Lortzings Musik kämpft gegen ein schwaches Libretto

CD-Rezension: Albert Lortzing, Zum Groß-Admiral, Münchner Rundfunkorchester, Ulf Schirmer

CD-Rezension:

Albert Lortzing
Zum Groß-Admiral

Münchner Rundfunkorchester

Ulf Schirmer

Cpo 555 133-2

von Peter Sommeregger

Der Berliner Komponist Albert Lortzing, 1801 geboren und 1851 in seiner Heimatstadt gestorben, steht allgemein für heitere Spielopern der Biedermeierzeit. Lortzing, der auch Sänger und Schauspieler war, schrieb im Laufe seines Lebens annähernd 20 Bühnenwerke, die größtenteils auch erfolgreich waren. Trotzdem hatte er lebenslang materielle Sorgen, seiner Ehe entstammten sechs Kinder, die ernährt werden wollten.

Wichtige Stationen waren Leipzig und Wien, wo er zeitweise große Erfolge feiern konnte. Hauptsächlich sein „Zar und Zimmermann“ wird noch häufig aufgeführt. Die neue Ästhetik des Musiktheaters kann freilich wenig mit den biedermeierlichen Komödien anfangen, die dadurch mehr und mehr von den Spielplänen verschwinden.

Die dreiaktige komische Oper „Zum Groß-Admiral“ entstand 1847, wurde in Leipzig uraufgeführt, in Wien dirigierte Lortzing selbst die dortige Aufführung. Der Erfolg für das Werk wollte sich allerdings nicht einstellen, obwohl die Musik erfrischend beschwingt ist. Es fehlt allerdings an markanten Arien und musikalischen Einfällen. Vor allem das zwar simple, aber eher undramatische Libretto mag für den Misserfolg verantwortlich sein.

In einer konzertanten Aufführung hat das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer versucht, dem Werk wieder Leben einzuhauchen. Tatsächlich gelang den Beteiligten, mit kräftiger Unterstützung des Chores des Bayerischen Rundfunks, eine Aufführung, die den Schmiss und die Leichtigkeit der Musik Lortzings gut einfängt. Die Sopranistinnen Anett Fritsch, Lavinia Dames und Julia Sophie Wagner, der Tenor Bernhard Berchtold, sowie die Bässe Jonathan Michie und Martin Blasius geben ihr Bestes, und das ist nicht wenig. Zu einer dauerhaften Wiederbelebung dieser Oper dürfte das aber auch nicht führen, aber man freut sich über die Gelegenheit, das Werk kennenzulernen.

Lortzings Oper „Regina“, erst 150 Jahre nach Lortzings Tod uraufgeführt, und ein in jeder Beziehung revolutionäres Werk, würde sich auch für eine Ausgrabung unbedingt anbieten. Das könnte dem Bild des biederen Singspiel-Komponisten ganz neue Farben hinzufügen!

Peter Sommeregger, 29. August 2022, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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