Beethoven 9: So hört sich eine wunderbare „Freude schöner Götterfunken“ an

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, Foto: Lukas Beck

Wiener Konzerthaus, 30. / 31. Dezember 2025 / 1. Januar 2026

Ludwig van Beethoven, 9. Sinfonie

Von Kathrin Schuhmann

Kann es einen passenderen musikalischen Schlusspunkt für ein Jahr geben als Ludwig van Beethovens Neunte? Am Silvesterabend des 31. Dezember 2025 versammelte sich ein erwartungsvolles Publikum im Großen Saal des Wiener Konzerthaus, um das alte Jahr mit jenem Werk zu verabschieden, das wie kaum ein anderes zwischen humanistischem Idealismus und musikalischer Radikalität oszilliert. „Ludwig van Beethoven, 9. Sinfonie
Wiener Konzerthaus, 30. / 31. Dezember 2025 / 1. Januar 2026“
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Fabio Biondi beschert uns mit Auszügen aus Bachs Weihnachtsoratorium ein festliches, opulentes Klangerlebnis

Wiener Konzerthaus © Lukas Beck

Fabio Biondi leitete im Konzerthaus die Kantaten I, II und VI aus Bachs Weihnachtsoratorium mit den Wiener Symphonikern, der Singakademie und exzellenten Gesangssolisten. Wer runden, homogenen Orchesterklang liebt, konnte zu Recht begeistert sein. Für den Liebhaber von historischer Aufführungspraxis blieb neben aufrichtiger Bewunderung leise Enttäuschung zurück.

Johann Sebastian Bach
Weihnachtsoratorium BWV 248, Kantaten I, II, VI

Miriam Kutrowatz, Sopran
Marianne Beate Kielland, Mezzosopran
Robin Tritschler, Tenor
Matthias Winckhler, Bass

Wiener Singakademie, Einstudierung Heinz Ferlesch

Fabio Biondi, Leitung

Wiener Konzerthaus, 22. Dezember 2025

von Dr. Rudi Frühwirth

Wer bei Bach modernen, “symphonischen” Klang schätzt, kam an diesem Abend voll auf seine bzw. ihre Rechnung. Fabio Biondi gilt als Originalklangzpezialist, bewies aber, dass er auch ein klassisches Symphonieorchester wie die Wiener Symphoniker zu einer exzellenten Leistung führen kann. Das Oboenquartett, allen voran die Solooboe, bestachen mit hoher Klangkultur und Musizierfreude, die Trompeten brillierten sowohl in der ersten wie auch in der sechsten Kantate, die Soloflöte glänzte in zwei Arien als aufmerksamer und kammermusikalisch feinfühliger Begleiter. Auch die Streichergruppe überzeugte vollauf, und der basso continuo war in den zahlreichen Rezitativen ein zuverlässiges Fundament.

Die Wiener Singakademie, wie immer vorzüglich einstudiert von Heinz Ferlesch, hatte etwa 25 Sängerinnen und ebensoviele Sänger aufgeboten, passend zur mittelgroßen Orchesterbesetzung.

„Johann Sebastian Bach, Weihnachtsoratorium BWV 248, Kantaten I, II, VI
Wiener Konzerthaus, 22. Dezember 2025“
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Maestro Hrůšas aufregende Reise durch Osteuropa

Jakub Hrůša © Marian Lenhard

Jakub Hrůša hat im Wiener Konzerthaus eindrucksvoll bewiesen, dass er heute einer der wichtigsten Dirigenten in der sogenannten „Klassikszene“ ist. Und er hat bewiesen, wie großartig absolute Raritäten bei so einem Orchester klingen können.

