Das WDR Sinfonieorchester verabschiedet seinen Chefdirigenten mit einem musikalischen Feuerwerk

Foto: Felix Broede ©

Kölner Philharmonie, 5. Juli 2019
WDR Sinfonieorchester
Jukka-Pekka Saraste, Dirigent

Bernd Alois Zimmermann– Photoptosis (1968),Prélude für großes Orchester
Ludwig van Beethoven– Streichquartettsatz B-Dur „Große Fuge“ op. 133 (1825)- Bearbeitung für Streichorchester
Gustav Mahler– Sinfonie Nr. 5 cis-Moll (1901–02)

von Daniel Janz

Mit dem Abschied von Jukka-Pekka Saraste (63) geht in Köln eine Ära zu Ende. Ganze neun Jahre Zeit war es dem im Lahti, Finnland, geborenen Dirigenten vergönnt, das Musik- und Kulturgeschehen dieser Stadt maßgeblich mit zu beeinflussen und zu verändern. Entsprechend persönlich fiel auch sein Abschied aus – nicht nur wählte er gezielt drei Komponisten, die alle einen Bezug zu dieser Region haben. In einem ungewohnt offenen Akt wandte sich der scheidende Chefdirigent auch persönlich an Publikum und Orchester und sorgte so schon zu Beginn des Abends für eine der vielen mit Applaus gekrönten Situationen. „Jukka-Pekka Saraste, WDR Sinfonieorchester,
Kölner Philharmonie, 5. Juli 2019“
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Das WDR-Sinfonieorchester beißt sich an Grieg und Mahler die Zähne aus

Foto © Tillmann Franzen
WDR Sinfonieorchester, Grieg & Mahler, Jukka-Pekka Saraste

Kölner Philharmonie, 28. Juni 2019

Boris Giltburg, Klavier
WDR Sinfonieorchester
Jukka-Pekka Saraste, Dirigent

Edvard Grieg
Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16 (1868)

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 6 a-Moll (1903–05; rev. 1906–07) „Tragische“

Von Daniel Janz

In einem fast 3 Stunden langen Monster-Programm widmet sich das WDR Sinfonieorchester im insgesamt vorletzten Konzert des Chefdirigenten Jukka-Pekka Saraste (63) zwei Werken, die höchstes Können voraussetzen.

Als Material dienen ihnen Grieg und Mahler – zwei Komponisten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. So verlangt das Klavierkonzert von Grieg höchste Virtuosität, während Mahlers berühmte Sinfonie mit den Hammerschlägen und der ungeklärten Reihenfolge der Mittelsätze zu dem Rätselhaftesten und Brachialsten gehört, was der Komponist geschrieben hat. „WDR-Sinfonieorchester, Grieg & Mahler, Jukka-Pekka Saraste, Kölner Philharmonie, 28. Juni 2019“ weiterlesen

François-Xavier Roth und Philippe Manoury ertränken das „Boot Europa“ in der Kölner Philharmonie

Foto © Holger Talinski
Philippe Manoury – Lab.Oratorium (2019) – Lab.Oratorio für Stimmen, Orchester und Live-Elektronik, Kölner Philharmonie, 20. Mai 2019

Rinnat Moriah, Sopran
Tora Augestad , Mezzosopran
Patrycia Ziolkowska, Schauspielerin
Sebastian Rudolph, Schauspieler 

Lab.Chor
Michael Ostrzyga, Einstudierung

 SWR Vokalensemble
Léo Warynski, Einstudierung

IRCAM
Thomas Goepfer, Computermusik-Designer
Julien Aléonard, Toningenieur

Gürzenich-Orchester Köln
François-Xavier Roth, Dirigent

Hossein Pishkar, musikalischer Assistent und Kodirigent
Nicolas Stemann, Regie

Von Daniel Janz

In einer Mischung aus Erschütterung und ekelerregender Zivilisationsdekadenz bringen das Gürzenich-Orchester Köln mit François-Xavier Roth, Philippe Manoury und einer ganzen Armada weiterer Mitwirkender das Flüchtlingssterben im Mittelmeer live in die Kölner Philharmonie. Diese wird hierfür programmatisch zum „Boot Europa“ umfunktioniert, in dem jeder einzelne Akteur durch penible Regiearbeit eingebunden ist, sei es auf der Bühne, im Zuschauerraum, dahinter oder im Foyer. Hinsetzen und Anschnallen – die Fahrt beginnt!

