hier als reiferer Wotan trotz starken Vibratos besser ab. Letzteres ist bei der Brünnhilde von Lise Lindstrom problematischer und macht sie eindeutig zur Schwachstelle der gesamten Produktion. Zwar gelingen ihr exponierte Stellen und Spitzentöne immer noch gut, ihr Problem ist die fehlende Tiefe und farblose Mittellage der Stimme. Das intensive Vibrato entstellt zudem die Textbehandlung bis zur Unkenntlichkeit. Die Fricka von Deniz Uzun überzeugt wie auch schon im „Rheingold“. Ausgezeichnet das Ensemble der acht Walküren, die den Walkürenritt zu einem Höhepunkt der gesamten Einspielung machen.

Im „Siegfried“ kann Michael Laurenz den positiven Eindruck seines Mime verstärken und seinen markanten Charaktertenor einbringen. Den jungen Siegfried hat man Daniel Johansson anvertraut, der bei diesen Konzerten sein Rollendebüt gibt, das nicht ganz unproblematisch ausfällt. Seinem kräftigen Tenor fehlt es nicht an dem geforderten Volumen, aber bei exponierten Tönen muss er zusätzlichen Druck aufbauen und klingt angestrengt. Tamara Mumford kann erneut mit ihrer Erda punkten, Valentina Farcas singt einen lieblichen Waldvogel. Das Finale ist durch Lindstroms ausuferndes Tremolo und die mangelnde Textverständlichkeit beeinträchtigt, die sie mit Johansson gemeinsam hat.

In der „Götterdämmerung“ kommen zur Besetzung die Giebichungen hinzu. Stephen Milling gelingt ein starker, furchterregender Hagen, Roman Trekel ein gewollt weinerlicher Gunther. Seine Schwester Gutrune wird von Kathryn Henry gut charakterisiert und kann besonders in der letzten Szene überzeugen. Deniz Uzun macht nach der Fricka auch als Waltraute eine gute Figur, ebenso die drei Nornen, aus denen Tamara Mumford wieder positiv hervorsticht. Problematisch bleibt die Brünnhilde von Lise Lindstrom, die sich im Schlussgesang zwar noch einmal steigert und auch alle Spitzentöne bewältigt, insgesamt aber überfordert wirkt. Daniel Johansson wirkt frischer als im „Siegfried“, vielleicht muss er sich diese Partie erst noch in der Bühnenpraxis erarbeiten.

Eindrucksvoll ist die Leistung Fabio Luisis, der das nicht an Oper gewöhnte Orchester zu einer mehr als nur achtbaren Leistung führt. Die großen Orchesterpassagen wie Feuerzauber, Siegfrieds Rheinfahrt und der Trauermarsch zeigen den Klangkörper auf dem hohen Niveau, auf das Luisi das bereits im Jahr 1900 gegründete Orchester geführt hat. Auch die Riege der Sänger bewegt sich mit den wenigen erwähnten Ausnahmen durchaus auf gehobenem europäischen Niveau. So stellt diese kompakte Box eine interessante Alternative und Bereicherung der Ring-Einspielungen dar.

Peter Sommeregger, 17. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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