Wiener Philharmoniker
Dirigent: Jakub Hrůša

Zoltán Kodály:  Tänze aus Galánta
Béla Bartók:  Der wunderbare Mandarin (Konzertfassung)
Antonín Dvořák:  Die Waldtaube, Symphonische Dichtung
Leoš Janáček:  Rhapsodie für Orchester „Taras Bulba“

Wiener Konzerthaus, 11. Dezember 2025

von Herbert Hiess

Der Maestro zeichnet sich vor allem durch unprätentiöses Auftreten aus; recht bescheiden ist sein Auftreten aufs Podium. Aber wenn er dann oben am Pult steht, erwacht ein faszinierendes Feuer in ihm. Er ist bei diesen selten gespielten Werken hochkompetent. Er und das phantastische Orchester erwecken den Eindruck, als ob dieses Programm regelmäßig gespielt würde. „Wiener Philharmoniker, Dirigent Jakub Hrůša
Wiener Konzerthaus, 11. Dezember 2025           “
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11 Streicher, 3 Steinways, 1 Bach

Vinnitskaya, Koroloiv, Georgieva © Andrea Humer

Anna Vinnitskaya Klavier
Evgeni Koroliov Klavier
Ljupka Hadzi Georgieva Klavier

Menuhin Academy Soloists Kammerensemble

Programm

Johann Sebastian Bach

Konzert für drei Klaviere d-moll BWV 1063 (?)
Klavierkonzert f-moll BWV 1056 (1735–1740 ca.)
Konzert für zwei Klaviere c-moll BWV 1060 (?)

Pause

Johann Sebastian Bach

Konzert für zwei Klaviere c-moll BWV 1062 (1736)
Klavierkonzert g-moll BWV 1058 (?)
Konzert für drei Klaviere C-Dur BWV 1064 (?)

Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal, 9. Dezember 2025

von Kathrin Schuhmann

Man hätte meinen können, der Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses habe am gestrigen Abend prüfen wollen, wie viele Stimmen gleichzeitig durchs Parkett fegen dürfen, ohne dass die Statik ins Wanken gerät. Die Antwort, so viel vorweg: erstaunlich viele. „Menuhin Academy Soloists Kammerensemble, Bach
Wiener Konzerthaus, Mozart-Saal, 9. Dezember 2025“
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Mehr Beethoven und Schubert sollte er spielen: Víkingur Ólafsson im Wiener Konzerthaus

Víkingur Ólafsson Pianist © Ari Magg

Fast wie eine Mahler-Sinfonie – ohne Pause, rund 80 Minuten „attacca“. So spielt Víkingur Ólafsson seinen Bach, Schubert und Beethoven. Alles in E-Dur und e-Moll, im Großen Saal des Wiener Konzerthauses. Schubert und Beethoven liegen ihm, besser als Bach sogar, mit dem der kühle Blonde aus Island bekannt geworden ist.

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 2. Dezember 2025
Víkingur Ólafsson, Klavier

von Jürgen Pathy

Der muss sich was gedacht haben. Nachdem in den Gängen laut diskutiert wird: „Du weißt schon, dass es keine Pause gibt.“ Víkingur Ólafsson spielt fünf Werke in einem durch. Schnell wird klar: Die Konzeption ist Plan. Zum Start E-Dur, Bachs Präludium aus dem wohltemperierten Klavier, dazwischen drei Werke in e-Moll, am Ende wieder E-Dur. Beethovens Meisterwerk, Opus 109, ein Spätwerk, mit dem Ólafssons seinen Auftritt im Wiener Konzerthaus krönt. „Attacca“ spielt er alle Werke, sodass keine Chance bleibt zum Husten, Stören oder jegliches Räuspern. „Víkingur Ólafsson, Klavier
Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 2. Dezember 2025“
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Die Finnen öffnen ihre musikalische Schatzkiste

HPO Saraste, Kuusisto © Tapio Piirainen

Das Gastspiel des hervorragenden Orchesters aus Finnland war eine wahre Freude. Nicht nur, dass sie auf höchstem Niveau musizierten, in diesem Konzert konnte man mit dem Geiger Pekka Kuusisto eine Neuentdeckung machen. Und mit dem Dirigenten Jukka-Pekka Saraste war ein Erfolg vorprogrammiert.