„Philippe Manoury – Lab.Oratorium (2019) – Lab.Oratorio für Stimmen, Orchester und Live-Elektronik, Kölner Philharmonie, 20. Mai 2019“ weiterlesen

Packendes Finale: Schostakowitschs „Leningrader“ erklingt in der Kölner Philharmonie

Foto: © KölnMusik/Matthias Baus

Kölner Philharmonie, 9. April 2019

James Conlon, Dirigent
Gürzenich-Orchester Köln

Dimitrij Schostakowitsch
Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 60 (1941) „Leningrader“

von Daniel Janz

Schostakowitschs Musik birgt wegen der ihr innewohnenden Ambivalenz immer eine Chance und zugleich ein Risiko. Weder als Interpret noch als Rezipient kann man sich sicher sein, was er ausdrücken wollte. Ist seine Musik eine Hymne auf den Sozialismus und den Sieg der Sowjetunion? Oder ist sie eine Maske für ein verstecktes Dissidententum, für Kritik am eigenen politischen System? „Gürzenich-Orchester Köln, James Conlon,
Kölner Philharmonie, 9. April 2019“
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"Klassik mal anders" in der Kölner Philharmonie

© Foto: Tillmann Franzen
WDR-Sinfonieorchester, „Klassik mal anders: Klingende Bilder“
Kölner Philharmonie,
24.1.2018

Christian Măcelaru, Dirigent
Łukasz Dyczko, Saxophon
WDR-Sinfonieorchester

Alexander  Glasunow
Konzert für Alt-Saxophon und Streichorchester Es-Dur op.109 (1934)

Modest Mussorgsky
„Kartinki s vystavki“ (Bilder einer Ausstellung) (1874)
Bearbeitung für Orchester (1922)

Von Daniel Janz

Schulkonzerte muten dem gestandenen Konzertgänger schon mal etwas zu. Da herrscht konstante Unruhe; es wird laut geredet oder noch während des Musizierens geklatscht, sogar Whatsapp-Chats mit dem Handy sind zu erleben. Fast ein Wunder, dass immerhin die Unverschämtheit geführter Telefonate während des Konzertes ausbleibt. An ein kleines Wunder grenzt es auch, dass trotz solcher Ablenkung gute Musik gelingen kann. Ein Paradebeispiel dafür lieferte am Freitag das WDR-Sinfonieorchester unter seinem designierten Chefdirigenten Christian Măcelaru . „WDR-Sinfonieorchester, „Klassik mal anders: Klingende Bilder“ Kölner Philharmonie, 24.1.2018“ weiterlesen

Einzig Anna Vinnitskayas Glanz verhilft dem WDR Sinfonieorchester über eine mittelmäßige Aufführung hinweg

Foto: © Marco Borggreve
WDR-Sinfonieorchester, Kölner Philharmonie, 30. November 2018

Andris Poga, Dirigent
Selina Ott, Trompete

Anna Vinnitskaya, Klavier
WDR Sinfonieorchester

André Jolivet
Concertino (1948) für Trompete, Streichorchester und Klavier
Sergej Rachmaninow
Konzert für Klavier und OrchesterNr. 3 d-Moll, op. 30 (1909)
Richard Strauss
Also sprach Zarathustra op. 30

Von Daniel Janz

Diesem Abend fehlte es deutlich an Zauber. Was sich auf dem Papier als vielversprechende Veranstaltung las, entpuppte sich in der Praxis leider als Aneinanderreihung kleiner und mittlergroßer Enttäuschungen. Angefangen bei der kurzfristigen Programmänderung bis hin zu einem Hauptwerk, bei dem der Funke einfach nicht überspringen wollte – dieser Abend wurde zum Paradebeispiel dafür, wie es  das WDR-Sinfonieorchester in Zukunft lieber nicht machen sollte. „WDR-Sinfonieorchester, Kölner Philharmonie, 30. November 2018“ weiterlesen

Mahler 3 in Köln: Zum Träumen schön spielt das Gürzenich-Orchester zum großen Finale auf

Foto: François-Xavier Roth, (c) wikipedia
Kölner Philharmonie, 30. September 2018

Sara Mingardo Alt
Frauen der Schola Heidelberg
Walter Nußbaum Einstudierung
Mädchen und Knaben der Chöre am Kölner Dom
Eberhard Metternich Einstudierung
Gürzenich-Orchester Köln

François-Xavier Roth Dirigent
Gustav Mahler – Sinfonie Nr. 3 d-Moll (1895–96, rev. 1899)

von Daniel Janz

„Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen.“ Dieses Zitat Gustav Mahlers darf wohl in keinem Text über seine dritte Symphonie fehlen. Bereits durch seine „Titan“ genannte erste und dann seine bahnbrechende zweite „Auferstehungssymphonie“ zu Weltruhm gekommen, sprengte der deutsch-österreichische Komponist Ende des 19. Jahrhunderts in seiner dritten Symphonie noch einmal alle Grenzen. Tatsächlich erschuf er eine eigene musikalische Welt, die vom Erwachen der unbelebten Natur, über Blumen und Tiere im Walde zu Menschen und Engeln bis hin zur (göttlichen) Liebe reicht.

