Grigory Sokolov spielt in Köln Purcell und Mozart

Foto: Grigory Sokolov © Klaus Rudolph

Kölner Philharmonie, 29. Mai 2023

„The Same Procedure as Every Year” in der Philharmonie, wenn auch stets mit anderem Programm

Grigory Sokolov, Klavier

von Brian Cooper, Bonn

„Ende gegen 21:50.“ Bei der üblichen Kölner Anfangszeit von 20 Uhr entlockt einem eine solche Angabe im Programmheft auch noch nach Jahren stets ein Schmunzeln, wenn der große Grigory Sokolov einen Klavierabend gibt. Denn man darf durchaus von bis zu sechs Zugaben ausgehen. Es ist sogar möglich, dass der Zugaben-Block regelrecht zu einem dreiviertelstündigen dritten Teil wird, wie weiland in Essen beim Klavier-Festival Ruhr, wo er mal vier oder fünf Schubert-Impromptus spielte, wenn ich mich recht entsinne… Oder waren es auch damals gar sechs, und es ging über eine Stunde? „Grigory Sokolov, Klavier
Kölner Philharmonie, 29. Mai 2023“
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Herbert Blomstedt und das Chamber Orchestra of Europe verzücken mit Mendelssohn und Berwald

Blomstedt (c)Astrid Ackermann

In der leider nur schütter besuchten Kölner Philharmonie erklingen eine bekannte und eine eher unbekannte Sinfonie. Das Publikum ist begeistert.


Kölner Philharmonie, 24. Mai 2023

Franz Berwald (1796-1868) – Sinfonie Nr. 4 Es-Dur („Sinfonie naïve“)

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) – Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 („Schottische“)

Chamber Orchestra of Europe
Herbert Blomstedt, Dirigent

von Brian Cooper, Bonn

Herbert Blomstedt, das Phänomen, dirigiert dieser Tage wieder an Rhein und Ruhr, diesmal das Chamber Orchestra of Europe (COE), und er hat auch noch einen seiner „Herzenskomponisten“, Franz Berwald, im Gepäck, der ähnlich wie sein Namensvetter Kafka neben der künstlerischen Tätigkeit einem Brotberuf nachgehen musste. Genauer: mehreren Brotberufen. Denn er war unter anderem Orthopäde und danach Leiter einer Sägemühle. Wenn das keine interessante Kombination ist… „Chamber Orchestra of Europe, Herbert Blomstedt, Dirigent
Kölner Philharmonie, 24. Mai 2023“
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Lucas und Arthur Jussen erfrischen das Kölner Publikum mit Mendelssohn

Krzysztof Urbański. Foto: Sabrina Ceballos

Das brüderliche Klavierduo Lucas und Arthur Jussen bringen den frischen Frühling in die Kölner Philharmonie. Unter dem Dirigenten Krzysztof Urbański läuft das WDR Sinfonieorchester und auch das Publikum am heutigen Abend zur Hochform auf.

Kölner Philharmonie, 12. Mai 2023

Lucas und Arthur Jussen, Klavier

WDR Sinfonieorchester

Leitung: Krzysztof Urbański

Felix Mendelssohn Bartholdy
Ouvertüre zu Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ op. 21
Konzert E-Dur für zwei Klaviere und Orchester

Zugabe:

Igor Roma                                                                                                                 „Strausseinander“. Bearbeitung von Melodien aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß für zwei Klaviere

Sergej Prokofjew
Suite aus dem Ballett „Romeo und Julia“

zusammengestellt aus den Ballett Suiten Nr. 1 op. 64a, Nr. 2 op. 64b und Nr. 3 op. 101 von Krzysztof Urbański

von Petra und Dr. Guido Grass

Das heutige Konzert widmet sich – passend zum Wonnemonat Mai – ganz und gar der Jugend, und dies auf vielfachen Ebenen.

