John Osborn bestätigt sich als einer der führenden Tenöre im französischen Fach

Bianca Andrew und John Osborn © Barbara Aumüller

Im französischen Tenorfach können aktuell nicht viele Kollegen John Osborn das Wasser reichen. Gesangstil, Diktion und Gesangstechnik passen perfekt für diese Rollen zusammen. Dies bestätigt der amerikanische Tenor eindrucksvoll an diesem Abend an der Frankfurter Oper, wo er in der Produktion von Willy Decker aus dem Jahre 2005 den Werther singt. Ihm zur Seite steht dabei Bianca Andrew als tief bewegende Charlotte.

Jules Massenet (1842 – 1912)  WERTHER
Lyrisches Drama in vier Aufzügen (Libretto: Edouard Blau, Paul Millet und Georges Hartmann)

 Musikalische Leitung: Felix Bender

Inszenierung: Willy Decker
Bühne & Kostüme: Wolfgang Gussmann

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Kinderchor der Oper Frankfurt (Leitung: Álvaro Corral Matute)

Oper Frankfurt, 4. April 2026

von Jean-Nico Schambourg

Meine Opernsaison 2025/2026 erscheint mir fast als John-Osborn-Festspiele. Viermal konnte ich ihn seit September in vier verschiedenen Rollen des französischen Opernfachs erleben: als Faust in der gleichnamiger Oper von Gounod, dann als Titelheld in “Benvenuto Cellini” von Berlioz, vor einer Woche als Jean de Leyde in Meyerbeers Propheten und jetzt am Ostersamstag in Frankfurt als Werther im lyrischen Drama von Jules Massenet.

„Jules Massenet (1842 – 1912), Werther
Oper Frankfurt, 4. April 2026“
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Am Karfreitag gibt es Liebes- statt Todestrank!

Markus Jentzsch, Miina-Liisa Värelä © Barbara Aumüller

Kein Kelch mit Jesus’ Blut oder mit Todestrank! Ein Liebestrank bestimmt die Geschichte an diesem Karfreitagabend an der Frankfurter Oper. Auf dem Programm steht Richard Wagners Oper “Tristan und Isolde” in der Inszenierung aus der Saison 2019/2020 von Katharina Thoma. Am Dirigentenpult leitet Thomas Guggeis erstmals die verhängnisvolle Liebesgeschichte, deren Titelfiguren von Marco Jentzsch und Miina-Liisa Värelä gesungen werden.

Richard Wagner (1813 – 1883)  TRISTAN UND ISOLDE
Handlung in drei Aufzügen (Text von Richard Wagner)

Musikalische Leitung: Thomas Guggeis

Inszenierung: Katharina Thoma
Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Irina Bartels

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Herrenchor der Oper Frankfurt (Leitung: Álvaro Corral Matute)

Oper Frankfurt, 3. April 2026

von Jean-Nico Schambourg

Aus Sicht der Regisseurin Katharine Thoma endet die Verbindung der beiden Liebenden tragisch wegen beider psychologischen Voraussetzungen. Vor allem Tristan sieht den Tod als einzigen Ausweg aus seinem (Liebes)-Leben und den Beziehungen zu anderen Menschen. Er will Isolde mit König Marke vermählen, um sie für sich unzugänglich zu machen. Er hat sich in sie verliebt und weiß mit diesen Gefühlen nicht umzugehen.

„Richard Wagner (1813 – 1883), Tristan und Isolde, Thomas Guggeis
Oper Frankfurt, 3. April 2026“
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Boris Godunow entfesselt Russlands ewigen Albtraum

Boris Godunow © Barbara Aumüller

Fazit: Keith Warner liefert eine werkdienliche, visuell opulente, konzeptuell kluge Inszenierung mit vielen starken und interessanten Ideen, die sich jedoch teilweise zu sehr in ihrer eigenen Bildwirkung gefällt und durch überstrapazierte Einfälle (Eier, Narr, Ente) an Schärfe einbüßt. Dazu kommt ein zu zahmes, farbloses Dirigat von Thomas Guggeis und ein Titelrollendarsteller ohne die nötige vokale Substanz und Ausstrahlung. Bleiben der herausragende Pimen von Andreas Bauer Kanabas, die grandiosen Chöre und die seltene Chance, die Schostakowitsch-Fassung komplett zu erleben. Eine Produktion mit Licht und Schatten – sehenswert für alle, die Mussorgski ernst nehmen, aber keine neue Referenzaufführung.

