CD-Besprechung: Reinhold Friedrich – spirituell empfindsam

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CD-Rezension: Reinhold Friedrich
Listen to our cry
Ars 38 318

von Peter Sommeregger

Auf dieser sehr ungewöhnlichen CD sind Werke von insgesamt fünf Komponisten versammelt, deren gemeinsames Anliegen es ist, die Stimme gegen Fanatismus und ideologische Verblendung zu erheben. Ihre Antwort ist spirituelle Empfindsamkeit, die sie mit ihrer individuellen Kunst ausdrücken.

Zusammengetragen hat diese Stücke der Trompeter Reinhold Friedrich, der Freude an neuen Entdeckungen hat. Als Orchester fungiert durchgehend das Georgische Kammerorchester Ingolstadt unter dem Dirigenten Ruben Gazarian. Dieses 1964 in Tbilisi (Georgien) gegründete Orchester siedelte nach 25 Jahren nach Ingolstadt über, wo es nun seit 30 Jahren Teil  des lokalen Kulturlebens geworden ist. Der Dirigent Ruben Gazarian ist aktuell Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg Gera, einem Haus mit großer Tradition.

Das erste, titelgebende Stück von  Benjamin Yusupow (* 1962) ist ein Konzert für Trompete, Klavier und Streicher, das Friedrich Gelegenheit gibt, seine Virtuosität zu demonstrieren indem er im Verlauf des Konzertes von der Scholar zur Trompete wechselt. Den Klavierpart spielt der japanische, aber in Deutschland ausgebildete Pianist Eriko Takezawa.

Ein noch bedeutend komplexeres Werk ist „Eine Deutsch-Jüdische Kantate“ des Dirigenten und Komponisten Iván Fischer. Hier kommt auch der Sopran von Dorothee Mields zum Einsatz, die sonst eher als Interpretin von Musik des 17. und 18. Jahrhunderts bekannt ist. Fischer verwendet für dieses 2006 entstandene Werk weitgehend eine barocke Formensprache, in die er jüdische und deutsche Lieder, sowie Verfremdungen von Arien Felix Mendelssohns integriert.

Die Komposition „Night Prayers“ des 2019 verstorbenen  georgischen Komponisten Giya Kancheli ist eine elegische Reflexion der Zerstörungen seiner Heimat während des Bürgerkriegs. Das Stück war ursprünglich für Solo-Klarinette geschrieben und wurde von Friedrich für die Trompete transponiert.

Ebenfalls bereits 2000 verstorben ist der Komponist Alan Hovhaness, der armenische Wurzeln hatte, aber in den USA aufwuchs. Sein „Haroutioun“ („Auferstehung“) genanntes Stück folgt formal dem Aufbau einer Arie, wird aber nur von Trompete und Streichern ausgeführt.

Als letztes Stück erklingt „Predah“, was auf hebräisch „Trennung“ bedeutet. Der italienische Komponist Luca Lombardi schrieb dieses kurze Stück für Solotrompete und widmete es Reinhold Friedrich im Andenken an den Dirigenten Claudio Abbado. Es bildet einen stimmungsvoll elegischen Ausklang dieser bemerkenswerten Produktion.

Die fünf Gegenwartskomponisten, die hier zu erleben sind, haben die spirituelle Empfindsamkeit gemeinsam, mit der sie auf Fanatismus und Radikalisierung reagieren. Dabei setzt jeder seine individuelle  kompositorische Sprache ein, teilweise werden Elemente aus der Musik anderer Komponisten aus früheren Epochen der Musikgeschichte übernommen bzw. zitiert. Dadurch entsteht auf dieser CD ein interessanter Querschnitt durch das Werk einer Reihe von zeitgenössischen Musikern, deren Gemeinsamkeit in ihrem spirituellen Ansatz zu finden ist. Unbedingt hörenswert!

The five contemporary composers to be experienced here have in common the spiritual sensitivity with which they react to fanaticism and radicalization. Each of them uses his individual compositional language, and in some cases elements from the music of other composers from earlier periods of music history are taken over or quoted. This results in an interesting cross-section of the work of a number of contemporary musicians on this CD, whose commonality can be found in their spiritual approach. Definitely worth listening to!

Note 1

Peter Sommeregger, 4. August 2021, für
klassik-begeistert.de und klassik-begeistert.at

 

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