Pablo Heras-Casado © Fernando Sancho
Der 1. Ring-Durchgang von Pablo Heras-Casado an der Wiener Staatsoper ist Geschichte. Im Gegensatz zu anderen Meinungen sehe ich eine klare positive Entwicklung. Seit dem „Rheingold“ hat Heras-Casados Zugriff auf die Partitur eine stärkere musikalische Ausdruckskraft gefunden. Der erste Akt der „Götterdämmerung“ ist beim Spanier eines: ein Epos mit Sog, das als cineastisches Pendant mit Klassikern wie „Jenseits von Afrika“ oder „Apocalypse Now“ gleichzusetzen ist. Bislang hatte kein Dirigent der letzten Jahre es geschafft, mich zwei Stunden lang an diese Musik zu fesseln. Heras-Casado gelingt genau das.
Richard Wagner, Götterdämmerung
Wiener Staatsoper, 4. Juni 2026
von Jürgen Pathy
Warum manche eine negative Entwicklung ausmachen wollen, kann nur an einem liegen: Sie sehen Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ zu stark von der Theaterseite. Das heißt, sie stellen Text und Libretto in den Mittelpunkt. Anders ist nicht zu erklären, dass das „Rheingold“ hochgejubelt wurde, während man bereits in der „Walküre“ und im „Siegfried“ eine negative Entwicklung verspürt. Durch die Dehnung der Partitur hatte Heras-Casado die Sänger im „Rheingold“ dazu gezwungen, so zu singen, wie es vor 50 Jahren noch üblich war. Der musikalischen Kraft der Partitur war das keine Hilfe, weil vieles dadurch zerfallen war. Statt Spannung hat Heras-Casado damit das Gegenteil erreicht.
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