MODEST P. MUSSORGSKI (1839–1881)
BORIS GODUNOW                                                                                                               Oper in vier Akten mit Prolog

Text vom Komponisten nach Alexander S. Puschkin und Nikolai M. Karamsin
Uraufführung der zweiten Fassung 1874, Mariinski-Theater, St. Petersburg
Instrumentation von Dmitri D. Schostakowitsch (1939/40)

Inszenierung:  Keith Warner

Musikalische Leitung:  Thomas Guggeis
Chor und Kinderchor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt, 21. November 2025

von Dirk Schauß

In einer Ära, in der Imperien wanken und neue Despoten aus den Trümmern klettern – von den Kremlkorridoren bis zu den Boardrooms der Konzerne –, bleibt Modest Mussorgskis „Boris Godunow“ ein unerbittliches Spiegelbild unserer kollektiven Torheit und Hybris. „Modest P. Mussorgski, Boris Godunow
Oper Frankfurt, 21. November 2025“
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Boris Godunow gerät in Frankfurt zum musikalischen Duell zweier gigantischer Bassstimmen

Alexander Tsymbalyuk, Ensemble © Barbara Aumüller

Die Frankfurter Oper zeigt den “Boris Godunow” von Modest Mussorgski in einer integralen, selten gespielten Fassung, die von Dmitri Schostakowitsch instrumentiert wurde. Unter der musikalischen Leitung vom Generalmusikdirektor Thomas Guggeis und in der Inszenierung von Keith Warner begeistern Alexander Tsymbalyuk in der Titelrolle und Andreas Bauer Kanabas als Mönch und Geschichtsschreiber Pimen, sowie das ganze Frankfurter Opernensemble.

Modest P. Mussorgski (1839-1881)
BORIS GODUNOW
Oper in vier Akten mit Prolog (Text vom Komponisten)

Fassung von Dmitri Schostakowitsch (1939/40)

Musikalische Leitung: Thomas Guggeis

Inszenierung: Keith Warner
Bühne & Kostüme: Kaspar Glarner

Oper Frankfurt, 6. November 2025

von Jean-Nico Schambourg

In seiner Inszenierung streicht Regisseur Keith Warner heraus, was Politik mit einem Menschen tun kann. Seine Vision beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf Russland und die Zarenzeit, auch wenn Bühnenbild und Kostüme von Kaspar Glarner auf die dortigen Verhältnisse aus der Zeit hinweisen.

Boris Godunow ist ein zweifelnder Herrscher, von Gewissensbissen geplagt. Nicht nur der Mord an Dimitri, dem rechtmäßigen Zaren vor ihm, auch die Hungerprobleme seines Volkes nagen an seiner Seele. Er verschanzt sich in seine Welt, hier toll symbolisiert von einem Fabergé-Ei, und sucht Zuflucht in seiner Familie. Aber auch hier findet er nicht das erwünschte Heil. Der Bräutigam seiner Tochter ist verstorben und die politischen Probleme dringen auch hier auf ihn ein.

„Modest P. Mussorgski (1839-1881), Boris Godunow
Oper Frankfurt, 6. November 2025“
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Grandy entfacht ein musikalisches Beben und die Bühne stolpert hinterher

Foto © Barbara Aumüller 

Giacomo Puccini (1858–1924)
Tosca

Melodramma in drei Akten
Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica
Uraufführung 1900

Premiere vom 16. Januar 2011
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Inszenierung: Andreas Kriegenburg
Musikalische Leitung: Elias Grandy

Chor und Kinderchor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt, 20. September 2025

von Dirk Schauß

Repertoirevorstellungen haben den zweifelhaften Ruf, auf Autopilot zu laufen: ein paar solide Stimmen, ein routiniertes Orchester, dazu die gefühlt hundertste Wiederholung der alten Regieideen. Man kennt das und rechnet längst nicht mehr mit Funkenflug. „Giacomo Puccini (1858–1924), Tosca
Oper Frankfurt, 20. September 2025“
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Die Oper Frankfurt bringt mit Brittens “Peter Grimes” ergreifendes Musiktheater auf die Bühne

Allan Clayton als Peter Grimes und Jakob Fritschi als Lehrjunge John © Barbara Aumüller

“Peter Grimes”, die wohl bekannteste Oper von Benjamin Britten, steht zu Saisonbeginn als Wiederaufnahme von Keith Warners Inszenierung aus dem Jahre 2017 auf dem Programm der Oper Frankfurt. Mit einem überragenden Titelhelden (Allan Clayton), einem tollen Opernensemble, einem fulminanten Opernchor und einem großartig aufspielenden Orchester unter der Leitung des Generalmusikdirektors Thomas Guggeis, entsteht erstklassiges Musiktheater, das viel Vorfreude auf die neue Saison an der Oper Frankfurt aufkommen lässt.