Der Dirigent Krzysztof Urbański, schlank und groß gewachsen, tritt beschwingten Schrittes auf die Bühne. Urbański hat nach seiner Ausbildung an der Fryderyk-Chopin-Universität für Musik in Warschau schnell international Karriere gemacht. Dem Trondheim Symfoniorkester, dem er bis 2017 vorstand, ist er als Ehrengastdirigent weiterhin verbunden. Seit letztem Jahr wirkt er beim Orchestra della Svizzera italiana als Erster Gastdirigent. Seitdem sein Vertrag als Musikdirektor des Indianapolis Symphony Orchestras ausgelaufen ist, hat er seinen Wirkungskreis nochmals vergrößert. Viele große Orchester, von der New York Philharmonic bis zu den Berliner Philharmonikern, heißen ihn regelmäßig willkommen. „Lucas und Arthur Jussen, Klavier, WDR Sinfonieorchester, Leitung: Krzysztof Urbański
Kölner Philharmonie, 12. Mai 2023“
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Jakub Hrůša und die Wiener Philharmoniker lassen keinen Zweifel an ihrer Weltklasse

Foto: Jakub Hrůša © Dieter Nagl

Wenn die Wiener Philharmoniker eine Stadt besuchen und dann auch noch von einem Weltklasse-Dirigenten wie dem 1981 in Brünn geborenen Jakub Hrůša geleitet werden, dann ist das Spektakel eigentlich vorprogrammiert. Seit Wochen wurde in Köln für diesen Abend geworben. Entsprechend voll – wenn auch nicht komplett ausverkauft – ist der Saal an diesem Abend. Das sogar trotz stattlicher Eintrittspreise von bis zu 200 € pro Karte. Dass die Menschen diesen Betrag zahlen, kann nur an dem erstklassigen Ruf dieser Künstler in Kombination mit einem Programm liegen, das mit gleich 2 Klassikern der Konzertgeschichte auftrumpft. Prokofjew und Schostakowitsch sind auch heute noch Garanten dafür, die Konzertsäle zu füllen!

Kölner Philharmonie, 11. Mai 2023

Wiener Philharmoniker
Jakub Hrůša, Dirigent

Leoš Janáček – Žárlivost (Eifersucht) JW VI/10 für Orchester

Sergej Prokofjew – Romeo und Julia – Auszüge aus den sinfonischen Suiten op. 64a und op. 64b (1936) zusammengestellt von Jakub Hrůša

Dmitri Schostakowitsch – Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

Zugabe:
Antonín Dvořák Slawische Tänze für Orchester – Nr. 10 in e-Moll op. 72


von Daniel Janz

Den Beginn macht aber eine Neuentdeckung für den Rezensenten. Die Ouvertüre Žárlivost (Eifersucht) hatte Leoš Janáček ursprünglich zur Oper „Jenůfa“ komponiert. Kurz vor der Uraufführung 1904 strich der tschechische Komponist sie aber aus der Partitur und präsentierte diese Komposition 1906 stattdessen als eigenständiges Werk. Und die österreichischen Gäste in Köln demonstrieren heute unter ihrem tschechischen Dirigenten, dass diese Ouvertüre auch als solches bestehen kann. In einer Abfolge bewegter Szenen kleiden sie dieses Werk in eine faszinierende Abfolge verschiedener Klangfarben. Hier wechseln sich flirrende Streicherpassagen mit strahlenden Blechbläserpassagen ab. Eine gelungene Eröffnung für den Abend. „Wiener Philharmonikern, Jakub Hrůša, Dirigent
Kölner Philharmonie, 11. Mai 2023“
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Premiere in Köln: PhilharmonieLunch als Late Night – „I can’t allow you to change the notes“

Foto: Haupteingang der Kölner Philharmonie mit Kölner Dom © KölnMusik/Guido Erbring

Auf die Bühne tritt George Benjamin und das Publikum bekommt einen bleibenden Einblick in die harte Arbeit vor der glanzvollen Aufführung beim PhilharmonieLunch Late Night. Ausgewählte Proben des Gürzenich-Orchesters Köln und des WDR Sinfonieorchesters erlebt man in Köln als PhilharmonieLunch donnerstagmittags bei freiem Eintritt. Gestern fand eine solche öffentliche Probe erstmalig am späten Abend statt – Late Night. Unter der Leitung des Komponisten George Benjamin selbst konnte man spannende Einblicke in sein Werk „Dream of the Song“ gewinnen.