„Das ist seriöse Musik. Damit haben wir Franzosen Probleme“ – so resümiert François-Xavier Roth vorab über dieses musikalische Epos. Gleich an drei aufeinanderfolgenden Tagen inklusive Live-Aufnahme gedenkt der 1971 in Neuilly-sur-Seine geborene Dirigent dieses aufzuführen. Dazu stellte er sich vorab zur Konzerteinführung den Fragen des Moderators Holger Noltze und bewies neben Humor auch einen einzigartigen Blickwinkel. „Gürzenich-Orchester Köln, Sara Mingardo,
Kölner Philharmonie“
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WDR Sinfonieorchester geht beim „Sacre du printemps“ bis an seine Grenzen

(C) WDR / Thomas Kost
Kölner Philharmonie, 
6. Juli 2018
Pekka Kuusisto Violine
WDR Sinfonieorchester Köln
Jukka-Pekka Saraste Dirigent
Magnus Lindberg, Konzert für Violine und Orchester (2006)
Igor Strawinsky, Le Sacre du printemps (1910–13)
Bilder aus dem heidnischen Russland in zwei Teilen

von Daniel Janz

Es ist, als würde ein Fluch auf diesem Werk liegen. Seit Jahren schon gehört Strawinskys „Le Sacre du printemps“ auch in Köln zum Standard-Repertoire. Und schon seit Jahren will eine gute Aufführung dieses Werkes im Konzertsaal am Rhein einfach nicht gelingen. In Erinnerung ist immer noch das Konzert von Februar 2017, bei dem nach einem fulminanten ersten Werk das Niveau schlagartig nachließ. Damals hatte kein geringerer als Martin Grubinger das WDR Sinfonieorchester unterstützt. Auch eine fehlerbehaftete Aufführung des Gürzenich-Orchesters von 2012, damals noch unter der Leitung von Markus Stenz, hallt immer noch nach. „WDR Sinfonieorchester Köln, Jukka-Pekka Saraste, Pekka Kuusisto,
Kölner Philharmonie“
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Yuja Wang und Jakub Hrůša gestalten einen glanzvollen aber nicht makellosen Abend

Foto: Kirk Edwards (c)
Kölner Philharmonie,
15. Juni 2018
Yuja Wang, Klavier

WDR Sinfonieorchester
Jakub Hrůša, Dirigent

Sergej Prokofjew 
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 G-Dur op. 55 (1931–32)
Richard Strauss 
Ein Heldenleben op. 40 TrV 190 (1897–98)

von Daniel Janz

Unter dem Titel „Heldenleben“ präsentierte die Kölner Philharmonie dem Publikum am Freitagabend ein zweigeteiltes Programm. Der erste Teil des Abends war ganz der chinesischen Starpianistin Yuja Wang (30) gewidmet. Im Anschluss erlebte das namengebende Werk von Richard Strauss durch das WDR Sinfonieorchester unter dem Gastdirigenten Jakub Hrůša (36) eine wuchtige Aufführung. Und doch zeigte sich, dass große Namen alleine nicht ausreichen, um einen perfekten Abend zu gestalten. „Yuja Wang, Jakub Hrusa, WDR Sinfonieorchester,
Kölner Philharmonie“
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Buhrufe gegen ekstatischen Beifall – Aufführung von Zimmermann spaltet das Publikum

Foto:  Molina Visuals (c)

ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln, Philharmonie Köln, 10. Mai 2018

Georg Nigl, Bariton
Tomas Möwes , 1. Sprecher
Jakob Diehl,  2. Sprecher
Chor des Bach-Vereins Köln
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Michael Wendeberg, Dirigent

Johann Sebastian Bach 
„Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ BWV 56 (1726)
Kantate für Bass, Chor und Orchester zum 19. Sonntag nach Trinitatis

Gustav Mahler 
Adagio aus: Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur (1910, unvollendet)

Bernd Alois Zimmermann 
Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne (1970) Ekklesiastische Aktion für zwei Sprecher, Bass und Orchester

von Daniel Janz

Ein Erlebnis voller Widersprüche und auseinandergehender Meinungen erlebten die Besucher am Donnerstagabend in der Kölner Philharmonie. Zu Gast beim ACHT-Brücken-Festival – der kölner Konzertreihe zu Neuer Musik – spielte das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Werke aus den unterschiedlichsten Epochen. Dabei zeigte sich, dass Musik und Kunst nicht nur stilistisch vielfältig ausfallen, sondern auch die Menschen auf höchst unterschiedliche Weise bewegen können. Denn dieses Konzert hätte beinahe zu einem Skandal geführt. „ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln, Kölner Philharmonie, 10. Mai 2018“ weiterlesen