Benjamin Britten (1913-1976)
PETER GRIMES
Oper in drei Akten und einem Prolog (Text von Montagu Slater)

 Musikalische Leitung:  Thomas Guggeis

Inszenierung:  Keith Warner
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Axel Weidauer
Bühnenbild:  Ashley Martins-Davis
Kostüme:  Jon Morrell

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Chor und Extrachor Herren des Oper Frankfurt (Leitung:  Álvaro Corral Matute)

Oper Frankfurt, 6. September 2025

von Jean-Nico Schambourg

Schon 2017 zu der Premierenserie der Inszenierung in Frankfurt erklärte der Regisseur Keith Warner wie aktuell der Stoff des Werkes von Benjamin Britten sei. Und auch acht Jahre später hat dieser nicht an Aktualität verloren. Im Gegenteil!

Die Oper zeigt, wie die Bewohner eines Fischerdorfes, angestachelt von einigen radikalen Geistern, zum Mob mutieren. Sie richten sich gegen jene, die sich nicht ganz genau ihrem Willen unterwerfen. Sie selbst huren, saufen, nehmen Drogen, lynchen einen Obdachlosen (nein, die Handlung spielt nicht in Washington), und halten dabei die Bibel hoch.

„Benjamin Britten (1913-1976), Peter Grimes
Oper Frankfurt, 6. September 2025“
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Brittens „Peter Grimes“ an der Oper Frankfurt: An der Oberfläche musiziert

Fotos: Barbara Aumüller @ Oper Frankfurt

Denn Oper ist nicht dazu da, lediglich kunsthandwerklich zu gefallen. Idealerweise soll sie aufrütteln, erschüttern, Seelen öffnen, eine existenzielle Erfahrung sein.

Diese Frankfurter Aufführung dagegen hat gezeigt, wie schmerzhaft leer Musik klingt, wenn sie nicht als notwendig empfunden wird. Und das ist die eigentliche Tragik dieses Abends.

Benjamin Britten
Peter Grimes

Inszenierung:  Keith Warner

Musikalische Leitung:  Thomas Guggeis

Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt, 6. September 2025

von Dirk Schauß

Benjamin Brittens „Peter Grimes“ ist keine Oper, die sich im schönen Singen oder gefälliger Orchesterarbeit erschöpft. Dieses Werk lebt aus der Spannung zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Außenseitertum und kleinstädtischer Enge, aus psychologischer Feinzeichnung, die jede Figur zu einer Miniatur von großer Wahrheit macht.

Wenn eine Aufführung diese Dringlichkeit nicht entfaltet, verliert „Peter Grimes“ sein Fundament. Genau dies geschah nun bei der Wiederaufnahme der 2017 in Frankfurt herausgekommenen Inszenierung von Keith Warner am 6. September 2025: eine solide gearbeitete, in Teilen wirkungsvolle Produktion, die aber unter der musikalischen Leitung von GMD Thomas Guggeis in einer geradezu schmerzlichen Belanglosigkeit versank. „Benjamin Britten, Peter Grimes
Oper Frankfurt, 6. September 2025“
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„Gibt es überhaupt eine Klärung?“: Brigitte Fassbaender entmythisiert Wagners „Parsifal“ in Frankfurt

Parsifal Frankfurt © Monika Rittershaus

Kann man Wagners „Parsifal“ ohne Berücksichtigung des religiösen Fundaments inszenieren? Lässt sich das von Wagner so betitelte „Bühnenweihfestspiel“ entmythologisieren, ohne dass zentrale Inhalte verlorengehen? Wenn man Kammersängerin Brigitte Fassbaender als Regisseurin gewinnen kann, dann funktioniert auch das!

