Auf den Punkt 82: Il signor Wellber parla italiano…

Auf den Punkt 82: Il signor Wellber parla italiano… Hamburgische Staatsoper, 20.  Dezember 2025

Foto: Archiv © Brinkhoff/Mögenburg

Sein Klangideal ist der Deutsche Klang, hat mir Omer Meir Wellber vor gar nicht langer Zeit verraten. Den genauen Wortlaut lesen Sie bitte hier bei klassik-begeistert in unserem großen Interview mit dem neuen Hamburger Generalmusikdirektor. Gleich in seiner ersten Spielzeit dann die Überraschung, Gaetano Donizettis Melodramma giocoso L’elisir d’amore hat sich der Maestro vorgeknöpft… ob sich das mit seinem Klangideal verträgt?  Das konnte nur granatenmäßig in die Hose gehen… oder doch nicht?


Gaetano Donizetti
/ L’elisir d’amore

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Omer Meir Wellber / Dirigent

Hamburgische Staatsoper, 20.  Dezember 2025

von Jörn Schmidt

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich danke Tobias Kratzer und seinem Vorgänger Georges Delnon vielmals, dass Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung nach knapp 50 Jahren immer noch in Hamburg gegeben  wird.

Mir liegt diese zeitlose Ästhetik. Aber Filmfehler gibt’s auch in der Oper. Falls Sie nicht so oft ins Kino gehen – Filmfehler sind kleine Details, die ungewollt in einen Film geraten und nicht ganz korrekt sind.

Zum Beispiel wenn der Kommissar am linken Arm einen glatten Durchschuss erhält, ihm dann aber in der nächsten Szene der rechte Arm verbunden wird. Das ist dann ein Filmfehler. Heute Abend war’s kein glatter Durchschuss, sondern eine Flasche Wein:

Nemorino (René Barbera), unglücklich verliebt in die Gutsbesitzerin Adina (Nino Machaidze), kauft beim Quacksalber Dulcamara (Erwin Schrott) einen vermeintlichen Liebestrank im Stile von Tristan und Isolde.

Auf dass es doch noch klappt mit der Eheschließung… Allein, in der Flache steckt kein Wunder-Elixir, sondern vergleichsweise schnöder Bordeaux (für Biertrinker: Bordeaux ist ein Rotwein]: „È Bordò, non elisir.

Aber was hat die Spielleitung (Jeanne Pansard-Besson) Erwin Schrott eingeschenkt? Eine klare Flüssigkeit, Weißwein vielleicht… Dass es trotzdem mit der Ehe klappt, hat dann auch eher monetäre Gründe.

Trotzdem war offensichtlich eine ziemlich starke Mischung in der Buddel, so wie René Barbera den Nemorino gab. Klar, irgendwie hat man immer Pavarotti vor Augen und Ohren… doch der Texaner stellte sich der Herausforderung außerordentlich furchtlos.

Sein Tenor in Stichworten: Kräftig, strahlend, klangsicher, ausdrucksstark, wenn nötig mit erforderlichen C-Schmelz. Und mit großer Freude an der Ausgestaltung der Rolle als intelligenter Dorfdepp.

Übrigens, wo wir schon über Wein reden: Barbera ist auch eine rote Edelrebsorte…

Erwin Schrott enttäuscht ohnehin nie. Auch Dulcamara liegt ihm wunderbar. Der Bassbariton findet zusehends Gefallen an komischen Rollen. Mit wie viel Schwung und Charisma er Nemorino das Fuselwasser andreht – das geht nicht besser.

Kein Wunder, dass in dieser Konstellation auch Nino Machaidze glänzen konnte und ihrem Sopran fein abgetönte Zwischentöne abrang. Recht unangestrengt glutvoll, mit intimen Verzierungen. Viel Italianità. Was mich zurück  zu Omer Meir Wellber bringt…

…denn dem liegen die italienische Art, Geist und Seele des deutschen Sehnsuchtslandes außerordentlich gut. Wäre er Koch, Sie könnten bei ihm gefahrlos Rinderrouladen, aber auch Bombette pugliesi essen – und glücklich nach Haue gehen wie ich heute Abend.

Jörn Schmidt, 20. Dezember 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

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