Bei dieser Auferstehungssinfonie verzaubern vor allem die feinfühligen Details

Mirga Gražinytė-Tyla, Foto: Thomas Grill

Kölner Philharmonie, 11. September 2023

Münchner Philharmoniker
Philharmonischer Chor München

Mirga Gražinytė-Tyla, Dirigent

Andreas Herrmann, Chorleitung

Talise Trevigne, Sopran
Okka von der Damerau, Mezzosopran

Gustav Mahler – Sinfonie Nr. 2 in c-Moll für Sopran, Alt, Chor und Orchester – „Auferstehungssinfonie“

von Daniel Janz

Mahler 2 – was haben wir in Köln doch lange darauf warten müssen! Eigentlich stand dieses einmalige Werk schon 2020 auf dem Spielplan der kölner Philharmonie. Damals hätten Lahav Shani und das Rotterdams Philharmonisch Orkest es aufführen sollen. Dann aber machte Corona alledem einen Strich durch die Rechnung. So kommt es, dass Mahlers Werk über Tod, Auferstehung, Jüngstes Gericht und Eintritt ins Himmelreich erst heute endlich wieder in diesem Saal erklingt. „Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 2 in c-Moll
Kölner Philharmonie, 11. September 2023“
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Das swingt ganz ungemein!

Andris Nelsons mit dem Boston Symphony Orchestra © Marco Borggreve

Jean-Yves Thibaudet, Andris Nelsons und das Boston Symphony Orchestra in der Kölner Philharmonie

 

Kölner Philharmonie, 3. September 2023

Carlos Simon (*1986) – Four Black American Dances für Orchester

Igor Strawinsky (1882-1971) – Petruschka (1910-11, rev. 1946-47)

George Gershwin (1898-1937) – Konzert für Klavier und Orchester F-Dur (1925)

Maurice Ravel (1875-1937) – La valse, Poème choréographique (1920)

Jean-Yves Thibaudet, Klavier

Boston Symphony Orchestra
Andris Nelsons, Dirigent

von Brian Cooper, Bonn

Nun sind sie endlich wieder in Europa – das Spitzenorchester aus der, wie man ja sagt, europäischsten Stadt der USA. Die letzte Tournee war noch wegen der Nachwehen von COVID-19 abgesagt worden.

Zuweilen hört man auch, das Boston Symphony Orchestra sei das „europäischste“ Orchester der USA. Und dieser Elite-Klangkörper war zum ersten Mal seit acht Jahren wieder in Köln. Ein Ereignis. Kaum zu glauben, dass die kommende Spielzeit bereits die zehnte von Andris Nelsons als Music Director in Boston sein wird. Und es ist ein Vergnügen, seine Karriere seit über 20 Jahren zu verfolgen. Die Gestik ist sparsamer geworden, nicht mehr so ausladend wie früher, und die Ähnlichkeit des Dirigierstils zu jenem seines verstorbenen Mentors Mariss Jansons ist nicht zu übersehen. Nelsons wird immer mehr zum Maestro im wörtlichen Sinne. Das zeigte sich nicht nur jüngst mit den Wiener Philharmonikern in Mahlers Siebter, sondern auch an diesem Abend. „Boston Symphony Orchestra, Andris Nelsons, Dirigent
Kölner Philharmonie, 3. September 2023“
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Cristian Măcelaru und das WDR Sinfonieorchester erwecken den holzgeschnitzten Prinzen zum Leben

Bariton Matthias Goerne (Foto: Marie Staggat)

Von den drei Bühnenwerken Béla Bartóks ist „Der holzgeschnitzte Prinz“ das am seltensten aufgeführte. Zu unrecht, finden wir nach dem heutigen Abend. Dieses Stück gehört ebenso ins Repertoire wie beispielsweise „Le Sacre du printemps“. Der Reichtum an Klangfarben und Rhythmen dieses Werks sucht ihresgleichen. Farbenreich ist auch  Matthias Goernes Interpretation der Wunderhorn-Lieder Gustav Mahlers. Unter der Leitung des Chefdirigenten Cristian Măcelaru gelingt dem WDR Sinfonieorchester ein musikalisch spannender Saisonauftakt.