Outi Tarkiainen: Songs of the Ice (2019)
Igor Strawinsky: Konzert für Violine und Orchester in D-Dur

Jan Johansson: Emigrant Visa (Bearbeitung: Pekka Kuusisto)
Arto Järvelä: Markkinamarssi (Bearbeitung: Pekka Kuusisto)
Jean Sibelius: Symphonie Nr. 1 e-moll op. 39

Zugaben:

Barden „Der Barde”, Tondichtung op. 64
Finlandia op. 26

Pekka Kuusisto, Violine

Helsinki Philharmonic Orchestra
Jukka-Pekka Saraste, Dirigent

Konzerthaus Wien, 25. November 2025


von Herbert Hiess

Das Orchester, das nach der finnischen Hauptstadt benannt ist, ist ein Klangkörper, der sich innerhalb der „Orchesterszene“ absolut nicht verstecken muss – dazu aber später.

Begonnen hat das Konzert mit dem Werk „Song of the Ice“ der finnischen Komponistin Outi Tarkiainen. Es soll eine Tonmalerei sein, die vom Winter der Arktis erzählt. Von der Bewegung des Eises, dem Schmelzen und der ständigen Veränderungen in der Natur. Die Komponistin schöpfte alle Farben der Orchesterinstrumente aus; da war sie mit dem finnischen Orchester auch in besten Händen. Großartig auch, wie Maestro Saraste das zeitweise plakative Werk präsentierte. „Helsinki Philharmonic Orchestra, Jukka-Pekka Saraste, Pekka Kuusisto
Konzerthaus Wien, 25. November 2025 “
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Ein Weltklassegeiger brilliert mit einem ebensolchen Orchester

Maxim Vengerov © Davide Cerati

Es passiert doch immer wieder, dass, wenn man es sich am wenigsten erwartet, eine Riesenüberraschung fassungslos macht. Da tritt ein in unseren Breiten wenig bekanntes Orchester auf und zeigt, dass sich die fernöstliche Konkurrenz hinter den bekannten europäischen und amerikanischen Orchestern nicht verstecken muss – ganz im Gegenteil!

Peter Iljitsch Tschaikowsky
Konzert für Violine und Orchester in D-Dur

Igor Strawinsky
Le Sacre du Printemps

Maxim Vengerov, Violine

Tokyo Philharmonic Orchestra
Myung-Whun Chung, Dirigent

Wiener Konzerthaus, 8. November 2025

von Herbert Hiess

Der in Nowosibirsk geborene Meistergeiger, Maxim Vengerov,  mit jüdisch-israelischem Bezug könnte allen politisch einschlägig vorbelasteten Individuen Anlass für ihr absurdes Gedankengut geben.

Maxim Vengerov ist völlig zu Recht ein Weltklassegeiger, der immer wieder seinen Ruf bestätigt. Mit vollem und intensivem Strich führt er durch diesen musikalischen Ohrwurm. Das für den Geiger höchst anspruchsvolles Werk lässt nichts aus, was manchen Geiger zur Verzweiflung treiben könnte. Da schwierige Läufe, dort massive Doppelgriffe und vieles mehr. „Tokyo Philharmonic Orchestra / Vengerov / Chung
Wiener Konzerthaus, 8. November 2025 “
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Gardiner und seine Musiker zeigen, was echte Qualität ist

Foto: John Eliot Gardiner © Maciej Schumacher

Offiziell war die Saisoneröffnung 2025/26 des Wienter Konzerthauses am 6. und 7. September 2025 mit Klaus Mäkelä und den Amsterdamern; das Konzert am 14. September 2025 war die eigentliche Eröffnung; ein Niveau, das seinesgleichen sucht. Mit einem halbszenischen „Sommernachtstraum“ und einer musikalische Untermalung, wie man es sich besser nicht vorstellen kann.

