Klavierduo Adamar: Das Album Contrasts entführt in vielseitige Klangwelten

CD-Besprechung, Klavierduo Adamar, Contrasts,  Wien

Klavierduo Adamar,  Contrasts
CD aufgenommen im Oktober 2018 im Studio Adamar in Wien

Matthias Trachsel Klavier
Carmen Manera Guzman Klavier
Alexander Grün Recording Supervision, Engineer
Gerald Stremnitzer, Josef Gaunersdorfer Klaviertechnik

von Julia Lenart

Mit ihrer frisch erschienenen CD Contrasts hat das Klavierduo Adamar, bestehend aus Carmen Manera Guzman und Matthias Trachsel, eine gelungene, kontrastreiche Sammlung von Klavierwerken für vier Hände beziehungsweise zwei Klaviere geschaffen. Der Bogen spannt sich von spätromantischen Suiten über spanische Folklore bis hin zu Filmmusik. Die meisten Werke sind original für zwei Klaviere oder vier Hände geschrieben, einige wurden eigens (teilweise von Matthias Trachsel selbst) transkribiert und für Klavier arrangiert.

Das Album eröffnet mit dem vierten Satz (allegro animato) aus Moritz Mozkowskis Deutscher Reigen. Obwohl einst ein hochgeschätzter Komponist, Virtuose und Klavierpädagoge, war Mozkowski lange Zeit in Vergessenheit geraten. Umso schöner ist es, dass Adamar ihn in ihr Programm aufnehmen. Allerdings spielen die beiden Pianisten das im Original für vier Hände komponierte Stück etwas zu schnell, sodass es überhastet klingt. Generell wirken ein paar Stücke durch die vielen Läufe etwas überladen. Obwohl das Duo höchste technische Gewandtheit beweist, schnelle Sechzehntelbewegungen locker und klar klingen lässt, ist es doch manchmal zu viel des Guten.

Doch Musikalität und differenziertes Spiel überwiegen: Trachsel und Guzman spielen überaus musikalisch und dynamisch. Die zwei Stimmen verschmelzen zu einem einzigen, vollkommenen Klangkörper und entführen den Hörer auf eine klangliche Gefühlsreise zwischen sanften Träumen (Debussys Pour invoquer Pan, dieu du vent d’été oder Arenskis Le rêve aus seiner Suite Nr. 4), triumphalen Märschen (Griegs Huldigungsmarsch) und spanischen Volksliedern (El paño moruno von Manuel de Falla). Dabei holen Adamar aus den beiden Bösendorfern ein Maximum an Klangvolumen heraus.

Selbst Werke, von denen es auch (oder in erster Linie) eine Orchesterfassung gibt, klingen bei Trachsel und Guzman nicht wie ein fahler Abklatsch der Orchesterversion. Viele Werke liegen bereits als Klaviertranskription vor, wie etwa Maurice Ravels Alborada del Gracioso. Manche wurden später transkribiert und für Klavier adaptiert, wie Rimsky-Korsakows Antar, das seine Frau für Klavier arrangierte. Teilweise legte Trachsel selbst Hand an. Und ja, an manchen Stellen fehlt dem Hörer der vielfältige Orchesterklang – vor allem, wenn man an Ravels Experimentierfreudigkeit mit instrumentalen Klangfarben denkt. Natürlich kommen zwei Klaviere nicht gegen eine volle Orchesterbesetzung an – wie auch? Der Klangfarbenreichtum der Aufnahme ist dennoch erstaunlich.

Nach über einer Stunde Klaviermusik, die verschiedene Emotionen, Stile und Klangwelten durchwandert, fühlt man sich irgendwie beschwingt (angesichts des fulminant-jazzigen Abschlusses von Jean Wiéners The white village) und gleichzeitig nachdenklich (es sind doch einige melancholische Stücke auf der CD enthalten). Contrasts ist ein dynamisches, technisch brillantes Album, das es nicht an Musikalität mangeln lässt. Auch wenn sich die Technik manchmal ein wenig in den Vordergrund drängt, beweisen Trachsel und Guzman, dass sie ebenso zart und lieblich ruhig spielen können. Sie erzählen mit fließender Raffinesse Geschichten und erwecken mit nur zwei Klavieren bemerkenswerte Klangbilder zum Leben. Für Liebhaber der Klaviermusik ist dieses Album sicherlich empfehlenswert.

Titelliste:

Deutscher Reigen op. 25/4 Moritz Mozkowsky

Pour invoquer Pan, dieu du vent d’été Claude Debussy

Les jardins d’Eros César Franck

Ave Maria. Die Glocken von Rom Franz Liszt (arr. M. Trachsel)

El paño moruno Manuel de Falla (arr. A. Boubelnikov)

Alborada del Gracioso Maurice Ravel (arr. A. Boubelnikov)

En le jardín Enrique Granados (arr. M. Trachsel)

Cortège Burlesque Emmanuel Chabrier

L’embarquement pour CythèreFrancis Poulenc

Le rêve op. 62/3 Anton Arenski

In den Spinnstuben op. 68/1 Antonín Dvorák

Antar op. 9/3 Nikolai Rimsky-Korsakov

Night by the sea Edward MacDowell

Huldigungsmarsch op. 56/3 Edvard Grieg

At night Leopold Godowsky

Country Gardens Percy Grainger

The white village Jean Wiéner (arr. M. Trachsel)

 

 

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