PhilharmonieLunch Late Night, Kölner Philharmonie, 13. April 2023

Sir George Benjamin „Dream of the Song“
für Countertenor, Frauenchor und Orchester.
Texte von Ibn Gabirol, Samuel HaNagrid und Federico García Lorca

Cameron Shahbazi, Countertenor
Chorwerk Ruhr
Gürzenich-Orchester Köln
Sir George Benjamin, Dirigent

von Petra und Dr. Guido Grass

Donnerstagmittag in der Kölner Altstadt: Die Philharmonie lädt zum Lunch ein. Serviert wird eine Konzertprobe des Gürzenich-Orchesters Köln oder des WDR Sinfonieorchesters. Eingeladen sind alle Menschen ab 3 Jahre – keine Tickets, kein Programmheft, keine Abendgarderobe. Der 30-minütige Ohrenschmaus wirkt appetitanregend. Wenn dann der „Chefkoch“ am Pult noch einige Rezeptgeheimnisse preisgibt, steigert sich der Genuss und die Gäste werden zum abendlichen „Dinner“ wiederkehren – so die Hoffnung der Veranstalter. „Sir George Benjamin „Dream of the Song“
PhilharmonieLunch Late Night, Kölner Philharmonie, 13. April 2023“
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Was braucht es, um einen perfekten Konzertabend zu ruinieren? Eine Fahrt in die Philharmonie per Bahn!

PKF – Prague Philharmonie
Gabriel Bebeşelea, Dirigent
Simon Trpčeski, Klavier

Sergej Rachmaninow – Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op. 30

Antonín Dvořák Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 B 178 (1893) – „Aus der Neuen Welt“

Zugabe:

Sergej Rachmaninow – Vocalise, op. 42 No. 14 (1912), arrangiert für Solocello und Klavier

Kölner Philharmonie, 22. März 2023

von Daniel Janz

„Das Konzerthaus am Bahngleis“ – so heißt es immer wieder zur Kölner Philharmonie, als wäre es ein Standortvorteil. In Zeiten von Klimawandel und Verkehrswende wird das gerne zum Anlass genommen, die Besucher zum Verzicht aufs Auto aufzurufen. Der letzte Streik des ÖPNV wurde ja gerade erst am Tag zuvor beendet und ohnehin liegt der Fokus auf dem mit Spannung erwarteten Konzertabend. Rachmaninow und Dvořák stehen heute auf dem Programm – das auch noch vorgetragen von einem Prager Orchester… Was sollte da also schiefgehen? Das kann doch nur schön werden! „Prague Philharmonie, Gabriel Bebeşelea, Dirigent, Rachmaninow und Dvořák
Kölner Philharmonie, 22. März 2023“
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Am Ende lernt es auch das Kölner Publikum schätzen, wenn Birminghamer Gäste die Philharmonie ins Schwanken bringen

Foto: Mirga Gražinytė-Tyla © Ben Ealovega

City of Birmingham Symphony Orchestra

Mirga Gražinytė-Tyla, Dirigent
Kirill Gerstein, Klavier

Mieczysław Weinberg – Sinfonietta Nr. 1 op. 41 (1948)

Robert Schumann – Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54 (1841–45)

Sergej Prokofjew – Romeo und Julia – Auszüge aus den sinfonischen Suiten op. 64a und op. 64b (1936) zusammengestellt von Mirga Gražinytė-Tyla

Zugabe:

Sergei Rachmaninow – Liebesleid (nach Fritz Kreisler) arrangiert für Soloklavier

Kölner Philharmonie, 20. März 2023

von Daniel Janz

Auch heute begrüßt die Philharmonie Köln wieder internationale Gäste mit einem Programm, das einerseits bekannte, andererseits nahezu vergessene Musik präsentiert. Eine spannende Mischung, die neben vertrauten Tönen auch Neues zu entdecken verspricht. Die hier auf dem Programm stehenden Orchesterklassiker Schumann und Prokofjew lassen jedenfalls ein tolles Konzerterlebnis erwarten. Den Einstieg aber macht das Werk des – in Deutschland nahezu vergessenen – polnischen Komponisten Mieczysław Weinberg. „City of Birmingham Symphony Orchestra, Mirga Gražinytė-Tyla, Dirigent,
Kölner Philharmonie, 20. März 2023“
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„Wir zerhusten die himmlischen Freuden“

Foto: Barbara Hannigan ©Marco Borggreve

Insgesamt ein spannender Abend, der ein aufmerksameres und respektvolleres Publikum verdient hätte.