Kölner Philharmonie, 1. September 2023

Gustav Mahler/Detlev Glanert
Ausgewählte Lieder und Gesänge aus „Des Knaben Wunderhorn“
im Original oder bearbeitet für Orchester von Detlev Glanert

Béla Bartók
Der holzgeschnitzte Prinz. Tanzspiel in einem Akt von Béla Balázs, op. 13

Zugabe:

Johannes Brahms
Ungarischer Tanz Nr. 5 g-Moll

Matthias Goerne (Bariton)

WDR Sinfonieorchester
Leitung: Cristian Măcelaru

 

von Petra und Dr. Guido Grass

Gustav Mahler hat insgesamt 24 Lieder aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ vertont. Die ersten neun Lieder komponierte er für Singstimme und Klavier. Diese erschienen als Teil einer Liedersammlung noch schlicht unter dem Titel „Lieder und Gesänge“. In den nächsten Jahren vertonte Mahler 12 weitere Lieder, diesmal für Gesang und Orchester. Diese erschienen namensgebend als „Des Knaben Wunderhorn, Gesänge für Singstimme und Orchester“. Eine zyklische Auffassung aller Lieder war indes nie intendiert. Vielmehr sollen sich die Künstler aus dem Schatz bedienen und nach eigenem Gusto ein Programm zusammenstellen. Insgesamt 15 der 24 Lieder existieren in einer von Mahler selbst orchestrierten Fassung. „Matthias Goerne, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru
Kölner Philharmonie, 1. September 2023“
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Kent Nagano befreit das Rheingold vom Kitsch

Kent Nagano © Antoine-Saito

Neu, frisch, modern und ohne Schnörkel, glänzt „Das Rheingold“ in der Kölner Philharmonie mit dem Dresdner Festspielorchester und Concerto Köln. Das wissenschaftlich-künstlerische Projekt „Wagner-Lesearten“ bringt zu Tage, was Wagner uns heute noch zu sagen hat.


Kölner Philharmonie, 18. August 2023

Richard Wagner
Das Rheingold. Vorabend zu dem Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“

Simon Bailey (Bassbariton): Wotan
Dominik Köninger (Bariton): Donner
Mauro Peter (Tenor): Loge
Tansel Akzeybek (Tenor): Froh
Annika Schlicht (Mezzosopran): Fricka
Daniel Schmutzhard (Bariton): Alberich
Gerhild Romberger (Alt): Erda
Nadja Mchantaf (Sopran): Freia
Thomas Ebenstein (Tenor): Mime
Christian Immler (Bassbariton): Fasolt
Tilmann Rönnebeck (Bass): Fafner
Ania Vegry (Sopran): Woglinde
Ida Aldrian (Sopran): Wellgunde
Eva Vogel (Mezzosopran): Floßhilde

Dresdner Festspielorchester
Concerto Köln
Leitung: Kent Nagano


von Petra und Dr. Guido Grass

Kent Nagano ist ein gefragter Dirigent und hat sich insbesondere als Operndirigent einen Namen gemacht. Auch für die Interpretation der Musik des 20. Jahrhunderts, allen voran der Werke Olivier Messiaens, ist er bekannt.

Seit 2017 erarbeitet er zusammen mit dem Concerto Köln die Werke Richard Wagners. Hieraus erwuchs ein eigenes wissenschaftliches Forschungsprojekt, unter dem Titel „Wagner-Lesarten“. Forschungsziel ist Grundlagen für historisch-informierte Aufführung der Werke Wagners für die nächste Generation zu schaffen. „Wagner, Das Rheingold
Kölner Philharmonie, 18. August 2023“
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Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra: Sie lieben Brahms

Foto: Igor Levit ©Felix Broede

Igor Levit rettet den Auftakt der Tournee in der Kölner Philharmonie als Einspringer für die erkrankte Martha Argerich. Beethoven und Brahms unter der Leitung von Daniel Barenboim kann man noch in Luzern, Salzburg und Berlin erleben. Wer die Möglichkeit hat, sollte sie nicht verpassen.

Kölner Philharmonie, 12. August 2023

West-Eastern Divan Orchestra

Igor Levit (Klavier)
Leitung: Daniel Barenboim

Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 D-Dur, op. 15

Zugabe:

Johannes Brahms
Drei Intermezzi für Klavier, op. 117: Nr. 1 Andante moderato

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op. 73

von Petra und Dr. Guido Grass

Monatelang hatten wir uns auf ein Wiedersehen mit Martha Argerich gefreut, doch dann musste sie leider aus gesundheitlichen Gründen absagen. Möglicherweise hat sie die herausfordernde Konzertreihe überanstrengt, die sie in Buenos Aires absolviert hat, so spekulieren wir.