The Constellaton Choir & Orchestra
Samantha Cobb, Rebecca Hardwick, Jonathan Harley, Alex Ashworth, Jack Comerfold

Dirigent: John Eliot Gardiner

Felix Mendelssohn Bartholdy: Schauspielmusik zu „Ein Sommernachtstraum“ op. 61

Die erste Walpurgisnacht, op. 60

Wiener Konzerthaus, 14. September 2025

von Herbert Hiess

John Eliot Gardiner ist wohl kein bequemer Musiker und Mensch und hatte angeblich Probleme mit seinem Orchestre Révolutionaire und dem Monteverdi-Chor. Zu seiner Zeit waren diese Ensembles unzertrennlich und lieferten einige bis dato unvergessliche Konzerte. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen trennte man sich und diese Ensembles gehen ihren eigenen Weg. „The Constellaton Choir & Orchestra
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Klaus Mäkelä und die Amsterdamer überrollen das Publikum mit Klangmassen

Klaus Mäkelä und das Royal Concertgebouw Orchestra; Foto Patrik Klein

Der junge finnische Dirigent Klaus Mäkelä ist ein Publikumsliebling geworden. Und ist damit „sakrosankt“; kritische Worte werden da mehr oder minder niedergemacht. Nun bei dem aktuellen Konzert im Wiener Konzerthaus seien trotzdem einige nicht immer positive Anmerkungen erlaubt. Zumal der junge Mann auf dem heiklen Parkett der Spitzendirigenten sich auch der Kritik stellen muss.

Concertgebouw Orchestra Amsterdam
Dirigent: Klaus Mäkelä

Franz Schubert/Luciano Berio: Rendering

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 5

Wiener Konzerthaus, 4. September 2025

von Herbert Hiess

Drei Jahre ist es schon wieder her, dass Klaus Mäkelä im Wiener Konzerthaus alle Symphonien mit dem Oslo Philharmonic Orchestra an drei Abenden brachte (Oslo Philharmonic Klaus Mäkelä, Dirigent Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 22. Mai 2022 – Klassik begeistert). Wenn auch ausgezeichnet umgesetzt, waren da doch einige Mängel zu finden – über die man wegen seines Alters hinwegsah. „Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Klaus Mäkelä
Wiener Konzerthaus, 4. September 2025         “
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Klaus Mäkelä führt das Koninklijk Concertgebouworkest zum Triumph

Klaus Mäkelä mit dem Concertgebouworkest im Großen Saal © Wiener Konzerthaus / Julia Wesely

Zur Saisoneröffnung gab es im Wiener Konzerthaus ein großes Fest mit dem Spitzenorchester aus Amsterdam. Klaus Mäkelä dirigierte Mozart, Prokofjew und Bartók. Dessen Konzert für Orchester geriet zu einer veritablen Sensation, die vom Publikum verdient und ausgiebig gefeiert wurde.

Wolfgang Amadeus Mozart
Symphonie D-Dur K 300a “Pariser Symphonie”

Sergej Prokofjew
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19

Béla Bartók
Konzert für Orchester Sz 116

Royal Concertgebouw Orchestra

Alena Baeva  Violine
Klaus Mäkelä Dirigent

Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 3. September 2025
Saisoneröffnungsfest

von Dr. Rudi Frühwirth

Zum Auftakt der 113. Saison des Wiener Konzerthauses hatte Intendant Matthias Naske eines der weltbesten Orchester geladen, das Koninklijk Concertgebouworkest mit seinem designierten Chefdirigenten Klaus Mäkelä.

Das Programm begann mit Mozarts Pariser Symphonie. Da der zweite Satz, ein Andantino, bei der Uraufführung in Paris nicht allgemein gefiel, schrieb Mozart einen weiteren Mittelsatz, der auch an diesem Abend zu hören war.

Er dürfte um Einiges anspruchsloser sein als die Erstversion, wie einem Brief Mozarts an seinen Vater zu entnehmen ist. Da die Symphonie nur drei Sätze hat, wäre es durchaus möglich und höchst reizvoll, dem Publikum beide Versionen vorzustellen. Ob es heute so urteilen würde wie die Pariser im Juli 1778? „Saisoneröffnung: Royal Concertgebouw Orchestra, Klaus Mäkelä
Wiener Konzerthaus, Großer Saal, 3. September 2025“
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