Foto: Dr. Guido Grass
Zwischen spätem Sonnenlicht über der Algarve und einer zur Konzertbühne verwandelten Scheune entfaltet sich ein Kammermusikabend von seltener Intensität: Cristian de Sá und Keigo Mukawa verbinden Beethoven, Debussy, Kreisler und Grieg zu einem leidenschaftlichen Dialog zweier Musiker. In Os Agostos begegnen sich Publikum und Musiker als Freunde. Am Ende bleibt die Frage, wann dieses Duo endlich auch in Deutschland zu erleben ist.
Cristian de Sá (Violine )
Keigo Mukawa (Klavier)
Ludwig van Beethoven
Violinsonate Nr. 5 in F-Dur, op. 24 „Frühlingssonate“
Claude Debussy
Sonate in g-Moll, L. 141
Fritz Kreisler
Aucassin und Nicolette. Canzonette aus dem Mittelalter
Sérénade Espagnole (nach Cécile Chaminade)
Tempo di minuetto (im Stile von Gaetano Pugnani)
Liebesleid
Edvard Grieg
Sonate Nr. 2 in G-Dur, op. 13
Zugabe:
Jules Massenet
Méditation (aus „Thaïs“, Bearbeitung für Violine und Klavier)
Os Agostos, Algarve, Budens, Portugal, 14. Mai 2026
von Petra und Dr. Guido Grass
Das Klassik-Konzertangebot an der Algarve ist leider überschaubar, aber einem Club mit nur 100 Mitgliedern gelingt es monatlich, exquisite Konzerte zu organisieren. Nur wenn ein Mitglied nicht am Konzert teilnimmt, kann man eine Konzertkarte ergattern.
Wir hatten Glück und kurven voller Vorfreude zum malerischen Landgut „Os Agostos“. Allein der Ort ist schon magisch. Bei delikaten Häppchen und Wein treffen sich die Amigos de Música, plaudern in den letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages, bevor der Schatzmeister mit der Glocke in die nun als Konzertsaal dienende „Scheune“ ruft.
Heute treten Cristian de Sá (Violine) and Keigo Mukawa (Klavier) mit einem spannenden Programm auf. Sie beginnen ganz klassisch mit der Frühlingssonate von Ludwig van Beethoven. Der warme Klang des Themas im Violinpart füllt den Raum. Im Mittelteil des ersten Satzes scheut sich de Sá nicht, mit scharfen Akzenten über den Ostinati im Klavier die Dramatik herauszuarbeiten.
Aufhorchen lässt Mukawas Klavierbegleitung. Gerade im zweiten Satz, in dem das Klavier führt, formt er mit der linken Hand klare Linien. Halsbrecherisch sind die Läufe sowohl für die Violine als auch für das Klavier im vierten Satz. Mit Furor gestalten die beiden die Schlusscoda.
Debussys letztes Werk entlässt uns tief bewegt in die Pause.

Die Sonate g-Moll, L. 141 von Claude Debussy sollte sein letztes vollendetes Werk sein und auch das letzte, welches er vor seinem Tod 1917 aufführte. Wir schwelgen in vollem Debussy-Klang des Klaviers, den de Sá auch in den hohen Lagen warm reflektiert. Rhythmisch herausfordernd ist der mit sarkastischem Humor gefüllte zweite Satz. Gut verzahnt bleiben auch hier die beiden Musiker. Im Finalsatz lässt Mukawa die Bässe dunkel tremolieren. Wie in Lüften schwebt die Geige manchmal hierüber. Tief bewegt entlässt das Duo uns in die Pause.
Heiter empfängt uns nach der Pause ein Reigen von Stücken Fritz Kreislers. Melodisch verspielt zaubert die Canzonette im mittelalterischen Stile (Aucassin und Nicolette. Canzonette aus dem Mittelalter) ein Lächeln ins Gesicht. In der folgenden „Serenade Espagnole“ begleitet Mukawa mit wunderbar sanftem Anschlag die Violine.
Gerne hätten wir getanzt…
Wer kennt ihn nicht, fragt verschmitzt de Sá, den berühmten Komponisten Gaetano Pugnani? Im Stile von Gaetano Pugnani will Kreisler sein „Tempo di minuetto“ wissen. Die Violine begeistert mit feiner Artikulation und sublimen Ton.
Wir hätten so gerne dazu getanzt!
Die Notenwenderin will schon für das letzte Stück wieder auf die Bühne, doch rein aus Spielfreude legen die jungen Musiker offensichtlich ungeplant noch einen drauf. In Kreislers „Liebesleid“ treffen sie den wienerisch-melancholischen Ton. Spätestens jetzt haben sie die Herzen aller im Publikum gewonnen. Was soll da noch kommen?

Von Wien nach Norwegen
Edvard Grieg greift in seiner Sonate den Ton norwegischer Volkstänze auf. Klavier und Violine schwanken zwischen der Schwere des Nordens und tänzerischer Lebensfreude. Präzise und klar, wie eine Spieluhr ist die Begleitung Mukawas gerade im Allegretto tranquillo. Nach einmal zeigen sie im letzten Satz die pure Lebenslust. Tolle Läufe münden im überschäumenden Finale.
Kreisler zitierend bekräftigt de Sá, was alle im Saal spüren: Sie kommen auf die Bühne, um uns, das Publikum, als Freunde zu treffen.
Die Zugabe krönt den zum Abschluss den Abend: Die Bearbeitung für Violine und Klavier von Jules Massenets „Méditation“ (aus „Thaïs“). Tief bewegt und zum Heulen schön.
Wann treten Cristian de Sá und Keigo Mukawa in Deutschland auf?
Ein Konzert wie heute kann nur gelingen, wenn man sich als Musiker gut kennt. Mehrmals im Jahr treten die beiden gemeinsam auf. Bislang ist leider noch kein Auftritt in Deutschland geplant. Als wir gefragt wurden, ob wir nur zum Konzert eingereist seien, war uns noch nicht klar, dass sich tatsächlich die Reise nur für dieses Konzert gelohnt hätte.
Veranstalter in Deutschland, bucht die beiden!
Petra und Dr. Guido Grass, 17. Mai 2026, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at