Glücklicherweise hat sich ein vorzüglicher Einspringer gefunden: Igor Levit, der sich nach eigener Aussage von allen Komponisten am meisten von Beethoven verstanden fühlt (so Levit selbst gegenüber 3sat am 20.02.2017). Beethoven sei der zentrale Ausgangspunkt in seinem Leben. „West-Eastern Divan Orchestra, Daniel Barenboim, Igor Levit (Klavier)
Kölner Philharmonie, 12. August 2023“
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„... und zu brechen mit den etablierten Regeln…“

Carmina Burana © B2B

La Fura dels Baus inszeniert in Carl Orffs Carmina Burana ein gelungenes Spektakel

 Kölner Philharmonie, 18. Juli 2023

Carl Orff (1895-1982) – Carmina Burana. Szenische Kantate in der Fassung für Schlagwerk und Klavier

Carlus Padrissa (La Fura dels Baus), Regie und Bühnenbild

César Belda, Dirigent

 

von Brian Cooper, Bonn

„CARMINA BURANA (verlegt vom 2. Juli 2020 + 8. Juli 2021 + 30. Juni 2022)“ las man, wenn man eine Karte für diese Veranstaltung des nunmehr 34. Kölner Sommerfestivals erwerben wollte. Endlich sind große Veranstaltungen wieder möglich! Acht Termine sind angesetzt, die Premiere ist ausverkauft, und auch die anderen Termine sind gut verkauft. Zuletzt war das nicht immer bei klassischen Konzerten der Fall. Klassisches Konzert? Nicht ganz. Es ist eher eine Show. Aber Carmina zieht noch immer. Die meisten Menschen dürften wegen Orffs Musik gekommen sein, möglicherweise nicht wegen La Fura dels Baus. Oder einfach wegen des „audiovisuellen Gesamtkunstwerks“, so der PR-Text, der sich am Wagnerschen Begriff orientiert und auch sonst nicht mit Superlativen geizt. Aber es ist in der Tat ein Gesamtkunstwerk aus Text, Musik, Bühnenbild, Kostümen, Licht, Choreographie und Videoprojektionen. „34. Kölner Sommerfestival, Carl Orff (1895-1982) – Carmina Burana
Kölner Philharmonie, 18. Juli 2023“
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Das Gute triumphiert dreifach

Foto: Schlussapplaus © Dr. Guido Grass

Alle guten Dinge sind drei; und Gründe zu feiern, finden sich schnell am 20. Juni 2023 in der Domstadt am Rhein. Einer sei vorweg schon verraten: Vor 204 Jahren erblickte Jakob Offenbach das Licht der Welt am Großen Griechenmarkt Nr. 1 in Köln.

Kölner Philharmonie, 20. Juni 2023

Gürzenich Orchester Köln
Leitung: Elim Chan

Jacques Offenbach
Ouvertüre zu Orpheus in der Unterwelt

Igor Strawinsky
Der Feuervogel Suite für Orchester (1919)

Sergej Rachmaninow
Sinfonische Tänze, op. 45

von Petra und Dr. Guido Grass


Köln feiert den Geburtstag Jacques Offenbachs

Das heutige Konzert ist nicht nur das letzte der drei Saisonabschlusskonzerte des Gürzenich Orchesters, sondern auch gleichzeitig das Geburtstagskonzert Jacques Offenbachs. Am 20. Juni 1819 als Sohn eines jüdischen Kantors geboren, war er als Kölner von Natur aus frech gegenüber der Obrigkeit und mit satirischem Humor gesegnet. Seine Opéra bouffe „Orphée aux enfers“ trifft den Nerv der Zeit. Mit dieser Parodie auf den Orpheus-Mythos hält er dem Bildungsbürgertum augenzwinkernd den Spiegel vor und karikiert das französische Herrscherhaus. Im Kölner Karneval sind Teile der Ouvertüre fest verankert und werden häufig grölend mit Männerballett verballhornt. „Gürzenich Orchester Köln, Leitung: Elim Chan
Kölner Philharmonie, 20. Juni 2023“
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Auch am zweiten Spieltag beweist sich: Es sind vor allem die Älteren, die stören!

