Wie man die Vorweihnachtszeit mit erlesener Musik, geschmeidigem Tanz und schönen Düften bereichert

Candlelight – Skandinavische Weihnacht  Bremer Konzerthaus Die Glocke, 13. Dezember 2025

Foto: Moritz Ter-Nedden © Nailya Bikmurzina.

Candlelight – Skandinavische Weihnacht

Georg Philipp Telemann  Oboenkonzert e-Moll TWV51:e1

Johann Sebastian Bach  Konzert a-Moll BWV 1041 für Violine und Orchester

sowie weitere Werke von Johan Severin Svendsen, Edvard Grieg, Arcangelo Corelli, Tomaso Albinoni und Gabriel Fauré

Marie Tetzlaff Oboe
Moritz Ter-Nedden Violine und Leitung
Daniella Kromm Rhythmische Sportgymnastik

Klassische Philharmonie Bonn

Bremer Konzerthaus Die Glocke, 13. Dezember 2025

von Dr. Gerd Klingeberg

Raus aus dem Vorweihnachtstrubel. Stattdessen hinein in eine bezaubernde skandinavische Winterstimmung, zur Ruhe kommen, ein bisschen Festtagsvorfreude bei anheimelnd typischer Hygge-Atmosphäre schnuppern.
Das hat die Klassische Philharmonie Bonn an diesem Abend für ihre Zuhörer beabsichtigt. Und gelungen umgesetzt dank der stimmigen Programmabfolge eines idyllischen „Easy-Listening“-Konzertabends auf der von unzähligen Kerzen erleuchteten Bühne der Bremer Glocke.

Bereits eingangs sorgen die einschmeichelnd sanften Adagio-Harmonien von Svendsens „Allt under himmelens fäste“ für angenehme Entschleunigung; das nuancierte Spiel des Streicherensembles weckt prompt die Bilder grenzenlos weiter schwedischer Wälder. Corellis munter angegangenes Concerto grosso op.6/4 leuchtet hingegen in schönstem barockem Strahlglanz. Die häufigen Wechsel zwischen der kleinen Concertino-Gruppe und dem Ripieno, dem orchestralen Tutti, geraten auch bei straff gewählten Tempi durchweg perfekt; die wie von Italiens Sonne durchdrungene spritzige Musik ergänzt ideal die gedeckteren nordischen Klangfarben.

Ausdrucksvoller Tanz und weihnachtliche Düfte

Edvard Griegs „Våren“, besser bekannt unter dem deutschen Titel „Der letzte Frühling“, geht in seiner stimmungsvollen, teils spürbar melancholisch angehauchten Darbietung ans Herz. Und hier hat das Ensemble erstmalig eine besondere Überraschung parat: Die zwischen Wehmutsgedanken und himmelhohem Jauchzen changierenden Klänge setzt Daniella Kromm ausdrucksstark um in graziös tänzerische, artistische Bewegungen.

Mit vollendeter Körperbeherrschung den Saal durchschreitend, schwingt die in Rhythmischer Sportgymnastik international vielfach preisgekrönte Athletin ihr langes, eigens mit feinem Tannenduft präpariertes Band. Auch olfaktorisch wird so die jahreszeitliche Stimmung angeregt. Und später auch noch mit den für die Weihnachtszeit so typischen Düften von Glögg und Zimtsternen wiederholt. Eine wirklich schöne Idee, selbst wenn leider sie nicht an allen Plätzen gleichermaßen gut funktionieren mag.

Einen exzeptionellen Ohrenschmaus präsentiert Gast-Oboistin Marie Tetzlaff mit Telemanns Oboenkonzert e-Moll. Die blitzsauberen, warm timbrierten Töne ihres Instruments und die auch bei sportlich lebhaften Tempi virtuos geblasenen Figurationen erklingen in eindrucksvoller Brillanz; mit ihrer subtil angelegten Interpretation setzt Tetzlaff dabei auf gemütvolle, weit ausgreifende Spannungsbögen.

Marie Tetzlaff © Aline Fournier Large

Bei Albinonis Konzert Nr. 8 für zwei Oboen und Orchester übernimmt Orchesterleiter und Konzertmeister Moritz Ter-Nedden die zweite Solostimme. In den kurzen, knackigen Sätzen harmonieren Oboe und Violine nahezu perfekt, wenngleich mit minimalem Vorteil für das Blasinstrument. Auch bei Faurés elegant feierlicher „Pavane“ teilen sich die beiden Instrumentalisten die führende Melodie vor sorgfältig gestaltetem orchestralem Hintergrund.

Mitreißendes Temperament und intensives Feingefühl

Ausgezeichnete violinistische Qualitäten beweist Ter-Nedden zudem als Solist von Bachs a-Moll Violinkonzert BWV 1041. Das engagierte, forciert temperamentvolle Miteinander von Solostimme und Orchester generiert einen mitreißenden Barock-Swing, der sich auch in den Bewegungen der im Stehen spielenden Musiker sichtbar widerspiegelt. Derart mitreißend bis hin zum presto-sportiv vorgetragenen 3. Satz Allegro gelingt ein tadellos entstaubter Bach!

Die lyrisch melodiösen Klänge des Traditionals „Ack Värmeland, du sköna“, eine innige Liebeserklärung an die gleichnamige schwedische Provinz, versetzt erneut in skandinavische Gefilde.  Griegs „Holberg-Suite“ schließt sich an mit vielfältigen folkloristischen Motiven. Die beiden Andante-Sätze werden feinfühlig und mit hochgradiger Expressivität intoniert, ohne über die Maßen lamentoso zu wirken.

Dass bedauerlicherweise, wie bereits schon bei den vorherigen Werken, nahezu nach jedem Satz vom Auditorium applaudiert wird, geht zwar zulasten der deutlichen Kontrastierungen zwischen den einzelnen Sätzen, schmälert jedoch nicht die beeindruckende musikantische Qualität des Orchesterspiels. So auch beim rasanten, gleichermaßen pointiert wie transparent ausgeführten Rigaudon, einem geradezu rausschmeißerischen Parforce-Ritt am Ende von Griegs wohl bekanntester Komposition. Sie wird zum finalen, begeistert beklatschten Höhepunkt eines unbeschwerten, unterhaltsamen Konzertabends, der ganz offensichtlich auch bei den möglicherweise weniger klassik-affinen Zuhörern Lust auf mehr gemacht haben dürfte.

Die Aufforderung, samt Orchesterbegleitung abschließend das tiefsinnige alte Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier“ anzustimmen, wird gerne angenommen; unerheblich, dass der Gesang des Publikums nur halbwegs synchron gelingt. Fröhliche Weihnachten!

Dr. Gerd Klingeberg, 14. Dezember 2025, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

Konzerthausorchester Berlin, Dresdner Kreuzchor, J.S. Bach, Weihnachts-Oratorium BWV 248, Teile I – III Konzerthaus Berlin, 13. Dezember 2025

8. Premieren-Abonnementkonzert „Eine Hommage an die Liebe“ Bremer Konzerthaus Die Glocke, Großer Saal, 8. Dezember 2025

3. Philharmonisches Konzert, Von Freibeutern und Freiheitskämpfern Musiktheater, Die Glocke, Das Bremer Konzerthaus, 24. November 2025

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