Richard Wagner, „Parsifal“

Ian Koziara, Tenor
Andreas Bauer Kanabas, Bass
Jennifer Holloway, Sopran
Nicholas Brownlee, Bassbariton
Iain MacNeil, Bariton
Alfred Reiter, Bass

Thomas Guggeis, Dirigent

Brigitte Fassbaender, Inszenierung

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Chor und Extrachor der Oper Frankfurt

Oper Frankfurt, 18. Mai 2025

von Dr. Andreas Ströbl

Verschworene Gemeinschaft im Felsenkeller

Zunächst bar jeder sakraler Symbole versammelt sich eine Gesellschaft von dunkel und uniform gekleideten Herren samt straff erzogener Jugendorganisation in einer Art Felsenkeller mit perspektivisch den Blick zum Bühnenhintergrund leitenden Wänden. Dort gibt es nur eine Reproduktion von Claude Monets „Seine-Arm bei Giverny“, kein echtes Fenster nach draußen. Man hat sich in einer Art Höhlen-Existenz eingerichtet, das Personal wirkt wie die Staffage eines Kollektivs ohne wahre Mission. „Richard Wagner, Parsifal
Oper Frankfurt, 18. Mai 2025“
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Freunde, vernehmet die Geschichte vom Frankfurter Postillon!

Francesco Demuro (Chapelou; in Uniform) sowie Ensemble und Chor der Oper Frankfurt © Barbara Aumüller

 Am Fastnachtssonntag steigt an der Oper Frankfurt die Premiere der Opéra comique “Le Postillon de Longjumeau” von Adolphe Adam, Übernahme einer Produktion der Tiroler Festspiele Erl.

Das Werk ist hauptsächlich bekannt durch die Arie des Titelhelden mit seinen Spitzentönen bis hinauf zum hohen D! “Freunde vernehmet die Geschichte”, ein Zugpferd von allen berühmten lyrischen Tenören. Sogar Richard Wagner soll diese unwiderstehliche Romanze gesummt haben, wenn er nachts nicht schlafen konnte. Viele weitere exquisite Gesangstücke machen dieses Werk zu einem Prototypen des Genres “opéra comique” und des französischen Gesangstiles des 19. Jahrhunderts.

Adolphe Adam (1803 – 1856)
Le Postillon de Longjumeau

Opéra comique in 3 Akten (Text: Adolphe de Leuven und Léon-Lévy Brunswick)

 Musikalische Leitung:  Beomseok Yi

Inszenierung:  Hans Walter Richter
Bühnenbild & Kostüme:  Kaspar Glarner

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Chor und Extrachor Herren des Oper Frankfurt (Leitung:  Álvaro Corral Matute)

Oper Frankfurt, 2. März 2025 PREMIERE

von Jean-Nico Schambourg

Was hat Adolphe Adam mit der hessischen Fassenacht zu tun? Der “Meenzer Narrhallamarsch” beruht auf einem Motiv aus der Oper “Le brasseur de Preston” (Der Brauer von Preston), die Adam 1838 komponierte. Dieses Motiv wurde dann von einem Mainzer Kapellmeister und Mitglied eines Fassnachtvereins zum berühmten Marsch der 5. Jahreszeit adaptiert und 1840 erstmals aufgeführt. „Adolphe Adam, Le Postillon de Longjumeau
Oper Frankfurt, 2. März 2025 PREMIERE“
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Die Oper “Guercœur” von Albéric Magnard verliert auch nach 100 Jahren nicht an Aktualität

Claudia Mahnke (Giselle) und Domen Križaj (Guercœur) © Barbara Aumüller

Nachdem ich letzte Saison in Straßburg der französischen Wiederbelebung der Oper “Guercœur” von Albéric Magnard beiwohnen durfte, hegte ich die Hoffnung, dass weitere Opernhäuser dieses grandiose Werk übernehmen werden. Umso erfreuter war ich, als ich sah, dass die Oper Frankfurt meinen geheimen Wunsch gleich in der Saison 2024/2025 erfüllt. Meine Begeisterung für dieses Werk wird durch die Frankfurter Aufführung bestätigt, vor allem wegen der fulminanten Leistung des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters unter der Leitung von Marie Jacquot.

Albéric Magnard (1865-1914)  GUERCŒUR
Lyrische Tragödie in 3 Akten (Libretto:  Albéric Magnard)

Musikalische Leitung:  Marie Jacquot

Inszenierung:  David Hermann
Bühnenbild:  Jo Schramm
Kostüme:  Sibylle Wallum

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Chor und Extrachor Herren des Oper Frankfurt (Leitung:  Virginie Déjos)

Oper Frankfurt, 1. März 2025

von Jean-Nico Schambourg

 “Guercœur” bietet thematisch und musikalisch alles, was sich Regisseur und Dirigent wünschen können. Der Kampf um die politische Macht, den die Diktatur schlussendlich gegen die Demokratie gewinnt, ist hochaktuell: Guercœur, der Märtyrer der Freiheit.

„Albéric Magnard (1865-1914), Guercœur
Oper Frankfurt, 1. März 2025“
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