Elim Chan © https://www.elimchan.nl

Kölner Philharmonie, 19. Juni 2023

Gürzenich-Orchester Köln
Elim Chan, Dirigentin

Jacques Offenbach – Ouvertüre aus: Orphée aux enfers/Orpheus in der Unterwelt (1858)

Igor Strawinsky – L’Oiseau de feu/Der Feuervogel (1909-10), zweite Konzertsuite für Orchester von 1919

Sergej Rachmaninow – Sinfonische Tänze für Orchester, op. 45 (1940)


von Daniel Janz

Wagen wir einmal das Experiment des vergleichenden Hörens!
Dankenswerter Weise hatte sich das Gürzenich-Orchester Köln darauf eingelassen, dasselbe Abokonzert von zwei klassik-begeistert-Rezensenten begutachten zu lassen. Ein Entgegenkommen, zu dem sich unverständlicherweise andere Orchester in der Domstadt nicht bereit zeigen. Gestern durfte bereits der geschätzte Kollege Dr. Brian Cooper seine Eindrücke vom Konzert am Sonntag mitteilen. Heute folgt nun die Rezension vom Montagskonzert mit demselben Programm, in der Hoffnung die Frage zu beantworten, ob innerhalb von so kurzer Zeit bei gleichbleibendem Programm merkbare Unterschiede feststellbar sind. Das alles auch noch vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderung, dass das ursprüngliche Programm wegen einem Krankheitsfall umgestellt werden musste. Wollen wir es also wagen! „Gürzenich-Orchester Köln, Elim Chan, Dirigentin, Offenbach, Strawinsky und Rachmaninow
21. Juni 2023“
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Ne kölsche Jung und russische Musik: Elim Chan springt für Dmitrij Kitajenko ein

Foto: Elim Chan © Rahi Rezvani

Insgesamt ein gelungener Saisonabschluss des Gürzenich-Orchesters


Kölner Philharmonie, 18. Juni 2023 


Jacques Offenbach (1819-1880) – Ouvertüre zu Orphée aux enfers

Igor Strawinsky (1882-1971) – Der Feuervogel, Suite für Orchester (1910/1919)

Sergej Rachmaninow (1873-1943) – Sinfonische Tänze op. 45

Gürzenich-Orchester Köln
Elim Chan, Dirigentin

von Brian Cooper, Bonn

Noch unter dem Eindruck des fantastischen Chopin-Rezitals von Jan Lisiecki am Sonntagabend, programmatisch klug und äußerst reizvoll zusammengestellt, nur leider von Teilen des Publikums – einer Minderheit – bis ins Groteske zerhustet, versuche ich, die Eindrücke der Gürzenich-Matinee desselben Tages in Erinnerung zu rufen, dabei vor allem das, was in puncto Konzertpublikum ein wenig Hoffnung macht auf die Zukunft dieser so schönen Einrichtung Livekonzert. „Gürzenich-Orchester Köln, Elim Chan, Dirigentin
Kölner Philharmonie, 18. Juni 2023 “
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Das WDR Sinfonieorchester und Renaud Capuçon glänzen in Köln

Foto: Cristian Măcelaru © Thomas Brill

Dvořák, Bartók und Mahler im letzten Programm der Saison.

Antonín Dvořák (1841-1904) – Romanze f-Moll für Violine und Orchester op. 11

Béla Bartók (1881-1945) – Konzert Nr. 1 für Violine und Orchester op. posth.

Gustav Mahler (1860-1911) – Sinfonie Nr. 1 in D-Dur


Renaud Capuçon, Violine
WDR Sinfonieorchester
Cristian Măcelaru, Dirigent

Kölner Philharmonie, 16. Juni 2023

von Brian Cooper, Bonn

Da geht man jahrelang fremd und hört seinen Mahler in Amsterdam, Wien, Berlin „oder, äh, sonst wo“, wie es Edmund Stoiber einst so geschliffen formulierte, und das Gute liegt doch (auch) so nah. Im letzten Programm der allmählich verklingenden Spielzeit 2022/23 beeindruckte nämlich das WDR Sinfonieorchester unter seinem Chefdirigenten Cristian Măcelaru mit einer sehr guten Ersten Sinfonie.

„Dvořák, Bartók und Mahler im letzten Programm der Saison, WDR Sinfonieorchester Cristian Măcelaru, Dirigent
Kölner Philharmonie, 16. Juni 2023“
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