Barbara Hannigan und das LSO mit Messiaen und Mahler in der Kölner Philharmonie.

Olivier Messiaen (1908-1992) – L’Ascension. Quatre méditations symphoniques für Orchester

Gustav Mahler (1860-1911) – Sinfonie Nr. 4 in G-Dur

London Symphony Orchestra
Aphrodite Patoulidou, Sopran
Barbara Hannigan, Dirigentin

Kölner Philharmonie, 9. März 2023

von Brian Cooper, Bonn

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in Mahlers Wunderhorn-Sinfonien 2-4 mit dem Bühnenauftritt der Gesangssolistinnen und Chormitglieder umzugehen, wenn sie erst nach etwa einer Stunde ihre Stimmbänder schnurren lassen. Entweder sie betreten ganz zu Beginn mit dem Orchester die Bühne und müssen lange ausharren, bis es für sie losgeht, nicht selten mit einem Glas Wasser unterm Sitz; oder aber sie treten unmittelbar vor dem Satz auf, in dem sie singen, was unweigerlich zu störendem Zwischenapplaus führt. „Olivier Messiaen und Gustav Mahler, London Symphony Orchestra, Barbara Hannigan, Dirigentin
Kölner Philharmonie, 9. März 2023“
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Das Royal Philharmonic Orchestra bittet zum Tee

Foto: Vasily Petrenko © Mark McNulty

Unter der Leitung von Vasily Petrenko brilliert das Orchester aus London mit sehr attraktivem Programm in der Kölner Philharmonie.

 Ralph Vaughan Williams (1872-1958) – Ouvertüre zu The Wasps

Edvard Grieg (1843-1907) – Klavierkonzert a-Moll op. 16

Sergei Prokofjew (1891-1953) – Romeo und Julia, Suite Nr. 2 op. 64b und Auszüge aus Suite Nr. 1 op. 64a

Royal Philharmonic Orchestra
Jan Lisiecki, Klavier
Vasily Petrenko, Dirigent

Kölner Philharmonie, 31. Januar 2023

von Brian Cooper, Bonn

Neulich, nach dem Kölner Konzert der Wiener Philharmoniker, rätselte ein Konzertfreund, warum die Musik von Ralph Vaughan Williams so gut wie gar nicht aufgeführt wird. Mal ehrlich, was kennen Sie von ihm? The Lark Ascending, natürlich. Fantasia on a Theme by Thomas Tallis, klar. Aber wie viele Sinfonien hat der Mann geschrieben, und wann haben Sie die zuletzt live gehört? Eben. Quod erat demonstrandum. „Royal Philharmonic Orchestra, Jan Lisiecki, Klavier, Vasily Petrenko, Dirigent
Kölner Philharmonie, 31. Januar 2023“
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Mahlers Siebte wird in Köln in Vollendung dargeboten

Wiener Philharmoniker / Andris Nelsons, Daniel Dittus ©

Andris Nelsons und die Wiener Philharmoniker in der Philharmonie


Gustav Mahler (1860-1911) – Sinfonie Nr. 7 in e-Moll

Wiener Philharmoniker
Andris Nelsons, Dirigent

Köln, Philharmonie, 22. Januar 2023

von Brian Cooper, Bonn

Auch wenn man innerhalb kürzester Zeit viele hochkarätige Orchester hören darf (in meinem Fall waren es in knapp zwei Wochen die English Baroque Soloists in Köln, das BRSO in München und das Concertgebouworkest in Amsterdam), so ist es doch immer wieder ein besonderes Privileg, die Wiener Philharmoniker zu hören.

Das Kölner Publikum ist da besonders privilegiert, da die Wiener in so gut wie jeder Spielzeit mindestens einmal die Philharmonie beehren. Es gab in vergangenen Spielzeiten sogar ein Abo mit dem schönen Namen „Das kleine Wiener“. „Wiener Philharmoniker, Andris Nelsons, Dirigent, Gustav Mahler (1860-1911) – Sinfonie Nr. 7 in e-Moll
Köln, Philharmonie, 22. Januar 2023“
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