George Oniani, Simone Piazzola © Bettina Stöß
Der italienische Regisseur Leo Muscato hat schon mehrere Opern in Bonn inszeniert. Mit “Otello” von Giuseppe Verdi bringt er allerdings zum ersten Mal ein Drama auf die dortige Bühne. Er verlegt die Geschichte in den Zypernkrieg von 1974 und gibt damit dem Zerfallprozess von Otellos Seele einen zeitgemäßen Hintergrund. Durch seine durchdachte Personenführung gelingt dem Regisseur eine fesselnde Darstellung dieses Dramas.
Giuseppe Verdi (1813-1901)
OTELLO
Dramma lirico in vier Akten (Libretto von Arrigo Boito)
Musikalische Leitung: Dirk Kaftan
Beethoven Orchester Bonn
Bonner Opernchor (Einstudierung: André Kellinghaus)
Inszenierung: Leo Muscato
Bühne: Federica Parolini
Kostüme: Silvia Aymonino
Theater Bonn, Opernhaus, 22. März 2026
von Jean-Nico Schambourg
Wieso wird Otello vom Kriegshelden zum Frauenmörder? Um dies zu erklären, verlegt der italienische Regisseur Leo Muscato die Geschichte in den Zypernkrieg von 1974 und gibt damit dem Zerfallprozess von Otellos Seele einen zeitgemäßen Hintergrund.
Otello ist ein Außenseiter. Dafür bedarf es keiner schwarzen Hautfarbe wie in der Originalgeschichte von Shakespeare. Otello ist zwar Führer und Held, aber von Anfang an sieht man, dass der Krieg seine Spuren bei ihm hinterlassen hat. Bei der Liebesszene mit Desdemona im ersten Akt bricht er im letzten Moment moralisch zusammen und fängt an zu weinen. Dieses Kriegstrauma erklärt auch seine späteren Zweifel, sein unsicheres Auftreten, seine cholerischen Wutausbrüche und seine Gewaltaktionen gegen seine Geliebte.